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Karlsruhe Happy Birthday, Wildpark: 60 Jahre KSC-Stadion im Überblick!

35.000 Zuschauer (Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe) waren dabei, als heute vor 60 Jahren das Karlsruher Wildparkstadion eingeweiht wurde, das mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Besuchern seinerzeit als eines der modernsten Stadien in Deutschland galt. Am 7. August 1955 wurde dieses Stadion mit einem Spiel zwischen dem Karlsruher SC und Rotweiß Essen eröffnet, das nach heutigen Maßstäben eigentlich ein Spiel um den "Supercup" war, trafen doch dabei der amtierende DFB-Pokalsieger aus Baden und der amtierende deutsche Meister aufeinander.

Allerdings kannte man zu dieser Zeit den Begriff "Supercup"  noch nicht und so gab es auch kein Elfmeterschießen, als das Spiel nach 90 Minuten 2:2-Unentschieden endete. Für den noch jungen KSC, der erst am 16. Oktober 1952, als auch die Generalversammlung des VfB Mühlburg einer Fusion zustimmte, aus dem Zusammenschluss zwischen FC Phönix und dem VfB Mühlburg hervorgegangen war, erfüllte sich mit der neuen Spielstätte der Wunsch nach einem größeren Stadion im Wildpark. Dort wurde zwar schon seit 1921 Fußball gespielt (der FC Phönix war hier zuhause), das Stadion war aber zu klein, um den gewachsenen Ansprüchen gerecht zu werden. 

Günther Klotz brachte das Stadion auf den Weg

Es war der damalige Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz, der nicht nur den Bau dieses neuen Stadions, sondern zuvor auch die Fusion von FC Phönix und VfB Mühlburg maßgeblich vorangetrieben hatte. Das Stadion war sozusagen das "Hochzeitsgeschenk" des Oberbürgermeisters für den neugegründeten KSC, denn schon am Abend nach der erfolgten Fusion sprach Klotz davon, dass "der wertvollste Gewinn des Zusammenschlusses zweifellos die nunmehr mögliche Lösung der Sportplatzfrage ist". 

Gut zweieinhalb Jahre später hatte Klotz mit dem neuen Wildparkstadion, das nach Plänen von Professor Erich Schelling auf dem Gelände des alten Phönix-Stadions gebaut wurde,  nicht nur die "Sportplatzfrage" gelöst, sondern er "entsorgte" beim Bau dieses Stadions auch auf elegante Weise den Kriegsschutt der Stadt, der zur Aufschüttung der Wälle rund um das Stadion genutzt wurde. Heute ist dieser – möglicherweise kontaminierte –  Kriegsschutt durchaus ein Problem, wenn es um die Beseitigung eben dieser Wälle beim geplanten Neubau des Stadions geht, der nach rund 20-jähriger zäher und oft kontroverser Diskussion in den nächsten Jahren realisiert werden soll.

"Kultstätte" Wildpark nicht mehr zeitgemäß

Denn mittlerweile ist das einst "modernste Stadion Deutschlands" doch in die Jahre gekommen und entspricht – trotz der 1993 erstellten neuen Haupttribüne – längst nicht mehr den Anforderungen, die heutzutage an moderne Stadien gestellt werden, auch wenn es für eingefleischte Traditionalisten "Kultcharakter  genießt, und laut "Goal" sogar zu den elf "kultigsten Stadien" der Republik zählt. Aber sowohl die Sicherheit, als auch der Komfort lassen im maroden Wildparkgemäuer sehr zu wünschen übrig und auch die Vermarktung, die im heutigen Profifußball ein wesentlicher Faktor ist, kann im Wildpark, wie er sich heute darstellt, nur in bescheidenem Rahmen verwirklicht werden. 

Deshalb gab es lange Zeit die Diskussion darüber, ob der Standort in einem Landschaftsschutzgebiet, in dem nur unter erheblichen Auflagen gebaut werden kann, überhaupt Sinn macht und man ein neues Stadion nicht besser an einem Standort Nähe der Autobahn bauen sollte. Auch diese Debatte wurde längere Zeit sehr kontrovers und sehr emotional geführt, ist aber seit Oktober 2013 beendet, als sich die Stadt und der KSC in einer gemeinsamen Presserklärung auf einen Stadion-Neubau im Wildpark verständigt haben. 

So bleibt nicht nur der Standort einer Sportstätte erhalten, in der Sportgeschichte geschrieben wurde. Mit den unvergessenen Höhepunkten in den Fünfziger Jahren, als hier der KSC 1956 seinen zweiten DFB-Pokalsieg (3:1 gegen den HSV) feiern konnte und den Sternstunden im Uefa-Cup in den Neunzigern mit dem "Wunder vom Wildpark" am 2. November 1993, als der FC Valencia in einem "Jahrhundertspiel" mit 7:0 vom Platz gefegt wurde oder dem Drama der gescheiterten Erstliga-Relegation am 1. Juni dieses Jahres  (1:2 nach Verlängerung) gegen den Hamburger SV.

Das Wildparkstadion ist im Hinblick auf die Nachkriegsjahre "auch ein Stück Stadtgeschichte", wie Michael Obert, der zuständige Dezernent im Karlsruher Rathaus sagt, der guten Mutes ist, dass der Spatenstich für das neue Stadion an alter Stätte absprachegemäß im Jahr 2017 erfolgen kann. 

2019/2020 soll im neuen Stadion gespielt werden

Und so hofft man beim KSC darauf, die neue Spielstätte in der Saison 2019/2020 in Betrieb nehmen zu können, auch wenn "wir es natürlich sehr begrüßt hätten, wenn dies schon zum 60. Geburtstag des Stadions der Fall gewesen wäre. Aber wir sind zusammen mit der Stadt jetzt auf einem guten Weg", sagt KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Auch Michael Obert gibt sich optimistisch. "Wir haben ein Ziel vor Augen und es sieht ganz gut aus", so der Baubürgermeister. 

Bis das neue Stadion aber tatsächlich auf diesem Weg ist, müssen noch einige Hürden, auch nach EU-Recht, genommen werden, was von der Stadt immer wieder betont wird. Da hatte es Günther Klotz seinerzeit noch erheblich einfacher, denn die einzige Hürde, die der damalige Oberbürgermeister zu nehmen hatte, war lediglich die Fusion zwischen dem FC Phönix und dem VfB Mühlburg zum KSC. Und als diese vollzogen war, "nahm die Stadt ohne zu zögern den Ausbau des Wildparkstadions in Angriff", wie dem Stadtarchiv zu entnehmen ist. 

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Kommentare (22)
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  •   chris
    (666 Beiträge)

    12.08.2015 10:40 Uhr
    berechtigte Fragen:
    kafkaeske Situation: Keiner weiß, wie das Genehmigungsverfahren abläuft...aber es wird behauptet, dass es noch fünf (!) Jahre dauert! Wer arbeitet hier eigentlich so langsam?

    Früher hatte die Stadt 250.000 Einwohner und ein Stadion mit Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern (viele Stehplätze).
    Heute sollen 35.000 Zuschauer ausreichen? Eine Kleinstadt wie Augsburg hat bereits 32.000 Zuschauer Kapa! Wir es zumindest eine verpflichtende Erweiterungsoption in der Architektenausschreibung geben?

    Die Medienlandschaft informiert leider nicht über die rechtlichen Schritte, über die Entscheidungsträger. Irgendwie nur Halbinformationen für die dummen Massen.
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  •   waldkauz
    (349 Beiträge)

    08.08.2015 12:39 Uhr
    Gesangstechnisch
    waren die Zeiten ja eher bescheiden. Erinnere mich an Spiele, wo die altgewordenen Helden (Wild, Ehmann) geruhsam ihre Bäuche vor sich her schoben und die paar Tausend Zuschauer ins Gespräch mit dem Nachbarn vertieft waren. Da rief dann ein einzelner plötzlich völlig unmotiviert "Horscht Wild! Horscht Wild!" Im ganzen Stadion hörte man ihn und dann das amüsierte Brummen auf den Rängen....
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  •   Bailles
    (91 Beiträge)

    07.08.2015 21:59 Uhr
    Ja , der Adolf !
    Wie sein richtiger Name war weiß ich nicht . Mir ist nur bekannt das er aus dem Kreise Waldbronn kam (Langensteinbach ?) Da hatten wir in der Jugend einen Kick und ich Verletzte mich , auf einmal stand der "Adolf" vor mir und wollte mich versorgen. Vor Schreck war ich im nächsten Moment wieder Topfit. Trotzdem , sehr nett war er.
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  • unbekannt
    (516 Beiträge)

    07.08.2015 19:45 Uhr
    @ arlekin
    Der Sanitäter hieß Adolf..und hat immer nett das Publikum gegrüsst
    würde der heute rumlaufen,hätten einige Angst...
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  •   olafb
    (282 Beiträge)

    07.08.2015 20:03 Uhr
    War
    das wirklich sein richtiger Name?
    Meinte damals er wurde wegen seines Aussehens so gerufen.
    Hatte immer den Eindruck, der machte mit Absicht die Stadionrunde nur um von den Rängen diesen Namen zu hören und dann freundlich zu Winken.
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  • unbekannt
    (516 Beiträge)

    07.08.2015 20:55 Uhr
    @olafb
    Nein das war nicht sein richtiger Name,und wie andyb schreibt wie der
    begrüßt wurde von den Fans..da würdest heute mit Anzeige rechnen müssen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11475 Beiträge)

    07.08.2015 18:17 Uhr
    und ich
    war schon in den 50ern im Wildpark, lange bevor die Bundesliga aus der Taufe gehoben wurde.

    Ich erinnere mich auch an Spiele mit über 55.000 Zuschauern im Wildpark, an den Schiri Schulenburg aus HH, den sie mit dem Heli haben ausfliegen müssen, an Kossmann, der sich mit Emmerich eine Kamelnummer geliefert hatte, an Hartmann Madl, Gustl Witlatschil, Jupp Marx, Kurt Sommerlatt und wie sie alle hießen...

    ...waren das noch schöne Zeiten!

    grinsen
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  •   Eckfaehnchen
    (2681 Beiträge)

    07.08.2015 21:57 Uhr
    Du hast
    in deiner Aufstellung den Schlappe und den damaligen Mädchenschwarm
    Cieslaczyk vergessen. Aber sonst alles im grünen Bereich.......
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  •   ostseeer
    (3 Beiträge)

    10.08.2015 13:12 Uhr
    und dann noch
    Jupp Marx
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  •   Nikodimi
    (5 Beiträge)

    07.08.2015 14:00 Uhr
    Mein erster KSC Besuch
    .. War in den 60 er Jahren mit meiner Mutter: wir spielten gegen Düsseldorf und lagen 2:3 zurück. Es war kurz vor Schluss, meine Mutter war schon am gehen, ich faltete meine Hände und betete: Flanke oder Ecke für uns, Horst Wild steigt am höchsten und köpft zum 3:3 Endstand ein! Seitdem hilft beten auch nicht mehr...
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