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Karlsruhe Vom KSC bis nach Griechenland: Kauczinski und Co erklären, warum der Wildpark auch für Trainer-Talente ein gutes Sprungbrett ist

Blick auf die neue Gegengerade. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Im Laufe der Geschichte war der Karlsruher SC Sprungbrett für viele namenhafte Fußballer. Scholl, Kahn, Stindl und Calhnaoglu sind nur einige Beispiele. Doch inzwischen sprudelt im Wildpark nicht nur eine Talentquelle für Spieler, es werden im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) auch regelmäßig Top-Trainer ausgebildet. Ein halbes Dutzend Übungsleiter schaffte den Sprung aus der KSC-Nachwuchsabteilung ins Profigeschäft. Peter Putzing wirft daher in einer zweiteiligen Serie einen genauen Blick auf die Trainer die es vom KSC aus nach ganz Europa verstreute.

Ede Becker, der Mann, der als Trainer einen Blick für Spielertalente - Scholl, Eichner, Stoll, Staffeldt, Freis hatte und inzwischen auch Trainertalente entdeckt, stellt klar: "Markus Kauczinski, Argirios Giannikis und Tim Walter waren schon da, als ich im NLZ Verantwortung übernahm. Ich habe Agi und Tim jeweils bis zur U19 als Trainer hochgezogen." Becker ist beim KSC Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

"Kaucze" führt den KSC fast in die Bundesliga

Die anderen Erfolgstrainer die seiner Riege entsprangen - Marc-Patrick Meister, Lukas Kwasniok und Christian Eichner hat Becker in den KSC-Trainerstab geholt. Doch der Reihe nach.

01.06.2015, xfux, Fussball Relegation, Karlsruher SC - Hamburger SV, v.l. Trainer Markus Kauczinski nach Niederlage gegen den HSV in der Relegation.
01.06.2015, xfux, Fussball Relegation, Karlsruher SC - Hamburger SV, v.l. Trainer Markus Kauczinski nach Niederlage gegen den HSV in der Relegation. | Bild: fu-sportfotografie

Der erste, der den Sprung vom Jugendbereich ins Profigeschäft schaffte, war Markus Kauczinski. Im Jahr 2012 übernahm er als Cheftrainer das Profiteam, coachte es in insgesamt 158 Spielen. "Kaucze" führte die Badener aus der 3.Liga bis in die Aufstiegsrelegation zur Bundesliga. Da scheiterte er knapp, unglücklich und unverdient am Hamburger SV.

Kauczinski hält es so für eine gute Sache, den Job "von der Pike auf zu lernen." Sprich: in der Jugend beginnen, Erfahrungen sammeln und aus Fehlern zu lernen. Warum so viele Ex-KSC Jugendtrainer im Profibereich derart erfolgreich arbeiten? Darüber dachte er lange nach, ehe er sagte: "Es sind alles andere Typen. Alles selbständige Jungs, die ihren eigenen Weg gehen. Wichtig war, dass man beim KSC jeden Typ wachsen ließ. Im Wildpark hat man die Kultur, dass man einen jungen Trainer groß werden lässt. Und: Dass man auch im Profibereich auf eigene Trainer setzt, wie im Moment auf Christian Eichner."

Eigengewächsen auch auf der Bank Vertrauen geben - das hat lange Tradition: Schon Jahre bevor "Kaucze" die Chance als Chefcoach erhielt, setzte der KSC auf "Eigen-Trainer-Gewächse“ – man denke an Ede Becker und Rainer Ulrich.

Giannikis versucht sein Glück in der Heimat

Kauczinskis Assistent im Wildpark: Argirios Giannikis. Den kannte und schätzte er aus der gemeinsamen Zeit in der KSC-Jugendabteilung. Giannikis war dort für die U19 zuständig. Nach der Zeit mit Kauczinski als Co-Trainer beim KSC und auch beim FC Ingolstadt, der damals in der ersten Bundesliga spielte, machte sich Giannikis "selbständig", übernahm erst Rot-Weiß Essen, dann in der 3.Liga den VfR Aalen.

03.04.2016, xfux, Fussball 2.Bundesliga, Karlsruher SC - TSV 1860 MŸnchen, emspor, v.l. Co-Trainer Argirios Agi Giannikis (Karlsruher SC KSC)
03.04.2016, xfux, Fußball 2.Bundesliga, Karlsruher SC - TSV 1860 München, emspor, v.l. Co-Trainer Argirios Agi Giannikis (Karlsruher SC KSC) | Bild: fu-sportfotografie

Danach: der Wechsel nach Griechenland, in die Heimat seiner Eltern, zu PAS Giannina, damals Zweitligist. Sofort gelang ihm der Aufstieg die erste Liga. Der Lohn: Er wurde als erster Trainer eines Zweitligisten in Griechenland zum "Trainer es Jahres" gewählt. Zudem schaffte er mit dem Aufsteiger den Klassenerhalt. Dann wollte er das Angebot eines griechischen Großclubs annehmen, doch kurz vor der Vertragsunterschrift entschied sich der Clubchef für einen Coach mit großen Namen.

"Haben das Vertrauen der Führung gespürt"

Den hat Giannikis (noch) nicht. Allzu gerne erinnert er sich an die Zeit im Wildpark: "Wir hatten sehr bescheidene Mittel zur Verfügung. Da gab es keine Komfortzone was 'Man-Power' oder Infrastruktur betraf. Unsere Stärke war es, diese Kluft gegenüber der Konkurrenz mit sehr viel Detailarbeit, Begeisterung und Menschlichkeit zu schließen. Wir hatten auch das Glück, eine gute Durchlässigkeit zu den Profis zu haben. So entstand eine Glaubwürdigkeit gegenüber den Talenten. Die sahen, dass unsere Arbeit Früchte trug."

03.04.2016, xfux, Fussball 2.Bundesliga, Karlsruher SC - TSV 1860 MŸnchen, emspor, v.l. Trainer Markus Kauczinski (Karlsruher SC KSC), Co-Trainer Argirios Agi Giannikis (Karlsruher SC KSC)
03.04.2016, xfux, Fussball 2.Bundesliga, Karlsruher SC - TSV 1860 MŸnchen, emspor, v.l. Trainer Markus Kauczinski (Karlsruher SC KSC), Co-Trainer Argirios Agi Giannikis (Karlsruher SC KSC) | Bild: fu-sportfotografie

Wichtig sei zudem gewesen: "Wir haben das Vertrauen von der Leitung gespürt: Wir durften auch Fehler machen und uns auch dadurch ständig weiterentwickeln." Seit vergangenen Montag ist Giannikis neuer Cheftrainer beim griechischen Spitzenklub AEK Athen. 

Tim Walter: über München nach Hamburg

Beim HSV ist Tim Walter als Chefcoach in Amt und Würden. Walter, studierter Sportwissenschaftler, wurde einst vom FC Bayern München aus seinem Vertrag beim KSC herausgekauft. Man munkelt die Münchner hätten sich das rund 250.000 Euro kosten lassen. Jetzt, nach einigen Stationen: Die Mammutaufgabe den "Dino HSV" zurück in die erste Bundesliga zu führen.

Hamburgs Cheftrainer Tim Walter spielt zum HSV-Trainingsauftakt auf dem Trainingsplatz mit einem Ball.
Hamburgs Cheftrainer Tim Walter spielt zum HSV-Trainingsauftakt auf dem Trainingsplatz mit einem Ball. | Bild: Gregor Fischer/dpa

Walter schwärmt im Gespräch vom Job beim KSC. "Wir waren ein eingeschworener Haufen. Vor allem wussten wir: Es geht nur zusammen! Heute gründen viele eine Ich-AG, schauen nur auf sich. Aber: Fußball ist ein Teamsport. Wir waren ein Team - sind es irgendwie bis heute. Ich habe zu allen aus der KSC-Zeit Kontakt."

"Ede war ein guter Dirigent"

Dann das Lob für Ede Becker, den NLZ-Chef, der ihn sukzessiv die Stufen von der U15 bis zur U19 gehen ließ: "Ede war ein guter Dirigent, der seine große Erfahrung weitergegeben hat." Der hört es gerne und sagt dazu selbstbewusst: "Ich war beim KSC junger Profi, dann ein gestandener Spieler geworden. Danach: U23-Amateurtrainer, Co-Trainer – und dann Cheftrainer. Das ist geballte Erfahrung, die ich weitergeben kann. Das versuche ich."

Edmund Becker, Leiter des KSC-Nachwuchsleistungszentrums
Edmund Becker, Leiter des KSC-Nachwuchsleistungszentrums | Bild: Lukas Hiegle

Walters KSC-Lobeshymne geht weiter: "Jugendleiter Werner Schön hat uns immer geholfen, aber: Er hat immer das Beste für den Verein über alles gestellt. Wir Trainer haben uns immer wieder, auch neben dem Platz, getroffen, hatten viel Kontakt. Als Markus Kauczinski Cheftrainer der Profis wurde, sind wir alle nach Heimspielen regelmäßig essen gegangen. Klar, dass da die Spielanalyse ein großes Thema war. Markus und der damalige Jugendtrainer Rüdiger Böhm, sind so etwas wie meine Trainer- Ziehväter."

Das war der erste Teil des Doppels. Part zwei folgt am Mittag. Dort geht es dann um Lukas Kwasniok und Marc-Patrick Meister. Natürlich wird auch der aktuelle Cheftrainer des KSC genauer beleuchtet. 

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