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Karlsruhe Ex KSC-Profi mit Herz: Maik Franz sammelt Geld für sozial schwache Kinder - mit einem virtuellen Fußball-Turnier

"Wir wissen, dass es uns gut geht - und anderen leider nicht. Da wollten wir helfen." Wo soziales Engagement bei vielen Profi-Kickern heutzutage mehr zum guten Image gehört, ist es für Maik Franz nach eigenen Angaben seit Jahren ein ganz persönliches Anliegen - vor allem, wenn es um Kinder geht. Der ehemalige KSC-Spieler unterstützt nun das christliche Kinder- und Jugendwerk "Arche" mit einem Fußballturnier der besonderen Art.

"MJ4K - My Jersey 4 Kids" - unter diesem Namen treffen sich ab Montag, 22. März, 88 europaweit bekannte Fußball-Profis zum virtuellen "Arche Cup", um Geld für sozial benachteiligte Kinder zu sammeln. Dafür stellt jeder Spieler ein signiertes Trikot zur Verfügung, welches im Anschluss versteigert wird.

Organisiert wird die Initiative von den ehemaligen Profi-Kickern Sami Allagui und Maik Franz - Letzterer seinerzeit Kapitän des Karlsruher SC. Warum ihn soziales Engagement antreibt, wie das Turnier abläuft und ob auch (Ex-) Profis der Blau-Weißen am Start sind - ka-news.de hat mit Maik Franz gesprochen.

Herr Franz, schon zu Ihrer Zeit beim KSC haben Sie das Kinderkrankenhaus finanziell unterstützt. Jetzt unterstützen Sie die Organisation "Arche", die sich für das Wohl von Kindern einsetzt. Worauf beruht dieses soziale Engagement? Gab es ein "Schlüsselerlebnis?"

Zu meiner Zeit in Wolfsburg. Da kam ein Vater zu mir fragte, ob ich nicht einmal seine Tochter besuchen könnte. Ich sagte: Klar. Wann? Wo? Was hat sie? Die Antwort: Krebs, sie liegt in Hannover im Krankenhaus. Ich war etwas geschockt, dachte – puhhh, was soll ich da im Krankenhaus? Was hilft das?

Maik Franz spielte von 2006 bis 2009 beim SC, hier zu sehen beim Familientag 2008
Maik Franz spielte von 2006 bis 2009 beim KSC. | Bild: Reisenauer

Ich fuhr hin, war rund zwei Stunden dort. Wir haben geredet, gespielt. Ihr Papa teilte mir mit, dass sich ihre Blutwerte danach verbesserten, dass es aufwärts gehen würde. Der Besuch hätte ihr einen Schub gegeben. Drei, vier Monate später kam ein junges Mädchen zum Training des VfL. Ich habe sie erst gar nicht erkannt. Sie hat sich bedankt. Sie war und ist gesund. Ich war in Wolfsburg nur Ergänzungsspieler, dass ich da so etwas bewegen konnte - das beschäftigt mich seither.

Das heißt: Seither das Engagement?

Ja, auch, weil ich so etwas von meinen Eltern vorgelebt bekam. Sie haben sich immer sozial engagiert. Ich auch, bis ich nach der Karriere im "echten Berufsleben" ankam und Sportdirektor von Magdeburg war. Da geriet mein Engagement etwas in den Hintergrund, wurde weniger, weil ich einfach im Alltagstrott gefangen war. Ich war mit dem Kopf nur noch bei der Arbeit und der Familie. Dann kam aber Corona und ich hatte etwas mehr Zeit. Da dachte ich: Maik, das wird sozial weniger, das ist nicht gut.

Und wie kam es dazu, dass Sie nun das große Projekt gemeinsam mit Sami Allagui auf die Beine gestellt haben?

Sami und ich saßen kurz vor Weihnachten zusammen, da beschlossen wir, dass wir wieder etwas im sozialen Bereich - und zwar für Kinder - tun wollen.

St Paulis Sami Allagui (u) und Sandhausens Manuel Stiefler kämpfen um den Ball.
2018: St. Paulis Sami Allagui (u.) und Sandhausens Manuel Stiefler kämpfen um den Ball. | Bild: Daniel Reinhardt/Archiv

Und das wurde dann die Gründung der Initiative "MJ4K - My Jersey 4 Kids". Sie organisierten mit 88 teilnehmenden Profis den "Arche Cup" während der Länderspielpause. Stolz?

Absolut. Wir haben es geschafft, etwas Tolles zu organisieren, haben das mit der Organisation "Arche" gemacht, weil die transparent und sehr seriös arbeitet und weil die "Arche" national aufgestellt ist. Sami und ich haben Kinder, wir wissen, dass es uns gut geht - und anderen leider nicht. Da wollten wir helfen.

Wie läuft dieses Online-Turnier konkret ab? Wie können Fans teilnehmen?

Ganz einfach: Auf die Homepage "MJ4K.de" gehen. Dort stehen die Teams, die Paarungen. Jeder der acht Kapitäne hat sein Team zusammengestellt. Das heißt: Die User können entscheiden, welchem Team sie ihre Stimme geben. Da gibt es vor der Partie für jedes teilnehmende Team einen Button.

Wer mehr Klicks hat, kommt in die nächste Runde. Das erste Spiel ist am Montagabend: Arche Berlin – mit Peter Niemeyer als Kapitän - gegen Arche Hamburg mit Sami Allagui. Man kann 24 Stunden lang abstimmen.

Maik Franz wechselt zur Eintracht nach Frankfurt.
Maik Franz | Bild: dpa

Wie kommt durch das Projekt konkret Geld herein? Durch Klicks? 

Für Klicks nicht. Ab dem 25. März beginnt die Auktion der 88 Spielertrikots - unter anderem von Neymar, Haaland, Lewandowski, Calhanoglu, Reus und Neuer - und da erhoffen wir uns natürlich einen großen Spendenbetrag. Zusätzlich gibt es noch eine eigene Kollektion auf unserer Homepage, der Erlös jedes verkauften Teils kommt noch auf den Spendensumme oben drauf. Und abschließend erhält der Turniersieger für seinen Archestandort noch ein Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro.

Es wäre natürlich gigantisch, wenn wir dabei sechsstellig werden, aber am Ende ist entscheidend, dass wir den Kindern helfen, indem wir auch Aufmerksamkeit schaffen und dadurch etwas bewegen können. Das wäre schön.

Gibt es zusätzlich ein Spendenkonto?

Ja, es gibt einen Spendenbutton auf der Homepage und wir würden uns natürlich über jede weitere Spende freuen. Jeder Cent hilft!

Haben Sie einen Favoriten für den Turniersieg?

Eigentlich ist das egal. Die Kinder sollen und werden gewinnen. Dennoch: Jeder Kapitän hat den Anspruch, zu gewinnen. Ich wurde mit meiner Mannschaft gegen das Team von Lars Stindl ausgelost. Lars hat sofort per Whatsapp geschrieben: 'Lieber Maik – schade für Dich, denn Du wirst keine Chance haben!' Ich habe geantwortet: 'Das werden wir ja sehen, mein Freund!'

Lars Stindl träumt vom DFB-Pokalfinale.
Lars Stindl | Bild: Tom Weller/dpa

Es sind namhafte Teams. Im Team Allagui ist Weltmeister Mesut Özil mit dabei...

Irgendwann sagte Sami zu mir: Ich habe Mesut Özil dabei! Er hat sofort für den guten Zweck zugesagt. Ich dachte: puhh - Özil, Weltmeister. Er hat 25 Millionen Follower bei Instagram, da muss ich dagegenhalten.

Nach vielen Versuchen bekam ich den Kontakt zu Ivan Rakitic, Vizeweltmeister mit Kroatien, Ex-Profi des FC Barcelona, aktiv bei Sevilla. Ivan hat sofort zugesagt - kurz danach war ein Originaltrikot aus Sevilla da.

Auch Edin Dzeko ist in Ihrem Team...

Das freut mich ganz besonders. Ich habe Edin Dzeko in Rom angeschrieben, ob er sich an mich erinnert, wir haben in der Bundesliga gegeneinander gespielt. Er hat prompt geantwortet. Und zwar: 'Na klar erinnere ich mich an Dich. Du warst immer der Verrückte – der ganz schön getreten hat… Aber: für Kids - selbstverständlich.' Zwei Tage danach war das signierte Trikot aus Italien da. Da ging mir das Herz auf.

Edin Dzeko, lange Zeit Stammspieler des VfL Wolfsburg ist aus Bosnien-Herzogowina. Mit 1.056 Einwohnern belegt das Land Platz 12 bei den häufigstens Nationalitäten in Karlsruhe - sie sind die letzten, die über 1.000 Einwohner stellen.
Edin Dzeko | Bild: Archiv

Sind auch (Ex-) KSC-Spieler dabei?

Torhüter Marius Gersbeck aus dem aktuellen Team steht bei Fabian Lustenberger im Team "Arche Kreuzlingen" in der Schweiz. Marius und "Lusti" kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Hertha BSC Berlin. Alexander Iashvili und Hakan Calhanoglu sind in meinem Team – beide haben KSC-Vergangenheit. Zwei super Fußballer!

AC Mailands Hakan Calhanoglu ist positiv auf das Coronavirus getestet worden.
Hakan Calhanoglu spielt aktuell für den AC Mailand. | Bild: -/Spada via LaPresse via ZUMA Press/dpa

Neben Ihrem Engagement sind Sie auch Mitglied im "KSC-Sport-Komitee", das den Beirat des KSC berät - wie läuft es da?

Wir hatten die Aufgabe, eine Stellenbeschreibung für das Profil des Sportdirektors zu erstellen. Dann haben wir uns über das Scoutingsystem informiert. Diese beratende Funktion muss sich entwickeln. Der KSC ist auf einem guten Weg. Michael Becker ist ein guter Geschäftsführer und Holger Siegmund-Schultze ein toller Präsident.

Und was sagen Sie zur aktuellen Leistung der Mannschaft?

Man sieht die Handschrift von Trainer Christian Eichner, da liefern alle eine super Arbeit ab. Das Team spielt am oberen Limit, da wird das Maximum aus dem Kader herausgeholt und zwar schon seit einem längeren Zeitraum. Beeindruckend. 

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