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Karlsruhe KSC-Nachwuchs Janis Hanek und Tim Kircher: Zwei mit Potential aus dem Karlsruher Talentschuppen

Talente gab's im Wildpark immer. Man denke an die Topstars Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Jens Nowotny oder auch Lars Stindl. Allesamt beim KSC ausgebildet, alle wurden Nationalspieler. Auch im aktuellen Kader stehen zwei Eigengewächse, die über großes Potential verfügen.

Janis Hanek und Tim Kircher, beides Eigengewächse der Blau-Weißen. Aber: Die mit den Topstars zu vergleichen wäre nicht gerecht. Doch das Duo kann durchaus einen Weg gehen, den einige andere, im Wildpark ausgebildete, beschritten. Man denke an Jannik Dehm, der beim Zweitligisten Holstein Kiel als Rechtsverteidiger gesetzt ist. Oder an Felix Lohkemper, inzwischen Stammkraft in der Offensive des Zweitligisten FC Magdeburg. Auch Robert Bauer, der in Liga eins beim 1. FC Nürnberg spielt, erlernte das Fußball-ABC im der Fächerstadt.

Vom Dorfclub zum Profifußball beim KSC

Im Moment geht es für Hanek und Kircher erst einmal darum, überhaupt im Profifußball Fuß zu fassen. Die gebürtigen Rastatter geben dafür alles. Die beiden 20-Jährigen wollen sich in der 3. Liga etablieren. Hanek ist ein zentraler, defensiver Mittelfeldspieler mit strategischen Fähigkeiten. Kircher: Ein Außenverteidiger, der über enorme Offensivqualitäten verfügt.

Karlsruher SC - Hannover 96
Der Hannoveraner Takumo Asano (r. Torschütze zum 0:4) kämpft mit den Karlsruher Janis Hanek (l) und Manuel Stiefler (M) um den Ball. | Bild: Uli Deck (dpa)

Entdeckt wurden beide vom KSC-Jugendscout Benjamin Rey bei einem Hallenturnier in Ötigheim. Damals waren die beiden im zarten Alter von elf Jahren. Hanek spielte damals beim RSC/DJK Rastatt. Das hat Familientradition. Auch Vater Johnny war beim RSC aktiv, spielte in der ersten und zweiten Mannschaft und war auch Trainer von mehreren RSC-Jugendmannschaften. Tim Kirchers Papa Heiko jagte zu gleichen Zeit beim SV Au am Rhein in der Landesliga dem Ball hinterher.

Fußball liegt in der Familie

Kircher wohnt zwar in Elchesheim-Illingen, hat aber mehr Bezug zum SV Au, denn dort spielte er in der Jugend. "Wenn ich auf den Sportplatz gehe, dann in Au", so Tim Kircher. Hanek hat seine Kumpels noch in Rastatt. "Ich bin hin und wieder mal auf dem RSC-Platz, aber das wird wegen der immer mehr eigenen Termine die ich habe, seltener."

Karlsruher SC beim Training, Herren, dritte DFB Liga, Saison 2018/2019, auf dem Kunstrasenplatz 3,  am 08.01.2019 in Karlsruhe (Wildparkstadion), Germany
Tim Kircher im Training. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Tim Kircher, der 2017 sein Fachabitur an der Handelslehranstalt in Rastatt erwarb, hat "noch immer Kontakt zu Schulfreunden." Zuletzt schloss er sein FSJ ab. "Ich will nicht nur auf Fußball setzen. Ausbildung oder Studium. Da sind meine Eltern auch sehr dahinter her", sagt er gegenüber ka-news. 

Zweites Standbein neben der sportlichen Karriere

Auch Hanek, der sein Abitur im Tulla-Gymnasium in Rastatt machte, danach ein FSJ beim Karlsruher SC absolvierte, will "in naher Zukunft Studium oder Ausbildung beginnen. Etwas Genaueres weiß ich nicht. Aber: Man braucht ein zweites Standbein, denn man weiß nie was passiert. Etwas in der Hinterhand zu haben beruhigt", sagt der gebürtige Rastatter im Gespräch mit ka-news. 

Beide wohnen noch bei den Eltern und die sind bei jeder Partie im Wildpark dabei. Kircher bespricht mit seinem Vater das Spiel, wenn er denn zum Einsatz kam. "Einige Aktionen ziemlich genau. Klar, dass ich da richtig zuhöre." Auch für Janis Hanek ist klar, "dass man redet, sich gemeinsam das Spiel nochmals anschaut."

Selbstkritik und Zufriedenheit

Der Mittelfeldmann war mit seinem Startelfeinsatz gegen 1860 München "einigermaßen zufrieden. Ich bin sehr selbstkritisch, versuche zu entdecken, was besser geht. Aber für ein Startelfdebüt war es in Ordnung." Er agierte abgeklärt. Nach einem Fehlpass kurzes Kopfschütteln - dann erkämpfte er den Ball sofort wieder.

; am 30.01.2019, Herren, Fußball, Saison 2018/2019, 3.Liga, Training, Karlsruher SC.
Janis Hanek (KSC 25) schießt den Ball. | Bild: TimCarmele

Auch Tim Kircher war mit seinem ersten Auftritt in der Anfangsformation, beim 0:0 in Unterhaching, zufrieden. "Ich war nervös. Defensiv war's gut - offensiv war's etwas wenig. Im Großen und Ganzen war es gut, aber: Ich hatte wenig Aktionen nach vorne", analysiert er sein Spiel gegenüber ka-news. 

Verständnis für Entscheidungen des KSC-Coach

So richtig rund läuft es für das Duo in Sachen Einsatzzeiten bei den Blau-Weißen noch nicht. Das belegen die Zahlen. Kircher: drei Einsätze - 102 Minuten. Hanek: sechs Einsätze - 138 Minuten. Trotz dieser eher biederen Bilanz fühlen sich beide gerecht behandelt. Die Vorteile von Trainer Alois Schwartz, den nominierten Spielern immer Vertrauen zu geben, wenig zu ändern, sind für die "waschechten" Badener von Nachteil. Dennoch Verständnis? Ja! Bei beiden.

Hanek sagt: "Das ist alles nachvollziehbar." Kircher ergänzt: "Kein Trainer der Welt würde ein so erfolgreiches Team wechseln. Auch wenn ich aufstellen sollte, würde ich bei einer Mannschaft, die so viele Spiele in Folge gut war hat, nichts ändern."

Karlsruher SC beim Training, Herren, dritte DFB Liga, Saison 2018/2019, auf dem Kunstrasenplatz 3,  am 08.01.2019 in Karlsruhe (Wildparkstadion), Germany
Tim Kircher (Karlsruher SC #17) bei Dehnungsübungen. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Der Coach bestätigt den Eigengewächsen "eine gute Entwicklung", auch im körperlichen Bereich. "Daran arbeiten wir. Wir wissen, dass man das braucht", sagt Hanek. Damian Roßbach, der Kircher den Platz als Linksverteidiger wegnimmt, versteht die beiden: "Der Konkurrenzkampf lebt, das ist eben so. Aber das ist eine Situation die ich kenne, als ich im gleichen Alter war. Als Tim für mich wegen meiner Gelbsperre zum Einsatz kam, hat er es sehr gut gemacht. Beide sind gute Jungs, die sich körperlich gut entwickelten", so Roßbach auf Nachfrage von ka-news.

"Sie sind seit Sommer gefühlt jeden Tag im Kraftraum, bereiten sich da vor. Sie sind stabiler und so auch besser im Zweikampf geworden. Sie entwickeln sich von Woche zu Woche besser."

Der Wunsch: mehr Spielzeit

Dennoch sind sie: Bankdrücker. Auch dafür Verständnis bei Tim Kircher und Janis Hanek: "Wir haben einen guten Kader, dadurch trainieren wir auf einem hohen Niveau. Es ist das erste Jahr bei den Profis. Daher ist noch alles im Rahmen", sagt der Nachwuchsspieler im Gespräch mit ka-news. Kircher argumentiert ähnlich: "Der Schritt von der Jugend zu den Profis ist nicht leicht, die neue Herausforderung anzunehmen dauert eben…"

Tim Kircher und Kyoung-Rok Choi
Tim Kircher und Kyoung-Rok Choi im Training. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Ihre Ziele für die restlichen Spiele in Sachen Einsatzzeiten? Kircher: "Noch das eine oder andere Spiel von Anfang an - das wäre cool. Dazu ein paar Einwechslungen - aber: man muss sehen, für uns ist es schwierig. Die Mannschaft spielt gut und erfolgreich. Steht hinten sicher, ist vorne gefährlich. Da ist es klar, dass man nicht wechselt." Hanek sieht das "wie Tim. Wir wollen spielen, wünschen aber den Kollegen Erfolg. Wir sind Mannschaftssportler, da zählt das Team, nicht der Einzelne."

Chefcoach voll des Lobes

Die Einschätzung von Trainer Alois Schwartz ist grundsätzlich positiv: "Der Männerfußball ist eine andere Hausnummer als die U19, das hat man bei beiden gemerkt. Sie hatten anfangs körperlich Probleme, haben sich aber adaptiert. Janis hat im Moment den etwas größeren Schritt gemacht. Er ist etwas lauter, Tim ist ein sehr introvertierter Mensch, er muss mehr Emotionen zeigen. Er ist ein guter Fußballer, klaut viele Bälle, kann ein Spiel lesen. Mehr Leidenschaft wäre gut. Janis ist frecher!"

; am 21.02.2019, Herren, Fußball, Saison 2018/2019, 3.Liga, Pressekonferenz  vor dem Auswärtsspiel gegen Sportfreunde Lotte am 25. Spieltag, Karlsruher SC.
Tim Kirchner und Alois Schwartz in einer Pressekonferenz. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Bleibt abzuwarten wie es weitergeht mit den zwei sympathischen und zurückhaltenden Typen. Beide haben Qualitäten, sind beide mehr Leisetreter denn Lautsprecher, beide leben für den Fußball. "Der Fußball prägt meinen Alltag, da gehört auch die Ernährung dazu", so Hanek. Kircher bekennt: "Ich habe immer Fußball im Kopf, Ergebnisse checken, Neuigkeiten erfahren. Ich lebe dafür, achte auch beim Essen darauf."

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  •   zahlenbeutler
    (1267 Beiträge)

    21.03.2019 11:25 Uhr
    Mehmet Scholl
    erhielt seine erste Grundausbildung beim SV Nordwest Karlsruhe, in deren Clubhaus hat er einen Ehrenplatz. Viele Spieler, auch spätere Nationalspieler und/oder Fussballmillionäre wurden erstmal von kleinen Fussballvereinen von ehrenamtlichen Trainern ausgebildet , sollte man nicht vergessen, bei all dem nicht mehr nachvollziehbarem Geldfluß in den hohen Sphären des Fussballs
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  •   Westfälischer-KSCler
    (1 Beiträge)

    20.03.2019 18:45 Uhr
    Ohne Einsatz keine Fortschritte
    So lange am "alten" Gerüst festgehalten wird, wird das nichts mit Einsatzzeiten. Dabei hätten einige Stammspieler ein Signal der Spielpause durchaus verdient. Aber, da können die Jungs warten bis sie "Schwartz" werden.
    Walldorf, Nöttingen, Hoffenheim II, Waldhof, Sandhausen wird es mittelfristig freuen.
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  •   Samoht500
    (685 Beiträge)

    20.03.2019 17:16 Uhr
    Keine grosse Hoffnung....
    unter einem Trainer Schwartz, der grundsätzlich auf ältere Spieler setzt, so gut wie nie wechselt und auch keinen Mut hat Mal was Neues zu versuchen, haben junge Talente so gut wie keine Chance. Leider!
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  •   Stutenseeler
    (58 Beiträge)

    20.03.2019 19:07 Uhr
    Achtung
    Du siehst das zu kurzfristig. Alle jungen Spieler auf die er gesetzt gesetzt hatte, wurden entweder verkauft oder konnten nicht gehalten werden. Mehlem war damals 22. föhrenbach und Bader 20, muslija 18...
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  •   Samoht500
    (685 Beiträge)

    21.03.2019 10:04 Uhr
    ....
    die von Dir genannten Spieler hatten eigentlich bereits einen Stammplatz bevor Schwartz Ende September 17 Trainer wurde. Somit "musste"Schwartz förmlich diese jungen Spieler bringen, zumal sie durch grosse Leistungen überzeugten.
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  •   Stutenseeler
    (58 Beiträge)

    22.03.2019 12:19 Uhr
    ...
    Das stimmt nicht... rechts hinten spielte für bader camoglu... links hinten verteidigte für föhrenbach Siebeck... auf der 6 spielte Fußballgott Bülow für mehlem... Schwartz war es auch der lorenz auf die Bank setzte und dafür auf Muslija setzte...
    Der vorher nur sporadisch kickte...
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  •   Samoht500
    (685 Beiträge)

    22.03.2019 14:10 Uhr
    ....
    Okay, Danke für die Korrektur. Da lag ich offensichtlich falsch.
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  •   RainerBu
    (783 Beiträge)

    20.03.2019 17:06 Uhr
    liebes ka-news-team
    holt euch nen ehrenamtlichen kostenfreien Korrekturleser vor Freischaltung.Ist ja grausam .
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  •   schwarzvoraugen
    (3174 Beiträge)

    20.03.2019 16:13 Uhr
    Emotionen zeigen
    na da haben die Beiden ja den richtigen Förderer. Schade.
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