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Karlsruhe Becker & Kwasniok: Immer schwieriger, KSC-Talente zu halten

Das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Karlsruher SC zählt zu den besten in ganz Deutschland. Was ist das Erfolgsgeheimnis? ka-news hat mit NLZ-Chef Edmund Becker und U19-Trainer Lukasz Kwasniok über die Nachwuchsarbeit gesprochen. Warum es so schwer ist eigene Talente zu halten und ob Edmund Becker nochmal Profitrainer werden würde - die Antworten gibt es im ersten Teil des Interviews.

Zur Zeit spielen drei Eigengewächse, die vor kurzem im Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet wurden, eine wichtige Rolle beim KSC. Matthias Bader (20), Florent Muslija (19) und Marcel Mehlem (22).

Drei junge Spieler aus der Talentschmiede haben den Sprung in die derzeitige erste Mannschaft geschafft. Wie bewerten Sie insgesamt die Nachwuchsarbeit beim KSC?

Becker: Generell muss man sagen, dass die Jugendarbeit beim KSC schon vor unserer Zeit ein gutes Aushängeschild des Vereins war. Immer wieder schaffen es Talente aus dem KSC-Nachwuchs in den Profibereich. Wir sind mit unserem NLZ grundsätzlich gut aufgestellt.

Wir haben zehn Kabinen, Besprechungsräume, einen Reharaum, einen Kraftraum, Büros, Trainingsplätze und vor allen sehr gute Trainer- alles Dinge, die elementar wichtig sind, um konkurrenzfähige Jugendarbeit zu betreiben. Aus finanzieller Sicht fällt es uns aktuell allerdings schwer, bei Vereinen wie Mainz, Freiburg, Stuttgart oder Hoffenheim mithalten zu können.

Was macht es so schwer, eigene Talente zu halten?

Becker: Die Zeiten haben sich geändert: Wenn Angebote von Vereinen aus der ersten Liga kommen, ist das für die Spieler natürlich attraktiver. Die Frage, ob dort die Wahrscheinlichkeit größer ist ins Profigeschäft zu kommen ist, muss sich jeder Spieler selbst stellen.

Kwasniok: Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass wir finanziell mit den Top-Mannschaften nicht mehr mithalten können. Umso wichtiger wird es für uns in Zukunft sein, nicht nur sogenannte "Top-1a Talente" auszubilden, sondern auch 1b-Talente zu 1a-Talenten zu machen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Leider verlieren wir viele Jungs mit sehr gutem Potenzial schon sehr früh, bevor es die Möglichkeit gegeben hat, sie an den Verein zu binden. Das ist die große Herausforderung für uns: Mit den Jungs zu arbeiten, die den Sprung schaffen könnten, aber viel investieren müssen. Das gilt in dem Fall aber für uns als Trainer und für die jungen Spieler.

Wie werden die jungen Talente vom KSC entdeckt?

Becker: Wir sichten gezielt mit unseren Scouts vor allem im Großraum Karlsruhe, darüber hinaus  arbeiten wir auch eng mit unseren insgesamt sieben Partnervereinen zusammen, wo gute Talente spielen, diese werden dann zum Training bei uns eingeladen.

Und wie geht es dann weiter?

Becker: In unserem Nachwuchsleistungszentrum werden neun Mannschaften von der U10 bis U19 betreut. Dazu kommt ein sogenanntes Perspektiv-Team. Dort trainieren die Jungs einmal in der Woche bei uns und bleiben aber bei ihrem Heimatverein. Insgesamt kann man sagen das wir unsere Jugendarbeit in drei Bereiche gegliedert haben.

Für die Jungs gibt es dann drei Optionen. Wenn sie einen sehr starken Eindruck machen, werden sie in unser Talent-Team übernommen. Wenn wir noch nicht genau sehen, wo der Weg hingeht, dann kommen die Jungs in unser Perspektiv-Team. Dort lernen sie zunächst die Abläufe hier bei uns im NLZ kennen. Die dritte Option ist, dass Spieler unseren Anforderungen noch nicht gewachsen sind und wir ihnen dann empfehlen, noch ein, zwei Jahre beim Heimatverein zu spielen.

Würde es Sie es reizen, nochmal als Profi-Trainer zu arbeiten?

Becker: Nein, ich war sehr gerne Trainer und der Höhepunkt waren sicherlich die 4,5 Jahre als Cheftrainer des KSC, die mir auch als Mensch sehr viel gebracht haben, aber für mich ist das kein Thema mehr. Alles hat seine Zeit! Zudem macht mir meine jetzige Aufgabe beim Verein riesig Spaß.

Herr Kwasniok, wie sieht es bei Ihnen aus? Haben Sie Ambitionen als Chef-Trainer im Profibereich zu arbeiten?

Kwasniok: Alles offen! (lacht) Im Moment habe ich wenig Zeit, darüber nachzudenken. Ich mache gerade meinen Trainerschein, mit dem man viele Möglichkeiten hat. Das Leben hat mich gelehrt, Dinge im richtigen Moment auszuüben und die Dinge in aller Ruhe abzuwägen. Ich brauche zu meinem  Lebensglück nicht jedes Wochenende 15.000 bis 20.000 Zuschauer. Ich bin Trainer aus Leidenschaft und die ist im Jugendbereich genauso gegeben wie bei einer Profimannschaft. Es hat ja auch Vorteile in einem ruhigem Umfeld im NLZ zu arbeiten.

Was zeichnet einen guten Trainer aus Ihrer Sicht aus?

Becker: Ein ganz wichtiger Grund ist für mich die Zusammenstellung des Kaders, meiner Mannschaft. Weitere Kriterien sind fachliche Kompetenz und Führungsqualität. Die eigene Mannschaft sollte eine gute Organisation, Disziplin und körperlich topfit sein, dafür ist der Trainer verantwortlich. Er sollte auch in stressigen Situationen in der Lage sein, die richtigen Entscheidungen für seine Mannschaft zu treffen. Immer wichtiger wird in der heutigen Zeit, dass man auch im Umgang mit den Medien professionell uns souverän agiert.

Wie der KSC-Nachwuchs gefunden und trainiert wird, ob man ohne NLZ-Ausbildung Profifussballer werden kann und wie wichtig das NLZ finanziell für den KSC ist - die Antworten gibt es  im zweiten Teil des Interviews auf ka-news.

 

ka-news-Hintergrund

Im vergangenen Jahr wurde das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Karlsruher SC erneut mit der Höchstpunktzahl an Sternen, die für die Qualität in den Leistungszentren vergeben werden, vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bewertet.

Die Leitung des NLZ hat seit 2010 Edmund Becker inne. Becker war selbst KSC-Spieler (1977 bis 1981) und Trainer. Zunächst trainierte er den KSC-Nachwuchs, 2005 übernahm er die Profimannschaft und führte sie 2007 zum Aufstieg. Seit 2010 ist Becker Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). An seiner Seite: Lukas Kwasniok. Er war 2016 Interimstrainer bei den Profis. Derzeit macht er seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer beim DFB und betreut die U19-Mannschaft des KSC.
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Kommentare (5)
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  •   EmilyHobhouse
    (936 Beiträge)

    07.11.2017 06:35 Uhr
    Hausbacken
    Was der KSC momentan bietet ist eher hausbacken wenn man es mit Hoffenheim und Stuttgart oder Freiburg vergleicht. Gute Trainer sind zwar das Wichtigste aber im Bereich der psychologischen Betreuung und neuesten Methoden der taktischen Schulung kann der KSC derzeit nicht mithalten. Es wäre wichtig hier zu investieren. Man muss auch wissen, dass die Förderung durch den DFB von der Spielklasse abhängt. Das heißt ein Nichtaufstieg der ersten Mannschaft hat auch hier Konsequenzen. Zudem wurde und wird die U 23 zu sehr vernachlässigt. Statt dessen hat man Spieler mit Verträgen ausgestattet, bei denen man es besser gelassen hätte. Man hat den Spielern damit keinen Gefallen getan. Verantwortung ist auch ein Maßstab für gute Jugendarbeit.
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  •   schwarzvoraugen
    (2751 Beiträge)

    06.11.2017 10:28 Uhr
    Besonders braucht es einen Trainer
    der die Eier hat den Jungen dauerhaft eine Chance zu bieten und nicht nur in 15 Minuten Alibieinsätzen.

    Der DFB hat mit der Belobigung von Super Coach zum Trainer des Jahres dieser Auszeichnung dauerhaft geschadet.

    Bleibt zu hoffen, dass Schwartz der eingeschlagenen Linie treu bleibt und weiter auf den Nachwuchs setzt. Mit sportlichem Erfolg wird es dann auch gelingen Talente zu halten.
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  •   Crackerjack
    (1418 Beiträge)

    08.11.2017 14:20 Uhr
    Besonders braucht es einen Trainer der die Eier hat
    Hier kann man nur noch mit Chauvinist antworten. grinsen
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  •   Schmarow
    (900 Beiträge)

    06.11.2017 08:03 Uhr
    Muslija verkauft?
    Stimmt es, dass Muslija bereits verkauft wurde, um die DFL-Auflagen erfüllen zu können?
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  •   sabba
    (408 Beiträge)

    06.11.2017 09:57 Uhr
    Nicht verkauft.
    http://www.transfermarkt.de/florent-muslija/profil/spieler/337036

    Vertrag bis 30.06.2019 beim KSC
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