"Socke ist oft mein Türöffner, die Brücke zum Patienten", so beschreibt Katharina Herzog die wichtigste Aufgabe ihrer Therapiehündin. Die Ergotherapeutin arbeitet in der Psychiatrie des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach und bietet hier seit 2015 tiergestützte Therapie an. "Ich besitze schon seit 35, 40 Jahren privat Hunde und arbeite als Trainerin  im Verein. Ein Therapiehund war schon immer mein Traum", erzählt Herzog.

Die siebenjährige Cockapoo-Hündin Socke habe ihre Arbeit "verbessert und verschönert", so Herzog. Zu Beginn sei sie "nur" bei den Behandlungen dabei gewesen, nach der Ausbildung zum Therapiehund werde sie auch aktiv in der Einzeltherapie und seit 2019  in der Gruppentherapie eingesetzt. Dabei handle es sich vor allem um die Therapie von Patient:innen mit Traumafolgestörung, Depressionen, Autismus, Schizophrenie oder Persönlichkeitsstörungen.

Aktive Unterstützung erhielt die tiergestützte Therapie im SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach auch durch den Verein "Aktiv gegen Stigma", der mit dem Klinikum kooperiert und sich für die soziale Integration von Patient:innen mit psychischen Erkrankungen einsetzt. Ziel des Vereins ist es, der Stigmatisierung psychisch kranker Menschen entgegenzuwirken.

Socke Therapiehund
Therapiehunde wie Socke helfen Patienten dabei, sich in der Therapie schneller zu öffnen. | Bild: SRH

Socke unterstützt die Therapie auf mehreren Ebenen: "50, 60% der Patienten haben zu Hause selbst Tiere und vermissen sie. Da kann Socke gut über die Zeit hinweg helfen", erzählt Ergotherapeutin Herzog. Socke helfe den Patient:innen aber auch, sich schneller und leichter zu öffnen: "Tiere sind unmittelbar, unverstellt und werten nicht. Sie nehmen den Mensche wie er ist, das hilft den Patienten sehr", so Herzog.

Auch Patienten mit Angst vor Hunden profitieren

Auch auf Patient:innen, die mehr Hemmungen, vielleicht sogar Angst vor Hunden haben, hat Socke oft einen positiven Einfluss. Herzog erlebt oft, dass Menschen ihre Angst im Laufe der Therapie verlieren: "Wenn sich jemand unwohl fühlt oder Angst hat, kommt Socke während der Sitzung in ihre Box. Oft sagen die Patienten dann schon nach ein paar Sitzungen, dass ich sie auch mal rauslassen dürfte. Und dann beginnen sie zu streicheln und Fragen zu stellen. Am Ende wünschen sich einige sogar einen eigenen Hund!"

In diesem Fall muss die Ergotherapeutin die Euphorie manchmal auch etwas bremsen: "Ich kläre dann natürlich auch über die Verantwortung auf, die so ein Hund mit sich bringt, und dass man aufpassen muss, sich nicht mit dem Tier zu überfordern."

Dass Socke so gut darin ist, Menschen ihre Angst zu nehmen, liegt nich zuletzt an ihrer Ausbildung zum Therapiehund. Denn auch der Hund muss in schwierigen Situationen die Nerven behalten können. Socke begann ihre Ausbildung als Welpe, lernte dort zunächst den Grundgehorsam und trainierte später in unterschiedlichsten Situationen wie Kaufhäusern, auf der Straße oder bei Berührungen von hinten ruhig zu bleiben, nicht zu knurren oder gar zu schnappen.

Socke spiegelt und verbessert die Stimmung

Diese Gelassenheit überträgt sich oft auch auf die Patient:innen in der Therapie. Katharina Herzog erzählt, dass man Patienten beim Umgang mit dem Hund regelrecht ansehen kann, wie sie entspannen und ruhiger werden. "Ein Patient hat die Therapiestunde wochenlang  dazu genutzt, Socke zu streicheln. Er konnte diese Entspannung mit in den Tag nehmen und schwierige Situationen besser bewältigen. Er hat dann ein Foto von ihr bekommen, mit dem er die beruhigenden Gefühle wieder aufrufen kann."

Socke kann jedoch nicht nur die Stimmung verbessern, sie spiegelt Patient:innen auch deren aktuelle Gefühle. Wenn Menschen angespannt und unter Stress sind, spüren Hunde dies sehr schnell und feinfühlig. Kommt Socke nicht von sich aus auf die Patient:innen zu, ist dies meist ein Zeichen für Anspannung. Dieses Wissen ist sehr hilfreich für Patient:innen, die ihre eigenen Gefühle nicht gut wahrnehmen können.

So erzählt Herzog von einem Patienten, der nach dieser Erkenntnis immer fünf Minuten vor Sitzungsbeginn kam, um sich mit Socke zu beschäftigen und sie als Stimmungbarometer zu nutzen - eine gute Methode, um ein besseres Gefühl für die eigenen Emotionen zu entwickeln.

Rücksichtsvoller Umgang ist das A und O

Bei all der wichtigen Arbeit die Socke leistet, vergisst Herzog nie, auf ihren Hund achtzugeben. "Ich achte immer darauf, dass sie nicht überfordert ist. Wenn ich merke, dass es ihr zu viel wird, brechen wir ab und ich erkläre den Patienten warum." Dies stoße eigentlich immer auf Verständnis, ihre Patienten seien sehr rücksichtsvoll im Umgang mit Socke.

Damit es bei der tiergestützten Therapie Hund und Mensch langfristig gut geht, sei es sehr wichtig, auf eine gute Ausbildung zu achten, da in Deutschland weder die Ausbildung zum Therapiehund noch der Begriff "tiergestützte Therapie" geschützt sind, so Herzog.

Wird sorgfältig auf die Bedürfnisse aller Beteiligten geachtet, kann die tiergestützte Therapie eine Vielzahl an Fähigkeiten fördern, die bei der Behandlung psychischer Krankheiten ausschlaggebend sind, beispielsweise  Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein, Empathie und Einfühlungsvermögen, eine respektvolle Einschätzung von Nähe und Distanz sowie die Wahrnehmung von Grenzen und die taktile Wahrnehmung.

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Kinder wie Erwachsene profitieren psychisch vom Umgang mit Tieren. | Bild: pixabay

Besonders wichtig ist Katharina Herzog in ihrer Therapie das Erlernen körperlicher Deutlichkeit: "Hunde sind immer eindeutig und brauchen auch eine körperliche Deutlichkeit beim Menschen."

Für Patient:innen mit einer dissoziativen Symptomatik, die oft aus der Realität abdriften, ist eine wichtige Eigenschaft, dass Tiere im "Hier und Jetzt" leben. So beschreibt eine Patientin den positiven Effekt, den Socke auf sie ausübt, mit den Worten: "Socke erdet mich." Diese Erdung ist laut der Ergotherapeutin besonders für traumatisierte Menschen sehr wichtig.

Wer in der Psychiatrie des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach eine Therapie bei Ergotherapeutin Katharina Herzog macht, kann selbst entscheiden, wie viel Hund ihm dabei gut tut. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die meisten Patient:innen unabhängig von ihrer anfänglichen Einstellung viel von Sockes Ruhe und Einfühlsamkeit lernen können.

 
Mehr zum Thema SRH-Klinikum-Karlsbad-Langensteinbach: Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach ist ein Akut- und Fachkrankenhaus südöstlich von Karlsruhe am Fuße des Nord-Schwarzwaldes gelegen.