9  

Karlsruhe Kommen und Gehen im Wildpark: Was haben die Trainer-Wechsel gebracht?

Der Start in die Saison verpatzt, das Saisonziel Wiederaufstieg in Gefahr. Der Karlsruher SC sah sich zum Handeln gezwungen und trennte sich - wieder einmal - vom Trainer. ka-news hat einen Blick auf die Trainerfluktation der letzten Monate im Wildpark geworfen.

Markus Kauczinski (1558 Tage)

Er stand für Konstanz beim KSC: Markus Kauczinski (47), der vor seinem Engagement als Cheftrainer bereits mehrfach als Interimslösung ausgeholfen hatte. Von März 2012 bis Juni 2016 war er über vier Jahre als Cheftrainer für den Karlsruher SC verantwortlich. Er stieg mit dem Verein durch die Relegation in die Dritte Liga ab, führte das Team ein Jahr später als souveräner Drittliga-Meister zurück in die Zweite Liga und erreichte 2015 sogar die Relegation zur Fußball-Bundesliga.

Markus Kauczinski
Markus Kauczinski zählte zu den erfolgreichsten KSC-Trainern der Vergangenheit. Er war über vier Jahre im Amt, deutlich länger als all seine Nachfolger zusammen. Archivbild | Bild: fu-sportfotografie

Dort verlor man das Rückspiel im Wildpark unglücklich gegen den Hamburger SV und verpasste so den Aufstieg. Zum Ende der Saison 2015/2016 verließ Kauczinski nach vier Jahren, drei Monaten und fünf  Tagen den KSC in Richtung Bundesliga. Dort übernahm er zur Saison 2016/2017 den Cheftrainer-Posten beim FC Ingolstadt. Kauczinskis Wechsel, der Beginn eines munteren Trainer-Roulette im Wildpark:   

Tomas Oral (157 Tage)

Tomas Oral war der Mann, der das Erbe von Markus Kauczinski fortsetzen sollte. Doch nach nur einem knappen halben Jahr beendete der Karlsruher SC am 4. Dezember die Zusammenarbeit mit dem 44-jährigen. Die Oral-Entlassung gehörte zu den ersten Amtshandlungen vom neuen, alten KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer.

Tomas Oral
Tomas Oral wurde nach 157 Tagen im Traineramt entlassen. | Bild: Caro Reisenauer

Dieser hatte erst am 1. Dezember seinen Posten als Sportchef angetreten, schon musste er Oral die Tür zeigen. Fünf Monate und 4 Tage hielt die Verbindung zwischen Oral und dem KSC. 14 Punkte die Oral bis zu seiner Entlassung holte, waren zu wenig für die Ansprüche der Blau-Weißen. Eine 1:2-Niederlage gegen Greuther Fürth am 15. Spieltag besiegelte Orals Aus. Unter seiner Verantwortung konnte die Mannschaft nur zwei Spiele gewinnen und stand auf Relegationsplatz 16 . Den Klassenerhalt, den Oral in den Jahren zuvor mit seinen Teams schaffte, trauten ihm die Verantwortlichen beim KSC nicht zu.

Lukas Kwasniok (17 Tage)

Die letzten beiden Spiele bis zur Winterpause betreute U19-Coach Lukas Kwasniok (36) die Mannschaft interimsweise.

Interimstrainer Lukas Kwasniok übernahm für zwei Spiele, war insgesamt 17 Tage für die Profimannschaft verantwortlich. | Bild: Thomas Eisenhuth

Doch auch unter der Leitung von Kwasniok waren die Resultate nicht überzeugend. Zwar blieb Kwasniok während seiner kurzen Amtszeit ungeschlagen, allerdings gelang dem KSC auch kein eigener Treffer. Beide Spiele, gegen Dresden und zu Hause gegen Braunschweig endeten 0:0. Immerhin verbesserte sich der KSC unter Kwasniok um einen Platz und kletterte in der Tabelle von Platz 16 auf Platz 15. Mit dem Ende der Hinrunde kehrte Kwasniok als Trainer zu den A-Junioren zurück.  

Mirko Slomka (104 Tage) 

Nach der Enttäuschung mit Thomas Oral, zauberte Sportdirektor Oliver Kreuzer einen echten "Kracher" aus dem Ärmel. Mirko Slomka (49) wurde am 22. Dezember im Wildpark vorgestellt und sollte den Karlsruher SC in der Wintervorbereitung zurück in die Erfolgsspur führen. Slomka schaffte es als Trainer mit Schalke 04 und Hannover 96 in den Europacup. KSC-Sportdirektor Kreuzer arbeitete mit Slomka bereits 2014 zusammen beim Hamburger SV.

KSC-Trainer
Mirko Slomka sollte den KSC im Januar zurück in die Erfolgsspur bringen. Nach 104 Tagen war der ambitionierte Trainer gescheitert. |

Seine Trainer-Premiere für den KSC feierte Slomka am 18. Spieltag mit einem 3:2-Erfolg über Arminia Bielefeld. Es folgte ein 1:1-Unentschieden gegen Bochum und eine 1:2-Pleite in München bei 1860. In insgesamt zehn Spielen konnte Slomka nur zweimal gewinnen und kassierte sechs Niederlagen. Der KSC war unter Slomka von Platz 15 auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Drei Monate und zwei Wochen nach seiner Vorstellung musste der mit viel Vorschusslorbeeren verpflichtete Slomka seinen Hut nehmen.

Marc Patrick Meister (138 Tage)

Auf Slomka folgte Marc-Patrick Meister. Der bisherige Coach der U17-Mannschaft des KSC hatte einen Teil seiner Trainerausbildung beim spanischen Spitzenklub Real Madrid absolviert. Er sollte beim KSC als "Kind der Region" das Ruder rumreißen und den Verein noch vor dem drohenden Abstieg retten. Der 37-jährige Bruchsaler übernahm die Profimannschaft am 5. April 2017 mit 22 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz der 2. Liga. Zu diesem Zeitpunkt hatte man bereits zehn Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz und acht Punkte auf den Relegationsplatz.

Marc-Patrick Meister
Marc-Patrick Meister konnte den Abstieg nicht verhindern. Nach verpatztem Start in der Dritten Liga musste er, trotz Vertrages bis 2019, gehen. | Bild: Peter Steffen/Archiv

Am 28. Spieltag saß er im Derby beim VfB Stuttgart zum erstmals auf der Trainerbank und unterlag mit 2:0. Auch das darauf folgende Heimspiel gegen Heidenheim (0:1) ging verloren, genau wie die beiden Derbys am 30. Spieltag gegen Sandhausen (0:4) und eine Woche später zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern (1:2). Der zweite Abstieg der Vereinsgeschichte in die Dritte Liga war somit schon drei Spieltage vor Saisonende besiegelt. Am Ende konnte Marc-Patrick Meister nur einen Sieg in sieben Spielen als Zweitliga-Trainer einfahren.

Dennoch entschieden sich die Verantwortlichen um Sportdirektor Oliver Kreuzer mit Meister in der Dritten Liga weiter zu arbeiten und verlängerten sogar seinen Vertrag bis 2019. Doch statt wie erhofft von Beginn an um den anvisierten Wiederaufstieg in Liga Drei mit zuspielen, setzte sich Meisters Negativserie fort: Nur ein Sieg (2:1 gegen Wiesbaden) aus den ersten fünf Spielen waren zu wenig und brachten dem ehemaligen Junioren-Coach am 20. August die Entlassungspapiere ein. Meister, dessen Karriere als Jugendtrainer beim HSV und Borussia Dortmund begann, war insgesamt vier Monate, zwei Wochen und zwei Tage als Chef-Trainer für die Profimannschaft des KSC tätig.

Löw und Kuntz arbeiten heute erfolgreich beim DFB

Das der Karlsruher SC für Trainer auch ein Karrieresprungbrett sein kann, beweisen Joachim Löw (57) und Stefan Kuntz (54). Beide arbeiten heute erfolgreich als Trainer beim Deutschen Fußball Bund (DFB). Löw arbeitete zwischen Oktober 1999 und April 2000 als Trainer im Wildpark. Unter seiner Leitung gewann der KSC jedoch nur Eines von insgesamt 18 Spielen.

Bundestrainer
Joachim Löw gewann mit der Deutschen Nationalmannschaft den WM-Titel und den Confed-Cup. | Bild: Thomas Frey

Seit mittlerweile 11 Jahren arbeitet Löw erfolgreich als Bundestrainer der Deutschen Nationalmannschaft. Er ist der erfolgreichste Bundestrainer der Geschichte. Außerdem gewann er mit der Nationalmannschaft 2014 den WM-Titel und führte diesen Sommer eine Nationalelf mit vielen Spielern aus der zweiten Reihe zum Gewinn des Confed-Cups.

Stefan Kuntz war ebenfalls zum Anfang des neuen Jahrtausends als Trainer beim KSC verantwortlich. Zwischen Juli 2000 und September 2002 saß der Europameister über zwei Jahre auf der Trainerbank des KSC, der damals in die drittklassige Regionalliga abgestiegen war.

Stefan Kuntz
Ex-KSC Trainer Stefan Kuntz gewann im Sommer mit den DFB-Junioren die Europameisterschaft. | Bild: Jan Woitas

Mit Kuntz gelang der angestrebte Wiederaufstieg. Nach nur zwei Punkten aus den ersten sechs Spielen der Saison 2002/03 wurde Kuntz am 25. September 2002 entlassen. Nach einer längeren Pause im Trainergeschäft, betreut Stefan Kuntz seit 2016 als Bundestrainer die deutsche U21-Nationalmannschaft und führte sie im Sommer zum Gewinn der Europameisterschaft.

Und nach dem KSC?

Für Kauczinski lief es bei seiner neuen Station ähnlich schlecht wie für seinen Nachfolger beim KSC, Tomas Oral. Kauczinski wurde beim damaligen Bundesligisten Ingolstadt, rund einen Monat vor Oral, im November entlassen und ist seither ohne neuen Verein. Auch Oral, Slomka und Meister sind im Moment (noch) ohne Trainerjob. Ob sich den "Verflossenen" des KSC ähnliche Karrierechancen öffnen wie Joachim Löw, Stefan Kuntz oder Kult-Trainer Winfried Schäfer (nahm als Nationaltrainer mit Kamerun an der WM 2002 teil) bleibt abzuwarten.

Schwartz ist Kreuzers sechster Trainer

Alois Schwartz ist Trainer Nummer sechs den Oliver Kreuzer als Sportdirektor für den KSC verpflichtet hat. Kreuzer, der am 1. Dezember vergangenen Jahres als Sportdirektor zum KSC zurückgekehrt war, hatte bereits während seiner ersten Amtszeit zwischen 2011 und 2013 drei verschiedene Trainer in den Wildpark geholt.

Neuer Cheftrainer beim Karlsruher SC
Oliver Kreuzer präsentierte mit Alois Schwartz den vierten Trainer innerhalb eines Jahres. Schwartz soll den KSC zurück in die Erfolgsspur bringen. Daran waren seine Vorgänger bisher gescheitert. | Bild: Uli Deck (dpa)

Nachdem Rainer Scharinger und Jörn Andersen damals beide nach wenigen Monaten wieder gehen mussten, verpflichtete Kreuzer mit Junioren-Trainer Markus Kauczinski die lang ersehnte Dauerlösung. Vielleicht heißt es für Kreuzer und den KSC mit der Verpflichtung von Alois Schwartz auch dieses mal wieder: Aller guten Dinge sind drei.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet !

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (9)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Aussie
    (545 Beiträge)

    04.09.2017 11:02 Uhr
    Die Trainer-Wechsel haben NICHTS gebracht,
    sonst hätten sie ja nicht stattgefunden. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karl143
    (307 Beiträge)

    04.09.2017 09:40 Uhr
    Der Fisch stinkt vom Kopf
    Oliver Kreutzer ist doch mit Verlaub geschrieben, der mit Abstand schlechteste Mann auf diesem Posten. Wo hat er mal was gerissen. Als der HSV mit Geld lockte war er weg, um jetzt wieder aus tiefster Seele KSC`ler zu sein. Ein reiner Geldjäger. Der gehört rausgeworfen. Wenn er einigermaßen Charakter hätte, würde er von selber gehen. Aber das bedeutet ja, auf Geld verzichten. Der schmeißt Geld raus, was ihm nicht gehört. Zum Kotzen....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Robert1959
    (1678 Beiträge)

    03.09.2017 22:03 Uhr
    Das Problem waren nicht die Trainer,sondern Todt
    Monatelang Zeit die Mannschaft zu verstärken und stattdessen wurde sie zerschlagen für eine Multi-kultitruppe von der Resterampe.Jeder normale Fußballfan wußte, dass dies nicht funktioniert, und wozu noch die Rentenverträge.
    Ich hatte von Kausczynskis Defensivtaktik die Schnauze voll.Unter Oral gab es seltsame Aufstellungen, er war aber von niemanden der Wunschtraier.Slomka scheiterte auch an der Mannschaft- Es war schon eine kampflose und ehrlose Mannschaft und unter Meister ebenso. Ohnehin hätte ich Slomka die Restsaison durchspielen lassen.
    Ich denke schon, dass Schwartz der Richtige ist. Mit dieser Mannschaft muß man ganz oben mitspielen können, am besten wäre es, wenn er auf Schöneck ein Intensiv und Taktiktraining macht-Er hat schon viel zu tun_aber er hat ja seinen co Trainer schon mitgebracht
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   sauerbraten
    (1642 Beiträge)

    04.09.2017 17:03 Uhr
    Mag ja durchaus sein, dass der Todt auch
    keine Leuchte war, aber was um Himmels Willen, hatte der Todt mit den komplett daneben gegangenen Panikkäufen des letzten Winters zu tun, wer schlug das Engagement/den Abschuss von Slomka vor, wer war dann total von Meister überzeugt, wer liess Mehlem gehen, der jetzt bei Darmstadt glänzt und der Schwartz merkt jetzt, Surprise, Surpprise, dass es ihm an Kreativspielern fehlt im Kader, wer bastelte die aktuelle Abwehr zusammen? Also alles was recht ist - vielleicht gabs nach Todt ja den Gedanken, dass es schlimmer nicht geht - doch, es geht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   107
    (186 Beiträge)

    03.09.2017 16:26 Uhr
    Nicht nervös werden
    Trainer Schwartz kennt seine Pappenheimer. Wer nicht will, bleibt draußen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Filou99
    (1184 Beiträge)

    03.09.2017 15:55 Uhr
    Unsinn
    "Womöglich versprachen sich die KSC-Verantwortlichen mit Kwasniok eine ähnliche Erfolgslösung wie einst mit Markus Kauczinski aus dem Hut zu zaubern."

    Kwasniok hatte keine Lizenz und durfte nur die 2 Spiele machen. KA-News, bitte nicht immer Blödsinn schreiben.

    Vielleicht gehen euch ja langsam die Artikel über eine Eisdiele in der Oststadt aus?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (9735 Beiträge)

    03.09.2017 15:53 Uhr
    ka-news, das Wochenende und die liebe Grammatik:
    "Das der Karlsruher SC für Trainer auch ein Karrieresprungbrett sein kann, beweisen ..."

    ...mir fehlen einfach die Worte!
    Und niemand liest das offenbar am Wochenende durch, bevor es unter das Volk kommt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gegengerade1975
    (16 Beiträge)

    03.09.2017 20:58 Uhr
    Volle
    ..Zustimmung. Und Kwasniok sollte ganz bestimmt nicht "aus dem Hut gezaubert" werden, da er als nicht-Fußballlehrer sowie so nur 2Wochen randurfte...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   stev777
    (269 Beiträge)

    03.09.2017 13:24 Uhr
    Der Schuss muss jetzt sitzen
    Sonst muss dann - leider - mal wieder ein neuer Sportdirektor her.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben