Das Fazit für die Leistung des KSC-Teams im bisherigen Saisonverlauf? Absolut positiv. Das von Trainer Christian Eichner ausgegebene und realistische Ziel: Nach einer sorgenfreien Saison den Klassenerhalt schaffen - ist durchaus machbar. Bisher hatte man in Sachen Tabelle - sprich in die Abstiegszone abzurutschen - nie Sorgen.

Christian Eichner (KSC Trainer) motiviert mit Trainingshemden, bei einer Trainingseinheit.
Christian Eichner (KSC Trainer) motiviert mit Trainingshemden, bei einer Trainingseinheit. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Zu Beginn der kurzen Winterpause beträgt der Abstand zum Relegationsrang beruhigende neun Zähler. Trainer Eichner hat seine Handschrift hinterlassen. Sein Team arbeitete wie er: Fleißig, zuverlässig – akribisch und emotional. Eichner weiß, was man tun muss, um in dieser Liga Erfolg zu haben: Arbeiten, nie nachlassen.

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Seine Spieler glauben ihm, setzten es um - wenn auch (noch) nicht immer konstant. Im Wildpark wurden vier Siege eingefahren, auswärts brachten es die Fächerstädter auf zwei Dreier. Nach 18 Saisonspielen belegt man Rang zehn, mit 25 Punkten auf dem Konto. Sechs Siege, sieben Unentschieden und fünf Niederlagen gab`s bisher.

Konstant war nur - die Inkonstanz

Ein Problem zieht sich konstant durch die bisherige Spielrunde: Konstant war nur - die Inkonstanz. Diese "Baustelle" sieht auch Coach Eichner. "Spieler, die eine Woche zuvor top performt haben - schafften das einen Spieltag danach nicht. Wenn das einige waren, waren wir eben unterlegen."

Eichner fährt in seiner Analyse fort: "Uns hat die Konstanz gefehlt, auf diesem Terrain haben wir im kommenden Halbjahr noch eine Menge zu tun. Das ist uns allen klar." Der KSC lieferte in der Hinrunde einige absolute Toppartien ab, zeigte Fußball zum Zunge schnalzen. Aber: etliche Auftritte der Badener waren auch bieder.

Der KSC jubelt vor seinen Fans.
Der KSC jubelt vor seinen Fans. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Richtig gute Spiele hatte das Team gegen Schalke (2:1), den HSV (1:1), Hannover 96 (4:0) und im DFB-Pokal gegen Leverkusen (2:1). Aber: Es gab auch einige schwächere Auftritte: Gegen Paderborn (2:4). In Ingolstadt (1:1), in Dresden (1:3) und gegen Rostock (2:2). Insgesamt vermissen Fans und Coach in der ersten Saisonhälfte die Beständigkeit.

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Eichner relativiert die Kritik. "Man darf aber auch nicht vergessen, dass wir in einigen Spielen ein paar Dinge richtig gut gemacht haben. Aufgrund der Gesamtleistung stehen wir in der Tabelle genau dort, wo wir aufgrund unserer Leistung hingehören." Ein Detail bei den bisherigen Auftritten ärgert den Coach, den einstigen Abwehrspieler, besonders.

Philipp Hofmann (KSC 33) im Duell mit Marvin Wanitzek (KSC 10)
Philipp Hofmann (KSC 33) im Duell mit Marvin Wanitzek (KSC 10) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"In Sachen Gegentore, da haben wir noch zu tun. Aber es gibt keinen Knopf, den man drücken kann und alle Probleme sind weg. Wir brauchen in jedem Spiel, egal gegen welchen Gegner, die Gier und Galligkeit. Je öfters wir das schaffen, umso öfter werden wir Spiele gewinnen. Bisher waren die Ausschläge zwischen den Spielen, sogar zwischen Halbzeiten in einer Partie, zu groß. Aber das ist nicht nur ein Problem des KSC, das zieht sich durch bei vielen Clubs dieser Liga", sprudelt es aus dem  Fußballlehrer nur so heraus.

Eichner verweist darauf, dass "die Mannschaft keine einfache Zeit hat.“ Er denkt an die Verletzten: Robin Bormuth (Sprunggelenk), Leon Jensen, Sebastian Jung, Paul Löhr (alle Kreuzbandriss), Fabio Kaufmann (Blinddarm-Operation), Marco Thiede (Hüftprobleme).

Eichner hofft auf Rückkehr der Verletzten

Dann der positive Blick nach vorne: "Ich freue mich darauf, wenn der Kader wieder komplett ist, wenn die Verletzten wieder dabei sind. Dann kommt ein Konkurrenzkampf auf, dann gibt es Reibung - das schärft die Sinne und verbessert die Leistung." Vielleicht auch auf einem Gebiet, auf dem die Badener objektiv noch Verbesserungspotential haben: Bei der Laufleistung.

Der KSC ist Sachen Laufstärke auf Rang 15 in der 2.Bundesliga. Während die Fächerstädter 2.041,88 Kilometer abspulten, brachte es Heidenheim auf 2.141,06 Kilometer, der HSV auf 2.117,28 Kilometer.

Lucas Cueto (KSC 17) läuft zum Ball
Lucas Cueto (KSC 17) läuft zum Ball | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Auch insbesondere beim Indikator "Sprints" ist der KSC im Ranking der Liga nicht im Vorfeld der Tabelle zu finden. Im Sprintbereich sind Verbesserungsmöglichkeiten. Ein Beispiel: Gegen Dresden lautete diese Bilanz 168:241. Ein deutliches Defizit auf Seiten des KSC. Auch in Ingolstadt war der Gegner sprintfreudiger. KSC: 159, FCI: 200.

Daniel Gordon - der älteste Torschütze der zweiten Liga

Tormaschine Philipp Hofmann, neun Treffer, stand in allen Liga-Partien auf dem Platz. Innenverteidiger Christoph Kobald hat als einziger KSC-Akteur keine Spielminute verpasst. Der Aufsteiger 2021: Tim Breithaupt. Der 19-Jährige ist mittlerweile absoluter Stammspieler. Daniel Gordon erlebt mit 36 Jahren seinen dritten sportlichen Frühling, wurde durch seinen Kopfballtreffer gegen Hannover zum ältesten Torschützen der zweiten Liga - gegen Rostock traf er erneut. Natürlich per Kopf.

Daniel Gordon (KSC 3) am Ball
Daniel Gordon (KSC 3) am Ball | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Von den vielen Neuzugänge konnten bisher keiner permanent überzeugen. Es wurde deutlich: Trotz großer Aktivität am Transfermarkt: Der aktuelle Kader ist nicht besser besetzt als in der vergangenen Saison. Die Hoffnungen bei den Kaderplanern, durch die richtig zahlreichen Neuverpflichtungen die Qualität zu erhöhen, haben ich bisher nicht erfüllt.

Manche Neuzugänge haben es schwer

Keiner der Neuzugänge hat einen Stammplatz, lediglich der 30 Jahre alte Fabian Schleusener ist auf dem Weg dorthin. Felix Irorere kam auf zwei, Kilian Jakob auf 56 Einsatzminuten in der zweiten Bundesliga. Für die Entwicklung der jungen Spieler ist das keine gute Sache. Bisher reichten die im Training gezeigten Leistungen wohl nicht aus, um an den Platzhirschen vorbeizukommen.

Die Neuzugänge des KSC Fabio Kaufmann (KSC 37), Christian Eichner (KSC Trainer), Lazar Mirkovic (KSC 40) links unten Leon Jensen (KSC ...
Die Neuzugänge des KSC Fabio Kaufmann (KSC 37), Christian Eichner (KSC Trainer), Lazar Mirkovic (KSC 40) links unten Leon Jensen (KSC 6), Lucas Cueto (KSC 17) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie.de

Eichner bleibt gelassen. "Es benötigt Zeit für einen Neuen in eine gewachsene Mannschaft zukommen. Sie haben sich alle zwischenmenschlich toll eingelebt“" sagt er. In seiner sportlichen Einschätzung wurde er weniger konkret, verzichtete auf öffentliche Kritik. Allgemein fordert er von einigen, "dass sie bissiger werden, sie müssen sich zeigen, müssen dem Trainer klar und deutlich zeigen: Hey Trainer - ich will spielen. Kilian machts ordentlich. Felix - der wächst:"

Iroreres Zukunftsaussichten - der chancenlose Mirkovic

Apropos Irorere. Die letzte Wettkampfpartie über 90 Minuten absolvierte der Abwehrspieler - im September 2019, vor 27 Monaten… Seine Perspektive auf einen Startelfeinsatz beim KSC? Dürftig… Nach der Verpflichtung des finnischen Abwehrspielers Daniel O`Shaughnessy gehen die gar - gegen null. Ob er sich unter diesen Umständen weiterentwickeln kann? Zeit hätte er, denn auch Irorere ist mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet worden.

Felix Omoruyi Irorere (KSC 20) im Lauf einer Trainingseinheit.
Felix Omoruyi Irorere (KSC 20) im Lauf einer Trainingseinheit. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Geradezu leid kann einem Lazar Mirkovic tun. Der 19 Jahre Serbe ist bemüht - aber er scheint chancenlos, sich in Liga zwei durchzusetzen. Sein Stellenwert im KSC-Kader? Nicht sehr hoch - ganz, ganz vorsichtig ausgedrückt… Beispiel gefällig?

Bei den Partien des KSC in Dresden, in Ingolstadt, gegen Rostock musste Cheftrainer Christian Eichner auf rund ein halbes Dutzend Profis wegen Verletzungen verzichten. Eigentlich die Großchance für Akteure aus der zweiten Reihe. Das Motto hieß wohl: Besser keiner als…

Oder: Das Trainerteam hat den 16 Jahre alten Efe-Kaan vorgezogen. Schwere Kost für Mirkovic, der den KSC jährlich wohl einen sechsstelligen Betrag kostet. Es war wohl eine kleine "Delegation" aus der KSC-Chefetage nach Serbien gereist, um Mirkovic live unter die Lupe zu nehmen.

Lazar Mirkovic (KSC 40) am Ball
Lazar Mirkovic (KSC 40) am Ball | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Man munkelt, dass die ausgewählte Partie nicht stattgefunden hätte, dass die KSC-Beobachter Mirkovic stattdessen bei einer Trainingseinheit gesehen hätten… Sei`s drum. Mirkovic erhielt einen Zweijahresvertrag. Und jetzt? Eine schlimme Situation für einen jungen Mann, weit weg von der Heimat. Jetzt sitzen Jugendspieler des KSC auf der Auswechselbank, zudem bleiben Plätze frei - und Mirkovic ist außen vor.

Wie geht es weiter mit Mirkovic?

Mitspieler beschreiben ihn als netten, freundlichen willigen und fleißigen Jungen. Zur fußballerischen Qualität äußert sich keiner. Aber der Defensivspieler scheint wohl nicht die Fähigkeiten für Liga zwei zu haben.

Lazar Mirkovic (KSC 40)
Lazar Mirkovic (KSC 40) | Bild: ka-news.de

Eichner begründet seine Entscheidung Mirkovic, trotz prägnanter Personalnot, nicht zu nominieren: "Er konnte mit seinen Leistungen nicht überzeugen." Dass er von den Verantwortlichen gleich sogar mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde – überraschte viele im Wildpark. Auch im NLZ. Denn Mirkovic hatte in der KSC-Jugend nur sehr wenige Einsätze.

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Ein Problem: Eine Ausleihe ist sehr, sehr schwierig, denn Serbien gehört nicht zur EU. Daher dürfen ihn unterklassige deutsche Clubs nicht verpflichten. Und: Eine wohl noch längere Zeit kostspielige Angelegenheit für den KSC. Die Lösung? Auflösung des Vertrags, Abfindung bezahlen, die KSC-Kasse heftig belasten. Auf diesem - richtig kostspieligen Gebiet - hat der KSC in den zurückliegenden vier, fünf Jahren viele leidvollen Erfahrungen gemacht. Man denke an Stroh-Engel, Andreas Hofmann, Karaahmet, Siebeck, Möbius, Aydogan und, und, und...

 
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