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Karlsruhe Erfolge, Enttäuschungen und Emotionen: Das war das Jahr 2020 für den KSC

Hinter dem Karlsruher SC liegt eine Achterbahn der Gefühle. Von großer Freude bis zu tiefer Betrübtheit - in den vergangenen 12 Monaten war alles einmal vertreten. ka-news.de blickt noch einmal zurück und hat die Höhepunkte und einige unerwartete Ereignisse zusammengefasst.

Der wohl wichtigste Tag des KSC im Jahr 2020? Ein Sonntag - der 28. Juni. Erst Dominik Kother, dann Philipp Hofmann sorgten an diesem Tag für große Glücksgefühle bei den Badenern. Das war der Tag, an dem die Badener den Klassenerhalt sicherten, an dem das Team mit 2:1 bei Greuther Fürth gewann.

Nach frühem Rückstand, nach großer Verunsicherung, Erlösung durch den Elfmetertreffer von Hofmann. Der KSC war auf dem Weg in die Hölle - sprich: Liga drei. Doch der Sieg garantierte der Eichner-Elf den Himmel - namens Zweite Bundesliga.

Philipp Hofmann ist der Mann des Jahres

Mann des Jahres beim KSC? "LV Hoffi" - die Lebensversicherung Philipp Hofmann. Der Vollblutstürmer erzielte in 33 Einsätzen 17 Tore und schaffte zudem sechs Vorbereitungen. Sensationell! Dennoch: Es gab auch Unruhe und - bei einigen - Unmut um den Modellathlet. Im Alter von 27 Jahren hatte "Hoffi" erstmals eine echte Chance, in der 1. Bundesliga zu spielen. Und: Das für jährlich rund eine halbe Million Euro mehr, als er beim KSC verdient. Verständlich, dass er nachdachte - wer hätte das nicht?

Philipp Hofmann (KSC 33) im Angriff auf das Tor im Duell gegen Rouwen Hennings (Düsseldorf 28)
Philipp Hofmann (KSC 33) im Angriff auf das Tor im Duell gegen Rouwen Hennings (Düsseldorf 28) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Dass er die damaligen Aussagen der sportlichen Leitung des KSC nicht immer - bis heute - nachvollziehen konnte, ist verständlich. Manche sprachen von Streik - er nicht. Dass er mit dem Thema abgeschlossen hat, dass er den KSC wieder voll und ganz vertritt, beweist er Woche für Woche, "Hoffi" haut alles raus. Er ist läuferisch, kämpferisch und in Sachen Torgefahr ein Vorbild.

Trainer Alois Schwartz musste gehen

Doch bis der KSC-Klassenerhalt in trockenen Tüchern war - ist einiges beim Wildparkclub passiert. Trainer Alois Schwartz, der die Badener zurück in Liga zwei geführt hatte, musste gehen. Der Grund: Ausbleibende Erfolge. Nachdem der KSC Anfang Dezember in Bielefeld 2:2 gespielt hatte, hagelte es Klatsche auf Klatsche, drei Heimniederlagen in Folge - Schwartz musste am 2. Februar gehen. Nachvollziehbar.

Alois Schwartz (KSC Trainer) hebt vor Unverständnis die Arme.
Alois Schwartz (KSC Trainer) hebt vor Unverständnis die Arme. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Aber die Umstände? Unprofessionell - Fußballdeutschland schüttelte den Kopf über den KSC. Der Bund Deutscher Fußballlehrer kritisierte den KSC via Medien vehement. Denn: "Alu" hatte von KSC-Sportchef Oliver Kreuzer ganz offiziell eine Beschäftigungsgarantie erhalten. Doch Kreuzer änderte seine Meinung innerhalb von ein paar Stunden - Schwartz musste trotz Kreuzers Treueschwur gehen.

Erster Eichner-Sieg ließ auf sich warten

Christian Eichner wurde daraufhin Chefcoach, Zlatan Bajramovic sein Assistent. Es begann, wie es aufgehört hatte - mit Niederlagen. In der Liga und im Pokal - beim Regionalligisten Saarbrücken. Die Alarmglocken läuteten weiterhin laut und deutlich. Aber das neue Trainer-Duo arbeitete akribisch, ließ sich trotz der anfänglichen Niederlagen nicht beirren. Dann ein Zähler gegen Osnabrück. Durchatmen, aber noch kein Aufatmen.

Christian Eichner (KSC Trainer) kommt ins Stadion, links Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer)
Christian Eichner (KSC Trainer) kommt ins Stadion, links Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer) | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Den ersten Eichner-Sieg gab es beim 2:0 im Baden-Derby in Sandhausen Ende Februar. Torschützen: Jerôme Gondorf und Änis Ben-Hatira. Gondorf, den Ex-Trainer Schwartz unbedingt wollte, ist inzwischen Kapitän. Für Änis Ben-Hatira reichte es nicht für einen neuen Vertrag, er ist noch immer vereinslos.

Vor der laufenden Saison war es wie so oft in den letzten Jahren: kaum Kontinuität - Personalwechsel in hoher Zahl waren angesagt. Auf Seiten der Zugänge wurden elf vermeldet - bei den Abgängen waren es neun. 20 Personalveränderungen, also wieder einmal: Kaderumbau, diesmal unter Eichner. Es knirschte im Gebälk, die erwähnten vier Niederlagen beweisen das.

Der KSC verjüngt sich - mit Erfolg

Doch dann ging es aufwärts, ins vordere Mittelfeld der Tabelle der zweiten Bundesliga. Neuzugänge halfen beim sportlichen Aufschwung, wenn auch etwas indirekt. Denn: Rechnet man Daniel Gordon, der im Sommer vertragslos war und erst während der Saison im Wildpark einen neuen Kontrakt signierte, nicht zu den Neuzugängen, hat es nur einer aus dem Quintett der externen Neuzugänge in die Startelf geschafft: Philip Heise.

Der Linksverteidiger zeigt offensiv viel Licht, seine Defensivarbeit ist schattiger. Seine Cleverness in Sachen "Ampelkarte" im letzten Spiel des Jahres 2020 gegen den HSV - verbesserungswürdig. Trainer Eichner wollte Schnelligkeit auf den Außenbahnen, holte daher Benjamin Goller. Der zeigte Talent, aber wenig Konstanz.

Vier Siege in Folge: KSC bricht Uralt-Rekord

Sebastian Jung wurde als Backup für Marco Thiede in der Viererkette verpflichtet. Jung ist leider wieder verletzt. Im Tor konnte sich Neuzugang Markus Kuster nicht gegen Marius Gersbeck durchsetzen. Kuster ist dennoch sportlich und menschlich ein Gewinn. Gegen Ende des Jahres: ein beeindruckender Zwischenspurt.

Torwart Markus Kuster (KSC 1) gibt den Ball raus.
Torwart Markus Kuster (KSC 1) gibt den Ball raus. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Das Eichner-Team schaffte es, einen Uraltrekord einzustellen: Mit dem 2:1-Sieg in Osnabrück gelang es dem KSC erstmals seit dem Jahr 2005 wieder, in Liga zwei vier Siege in Serie einzufahren. Der Blick ging in der Tabelle - nach vorne. Aber nur kurz.

Denn: Es folgte zum Jahresabschluss eine englische Woche. Die Badener kassierten drei Niederlagen in Folge. Das Abstiegsgespenst soll wieder auf dem Weg in den Wildpark sein. Insgesamt aber können der KSC und seine Fans auf ein Jahr zurückblicken, das Appetit auf mehr macht.

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  •   Rundbau-Gespenst
    (12094 Beiträge)

    28.12.2020 16:00 Uhr
    "Das Abstiegsgespenst soll wieder auf dem Weg in den Wildpark sein."
    aber Herr Putzing, das wüßte ich, wenn die bucklige Verwandtschaft sich angesagt hätte...

    grinsen
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  •   schwarzvoraugen
    (3717 Beiträge)

    26.12.2020 18:34 Uhr
    Aprilwetter, ganz sicher noch kein Sommer
    Bei einzelnen Halbzeiten wurde mir schon mal recht warm, dann aber kam immer wieder der kalte Schauer. Wir sehen heute attraktiveren, offensiveren Fussball als unter AS. Es mangelt an Souveränität und Selbstverständnis auch ein Heimspiel gegen den HSV gewinnen zu können.

    Es fehlt die Konstanz sowohl der Einzelspieler als auch der Mannschaftsleistung. Es fehlt ein klarer Leader. Gondorf bringt das stückweise, dann aber immer wieder mit eigenen Fehlern. Weiterhin fehlt die Schaltzentrale im Mittelfeld. Der Ideen- und Taktgeber. OK und CE haben sich zu lange mit den AV Positionen beschäftigt. Raus dabei kam Jung, der sich seither mehr im Krankenstand befand als auf dem Platz.

    Weiterhin müssen wir die groben Fehler einstellen. Viele Gegentore durch eigene Fehler oder durch inkonsequentes Verteidigen.

    Das Spiel gegen Würzburg ist wichtig. Dort ein Sieg und ich bin zuversichtlich für die Restsaison. Eine Niederlage und es wird ungemütlich. Deshalb 3 Punkte. Dann wird das was.
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