Druckansicht: Herr Siegmund-Schultze, warum wollen Sie KSC-Präsident werden? | ka-news
 

Karlsruhe Herr Siegmund-Schultze, warum wollen Sie KSC-Präsident werden?

Holger Siegmund-Schultze bei der Mitgliederversammlung zur Ausgliederung am 29. Juni 2019. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Der Karlsruher SC ist auf der Suche nach einem neuen Präsidenten: Neben Axel Kahn, vermeldete jüngst Holger Siegmund-Schultze sein Interesse an der Führungsposition des badischen Zweitligisten. Der Unternehmer und Familienvater ist derzeit Vize-Präsident bei KSC. Lesen Sie ihm ersten Teil des ka-news.de-Interviews über seine Motivation, notwendige Veränderungen beim KSC und warum ein Präsident kein Rampenlicht benötigt. Mit Siegmund-Schultze sprach Peter Putzing.

Herr Siegmund-Schultze, Sie sind Unternehmer, Familienvater - alles sehr zeitintensiv. Warum will man da noch KSC Präsident werden?

Die Frage ist relevant, doch ich habe ein Alter und eine Situation erreicht, in der es möglich ist so etwas zu tun. Vor fünf, sechs Jahren hätte ich mich nicht beworben. Aber: unsere Kinder sind nahezu erwachsen, beruflich habe ich einen hohen Freiheitsgrad, die Unternehmen funktionieren gut. Ich kann es mir zeitlich erlauben.

Sollten Sie gewählt werden, sind Sie der Mann in Reihe eins. Bisher wollten Sie das nicht, waren ohne Rampenlicht zufrieden.

Ich habe mich in der Position des Vizepräsidenten wohl gefühlt, auch daher habe ich mich bisher nie als Präsident beworben. Aber die Situation beim KSC ist mit der aktuellen wirtschaftlichen Krise eine Besondere. Zudem bin ich - mit der Zeit im Verwaltungsrat - sieben Jahre dabei. 

Die Identifikation mit dem Verein ist sehr groß. Ich habe mir gesagt: Wenn der KSC in der Krise ist und wenn ich etwas bewirken kann - dann jetzt. Daher die Bewerbung.

Sie erklärten, dass Sie beim KSC "die weiteren notwendigen Veränderungen erfolgreich umsetzen" wollen. Das heißt konkret?

Dazu gehört, dass wir die neue Struktur seit der Ausgliederung auch wirklich anwenden, und dass wir Eigenkapital über Aktien generieren können. Das bedeutet, dass man verstärkt eine unternehmerische Betrachtungsweise einbringt und man das Eigenkapital aus dem Aktienverkauf nicht gleich wieder zum Fenster rausschmeißt. Eine ganz wichtige Aufgabe sehe ich auch darin, den KSC wieder in die Mitte der Karlsruher Gesellschaft zu führen.

Was meinen Sie mit: "Mitte der Gesellschaft?"

Der Verein hat sich zu weit von seinen Partnern und von Teilen der Gesellschaft entfernt. Dazu gehört die Stadt Karlsruhe, als wichtigster Partner beim Stadionneubau, Sponsoren und Werbepartner. Wir sollten mehr für die junge Zielgruppe tun. In Karlsruhe gibt es zirka 42.000 Studenten an zwei Hochschulen und der Eindruck ist, dass wir von diesen jungen Menschen viel zu wenige ins Stadion bekommen.

Vor einigen Monaten, als KSC Sportdirektor Oliver Kreuzer während der Transferperiode, der wichtigsten Zeit für einen Sportchef, auf einer griechischen Insel im Urlaub war, antworteten Sie auf die Frage: "Warum gestattet das Präsidium so ein Verhalten?", das im deutschen Profigeschäft wohl einmalig ist: "Bei uns redet nur der Präsident!" Falls Sie Präsident werden, dürfen da auch andere reden?

Ich war Vize-Präsident und in dieser Funktion konnte ich in der Öffentlichkeit nichts sagen. Ich halte mich an die Spielregeln...

Gelten diese Spielregeln weiterhin, sollten Sie KSC Chef werden?

Ja, warum?

Das heißt: Es darf niemand außer dem Präsidenten reden?

Wir haben eine andere Situation. Damals war das Präsidium des "e.V." für die Geschäftsführung zuständig. Jetzt ist die Ausgliederung erfolgt. Da sprechen der Trainer und der Sportdirektor zum sportlichen Teil. Und Michael Becker als Geschäftsführer zu anderen Fragen. Wenn dann alle Stricke reißen - gerne auch noch der Präsident. Aber - die Reihenfolge ist nun anders.

Wenn zum Beispiel Michael Becker etwas sagt, dann hat das Gültigkeit, wird nicht kommentiert. Gegenfrage: Kennen Sie den langjährigen Präsidenten von Borussia Mönchengladbach? Ein gut geführter, erfolgreicher Club. Man muss den Präsidenten nicht kennen, das entspricht meinem Selbstverständnis.

Lesen Sie heute um 15 Uhr im zweiten Teil des Interviews über die Ziele von Siegmund-Schultze für den badischen Zweitligisten, seinen potentiellen Vize-Präsidenten und sein Verhältnis zum "Bündnis KSC". 

Holger Siegmund-Schultze ist im April 1967 geboren, Architekt und Unternehmer in der Immobilienbranche mit dem Fachgebiet: Immobilienprojektentwicklung. Siegmund-Schultze, bisher Vize-Präsident des KSC, kandidiert beim badischen Zweitligisten für das Amt des Präsidenten, als Nachfolger des zurückgetretenen Ingo Wellenreuther.