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Karlsruhe KSC-Analyse: Defensive, aber sonst nix - geht so ausgewogene Transferpolitik?

Nichts geht mehr. Am 31. August um 18 Uhr schloss das Transferfenster in den deutschen Profiligen und damit auch für den Karlsruher SC. Auf einen Neuzugang warteten die Fans vergebens. Die Last-Minute-Leihe von Fröde könnte zu Problemen im Laufe der Hinrunde führen. Auch das Kreativitätsproblem in der Offensive wurde nicht gelöst. Derweil strotz es in einem anderen Mannschaftsteil nur so vor Qualität und Quantität. Eine Analyse.

Das Transferfenster ist nun für einige Monate geschlossen. Der KSC hat zuvor neue Spieler verpflichtet. Zielgerichtet, für die Positionen, die im Kader zu dünn besetzt waren. Das traf auf die Viererkette zentral und links zu.

Das Prunkstück: die Abwehr

In der Innenverteidigung standen mit Christoph Kobald, dem aktuell verletzten Robin Bormuth und Routinier Daniel Gordon nur drei Profis unter Vertrag. Zu wenig. Links fehlte nach dem Abgang von Dirk Carlson zu Erzgebirge Aue ein Backup für Philip Heise. Beide Baustellen wurden geschlossen. Dort wurde der Kader quantitativ ergänzt.

Robin Bormuth (KSC32) und Christoph Kobald (KSC 22) sorgten zu Beginn der Saison dafür das der KSC in der Defensive meist gut stand.
Robin Bormuth (KSC32) und Christoph Kobald (KSC 22) sorgten zu Beginn der Saison dafür das der KSC in der Defensive meist gut stand. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Für die Innenverteidigung kam von Eintracht Frankfurt II der 19-Jahre alte Felix Omoruyi Irorere. Wie Irorere erhielt auch Kilian Jakob einen Zweijahresvertrag. Der 23-Jährige, zuletzt Augsburg II, ist Backup für Linksverteidiger Heise. Für KSC-Eigengewächs Jannis Rabold dürfte es nun noch schwerer werden, Einsatzminuten zu bekommen. 

Die Neuen gelten als talentiert, werden kurzfristig wohl kaum die Qualität erhöhen, denn es ist nicht bewiesen, dass ihre Fähigkeiten für Liga zwei ausreichen. Positiv dennoch: Die Neuzugänge waren aktuell ablösefrei, bei einem KSC-Aufstieg muss nachbezahlt werden.

O'Shaughnessy bringt im Winter internationale Erfahrung mit

Im Vorgriff auf die Rückrunde wurde der finnische EM-Teilnehmer Daniel O'Shaughnessy in den Wildpark geholt. Er stößt im Dezember - dann ist er ablösefrei - zum KSC, wird dann der fünfte Innenverteidiger sein. Wurde O'Shaughnessy gar schon im Hinblick auf die Saison 2022/2023 verpflichtet? Rechnet man mit einem Abgang von Kobald (Vertrag bis 2022)? Oder einem Karriereende von Daniel Gordon?

Daniel Gordon (KSC 3) am Ball
Daniel Gordon (KSC 3) am Ball | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Für die Gegenwart spielt dies zunächst keine Rolle. Fakt ist: Die ohnehin schon gute KSC-Abwehr (drei Gegentore) wurde sowohl qualitativ als auch quantitativ verstärkt. Aber ein Problem bleibt trotz der Neuzugänge in der Viererkette: Es fehlt an Kreativität, Torgefahr, an Zielstrebigkeit in der Erarbeitung von Chancen.

Sorgenkinder: Offensive und zentrales Mittelfeld?

Um dieses Problem zu beheben, wäre ein offensiver Mittelfeldspieler nötig gewesen. Es fehlt ein Kreativspieler und auch auf den Außenbahnen hat bisher keiner der zahlreichen Profis (Kother, Kaufmann, Cueto, Lorenz, Schleusener, Thiede) im Kader seinen Anspruch auf einen Startelfplatz nachhaltig hinterlegt. Dieses Manko wurden nicht behoben.

Marco Thiede (KSC 21) in Orange im Duell gegen Dominik Kother (KSC19) im Sprung und Kopfball.
Marco Thiede (KSC 21) in Orange im Duell gegen Dominik Kother (KSC19) im Sprung und Kopfball. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Nicht ersetzt wurde Lukas Fröde, der an Ligakonkurrenten Rostock ausgeliehen wurde. Da mit Leon Jensen (Kreuzbandriss) noch ein zentraler Mittelfeldspieler verletzt ist, könnte bei weiteren Ausfällen oder Sperren ein Engpass drohen.

Danilo Soares (Bochum 3) in der Abwehr gegen Jerome Gondorf (KSC 8) und Marvin Wanitzek (KSC 10)
Danilo Soares (Bochum 3) in der Abwehr gegen Jerome Gondorf (KSC 8) und Marvin Wanitzek (KSC 10) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Denn mit Jerôme Gondorf, Marvin Wanitzek, Kyoung Rok-Choi und Youngster Tim Breithaupt stehen nur vier zentrale Mittelfeldspieler im KSC-Kader. Eichner müsste dann improvisieren. Hinzu kommt: Eichner bevorzugt ein System mit drei zentralen Mittelfeldspielern. Somit stellt sich die Frage wie der Konkurrenzkampf in der Zentrale hoch gehalten werden soll, wenn drei von vier Spielern immer auf dem Platz stehen. 

Kein Transfer am Deadline Day

Beim KSC ist man sich dieser Probleme, der fehlenden Kreativität und dem möglichem Personalengpass in der Besetzung des Mittelfelds, absolut bewusst. Wie ka-news.de aus Spielerberaterkreisen erfuhr, hat man sich kurz Ende der Transferperiode seitens des KSC ganz intensiv mit der Verpflichtung eines Mittelfeldspielers beschäftigt. Aber diese Bemühungen führten bekanntlich zu nichts.

Zudem: Alle Bemühungen leiden noch unter der leeren KSC-Kasse, unter der erst kürzlich abgewendeten Insolvenz. Dazu führte auch die hohe Anzahl von teuren Fehleinkäufen (Stroh-Engel, Möbius, Sané, Siebeck…) und die dafür fälligen, horrend hohen Abfindungen. Die berechtigten Wünsche des Trainerteams wurden wohl nur teilweise erfüllt.

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  •   Robert1959
    (2167 Beiträge)

    03.09.2021 21:49 Uhr
    Warum immer nach Backups suchen?
    Ziel sollte es doch sein die Stammspieler zu Backups zu machen! Was hat der 6. Platz für die Planungssicherheit gebracht? Ich war ja froh, dass man zuerst einen Mittelspieler verpflichtete, der allerdings sich noch nicht in der 2 BL etabliert hatte. Ich bin froh, dass wir Hoffmann noch haben. Choi und Wanitschek gehören in der jetzigen Form auf die Bank, dafür gehört Breithaupt auf den Platz und vielleicht bietet sich auch aus dem Kader jemand an, der ebenso die Position im Mittelfeld spielen kann. Die Kaderplanungen sind für mich ein Rätsel. Warum braucht man 4 Torhüter, zwei sind total ausreichend! Diese 8 Punkte machen mich nicht euphorisch, die starken Teams kommen noch!
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  •   KSC1894
    (618 Beiträge)

    03.09.2021 09:46 Uhr
    OK hat sich bemüht
    tja wie immer. Das ist auch die Beurteilung für seine Arbeit beim KSC. Er hat sich bemüht. Der Abfindungszahlmeister der seit Jahren (fast) keine Transfererlöse erzielt. Talente vom Hof jagt. Viele Trainer geheuert und gefeuert hat. Aufgeblähte Kader mit teuren Winternachkäufen, die meistens Flops waren. Gerne alte Spieler auf dem absteigenden Ast mit null Verkaufschancen holt. Ist an der leeren Kasse der Hauptverantwortliche. Sein Kaderplaner, den er von seiner glorreichen 60er Zeit kennt, ist nicht viel besser. OK hat es in all seinen Jahren nie geschafft Mannschaften aufzubauen die sich stetig verbessern. Da wird der Trichter genommen, fleißig mit Spielern oben gefüllt und mit viel Glück kommen 2,3 gute raus. Der Rest sitzt sein Geld auf der Bank ab. Durch seine Misswirtschaft wurde die 2. abgemeldet. Die dümpelte in der Oberliga rum. Eigene Talente sind OK ein Dorn im Auge. Werden vernachlässigt. Er bemüht sich halt seit Jahren um bessere Spieler. Erfolglos.
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  •   sauerbraten
    (2282 Beiträge)

    03.09.2021 09:36 Uhr
    Hoppla, hat da jemand die
    Kommentare hier im Forum gelesen und daraus einen "eigenen" Artikel gemacht? Man weiss es nicht. Sicher ist jedenfalls, dass wir jetzt an so mancher Stelle derart ueberbesetzt sind, dass ein so vielversprechendes Nachwuchstalent, wie Rabold, wohl demnaechst seinen Spind raeumen muss, waehrend wir auf andereren Positionen kaum Alternativen und somit keine Konkurenzsituation haben. Wann Wanitzek & Choi ihr letztes richtig gutes Spiel gemacht haben, faellt mir jetzt spontan schon gar nicht mehr ein, aber darauf zu reagieren, ist quasi unmoeglich, da wir wenig bis nix in der Hinterhand haben. Ausgewogen geht anders. Irgendwo auffaellig ist uebrigens auch, dass es mitlerweile kaum noch "Akademie-Absolventen" gibt, die sich nachhaltig bei den Profis durchsetzen - was laeuft da schief? Es gab Zeiten, in denen KSC-Nachwuchsspieler internationale Karrieren machten - seit Hakan kam da von uns gar nix mehr - da stimmt was nicht und das kann nicht nur am Nachbar, Hoffenheim, liegen
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  •   Markymark
    (560 Beiträge)

    03.09.2021 10:28 Uhr
    Denke mal
    Man scoutet...Ziel sollte dabei sein, gute Spieler zu verpflichten bevor Sie von anderen verpflichtet werden , leider auch in der heutigen Zeit schwierig, da jeder und alles überwacht wird, mir fällt auf, dass Kreuzer nur dann erfolgreich ist wenn er geräuschlos arbeitet, wenn quasi wir alle überrascht werden, sobald ein Name kursiert kommt Schalke, Darmstadt, Paderborn und bietet mehr....
    denke so geht es vermutlich auch in der Scouting Abteilung, kursiert beim KSC ein Name hat man sofort Freiburg/Stuttgart/Hoffenheim als Konkurrenz (und dann ja das liebe Geld)...und geräuschlos ist schwierig wenn die Gegenseite selbstbewusst auftritt. Die Bilanz aus dem Nachwuchszentrum ist dürftig aber auch nicht hoffnungslos, es fällt auf, dass viele Talente sich bei den großen Clubs verlieren und da besteht eine Chance...Talente zu überzeugen, aber dafür braucht man auch Taten und positive Beispiele. Ein konsequenteres Konzept - Spieler in die Profi Mannschaft zu bekommen -.
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  •   schwarzvoraugen
    (4256 Beiträge)

    03.09.2021 09:28 Uhr
    Es fehlt die Balance und Ausgewogenheit
    CE wurde in der Saisonvorbereitung zitiert im OM bestehe kein Handlungsbedarf. Diese Fehleinschätzung lag bereits ein Jahr zuvor ebenso vor. Auch damals war der Fokus gerichtet auf den Ersatz vom Ersatz der AV Positionen. Konsequenz: man hatte dann Jung noch verpflichtet, der dann fast die ganze Saison verletzungsbedingt ausfiel…

    Wie in der Abwehr haben wir wohl auch im Scoutingbereich eine hohe Anzahl von Kostenträgern, die wohl auch für die Misere mit verantwortlich sind. Ich hoffe nur, man plant hier bereits voraus für den Weggang von Hofmann. Hier stünde es dem KSC sehr gut zu Gesicht bereits in der Winterpause eine Alternative zu präsentieren. Stärkt die Verhandlungsposition und gibt sportliche Alternativen.

    Es fehlt offensichtlich an strategischer Weitsicht in der Kaderplanung, Rückkehr zur Schrotflinte erkennbar. Das Präsidium tut gut daran auch für die Position des SD rechtzeitig für Nachfolge zu sorgen. Bitte dafür NICHT die Scoutingabteilung beauftragen….
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  •   Schmarow
    (1102 Beiträge)

    03.09.2021 08:09 Uhr
    Sehr gut zusammengefasst
    Vielleicht könnte Herr Putzing mit diesen Fragen an CE und OK herantreten. Die Herren können sicherlich fachlich beantworten, warum es keinen Handlungsbedarf in der Offensive gibt oder gab und weshalb man nur Verteidiger geholt hat.
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  •   Markymark
    (560 Beiträge)

    03.09.2021 09:28 Uhr
    Transferpolitik
    Man war an Cuni laut TM dran, dass er jetzt nach Paderborn geht, sieht man dass es möglich war ihn zu holen.
    Nehme Kreuzer auch ab, dass er sich um eine neue Goller Leihe bemüht hat. Bei beiden hat es wohl letztendlich am Geld gefehlt für die Verpflichtung weiterer Leihspieler, Ablösen kann der KSC ohnehin nicht bezahlen. Spieler sind aber meine Meinung nach in allen Mannschaftsteilen genug da, man hat sich jetzt noch den Luxus geleistet Fröde abzugeben, trotz der Jensen Verletzung. Aber denke man wird wohl in der Winterpause noch was machen müssen. MF leidet meiner Meinung nach.

    Denke man sollte jetzt die Kother/Batmaz in die Pflicht nehmen und sie Konsequenter einsetzen, vielleicht auch im Offensiven Mittelfeld, Batmaz hat das ja orderntlich schon gemacht auf der Choi Position und dann schauen ob man in der Winterpause wirklich noch was tun muss, wenn sich bis dahin einfach niemand aufdrängt.
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  •   Schmarow
    (1102 Beiträge)

    03.09.2021 09:57 Uhr
    Ablöse
    könnte der KSC eventuell schon zahlen, bei einer anderen Strategie. In den letzten Jahren hatte man, wie auch jetzt, einen großen Kader mit bis zu 30 Spielern gesetzt. Auch wenn die meisten keine Ablöse gekostet haben, verdienen sie eine gewisse Summe x im Jahr, die auch mit dem Budget zusammen passen sollte.
    Die Pouries, Wimmer, Heises usw. haben beim KSC sicherlich nicht schlecht verdient. Und auch der finnische EM-Spieler ist nicht (nur) aufgrund von OKs Charme oder den ambitionierten Zielen (Klassenerhalt) in die zweite Liga gewechselt. Das Jahresgehalt wird auch ein Grund des Wechsels gewesen sein.
    Wenn man bspw. auf einen 22 Mann Kader setzt, würde das auch (kleinere) Ablösesummen (+ Gehälter natürlich) ermöglichen. Aber die Strategie der letzten Jahre war eben ein großer Kader. Und die Tatsache, dass Nachwuchsspieler gehen und externe Spieler hinzustoßen, lässt vermuten, dass die Finanzierung des Kaders diese Saison nicht billiger wird.
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  •   schwarzvoraugen
    (4256 Beiträge)

    03.09.2021 10:19 Uhr
    Das Problem
    die Nachwuchsspieler die gehen bringen auch Null Transfererlöse.

    Ich bin mir nahezu sicher, dass bei Leihen an Regionalligisten auch hier sogar noch subventioniert wird.

    Wir bluten damit nachhaltig aus.

    Finanziell gestresste Zeiten gilt es zu nutzen, um Fett abzubauen und in schlanken Strukturen gestärkt und agil aus der Krise hervorzugehen. Ich sehe nicht, dass man dieses Grundprinzip der Ökonomie verstanden hat.
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  •   KSC-Hokey
    (47 Beiträge)

    03.09.2021 11:33 Uhr
    SD
    Gibt es eigentlich für den Posten Sportdirektor eine Ausbildung/Kurse?
    Oder ist eine Lehre als Bankkaufmann völlig ausreichend grinsen
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