Für einen günstigen Heilungsverlauf und die bestmöglichen Chancen auf das Wiedererlangen vieler motorischer und mentaler Fähigkeiten braucht es jedoch mehr: "Ein zeitiger Beginn der Frührehabilitation ist enorm wichtig, um die Muskulatur und die Sinne zu aktivieren", so Dr. Guido Straten, Chefarzt der neurologischen Frührehabilitation am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach.

Kürzere Wege zwischen Notfallaufnahme und Frührehabilitation

Um die neurologische Frührehabilitation bestmöglich an die intensivmedizinische Behandlung anzuschließen, wurde am SRH Klinikum der Neubau "Pfalz" als neurologisches Kompetenzzentrum konzipiert. So befinden sich die Stroke-Unit, eine speziell ausgestattete Station für Schlaganfallpatient:innen, und die Stationen der Frührehabilitation nun im selben Gebäude. 


"Früher war der Wechsel zwischen diesen beiden Bereichen deutlich aufwendiger. Jetzt sind die Wege kurz und es braucht weniger räumliche und personelle Umstellung für die Patient:innen", erklärt Mischa Lange, Leiter der Abteilung Kommunikation, Marketing und Internationale Beziehungen am SRH Klinikum.

Auch die Akutneurologie liegt im Haus "Pfalz"

Neben  den Bereichen der Stroke-Unit und der Frührehabilitation befindet sich im Haus „Pfalz“ noch ein weiterer Schwerpunkt: die Akutneurologie. Hier werden Menschen behandelt, die aufgrund neurologischer Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson oder Multipler Sklerose ins Krankenhaus überwiesen werden. 

Alle Ressourcen wie Räumlichkeiten, apparative Ausstattung, therapeutische Angebote können im neuen Haus gemeinsam genutzt werden. Die Bündelung der Kompetenzen im Haus "Pfalz" erleichtert den Alltag für alle, Patient:innen und Personal.

Vereinfachte Behandlung der Patient:innen

Der nun nahtlose Übergang zwischen den Abteilungen ist besonders für die Versorgung von Schlaganfallpatienten von Vorteil. Schließlich kommen die Patient:innnen, die in der neurologischen Frührehabilitation aufgenommen werden, gerade erst aus der Notfallbehandlung. "Meistens beginnen wir mit der Rehabilitation, sobald die Patienten nicht mehr beatmungspflichtig und stabil sind. Manchmal bekommen aber auch beatmete Patienten schon Therapie", erläutert Dr. Straten.

Dr. Guido Straten, Chefarzt Neurologische Frührehabilitation
Dr. Guido Straten, Chefarzt Neurologische Frührehabilitation | Bild: SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach GmbH

In sehr schweren Fällen könne diese Therapie zunächst auch nur darin bestehen, die Kontaktfähigkeit und Bewusstheit der Betroffenen wieder herzustellen, so Dr. Straten. Zuerst muss der körperliche Zustand stabilisiert und die Orientierungs- wie Kommunikationsfähigkeit verbessert werden. Dann beginnen die Therapeuten damit, an den motorischen und sensorischen Fähigkeiten der Patienten zu arbeiten.

Hierbei werden die therapeutischen Maßnahmen der Logopädie sowie der Physio- und Ergotherapie voll ausgeschöpft, um den Körper zu mobilisieren, Funktionen wie Sprechen, Kauen, Schlucken und Essen zu trainieren, aber auch Motorik und Sensorik zu fördern.

Regionaler Schwerpunkt für Neurologische Frührehabilitation

Der nun nahtlose Übergang zwischen den Abteilungen ist besonders für die Versorgung von Schlaganfallpatienten von Vorteil. Schließlich kommen die Patient:innen, die in der neurologischen Frührehabilitation aufgenommen werden, gerade erst aus der Notfallbehandlung. "Meistens beginnen wir mit der Rehabilitation, sobald die Patienten nicht mehr beatmungspflichtig und stabil sind. Manchmal bekommen aber auch beatmete Patienten schon Therapie", erläutert Dr. Straten. 

Ein großes Team aus Fachärzt:innen, speziell ausgebildeten Pflegekräften, Physiotherapeut:innen, Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen und Neuropsycholog:innen hilft ihnen auf diesem Weg. Ziel ist es, den Gesundheitszustand zu halten oder zu verbessern und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren. Manche Patient:innen können die Akutklinik bereits nach drei bis vier Wochen verlassen, die meisten bleiben jedoch zwei bis drei Monate.

Laut Dr. Guido Straten erreichen ungefähr 40 Prozent der Patienten die Rehabilitationsphase C. Das bedeutet, dass sie absprache- und orientierungsfähig sind, Bereitschaft zur Mitarbeit zeigen, mehrere Meter selbstständig im Rollstuhl fahren können sowie stuhlkontinent und belastungsfähig sind.

Keine Garantie für Wirkung der Frührehabilitation

Doch auch bei voller Anstrengung des ganzen Teams bleiben die erhofften Fortschritte manchmal aus. "Wir können leider keine Wirkung der Frührehabilitation versprechen", so Dr. Straten. "Die Schäden an Gehirn und Nerven können so schwerwiegend sein, dass Therapie und Stimulation nicht mehr helfen. Das ist auch für uns nicht einfach hinzunehmen.

Wenn sich in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen nach einer Schädigung wenig Verbesserungstendenzen gezeigt haben, wird sich das leider auch in den nächsten Monaten vermutlich nicht signifikant ändern."

Aktive Teilnahme ist sehr wichtig für Therapieerfolg

"Es kommt aber immer auch auf das Schädigungsmuster und die Dynamik im Rehabilitationsverlauf an. Eine große Rolle spielt dabei, wie motiviert die Betroffenen selbst sind. Ohne ihre Mitarbeit erreichen wir nicht viel", erläutert Dr. Straten weiter.

Den Patient:innen diesen Einfluss ihrer aktiven Teilnahme zu vermitteln, ist nicht immer einfach. In Gesprächen wird sowohl auf die schon gemachten Erfolge als auch auf die Konsequenzen von ausbleibenden Fortschritten hingewiesen – beispielsweise die Unterbringung in einem Pflegeheim. Hirnschäden können die Verständnisfähigkeit, das Gedächtnis und die Motivation jedoch erheblich beeinträchtigen.

Auch durch die Erkrankung bedingter Antriebsmangel, akute Verwirrtheitszustände oder depressive Reaktionen auf den eigenen Zustand können den Fortschritt hemmen. In manchen Fällen helfen hier Medikamente, in anderen therapeutische Gespräche mit Neuropsycholog:innen.

Einbindung Angehöriger ist sehr wichtig

Auch die Beratung, Einbindung und gegebenenfalls Anleitung der Angehörigen ist eine wichtige Aufgabe der Frührehabilitation. Dr. Straten betont, wie wichtig hier offene Worte seien: "Wir klären von Beginn an sehr offen darüber auf, welche Grenzen der Medizin bei solchen Erkrankungen gesetzt sind. Wir vermitteln realistische Prognosen und versuchen unrealistische Erwartungen zu bremsen, achten aber auch darauf, die Motivation zu erhalten."

Auch wenn an einem Punkt klar wird, dass Patient:innen es wahrscheinlich nicht in eine weiterführende Rehabilitation schaffen werden, werde dies offen kommuniziert und man überlege mit den Angehörigen gemeinsam weitere Schritte, so Dr. Straten: "Das ist schon im ersten, strukturellen Aufnahmegespräch Thema."

Optimale Bedingungen für Patient:innen im Haus "Pfalz"

Um den Patient:innen zu einer bestmöglichen Rehabilitation und so viel wie möglich Lebensqualität zu verhelfen, ist der Neubau "Pfalz" optimal an die Bedürfnisse der schwerkranken Patient:innen angepasst. Die unterschiedlichen Fachbereiche können optimal miteinander kooperieren, um den Patient:innen eine allumfassende Therapie zu bieten. Das Krankenpflegeteam ist speziell ausgebildet und betreut die Patient:innen Tag und Nacht.

Auch die Architektur des Hauses wurde an die Bedürfnisse des Personals sowie die der Patient:innen angepasst. So seien beispielsweise die Waschbereiche für die Pflege optimiert worden und für Notfallklingeln gebe es besondere Techniken wie die Aktivierung per Atemstoß, erklärt Micha Lange. Das erleichtere gerade die Arbeit mit Personen mit Lähmungserscheinungen.

"Den Krankenhauscharakter außen vor lassen"

Auch die Gestaltung der Räumlichkeiten hat einen wichtigen Einfluss auf ihre Bewohner:innen. Architektin Katja Schwarzlmüller betont, dass man "den Krankenhauscharakter außen vorlassen" wollte. Hierfür sei vor allem auf Helligkeit und Farbigkeit gesetzt worden. Zimmer, Flure und Bäder wurden bewusst großzügig und licht gestaltet, Wanddekoration so angebracht, dass sie auch von bettlägerigen Patient:innen wahrgenommen werden kann.

Als architektonisches Herzstück des Neubaus sieht Schwarzlmüller den Stützpunkt des Hauses: "Hier am Kommunikationsmittelpunkt laufen alle Fäden zusammen. Wir haben ihn bewusst sehr freundlich und hell gestaltet, damit sowohl Besucher:innen als auch Patient:innen gerne an diesen Stützpunkt kommen."

Auch das "Konzept der runden Ecke" ist für Schwarzlmüller ein gestalterisches Highlight. Die fließenden Formen gehören zum Designkonzept des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach und wurden im Neubau konsequent umgesetzt. Auch SRH-Geschäftsführer Jörg Schwarzer ist von dem Konzept überzeugt: "Die runde Ecke hat eine faszinierende Wirkung und Energie."

Gestaltung gemeinsam mit Patient:innen erarbeitet

All diese gestalterischen Raffinessen haben ein gemeinsames Ziel: Den Patient:innen die bestmögliche Umgebung zur Genesung und Rehabilitation bieten. "Wir haben den Fokus klar auf die Patient:innen gelegt und die Gestaltung der Räume zusammen mit Betroffenen erarbeitet", so Jörg Schwarzer.

Auch der Blick auf den therapeutischen Alltag fällt durchweg positiv aus: Ergotherapeutin Sophia Ehnis freut sich besonders auf die Kühlung des Hauses, die Patient:innen wie Personal im Sommer viel Erleichterung verschaffen werde.

Aber auch die Großzügigkeit der Räume und die Verknüpfung aller Disziplinen unter einem Dach würden eine noch bessere und alltagsnahe Therapie ermöglichen und dazu motivieren, diese weiterzuentwickeln: "Es ist einfach das Gesamtpaket, was uns hier im Haus 'Pfalz' ausmacht."

 

SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach GmbH

Telefon: 07202 61 - 0

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Mehr zum Thema SRH-Klinikum-Karlsbad-Langensteinbach: Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach ist ein Akut- und Fachkrankenhaus südöstlich von Karlsruhe am Fuße des Nord-Schwarzwaldes gelegen.