Coca-Cola dürfte als "das" Getränkesymbol amerikanischer Kultur gelten: Doch der Hersteller produziert seine Getränke an vielen Standorten in Deutschland. In Neureut befindet sich eines von drei Werken in Baden-Württemberg, angesiedelt im Gewerbegebiet "Kleines Bruch". Das Werk gibt es bereits seit 1982, bislang wurden Dosen unterschiedlicher Getränke des Coca-Cola Portfolios hergestellt. Passend zum 40-jährigen Jubiläum wurde am 31. März eine zweite Produktionslinie eingeweiht, die PET-Flaschen mit Getränken befüllt.

"Mammutprojekt" Umbau im laufenden Betrieb

"Das war eine logistische Herausforderung": Andreas Dederer, der Betriebsleiter im Werk, erläuterte das "Mammutprojekt von gerade mal einem Jahr": Die neue Produktionslinie wurde nach zwei Monaten Planung und zehn Monaten Baustelle in Betrieb genommen. Bis zu 2,5 Millionen PET-Flaschen können nun pro Woche mit Getränken gefüllt werden. Die Produktionslinie wurde sprichwörtlich "aus dem Boden gestampft": Bei Baustellenbeginn im Februar 2021 war nur eine geteerte Fläche vorhanden, die als Palettenlager diente. Bis zu 140 Dienstleister und Handwerker waren pro Tag für den Neubau am Standort im Einsatz, resümierte Dederer. Die bisherige Produktion lief dabei weiter. Der Ausbau kostete rund 15 Millionen Euro und führte dazu, dass über 60 neue feste Stellen geschaffen wurden, so Dederer. Insgesamt sind aktuell über 200 Mitarbeiter_innen in Neureut angesiedelt.

"Zentimeterkrimi": Schwieriger Transport des 30 Tonnen schweren Füllers durch das Haupttor

Die Flaschen werden durch einen gigantischen Rundfüller befüllt. Dieser konnte nur "am Stück" geliefert werden und wiegt 30 Tonnen, bei 5,95 Meter Durchmesser. Das Haupttor zum Gelände misst 6 Meter. Die Einbringung des Füllers im August 2021 sei ein "Zentimeterkrimi" gewesen, der von seinem Team zusammen mit dem Anlagenhersteller gemeistert wurde, betont der Betriebsleiter. Pro Seite blieben nur gut zweieinhalb Zentimeter Platz zum Rangieren.

Politiker vor Ort

Bei der Einweihung der neuen Linie sind unter anderem der Bundestagsabgeordnete Parsa Marvi (SPD), die Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz (CDU) in Vertretung von Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) sowie der Neureuter Ortsvorsteher Achim Weinbrecht (CDU) vor Ort.

Weinbrecht rekapituliert die Geschichte von Coca-Cola in Karlsruhe, die bereits 1935 als Ein-Mann-Betrieb begann, und zehn Jahre später nach Neureut verlegt wurde. Nach einigen Zwischenstationen erfolgte 1982 der Umzug zum aktuellen Standort.

Marvi, der das Werk bereits vor einigen Wochen besichtigt hatte, erzählt schmunzelnd, er habe bei der Führung "erstmals einen Zugang zum Energy-Drink Monster gefunden" – das Getränk, an dem Coca-Cola Anteile hält, wird als Auftragsprodukt im Neureuter Werk exklusiv für Deutschland gefertigt und läuft neben den klassischen Coca-Cola Produkten über die Dosenlinie. Marvi lobt auch energiepolitische Umsetzungen bezüglich Wassereinsparungen der Produktion sowie die Umstellung der Fahrzeugflotte auf E-Mobilität.

Symbolischer Start per Knopfdruck

Symbolisch starteten die Politikvertreter und -vertreterinnen gemeinsam mit der Coca-Cola Belegschaft per Knopfdruck die neue Produktionslinie. Während die Bänder anlaufen, werden aus PET-Rohlingen die Flaschen gefertigt, abgekühlt und in den Rundfüller zur Befüllung geleitet – wo durch Gasdruck in der Flasche eine schnelle Befüllung ohne "Überschäumen" möglich wird. Danach werden die Flaschen etikettiert und später konfektioniert. Auf der Linie werden Coca-Cola und andere kohlensäurehaltige Getränke abgefüllt. Die Höchstkapazität von 36.000 Flaschen pro Stunde bleibt unter Praxisbedingungen, wo Kleinigkeiten auf den Bändern nachgeführt oder korrigiert werden müssen und auch mal Störungen auftreten können, eine Herausforderung. Zur Linieneinweihung liegt die Kapazität bei 32.000 Flaschen – ein guter Wert für die neue Produktionsanlage, die ihre volle Leistungsfähigkeit erst noch erreichen wird.

Symbolischer Start: v.l.n.r.: Parsa Marvi (SPD, MdB), Achim Weinbrecht (Ortsvorsteher Neureut, CDU), Gabriele Luczak-Schwarz (Erste ...
Symbolischer Start: v.l.n.r.: Parsa Marvi (SPD, MdB), Achim Weinbrecht (Ortsvorsteher Neureut, CDU), Gabriele Luczak-Schwarz (Erste Bürgermeisterin von Karlsruhe, CDU), Lena Cecilia Brill (Continous Improvement Managerin, Coca-Cola Karlsruhe), Andreas Dederer (Betriebsleiter Coca-Cola Karlsruhe) | Bild: ARTIS - Uli Deck

Neben der neuen Produktionslinie wurde auch die Fertigung der Dosenlinie erweitert: Nun wird an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr gearbeitet, aufgeteilt in vier Schichten. Bis zu 120.000 Dosen pro Stunde verlassen das Werk, es sei "eine der komplexesten Dosenlinien" im Coca-Cola Netzwerk, erklärt ein Mitarbeiter.

Rund 50 verschiedene Artikel werden gefertigt

Im "Konvoi" der Produktion benötigt eine der 1,25-Liter-PET-Einwegpfandflaschen von der Produktion als Rohling bis zum fertig konfektionierten Ergebnis rund eine halbe Stunde. Die Produktion der unterschiedlichen Getränke wechselt dabei durch – am Standort werden rund 50 verschiedene Artikel hergestellt. Marvi betont, es gäbe in den aktuellen Tagen von Krisen und Kriegen wenige Gründe zur Freude und zum Anstoßen – die Einweihung der zweiten Produktionslinie sei ein solches Ereignis. Ein derart großer Schritt sei nicht selbstverständlich, das gäbe Anlass zu Optimismus. Gabriele Luczak-Schwarz zitiert Mark Twain: "Natürlich kümmere ich mich um die Zukunft. Ich habe vor, den Rest meines Lebens darin zu verbringen." Die Firma setze durch die Investition einen Meilenstein für die Zukunft des Neureuter Produktionswerks.

Zur Linieneinweihung erreichte die Produktionsanlage ein Volumen von etwa 32.000 Flaschen pro Stunde.
Zur Linieneinweihung erreichte die Produktionsanlage ein Volumen von etwa 32.000 Flaschen pro Stunde. | Bild: ARTIS - Uli Deck