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Karlsruhe Wenn der Sohn KSC-Profi wird - Mama von Jannis Rabold erzählt: "Ich habe keinen Tag bereut"

Wenn er neben den anderen KSC-Profis auf dem Rasen steht, ist sie sein größter Fan: Petra Rabold fiebert bei jedem Spiel ihres Sohnes Jannis kräftig mit. Denn sie weiß aus erster Hand: Der Weg zum Fußballprofi ist ein langer und anstrengender - vor allem als alleinerziehende Mutter. Wie sie für ihren Sohn den Spagat zwischen Alltag und Fußballtraining gemeistert hat und warum andere Spieler-Eltern sie gar beneidet haben - ka-news.de hat sie es erzählt.

Bochum, 31. Januar 2021, zirka 14.45 Uhr: Die Zweitliga-Begegnung zwischen dem VfL und dem Karlsruher SC ist ungefähr 50 Minuten alt, als sich Philip Heise nach einem Sprint und der anschließenden Flanke an den Oberschenkel fasst. Die Leihgabe von Norwich City zeigt schnell an: Es geht nicht mehr weiter. Auf der Karlsruher Bank macht sich Jannis Rabold bereit. 

Mama Rabold schaut jedes KSC-Spiel

Zur gleichen Zeit, im knapp 380 Kilometer entfernten Lauterbourg im Elsass, fiebert eine Person ab diesem Moment ganz besonders mit: Es ist Petra Rabold, die Mutter von KSC-Eigengewächs Jannis, der sich in diesen Sekunden auf seinen zweiten Einsatz im Profifußball vorbereitet. 

Philip Heise: Nach seiner Verletzung in Bochum wurde er von Jannis Rabold ersetzt.
Philip Heise: Nach seiner Verletzung in Bochum wurde er von Jannis Rabold ersetzt. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

"Als ich es realisiert habe, dass Jannis eingewechselt wird, habe ich mich natürlich unglaublich für meinen Sohn gefreut, war gleichzeitig aber auch sehr angespannt", beschreibt Mama Rabold rückblickend die Sekunden, während ihr Sohn den Rasen der Bochumer Vonovia Ruhrstadions betritt. 

"Es war zwar nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte, weil ich nicht im Stadion sein konnte, doch es war auch so sehr schön", erklärt die 57-Jährige im Gespräch mit ka-news.de. Für Petra Rabold endete damit die Reise, in der sie ihren Sohn auf seinem Weg zum Profi-Kicker begleitete - eine lange und anstrengende Reise, die sie als Alleinerziehende meistern musste. 

Die Reise beginnt im Tor

Begonnen habe der Weg für Jannis Rabold beim 1. SV Mörsch als Dreijähriger im Tor. Lange habe es ihr Sohnemann aber nicht zwischen den Pfosten ausgehalten, erzählt Petra Rabold. So startete seine Karriere als Feldspieler - mit Erfolg, wie sich 2010 herausstellt: Über einen Scout tritt der KSC an Jannis und seine Mutter heran und lädt ihn zum Probetraining ein. 

Teamfoto der Neuzugänge beim KSC, vl. Robin Bormuth (KSC32), David Trivunic (KSC 18), Marlon Dinger ( KSC 27) , Christian Eichner (KSC Trainer), Benjamin Goller (KSC39), Torwart Markus Kuster (KSC 1), Jannis Rabold (KSC 34)
Teamfoto der Neuzugänge beim KSC, vl. Robin Bormuth (KSC32), David Trivunic (KSC 18), Marlon Dinger ( KSC 27) , Christian Eichner (KSC Trainer), Benjamin Goller (KSC39), Torwart Markus Kuster (KSC 1), Jannis Rabold (KSC 34) | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Doch obwohl die Blau-Weißen das Nachwuchstalent nach diesem Training am liebsten direkt unter ihre Fittiche genommen hätten - Jannis Rabold bleibt erst einmal weiter bei seinem Heimatverein, "aus privaten Gründen", wie seine Mutter gegenüber ka-news.de erzählt.

Dennoch schnuppert er auch damals schon erste KSC-Luft, als er zusätzlich einmal die Woche im neugegründeten KSC-Talentteam trainieren darf. "Da wurde die Belastung dann schon höher, auch weil er in Mörsch schon mit dem 99er-Jahrgang trainierte", erinnert sich Petra Rabold. 

Der Alltag auf den Fußball ausgerichtet

Dass der Weg zum Profi-Fußballer nicht nur von dem jungen Jannis vollen Einsatz fordern würde, wurde seiner alleinerziehenden Mutter schnell klar: "Ich arbeitete damals halbtags und war spätestens um 13 Uhr zu Hause. Dann habe ich gekocht, wir haben zusammen gegessen, danach ging es an die Hausaufgaben und drei Mal die Woche - später vier Mal - war dann Training. Wichtige Arzttermine oder Behördengänge waren nur an trainingsfreien Tagen möglich", erzählt Petra Rabold aus ihrem damaligen Alltag.

Jannis Rabold (KSC 34) im Duell mit Jerome Gondorf (KSC 8)
Jannis Rabold (KSC 34) im Duell mit Jerome Gondorf (KSC 8) | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Doch die Hingabe sollte sich 2014 schließlich auszahlen: Als C-Jugendspieler wird der am 21. März 2001 geborene Jannis Teil des KSC. "Der Alltag verändert sich dadurch schon sehr. Alles muss zeitlich abgestimmt sein und eigene Interessen werden hinten angestellt, vieles auch vernachlässigt", so die Mutter des KSC-Youngsters.

"Muss als Mutter voll dahinter stehen"

Eigene Hobbys oder Freunde treffen sei so nicht mehr oder nur selten möglich gewesen. "Als Mutter muss man da schon voll dahinter stehen. Aber ich habe es immer sehr gerne gemacht und keinen Tag bereut", blickt die Bürokauffrau zurück. 

Dass ein aufstrebendes Fußball-Talent von der Familie viel Unterstützung und Aufmerksamkeit benötigt - klar. Doch zu Eifersucht oder Streitigkeiten zwischen Jannis und seinem 12 Jahre älteren Bruder habe das nie geführt, wie Petra Rabold erklärt: "Die zwei waren von Anfang an ein Herz und eine Seele. Sein großer Bruder war schon immer stolz auf seinen kleinen Bruder, das ist bis heute so geblieben. Auch er hat mich und Jannis unterstützt - und tut dies heute noch."

Wie vereint man Schule und Fußball?

Neben der Unterstützung durch ihren älteren Sohn konnte sich Rabold auch auf die Unterstützung des KSC verlassen, wie sie im Gespräch verrät. "Die Verantwortlichen der Jugendabteilung hatten immer ein offenes Ohr für uns und haben mich unterstützt. Da ich alleinerziehend bin, hat mir das sehr geholfen. Ich hatte immer einen Ansprechpartner, falls irgendwelche Probleme aufgetaucht sind."

Jannis Rabold (KSC 34)
Jannis Rabold (KSC 34) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Auch die Schule sei stets hilfsbereit und kulant gewesen, wenn es um Trainings des KSC oder Lehrgänge der Nationalmannschaft ging, so Rabold. Eine Herausforderung, Schulpflicht und Fußball unter einen Hut zu bekommen, habe es bei Jannis aber ohnehin nicht gegeben.

"Er war ein guter Schüler. Wenn er Aufgaben bekommen hat, hat er diese ohne zu murren erledigt. Manche Eltern haben mich sogar beneidet, wenn ich das erzählt habe", erklärt seine Mutter. "Zum Fußball musste ich ihn sowieso nie motivieren. 'Mama, ich habe heute keinen Bock' habe ich nie von ihm gehört."

Zwischen Sorge und Stolz

Doch trotz Unterstützung und guter Organisation: Alles sei natürlich auch nicht immer reibungslos abgelaufen. So etwa, als der Youngster im Mai 2016 zum ersten Mal zur Junioren-Nationalmannschaft auflief. "Da habe ich ihn das erste Mal alleine in den Zug gesetzt. Natürlich habe ich mich unfassbar für ihn gefreut, doch für eine Mutter ist es dann doch schwierig und eine große Herausforderung", so Rabold.

Endgültig Schluss mit "Hotel Mama" ist für den Jung-Profi schließlich mit 16, als es für ihn nach erfolgreichem Schulabschluss an der Realschule in Rheinstetten ins KSC-Internat in der Sportschule Schöneck auf dem Durlacher Turmberg geht. "Ab diesem Zeitpunkt wurde dann auch vom Verein noch mehr Wert auf Selbstständigkeit gelegt, aber selbstständig war Jannis eigentlich schon immer", sagt Petra Rabold.

Jannis Rabold (KSC 34) im Lauftraining mit David Pisot (KSC 5)
Jannis Rabold (KSC 34) im Lauftraining mit David Pisot (KSC 5) | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Die 57-Jährige zieht daraufhin ebenfalls aus Mörsch fort, findet ihre neue Heimat schließlich im Elsass. Doch trotz der größeren Distanz: Mama Rabold ist stets Stammgast bei den Spielen ihres Sohnes. "Ich war sehr oft dabei, nur wenn es mir aus wichtigen Gründen nicht möglich war. Auch bei den Spielen mit der Nationalmannschaft war ich oft direkt vor Ort."

Mittlerweile hat es Jannis Rabold - der 2018 in eine eigene Wohnung zog - bekanntlich in den Profikader des KSC geschafft, muss sich aktuell aber eher hinten anstellen. Für Groll sorgt das bei seiner Mutter aber nicht: "Natürlich wünsche ich mir, dass er spielt, enttäuscht bin ich aber nicht."

"Er ist mein Kind, für mich ist er der Stärkste"

Vielmehr vergleicht sie den Status ihres Sohnes mit dem eines Azubis in einem Betrieb: "Jannis ist gerade noch in der Ausbildung und da soll er so viel lernen und mitnehmen wie möglich, sich voll und ganz auf Fußball konzentrieren."

Jannis Rabold (KSC 34) schießt den Ball.
Jannis Rabold (KSC 34) schießt den Ball. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Und in welchen Bereichen muss ihr Sohn noch zulegen? "Oh, das kann ich nicht sagen, das sollen seine Trainer bewerten", sagt Rabold lachend. Sie ergänzt aber: "Jannis ist extrem ehrgeizig, kämpft viel und ist sehr schnell - und er ist mein Kind, für mich ist er der Stärkste." 

Für die Zukunft wünscht Petra Rabold ihrem Sohn vor allem "Gesundheit und dass er seinen Weg so gehen kann, wie er es will". Und für sich selbst? "Ich? Ich bin wunschlos glücklich", meint Rabold gegenüber ka-news.de, ergänzt dann allerdings doch noch den Wunsch zur Rückkehr zu einem normalen Alltag ohne Corona-Pandemie. Denn dann, so erklärt sie, könnte sie ihren Sohn auch endlich wieder vor Ort im Stadion anfeuern. 

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  •   Klosterschüler
    (1 Beiträge)

    12.02.2021 11:40 Uhr
    Toller Artikel
    "Respekt" drückt es treffend aus, für den Spieler Jannis Rabold, seine Mutter, aber auch für das NLZ und für den Artikel von ka-news. Leider ist man hier bereits ein dürftigeres und teils fahrlässigeres Niveau schon gewohnt. Wohltuend, dass es auch anders geht. Drück' ihm die Daumen, geerdet ist Jannis ja. Wobei er sehr starke Konkurrenz hat. Heise ist in der Offensive eine Waffe und wenn er sich defensiv verbessert, hat er 1. Liga Format. Eiche wird vieles durch seine Sozialkompetenz und Fachwissen richten, aber der Nachwuchs braucht Geduld...jetzt haben sie ja wenigstens eine Perspektive - wie der ganze KSC durch seine Neuausrichtungen (Trainer, Präsident HSS, Stadion, Anforderungsprofil für OK etc.). Kompliment auch dafür, dass der KSC praktisch fast ohne Ablösesummen ( nur ca. 100.000) in den letzten 5 Jahren JETZT einen solchen Kader zusammen stellen konnte. Hoffentlich kann man die eine oder andere Leihe fest verpflichten. 3 Punkte morgen und dann bitte mit Demut weiter angreifen
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  •   Kemp
    (50 Beiträge)

    11.02.2021 13:04 Uhr
    Respekt!
    Einerseits für den sehr guten Artikel, der einem Werdegang, Spieler und familiäres Umfeld gekonnt näher bringt- andererseits auch für die Beleuchtung des Hintergrundes. Gefühlt schaffen es doch heutzutage nur noch Jugendliche aus "privilegierten Kreisen" in den Profibereich.
    Was Jannis mit Unterstützung seiner Mutter und dem Nachwuchsleistungszentrum des KSC (Ede Becker!) geschafft hat, das ist schon aller Ehren wert!!! Mehr davon!
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