Karlsruhe "Eine zweite Mannschaft gehört zu einem Profiverein einfach dazu" - Warum Sebastian Staneker eine KSC-Fanmannschaft gegründet hat

Viel Kritik äußerten Fans, als der Karlsruher SC nach der Saison 2017/2018 seine zweite Mannschaft vom Spielbetrieb abmeldete. Grund für den Rückzug der Oberligamannschaft waren vor allem die hohen Kosten. Nun hat sich eine Fanmannschaft zu Beginn der laufenden Runde gegründet und möchte mehr als nur eine Thekenmannschaft sein. Die Truppe, die sich selbst finanziert, tritt in der untersten Liga, der Kreisklasse C, an.

"Geboren wurde die Idee im KSC-Wintertrainingslager 2018", sagt Sebastian Staneker. Der 35-Jährige ist Mitarbeiter im Fanprojekt Karlsruhe und einer der Mitinitiatoren für den neuen KSC II. Seit der laufenden Saison geht das Team in der Kreisklasse C auf Punktejagd.

"Wir wollten die zweite Mannschaft nicht so einfach aufgeben"

"Wir wollten die zweite Mannschaft nicht so einfach aufgeben", sagt er. "Sie war lange Zeit Teil des Vereins, es hat also auch nostalgische Gründe, denn so eine zweites Team gehört einfach zu einem Profiverein dazu!" Gemeinsam Jörg und Nico Zimmermann, einem Vater-Sohn-Duo, konnte er die Verantwortlichen des KSC überzeugen, dass die zweite Mannschaft wieder den Spielbetrieb aufnimmt. Profis finden sich aber keine mehr in dem Team, die Mannschaft besteht nur aus KSC-Fans. Die Suche nach einem Team gestaltete sich recht unkompliziert. "Wir hatten schnell eine Mannschaft zusammen, die unbedingt im KSC-Trikot auf Punktejagd gehen wollte", sagt Staneker. 

Doch nicht nur auf dem Platz, sondern auch neben dem grünen Rasen begeisterten sich viele für den KSC II. "Zu unserem ersten Pflichtspiel im Pokal gegen Stupferich kamen rund 350 Fans", sagt Staneker. Schwierig wird es nur dann, wenn die Profis und die zweite Mannschaft am selben Tag spielen. "Die Profis haben natürlich eine viel höhere Strahlkraft als wir", so Staneker. 

KSC II, Sebastian Staneker
Sebastian Staneker, Mitarbeiter des Fanprojekts und mitverantwortlich für die Reaktivierung der zweiten Mannschaft des Karlsruher SC. | Bild: ka-news

Spieler, die dann für die zweite Mannschaft auf dem Platz stehen sollen, unterstützen lieber die Profis im Stadion. "Dennoch haben wir immer eine schlagkräftige Truppe stellen können", sagt der Mitarbeiter des Fanprojekts. "Ab und zu verzichtet sogar ein Teil unserer Spieler auf den Besuch im Stadion, wenn sie selbst auf dem grünen Rasen stehen." Dass der Zweitligist spielt merken Staneker und seine Kameraden dann aber auch an der Zuschauerzahl, auch die ist dann überschaubar.

"Jeder will gegen den KSC gewinnen"

Bisher läuft der Start in der Kreisliga allerdings eher durchwachsen: Mit vier Siegen, vier Unentschieden und fünf Niederlagen stehen die Blau-Weißen im Mittelfeld der Liga. Um mehr Punkte zu holen wird fleißig trainiert: Zwei Mal die Woche wird im Wildpark gekickt - die Profis schwitzen im Vergleich fast täglich auf dem Platz. "Bei uns geht jeder Spieler einem Job nach und kann sich nicht nur auf den Fußball konzentrieren", so Sebastian Staneker.

Tabelle Kreisklasse C Karlsruhe.
Aktuell rangiert der KSC II mit 13 Punkten auf dem siebten Platz. | Bild: Screenshot/Fussball.de

Vor allem die Motivation ist bei Spielen gegen die Blau-Weißen, auch wenn es nur eine Amateurmannschaft ist, sehr groß. "Jeder will natürlich gegen den KSC gewinnen", sagt Sebastian Staneker im Gespräch mit ka-news.de. Die Gegner zeigen daher immer sehr viel Einsatz gegen die Truppe aus dem Wildpark.

KSC II, Sebastian Staneker
Sebastian Staneker im Gespräch mit ka-news.de. | Bild: ka-news

Keine zusätzlichen Kosten für den KSC

Der KSC II ist die höchstspielende Herrenmannschaft des eingetragenen Vereins, da die Profis sowie die U19 und U17, in diesem Jahr in eine GmbH & Co KGaA ausgegliedert wurden. "Uns ist wichtig, dass den Verantwortlichen durch die zweite Mannschaft keine zusätzliche Arbeit entsteht, vor allem auch kostentechnisch", so Staneker. Denn das war mit einer der Gründe für die Abmeldung der zweiten Mannschaft 2018. Mit dem KSC arbeitet die zweite Mannschaft trotzdem eng zusammen. "Wir stehen in regem Austausch mit dem Verein und dürfen ja auch die Infrastruktur des KSC nutzen", sagt Sebastian Staneker.

KSC II, Sebastian Staneker
Das Fanprojekt in der Mainestraße muss bald seinen Standort wechseln, da das aktuelle Gebäude dann abgerissen wird. | Bild: ka-news

Die Trikots für die Mannschaft wurden vom Verein gestellt. Der Hauptsponsor ist der selbe wie bei den Profis, nur der Ärmelsponsor ist etwas Besonderes: "Ein Malermeister aus der Fanszene ziert mit seinem Logo nun den Ärmel auf unseren Trikots", sagt Sebastian Staneker. 

"Wollen in ein bis zwei Jahren aufsteigen"

Es wird wohl sehr schwer werden, an die Erfolge der alten zweiten Mannschaft anzuknüpfen, die bis zum Jahr 2018 noch in der Oberliga Baden-Württemberg, der fünfthöchsten Klasse, spielte. Um in dieser Liga zu spielen müsste die Reserve des Karlsruher SC insgesamt sechs Mal den Aufstieg feiern.

Erfolg möchte Staneker und sein Team auf jeden Fall haben - aber nicht um jeden Preis. "Wir werden unsere Identität nicht aufgeben", so Staneker im Gespräch mit ka-news.de. Zu dieser Selbstidentifikation gehört, dass kein Spieler auch nur einen Cent dafür bekommt, dass er für den KSC II die Schuhe schnürt. 

KSC II, Sebastian Staneker
Bild: ka-news

Nun bleiben die Schuhe allerdings erstmal in der Sporttasche, denn es ist Winterpause. "Eventuell kommen zwischen den Jahren zwei bis drei Neuzugänge und dann wollen wir in der Rückrunde so viele Punkte wie möglich sammeln", sagt Staneker im Gespräch mit ka-news.de. Diese Mission geht dann Anfang März kommenden Jahres weiter.

ka-news.de Hintergrund:
Zum Ende der Saison 2017/18 hat der Karlsruher SC seine zweite Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Hauptsächlicher Grund für diesen Schritt waren finanzielle Einschnitte – die zweite Garde kostete den Verein rund eine halbe Millionen Euro im Jahr.
Durch die Abmeldung gab es eine Kostenersparnis von 70 bis 80 Prozent.
Ein Teil der Oberligamannschaft hatte im Anschluss die Möglichkeit Spielpraxis beim Kooperationsverein S Spielberg zu sammeln, allerdings nahm diese Kooperation nie richtig Fahrt auf.
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