Browserpush
5  

Karlsruhe/Kuppenheim Steinmetz mit chirurgischer Aufgabe: Gabriel Leichsenring will dem "Nackten Mann" des KSC eine "Wiedergeburt" schenken

Jahrzehntelang war er der steinerne Wächter über das KSC-Stadion. Im November 2019 jedoch musste der "Nackte Mann" dem Neubau des Wildparks weichen, nach Jahren in Wind und Wetter versprach man ihm eine Verjüngungskur. Zwei Jahre musste er darauf warten. Nun, in den fachmännischen Händen von Chefrestaurator Gabriel Leichsenring, soll der Nackte Mann für seine Rückkehr in den Wildpark wieder in neuem Glanz erstrahlen. ka-news.de hat ihn in Kuppenheim besucht.

Ein für wohl jeden KSC-Fan wehmütiger und doch gleichzeitig hoffnungsvoller Anblick bietet sich am Donnerstagmorgen im Innenhof des Steinmetzbetriebs Binder in Kuppenheim: Der Nackte Mann des Karlsruher SC wartet - gar nicht mehr so nackt, in Plastikfolie eingewickelt - und längs auf zwei Stützträgern gebettet auf das, was ihn vor knapp zwei Jahren vom Karlsruher Wildpark hierher geführt hat: seine Restauration.

Und die ist auch nötig: Noch immer "zieren" die Statue rote Farbspuren, Überreste von Graffiti-Schmierereien der VfB-Fans kurz vor seinem Abbau. Die Betonhaut des Nackten Manns ist an einigen Stellen gerissen, die ehemals strahlend weiße Farbe nun grau und fleckig - doch das soll bald der Vergangenheit angehören, wie Chefrestaurator Gabriel Leichsenring erklärt.

Wind- und Wettereinflüsse haben der Betonhaut der Statue zugesetzt.
Früher stand er vor dem Wilparkstadion, nun liegt er wie ein Patient | Bild: Lars Notararigo

"Mittlerweile liegt er knapp eineinhalb Jahre bei uns im Lager. Jetzt wird es aber Schlag auf Schlag gehen: Wir haben bereits im Frühjahr angefangen, die Farbe auf der Oberfläche zu entfernen. In den nächsten Tagen soll sie restlos beseitigt werden", sagt der Steinmetz im Gespräch mit ka-news.de.

Gabriel Leichsenring, Chefrestaurator im Steinmetzbetrieb Binder.
Gabriel Leichsenring, Chefrestaurator im Steinmetzbetrieb Binder. | Bild: Lars Notararigo

"Die Oberfläche des Nackten Manns soll nicht beschädigt werden"

Diese Farbbeseitigung soll der erste Schritt sein, um dem Nackten Mann wieder zu seinem neuen alten Glanz zu verhelfen. "Das Problem ist natürlich, dass verschiedene Lack- und Farbsorten auf der Oberfläche anhaften, diese müssen durch verschiedene chemische Komponenten vom Beton gelöst werden. Wichtig dabei ist, den Duktus, also die Oberfläche des Betons, nicht zu beschädigen", erklärt Leichsenring.

Vor allem die Beine der Statue sind voller Graffiti-Spuren - noch. | Bild: Lars Notararigo

Aus diesem Grund wolle man ein möglichst schonendes Verfahren für die Säuberung nutzen. "Wir werden meist mit Dampfstrahlung und Gelen arbeiten und sogenannte abrasive Verfahren, wie etwa Sandstrahler oder Schleifpapier, vermeiden." 

"Er wird einen neuen Sockel brauchen"

Ist die Farbe entfernt, folgt der zweite Schritt der Verjüngungskur: die Erstellung eines Schadensbilds. "Die häufigsten Schäden bei solchen Fällen sind Rostabsprengungen", so Leichsenring. Eben jene seien auch beim Nackten Mann zu beobachten. "Das Eisenskelett, dass die Statue zusammenhält, rostet mit der Zeit durch kleine Wassertropfen, die sich im Stein sammeln. Durch den Rost dehnt sich das Eisen aus und sprengt den Beton", erklärt der Steinmetz.

Der Sockel des Nackten Manns von der Unterseite - die Risse sollen bald der Vergangenheit angehören.
Der Sockel des "Nackten Mannes" von der Unterseite. | Bild: Lars Notararigo

Besonders der Sockel sei von solchen Rostsprengungen betroffen. "Deshalb werden wir auch einen neuen Sockel herstellen müssen, vor allem aber auf die Füße, die letztlich auf dem Sockel stehen, müssen wir aufpassen. Wenn man dem Beton eine solche Form aufzwingt, ist er oft besonders anfällig." An dieser Stelle sei die Betonschicht, die das Eisen umgibt, nämlich besonders dünn, daher müsse mit chirurgischer Präzision vorgegangen werden.

"Der nackte Mann ist besser konstruiert als jede Autobahnbrücke"

"Wo immer wir angerostetes Material finden, wird der Beton darum sauber ausgearbeitet. Anschließend entfernen wir den Rost auf dem Eisen mit einem Mikrosandstrahl-Verfahren. Auf diese Weise können wir das Eisen millimetergenau von der Korrosion befreien. Ist das erledigt, werden wir an den entsprechenden Stellen nachbetonieren", so Leichsenring.

"Der Beton, mit dem wir die Statue aufstocken, ist zudem sehr hochwertig - so wie der ursprüngliche Beton auch. Nach unserer Restauration dürfte er sehr lange halten. Eigentlich ist der nackte Mann mit besserem Material konstruiert als jede deutsche Autobahnbrücke", wie der Chefrestaurator scherzhaft erklärt. Gutes Material hat dabei natürlich auch seinen Preis und dauert seine Zeit zur Verarbeitung. Zu beiden Aspekten könne Leichsenring jedoch noch keine genauen Aussagen treffen.

"Da kann man nicht einfach eine Kopie hinstellen"

"Einen genaueren Überblick über die Dauer der Arbeiten haben wir erst, wenn die Schadenssondierung abgeschlossen ist. Ich schätze, dass  wir ein bis zwei Wochen brauchen werden, bis die Farbe entfernt und die neue Betonschicht aufgetragen ist. Was das Ganze kosten soll, wissen wir erst, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. Allerdings werden wir noch einen Maler hinzuziehen, der ihn farblich noch etwas auf Vordermann bringt", sagt der Restaurator.

Der Nackte Mann "mumifiziert" - kein alltäglicher Anblick.
Der Nackte Mann "mumifiziert" - kein alltäglicher Anblick. | Bild: Lars Notararigo

Zurück an seinen Stammplatz vor dem Wildparkstadion wird der Nackte Mann zwar in Zukunft nicht mehr finden, doch nach der gelungenen "Operation" durch die Steinmetze und Maler kann er seine Wache an seinem neuen Platz beginnen, sobald das Wildparkstadion fertiggestellt ist. Gerade aufgrund seiner Beliebtheit lastet auch eine gewisse Verantwortung auf Gabriel Leichsenring und seinem Team, wie er erklärt.

Auf dem "Operationstisch" liegt der Nackte Mann schon - bereit für seine Restauration.
Auf dem "Operationstisch" liegt der Nackte Mann schon - bereit für seine Restauration. | Bild: Lars Notararigo

"Uns ist bewusst, dass er für den KSC ein wichtiges Wahrzeichen ist", sagt der Restaurator, der dem Nackten Mann nach eigenen Worten mit seiner Arbeit eine Art "Wiedergeburt" ermöglichen will. "Und dem muss man schon Genüge tun. Da kann man nicht einfach eine Kopie vor das Stadion stellen."

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (5)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   AlterMann
    (378 Beiträge)

    05.10.2021 15:32 Uhr
    Hose
    Vielleicht sollte man dem armen Kerl auch gleich eine Hose anziehen, wird nämlich kalt draußen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   UngueltigDannZuLang
    (398 Beiträge)

    04.10.2021 12:26 Uhr
    Zitat: 'Da kann man nicht einfach eine Kopie hinstellen'
    Warum nicht? Weil er schon eine 'verkuemmerte' Kopie einer Heldendarstellung ist? Da sollte es doch einfach sein, ihn mit einer Kopie zu ersetzen.
    Aber noch besser. Vielleicht koennte man auch darueber nachdenken, den nackten Mann vor dem KSC-Stadion mit einer Julius-Hirsch-Statue zu ersetzen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (12898 Beiträge)

    04.10.2021 13:28 Uhr
    Julius Hirsch
    gehört zum KFV. Da ist der Wildpark die falsche Ecke von Karlsruhe.

    Ich könnte ihn mir jedoch anstatt des Reiterdenkmals des Kartätschenprinzen neben dem Mühlburger Tor, oder am früheren KFV-Platz an der ehemaligen Telegrafenkaserne sehr gut vorstellen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   UngueltigDannZuLang
    (398 Beiträge)

    04.10.2021 13:48 Uhr
    Richtig
    Der Wildpark ist jetzt aber auch nicht Muehlburg, oder?

    Wie lang sich Unterschiede doch halten koennen. zwinkern

    Und der Englaenderplatz, an dem Fussball (meines Wissens) in KA gross geworden ist, ist naeher am Wildpark als an Muehlburg. Und dabei hat der KFV auch eine Rolle gespielt.

    Wenigstens gibt es in der Naehe des ehemaligen KFV Stadions eine Julius-Hirsch-Strasse.

    Irgendwie habe ich inzwischen den Eindruck, dass man froh /stolz sein kann, wenn man in KA kein Denkmal hat.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (12898 Beiträge)

    04.10.2021 07:46 Uhr
    "Der nackte Mann ist besser konstruiert als jede Autobahnbrücke"
    und sollte eine zuverlässige Schutzlasur gegen die Anhaftung roter Farbe erhalten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen