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Karlsruhe Profis ausgliedern? Ja, sagt KSC-Chef Michael Becker und hat 4 (gute) Gründe

Der Karlsruher SC hat derzeit viele Themen auf dem Tisch: Neben aktuellen Baufragen zum Stadion, beschäftigt den Verein die Trennung von Vermarkter Lagardére und die geplante Ausgliederung der Profis. Jemand, der bei allen Angelegenheiten ein gewichtiges Wort mitgeredet hat, ist Geschäftsführer Michael Becker. Peter Putzing hat mit dem 34 Jahre alten Badener gesprochen.

Herr Becker, der KSC hat dem Vermarkter Lagardère gekündigt, will sich ab dem 1. April selbst vermarkten...

Wie Sie wissen, befinden wir uns derzeit in einem Rechtsstreit mit Lagardère. Ich bitte deshalb um Ihr Verständnis, dass ich mich in dieser Angelegenheit bis zum Abschluss des Verfahrens nicht äußern möchte.

Schade, das hätte sicher viele KSC Fans interessiert. Aber - wenn Sie nicht wollen oder können, kommen wir zu einem anderen Thema: Die Ausgliederung der Profiabteilung. Was sind für den KSC die Vorteile einer Ausgliederung?

Zunächst muss man festhalten: Diese Ausgliederung ist ein Baustein unseres Zukunftskonzeptes. Es wurde lange und intensiv, und vor allem ergebnisoffen, darüber diskutiert. Für die Ausgliederung sprechen vier Gründe: Zunächst geht es darum, den Rechtsformfehler, den ein Verein beinhaltet, zu beseitigen.

Ein "e.V." ist gemeinnützig und ein Profiverein hat mit Gemeinnützigkeit nichts zu tun, wird eigentlich in dieser Form nur geduldet. Es gibt daher immer wieder Anträge, wie kürzlich in Mainz, auf Löschung des Profivereins aus dem Vereinsregister.

KSC-Jahrespressekonferenz
Geschäftsführer Michael Becker (2.v.l.) bei einer Pressekonferenz des KSC. (Archivbild) | Bild: Reisenauer

Auch aus steuerlichen Gründen ist der "e.V." problematisch. Dann: Durch die Umstrukturierung schützen wir den Gesamtverein vor Insolvenz. Die Abteilungen - wie Boxen oder Leichtathletik - haften nicht mehr mit.

Dazu: Professionalisierung der Organisationsstruktur. Da geht es auch um Haftung der Vereinsvorstände, denn die haften privat - das ist danach nicht mehr der Fall. Beim "e.V." haftet der Vorstand komplett - bei einer Kapitalgesellschaft haftet man für die Einlage - eventuell 25.000 Euro. Der vierte Punkt: Man kann Kapitalgeber aufnehmen...

Es gibt vorab eine neue Vermögensbewertung des Vereins. Wie hoch wird die beim KSC?

Das lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch genau nicht beziffern. In der 2. Bundesliga kann man sagen, dass sich die Bewertung der Clubs zwischen hundert und 150 Millionen Unternehmenswert bewegt. Für diese Feststellung haben wir eine Wirtschafts-Prüfungsgesellschaft beauftragt. Es ist aber auch klar, dass diese Bewertung in Liga drei geringer ausfällt als in der 2. Bundesliga.

Welches Konstrukt kommt beim KSC zum Tragen?

Eine GmbH und Co. KG auf Aktien.

Und jetzt, bitte in drei, vier Sätzen: Warum?

Da brauche ich mehr Sätze. Es gibt im deutschen Fußball neben dem "e.V." nur drei zugelassene Rechtsformen. Eine GmbH, die AG und eine GmbH und Co. KGaA. Die GmbH nimmt man, wenn man einen Großinvestor hat - sprich die Werksclubs. Die AG, wenn man mehrere große Partner hat. Zum Beispiel wie Bayern München. Das ist bei uns nicht der Fall.

Bild: Thomas Riedel

Wir wollen Mitglieder, Fans, kleine und große Unternehmen. Wir wollen uns breit positionieren, mit unserem Modell alles abdecken. Und: Bei uns bleibt die "50Plus1-Regel" gewahrt. Der Verein, sprich der Beirat, hat immer das Sagen. Daher: GmbH und Co. KGaA.

Zum Beirat später. Zunächst: Wer wird Chef? Sie? Präsident Ingo Wellenreuther?

Das operative Geschäft führen - meist - zwei Geschäftsführer. Einer ist für die Administration, den kaufmännischen Teil, der andere für den sportlichen Part zuständig. Darüber gibt es einen Beirat. Der bestimmt, der bestellt die Geschäftsführer und beruft sie auch ab. Er legt das Budget fest, mit dem die Geschäftsführer zu arbeiten haben.

...und wer sitzt in diesem Beirat?

Es sind fünf bis neun Leute. Fünf vom Verein. Das Präsidium, plus Verwaltungsratsvorsitzender und dessen Stellvertreter. Die restlichen vier Plätze sind für mögliche Investoren, die mehr als 25 Prozent der Aktien halten, reserviert. Aber: Der Verein hat in diesem Konstrukt immer die Mehrheit und damit das Sagen.

Bild: Thomas Riedel

Das heißt: Anders als bei anderen Clubs, die schon ausgegliedert haben, haben beim KSC auch zukünftig die Vereinsbosse das Heft des Handelns in der Hand?

Absolut richtig. Der Einfluss des "e.V." wird gewahrt. Eigentlich hat der Verein so sogar mehr Einflussmöglichkeiten als zuvor.

Wer ist nun "hauptamtlich", wer macht das im "Nebenjob", oder Ehrenamt?

Die Geschäftsführung wird hauptamtlich. Es ändert sich vor allem: Aktuell ist, ausgenommen bei Geschäften der laufenden Verwaltung, nur das Präsidium vertretungsberechtigt, es muss jeden Vertrag unterschreiben. Danach dürfen das die Geschäftsführer im vorgegebenen Budgetrahmen.

KSC-Geschäftsführer Michael Becker
KSC-Geschäftsführer Michael Becker ist seit 2018 im Amt. | Bild: Karlsruher SC

Und was sind die Nachteile der Ausgliederung?

Ich sehe keine.

KSC Vize-Präsident Pilarsky hat den Club durch "Besserungsscheine" am Leben erhalten - in Millionenhöhe. Könnte das jetzt nicht zu einem "Hemmschuh" werden, einen möglichen Investor abschrecken, denn kommt man in die Gewinnzone, dann kassiert - völlig zurecht - Pilarsky zuerst.

Im Fußballbereich profitiert ein Investor in den meisten Fällen weniger von einer Dividende aufgrund eines Unternehmensgewinns, als mehr von einer Wertsteigerung der erworbenen Aktien.

Kann man diese Besserungsscheine in Aktien umwandeln?

Prinzipiell ist das möglich, das muss man sich aber nach der Ausgliederung genauer anschauen.

Die Ausgliederung soll rückwirkend zum 31. Dezember 2018 vorgenommen werden. Warum?

Aus steuerlichen Gründen. Man darf das acht Monate rückwirkend machen, daher müssen wir bis zum 31. August alle Unterlagen eingereicht haben.

Wann wird alles juristisch in trockenen Tüchern sein?

Am 29. Juni entscheiden die Mitglieder. Die Hürde ist hoch. Es bedarf einer Drei-Viertel-Mehrheit. Ich glaube, das ist machbar. Da es noch einige Fragen zu beantworten gibt, machen wir unter anderem eine Regio-Tour, beantworten da die Fragen unserer Mitglieder. Uns ist es sehr wichtig, dass die komplette KSC-Familie über das Vorhaben umfangreich informiert wird.

ka-news-Hintergrund

Michael Becker ist seit 1. September 2018 Geschäftsführer des KSC. Er folgte auf Helmut Sandrock, der den KSC zum 31. August 2018 überraschend verließ. Sandrock war seit Juni 2017 als KSC-Geschäftsführer tätig. Genaue Gründe für das Ausscheiden wurden nicht bekannt.

Im Juli 2018 gab das Präsidium Sandrocks Nachfolger bekannt: Becker war zuvor Bereichsleiter Marketing, Vertrieb und Digitalisierung beim KSC. Der 34 Jahre alte Badener ist studierter Wirtschaftsinformatiker, erwarb zudem zusätzlich einen Master in Management. Sowohl bei der Ausgliederung der Profiabteilung, wie bei der Kündigung des Vertrags mit dem Vermarkter Lagardère hat er ein gewichtiges Wort mitgeredet und mitgestaltet.

KSC-Info-Termine für Ausgliederung:

Donnerstag, 2. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des 1. SV Mörsch.
Mittwoch, 8. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des SV 62 Bruchsal.
Donnerstag, 9. Mai, 18 Uhr im Klubhaus Wildparkstadion.
Mittwoch, 15. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des SV Sinzheim.
Mittwoch, 22. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des FC Germania Singen. 
Donnerstag, 23. Mai, 18 Uhr im Klubhaus Wildparkstadion. 

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  •   Karlsruh1976
    (331 Beiträge)

    29.04.2019 20:53 Uhr
    Durch den Aufstieg
    werden wir nächstes Jahr wieder deutlich mehr Fernsehgelder kassieren und die finanzielle Lage kann sich somit halbwegs beruhigen. Eine Ausgliederung ist nach meinen Ansichten nicht zwingend notwendig.
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  •   teflon
    (2676 Beiträge)

    30.04.2019 08:10 Uhr
    Und genau diese Kohle wird inkl neuer
    Schulden in den Kader gesteckt werden, da der Derzeitige in keinster Weise für eine Liga 2 tauglich ist.
    Eine Ausgliederung ist nur eine Frage der Zeit, weil Becker mit seiner Aussage zum Vereinsrecht richtig liegt - so sehen das immer mehr Finanzbehörden und auch die rechtssprechenden Organe - es wird also auch ohne Zustimmung der Vereinsmitglieder zeitnah geschehen müssen . Dazu kommt noch, dass sich so der KSC vielleicht nochmals bitter notwendiges Kapital beschaffen kann, was in der derzeitigen Konstellation nicht mehr möglich ist - ich bin mir sehr sicher, dass Pilarsky den jährlichen Geldsegen in absehbarer Zeit abstellen wird, weil für ihn mit den Besserungsscheinen im Zuge einer nicht unmöglichen KSC-Insolvenz das Risiko massiv steigt, dass er einen Großteil seines Investes abschreiben kann. Wer fußballerische Sozialromantik liebt, muss sich in der Kreisklasse bewegen - dort geht es um eine Wurst und ein Bier. Alle Ligen drüber rennen nur noch dem Geld für den Kader hinterher
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  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    29.04.2019 19:04 Uhr
    Lieber Karlsruh1976
    brauchsch koi angscht zu hawwe. wird alles gut.
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  •   schwarzvoraugen
    (3178 Beiträge)

    29.04.2019 18:53 Uhr
    oh weh: er bekommts nicht gebacken
    eine temporäre Ausnahmegenehmigung für ein Stadiondach zu erhalten. Und äussert isch hier zu brisanten Zukunftsfragen.

    Das macht mir Angst.
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  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    29.04.2019 18:42 Uhr
    Herr Becker
    ist sehr überzeugt von dem Vorhaben. Hoffentlich ist er zukünftig kommunikationsfreudiger, vor allem mit den Partnern des KSC zu denen auch die DFL gehört. Er ist er 34 Jahre und noch sehr entwicklungsfähig. Wenn er rührig ist hat er eine Lebensstellung beim KSC
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