11  

Hamburg/Karlsruhe Joe Zinnbauer: Ex-KSC-Amateurcoach jetzt HSV-Chefcoach

Der Nächste, bitte! Nach der Entlassung von Mirko Slomka soll sich der bisherige U-23-Trainer Josef Zinnbauer auf dem HSV-Schleudersitz versuchen. Um seine Aufgabe ist er nicht zu beneiden. Der Liga-Dino liegt mit nur einem Punkt auf dem letzten Tabellenplatz. Zinnbauer war früher KSC-Amateurcoach.

Weder Thomas Tuchel noch Huub Stevens oder Felix Magath - der Hamburger SV setzt bei der Suche nach einem Weg aus seiner Dauerkrise mit Joe Zinnbauer auf eine kleine Lösung.

Joe Zinnbauer war seit 1. Januar 2011 beim KSC zunächst als Co-Trainer bei Uwe Rappolder und Rainer Scharinger tätig und nach der Beförderung von Markus Kauczinski zum KSC-Cheftrainer seit dem 27. März 2012 alleine verantwortlicher Coach für die Oberligamannschaft der KSC-Amateure. Im Sommer wechselte Zinnbauer zum HSV.

Einen Tag nach der Entlassung von Mirko Slomka präsentiert HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer den bisherigen U-23-Trainer als neuen Cheftrainer - allerdings mit dem Zusatz «bis auf Weiteres». Der 44-jährige Zinnbauer, der mit seinem Team in der Regionalliga Nord die bisherigen acht Saisonpartien allesamt gewonnen hat, soll sich als fünfter Cheftrainer in dreieinhalb Jahren auf dem HSV-Schleudersitz versuchen.

«Große Lösung, kleine Lösung - wir brauchen eine passende Lösung. Wir glauben, dass Joe das sein kann. Er hat alle Mittel dazu. Er besitzt alle Grundvoraussetzungen, die Mannschaft zu begeistern», sagte Beiersdorfer auf einer Pressekonferenz in Hamburg und ergänzte: «Von Joe versprechen wir uns, dass er mit seiner Emotionalität, seinem Auftreten, seinem Wirken die Mannschaft greifen kann.» An Zinnbauers Seite wird der Nachwuchschef Patrick Rahmen als Co-Trainer arbeiten, Stefan Wächter übernimmt den Posten des Torwarttrainers. Beiersdorfer hatte am Montagabend Slomka das Aus nach nur sieben Monaten verkündet. «Wir haben zum Schluss den Glauben in eine positive Entwicklung der Mannschaft verloren», gestand Beiersdorfer, der jetzt auf Kontinuität auf dem Trainerposten hofft.

Bei Slomkas Vorgänger Bert van Marwijk war schon nach fünf Monaten Endstation. Dagegen muten die knapp zwei Jahre zuvor von Thorsten Fink wie eine Ewigkeit an. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen: Beim HSV gibt es eine Drehtür zum Trainerzimmer, die im Dauerbetrieb kreiselt.

Acht Trainer und fünf Interims-Übungsleiter in den vergangenen sieben Jahren sind reif fürs Guinnessbuch. Slomkas HSV-Bilanz ist erschütternd: 16 Punktspiele saß er auf der Bank, herausgesprungen sind zehn Niederlagen, drei Siege und drei Unentschieden. Mit Ach und Krach entkam der Verein vor wenigen Monaten seinem ersten Abstieg aus der Eliteliga.

Die Punkteausbeute weist Slomka hinter Michael Oenning als erfolglosesten Trainer der HSV-Geschichte aus. In den vergangenen zehn Partien gelang dem ehemaligen Coach von Hannover 96 und Schalke 04 kein Sieg. In dieser Saison gab es nicht einmal ein Tor. Selbst mit einer zuletzt auf sieben Positionen runderneuerten Mannschaft konnte er am vergangenen Sonntag beim 0:2 in Hannover keine Fortschritte nachweisen.

Obwohl das Heuern und Feuern im Volkspark seit Jahren anhält, besteht leise Hoffnung auf Besserung. Grund: Die Strukturen beim Bundesligisten sind grundlegend andere geworden, die verantwortlichen Personen wurden ausgetauscht. Durch die ausgegliederte Profi-Abteilung, die auf Aktienbasis neue Finanzquellen erschließen will, ist eine andere Entwicklung des mittelständischen Unternehmens HSVmöglich, als das in Form eines eingetragenen Vereins mit Mitgliedervetorecht bisher der Fall war. Größter Hoffnungsträger für eine Umwälzung beim HSV ist dabei Beiersdorfer. Der 50 Jahre alte Vorstandsvorsitzende gilt als seriöser und emsiger Arbeiter, der im Gegensatz zu vielen anderen nicht das Bad in der Menge sucht und sich lieber die Zunge abbeißt, bevor er Interna ausplaudert.

Was beim HSV aber an frühere Zeiten erinnert: Leute wie HSV-Edelfan und Investor Klaus-Michael Kühne mischen sich ins operative Geschäft ein und torpedieren damit Beiersdorfers Kurs. «Es stecken null Prozent Kühne in der Entlassung von Slomka», verteidigte sich Beiersdorfer. Milliardär Kühne, der dem HSV bislang 25 Millionen Euro zu einem erklecklichen Zinssatz geliehen hat, posaunt seine Vorstellungen von guten und schlechten Trainern und eben solchen Spielern heraus. Slomka mochte er nie. Thomas Tuchel, so hört man, soll er super finden.

Doch der frühere Mainzer Coach hat dem HSV bereits einen Korb gegeben haben, wie Radiosender NDR 90,3 herausfand. Ob Tuchel ein Thema bleibt, falls die Lösung mit Zinnbauer nicht greift, ist offen. Wäre der frühere Mainzer Coach, der sich eine Auszeit gönnt und bis Saisonende beim FSV unter Vertrag steht, nach Hamburg gekommen, wäre eine Ablösesumme an Mainz fällig gewesen.

Die Hamburger müssen aber schon jetzt tüchtig bluten für die verkorkste Vergangenheit: Fink, van Marwijk und Slomka sowie Ex-Sportchef Oliver Kreuzer kosten stattliche Abfindungen. Ein Fass ohne Boden.

Am Dienstag hatten nahezu im Sekundentakt Trainernamen die Runde gemacht. Felix Magath war dabei, der beim englischen Zweitligisten FC Fulham am Tabellenende angekommen ist; Thomas von Heesen, Markus Babbel, Bernd Schuster, Stefan Effenberg, Thomas Doll und Huub Stevens wurden genannt. Stattdessen jetzt Zinnbauer. Der dynamische Coach, der am Mittwoch sein erstes Profitraining leitet, hat zum Auftakt einen nahezu unüberwindbaren Brocken vorgesetzt bekommen: Am Samstag erwartet der HSV den Double-Gewinner Bayern München.

Siehe auch:

KSC braucht neuen Amateurcoach: Zinnbauer vor Absprung zum HSV

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (11)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   bluhdworschd
    (62 Beiträge)

    17.09.2014 19:18 Uhr
    Viele Punkte
    werden notwendig sein, um dieses miese Spiel als Lückenbüßer vielleicht doch zu Deinen Gunsten wenden zu können - ich drück beide Daumen, dass Du es schaffst....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   genter
    (469 Beiträge)

    17.09.2014 18:50 Uhr
    nur mal so ne Frage
    ist jetzt auch wieder ein Nachschlag für ne Ablöse fällig ?

    wäre doch eine tolle Wechselklausel: "Sollte Zinnbauer zum Cheftrainer beim HSV aufsteigen, so ist dem KSC eine nachträgliche Ablöse in Höhe von 1 Million plus Freundschaftsspiel zu bezahlen."
    .... nicht ganz ernst gemeint grinsen - aber in Zukunft daran denken -
    vielleicht brauchen die ja noch unseren Zeugwart....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   korki1909
    (304 Beiträge)

    17.09.2014 12:29 Uhr
    armer josef
    Na ob du dir das antun solltest?solange da im vorstand keine ruhe reinkommt wird es die Talfahrt weiter gehen --wünsche dir Glück und hoffe du hältst da Länger aus mit dem sauhaufen.falls das daneben geht kannst gern beim ksc wieder anfrageN 😊
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   auchmalsenfdazu
    (3145 Beiträge)

    17.09.2014 10:21 Uhr
    die Entlassung
    von Slomka vor dem Bayern-Spiel war suboptimal.

    So lässt man den neuen Trainer gleich mit ner Niederlage starten.
    Oder rechnet man sich da was aufgrund des neuen Trainers aus ?

    Die Niederlage gegen Bayern hätte man ruhig noch Slomka einfahren lassen können, um dann mit neuem Trainer und neuer Motivation ins Spiel danach zu gehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ElKonsolero
    (982 Beiträge)

    17.09.2014 13:04 Uhr
    Kommt drauf an
    intern wird sich sicherlich keiner was vor machen und man rechnet mit 0 Punkte gegen Bayern und Gladbach. Damit hat Zinnbauer 2 Wochen Zeit sein Konzept der Mannschaft klar zu machen und erste Spielzüge einzustudieren.

    Ich wünsche Joe viel Glück, er wird es brauchen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   superian
    (193 Beiträge)

    17.09.2014 12:30 Uhr
    vielleicht
    Vielleicht deshalb die kleine Lösung, wenn er FCB und MGL versemmelt, ist nicht so viel Geld kaputtgemacht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kscdave
    (578 Beiträge)

    17.09.2014 10:11 Uhr
    Wenns ned klappt
    Der KSC hat bestimmt noch was frei^^
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (650 Beiträge)

    17.09.2014 07:50 Uhr
    Willkommen
    auf dem Schleudersitz grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (5411 Beiträge)

    16.09.2014 22:00 Uhr
    keinerlei Bedeutung?
    oder extra vergessen?

    dass er früher Profi beim KSC war und in den letzten Jahren erfolgreicher+Trainer des KSC II.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ElKonsolero
    (982 Beiträge)

    17.09.2014 14:17 Uhr
    Weil 99% des Artikels
    von der DPA übernommen wurden und man sich bei KA News keine Mühe gegeben hat den Artikel KSC spezifisch umzuschreiben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben