Karlsbad Schulter ohne Schmerzen dank Hightech-Behandlung am SRH Klinikum Karlsbad

Die Schulter schmerzt, man kann kaum noch einfachste Dinge machen wie sich am Morgen anziehen oder die Haare kämmen - was tun? Wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind hilft oft nur noch eine Operation, bei der ein neues Schultergelenk eingesetzt wird. Das SRH Klinikum Karlsbad informiert bei einer Online-Veranstaltung über die Möglichkeiten.

Die Gründe für Beschwerden in der Schulter sind so vielfältig, wie die Patienten, die Christian Neuhäuser behandelt. Er ist der Chefarzt für Orthopädie, Traumatologie und Endoprothetik am SRH Klinikum Karlsbad. Seit 2018 leitet er die Abteilung und ist Experte für Schulterprothesen. Er hält am Donnerstag, 18. März, einen Online-Vortrag rund um das Thema Schulterprothesen. "Die Patienten wissen oftmals zu wenig über den Einsatz von künstlichen Schultergelenken, beziehungsweise dass es diese Möglichkeit der Behandlung überhaupt gibt", sagt Christian Neuhäuser. 

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk im menschlichen Körper. Herr Neuhäuser, macht das die Schulter anfälliger für Verschleiß? 

Neuhäuser: Es gibt zahlreiche Gründe für Schulterbeschwerden. Die Schulter ist sehr beweglich, das liegt daran, dass sie eine sehr kleine Wanne hat, in dem der Oberarmkopf liegt. Der wird fast gar nicht geführt und deswegen ist sie so gelenkig und lässt große Bewegungsspielräume zu. Damit das Gelenk stabilisiert und geführt wird, haben wir eine Vielzahl von Muskeln und Sehnen die den Oberarmkopf stabilisieren. Allerdings tragen die Schultern, anders als Knie oder Hüfte, keine große Last. Verschleiß ist das daher nicht so oft die Ursache. Weltweit operieren Mediziner viel mehr Hüft- oder Knieprothesen.

OP am SRH Klinikum Karlsbad.
OP am SRH Klinikum Karlsbad. | Bild: studio visuell'photography

Wenn man sich die Schulterbeschwerden genauer anschaut, lassen sie sich einteilen: Da wäre die klassische Arthrose. Verschleiß am Knorpel und den Gelenken. Das sind auch tatsächlich Veränderungen, die früher oder später zwangsläufig dazu führen, dass die Patienten die Schulter nicht mehr bewegen können und so starke Schmerzen haben, dass die Schmerztherapie nicht mehr anschlägt. Diese Patienten brauchen dann eine Schulterprothese. Dann gibt es noch Patienten, die aufgrund von Verletzungen oder einem Oberarmknochenbruch ein künstliches Schultergelenk brauchen. Die dritte Gruppe der Patienten hat rheumatische Erkrankungen, die häufig im Bereich der Schulter sind. Die profitieren sehr davon, wenn das hochentzündete Gelenk ersetzt wird. 

Ist eine Schulterprothese also der letzte Ausweg der Schmerzlinderung?

Christian Neuhäuser, Chefarzt der Orthopädie, Traumatologie und Endoprothetik.
Christian Neuhäuser, Chefarzt der Orthopädie, Traumatologie und Endoprothetik. | Bild: Andreas Friedrich

Neuhäuser: Das liegt am Patienten und dem Ziel, das er verfolgt. In den Fällen, bei denen die Rotatorenmanschette, also die Muskeln und Weichteile, betroffen ist,  kann man konservativ behandeln. Dabei muss man immer im Blick haben, was für ein Patient vor einem sitzt: Wie ist die körperliche Verfassung, was soll wieder erreicht werden, wie ist die Zielsetzung im Alltag? Handelt es sich um einen aktiven Best Ager, der noch Tennis spielen will, oder um eine 80-Jährige, die schmerzfrei den Alltag meistern möchte. 

Man kann aber grob sagen, dass wir immer versuchen, bis zum 65. Lebensjahr die Schulter alternativ zu behandeln, auch wenn heute die Prothesen viel besser sind als vor 20 Jahren und wesentlich länger halten. 

Die Technik hat mittlerweile große Fortschritte gemacht, es sind nur noch kleine Schnitte notwendig und die OP-Zeit verkürzt sich.

Neuhäuser: Es gibt noch immer das Tabu, sich die Schulter operieren zu lassen, weil früher relativ große Schnitte gemacht wurden und der Eingriff als komplex und schwierig galt. Die Ergebnisse waren früher nicht so gut wie in anderen Gelenksbereichen. Aber mittlerweile haben wir eben nicht nur eine Verbesserung bei den Implantaten, sondern wir haben auch die Möglichkeit, durch eine ausgefeilte OP-Technik immer kleiner werdende Implantate einzusetzen und tatsächlich minimalinvasiv zu operieren.

Durch einen kleinen Hautschnitt, etwa 4 bis 5 Zentimeter lang, kann sich der Operateur durch eine Muskellücke bis zum Gelenk vorarbeiten. Dadurch wird der Muskel nicht verletzt. 

Ein weiterer Vorteil für den Patienten: Innerhalb von etwa anderthalb Stunden ist die Prothese eingesetzt und schon am Abend des Operationstages sitzen sie wieder fast fit auf der Bettkante und nehmen ihr Abendessen ein. 

Blick auf das SRH Klinikum Karlsbad mitten im Grünen - gut für die Erholung. | Bild: SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach

Wie geht es nach der OP weiter? 

Neuhäuser: Die Patienten tragen vier Wochen nach der Operation noch eine Schulterbandage, damit das Gelenk ruhiggestellt wird. Mit dem Physiotherapeuten werden jedoch schon die ersten Übungen gemacht, um die Schulter wieder zu mobilisieren. Die meisten Menschen brauchen in dieser Zeit auch noch Hilfe im Alltag, beim Ankleiden zum Beispiel. Wenn die Prothese zementfrei eingebracht wurde, und das werden die meisten Implantate, dann dauert es eben ein paar Wochen, bis alles fest verwachsen ist und die Schulter wieder voll belastbar. Man kann aber sagen: Mit unseren schonenden Methoden sind die Einschränkungen gar nicht so groß - kurzer Krankenhausaufenthalt, kleine Schnitte, schnelle Wundheilung. 

Sie führen regelmäßige Veranstaltungen online und im SRH Klinikum Karlsbad durch. Warum ist es so wichtig, über die Option einer Schulterprothese aufzuklären und zu informieren? 

Neuhäuser: Weil viele Menschen mit chronischen Schmerzen in der Schulter gar nicht wissen, dass es die Möglichkeiten gibt. Jeder kennt die Hüft- oder Knieprothese. 190.000 Knieprothesen und 240.000 Hüftprothesen stehen gerade mal 30.000 Schulter-Implantaten gegenüber im Jahr. Es gab lange Vorbehalte, weil eine Schulter-OP kompliziert und schwer war. Also haben einige Ärzte gar nicht nicht in Erwägung gezogen, das Gelenk endoprothetisch zu behandeln. Heute ist die Technik jedoch viel ausgereifter. Deswegen möchte ich Patienten und Ärzte gleichermaßen auf die Möglichkeit der Schulterprothese aufmerksam machen. 

Wo geht die Entwicklung der Schulterchirurgie hin?

Neuhäuser: Das ist neu bei uns im Klinikum: Bei sehr schwierigen Fällen, wo Knochenverlust da oder vorher schon mal operiert wurde und man eine Schulterprothese austauschen musste, haben wir die Möglichkeit 3D-Modelle anzufertigen. Wir machen also eine Computertomographie (CT) von diesem Schultergelenk und mit der SRH Hochschule in Heidelberg haben wir die Möglichkeit, das Bild in den 3D-Druck zu geben. Das hilft dem Chirurgen dabei, die Strukturen in einem Modell besser anzuschauen und anhand dessen wird eine Prothese sozusagen maßangefertigt. So können wir selbst bei vorher aussichtslosen Diagnosen mit dieser Technik das Schultergelenk wiederherstellen.

Im OP-Saal. | Bild: SRH Klinikum Karlsbad

Was es noch gibt ist die Virtual Reality: Mit einer VR-Brille kann der Chirurg das Modell der Schulter während der Operation visualisieren. Das haben wir am Klinikum Karlsbad noch nicht, wird es aber auch bei uns geben. Die Innovationsentwicklung in diesem Bereich ist sehr spannend. 

 

Online-Veranstaltung im Live-Stream: Die Schulterprothese - minimalinvasiv und knochenschonend

Wann: 18. März 2021, ab 19 Uhr

Wie & Wo: https://www.youtube.com/srhklinikumkarlsbad

Referent: Christian Neuhäuser, Chefarzt Orthopädie, Traumatologie und Endoprothetik

www.klinikum-karlsbad.de

Bild: SRH Klinikum Karlsbad
Mehr zum Thema
Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach ist ein Akut- und Fachkrankenhaus südöstlich von Karlsruhe am Fuße des Nord-Schwarzwaldes gelegen.: Es befindet sich im Ortsteil Langensteinbach der Gemeinde Karlsbad. Das Krankenhaus ist akademisches Lehrkrankenhaus der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Unser national und international renommiertes Klinikum bietet Ihnen medizinische Leistungen auf höchstem Niveau. In unseren Fachbereichen Wirbelsäulenchirurgie, Querschnittlähmungen, Orthopädie, Innere Medizin, Gefäßchirurgie, Neurologie, Schmerztherapie und Psychiatrie behandeln wir unsere Patienten interdisziplinär und mit modernsten medizinischen und therapeutischen Verfahren. Unsere hoch motivierten Führungskräfte und Mitarbeiter organisieren und betreuen die Behandlung von mehr als 30.000 Patienten im Jahr, davon über 20.000 ambulant.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.