Das Produkt Pfalzlimo entstand 2020 sprichwörtlich als "Schnapsidee" nach einer halb durchzechten Nacht, wie Yannick Böttcher, einer der beiden Gründer erzählt: "Wir saßen in einer Bar in der Landauer Innenstadt und hatten etwas getrunken. Wir brauchten etwas Nicht-Alkoholisches. Bis auf eine Cola war praktisch nichts im Sortiment!“ Den Trend zum regionalen hatten sie mitbekommen – unter dem Label ‚Pfalzliebe‘ sind beispielsweise Pullover erhältlich. "Alkoholfreie Getränke, die aus der Pfalz kommen, gab es wenig."

"Yannick meinte: ‚Stell dir vor, es gäbe eine Pfalzlimo!", erinnert sich sein Mitgründer-Kollege Luca Stulier. "Der Markenname fiel unbewusst im ersten Satz." Am nächsten Tag trafen sie sich – ausgenüchtert - in einem Restaurant, um zu schauen, ob das Thema interessant wäre. Kurze Zeit später entstand die Marke mit Sitz in Billigheim-Ingenheim, eine kleine Ortschaft bei Landau. Inzwischen sind drei Geschmacksrichtungen erhältlich.

Limo-Getränk mit vergleichsweise wenig Zucker und Saftschorle-Anklang

"Wir haben mit Birne-Mirabelle angefangen, dann Brombeer-Apfel, dieses Jahr kam Traube-Aprikose hinzu“, erklärt Böttcher. Wie’s schmeckt? "Alles sehr fruchtig, mit bis zu 20 Prozent sehr viel Fruchtgehalt. Birne-Mirabelle ist geschmacklich die süßeste Sorte, wobei sie auch schon wenig Zucker hat. Brombeer-Apfel hat am wenigsten Zucker und ist etwas herber im Geschmack, Traube-Aprikose liegt dazwischen.“ Mit anderen Produkten lasse sich das schwer vergleichen, "allein die Fruchtkombinationen sind so noch nicht vorhanden. Die Limonade hat etwas sehr saftschorliges, wegen dem hohen Fruchtgehalt."

Gastronomie-"Eroberung" in Karlsruhe

Seit einigen Wochen sind die Flaschen in Karlsruhe erhältlich, im Scheck-in-Center beispielsweise, sowie in einzelnen Rewe-Märkten, Edeka-Filialen und auch bei Gastronomen. Das möchten sie ausbauen. Das Feedback sei bislang sehr positiv. "Mittlerweile sehen wir Pfalzlimo – irgendwann – als Potenzial für eine nationale Marke, was wir zu Beginn gar nicht auf dem Schirm hatten", meint Luca Stulier. Lediglich Discounter wie Aldi fallen weg. "Aldi führt kein Glas-Mehrweg, da könnten wir gar nicht verkaufen", so Stulier.

Die Pfalzlimo-Chefs, v.l.n.r.: Luca Stulier, Michael Leber, Yannick Böttcher
Die Pfalzlimo-Chefs, v.l.n.r.: Luca Stulier, Michael Leber, Yannick Böttcher | Bild: Pfalzlimo

Von einem App-Startup über einen Hanfmarktplatz zum eigenen Getränke-Unternehmen

Wie kam der Weg zum eigenen Getränke-Unternehmen? Luca Stulier war bereits im Online-Management-Bereich umtriebig, erzählt der 24-Jährige. Vor fünf Jahren veröffentlichte er eine App, noch während er sein Abi machte. Zur Vermarktung gründete er nebenbei eine Online-Marketing-Agentur, die er noch immer betreibt. Über die Agentur startete er kurze Zeit später Cannaable, einen Online-Markplatz für legale Hanfprodukte: "Das Hanf-Thema wurde trendy. In der Cannabispflanze existieren neben dem illegalen, berauschenden Stoff THC auch die nicht-berauschenden, legalen Cannabinoide – wie CBD. Zudem lassen sich aus der Pflanze – den Hanffaser – beispielsweise auch Textilien herstellen." Sie beschränkten sich auf den Bereich, prüften die Anbieter entsprechend, so Stulier. Nach zwei Jahren wurde das Projekt an eine Investorengruppe verkauft. Nun konzentriert sich Stulier auf Pfalzlimo.

Seinen 23-jährigen Pfalzlimo-Kollegen Yannick Böttcher kannte er noch aus Schulzeiten. Böttcher war eine Zeit lang in Berlin, später Geschäftsführer in einem eigenen Geschäft. Dessen kaufmännischer Hintergrund ergänzt Stuliers Online-Marketing-Fähigkeiten. Anfang 2021 stieß Michael Leber dazu, der eine Video-Produktionsagentur führt. Ursprünglich war er als Marketing-Dienstleister für Social-Media-Content gebucht, fand dann an dem Projekt so viel Gefallen, dass er einstieg.

Innerhalb von sechs Monaten zum Getränkeproduzenten

Nach der ursprünglichen Idee im Herbst 2020 musste alles ganz schnell gehen. "Wir wussten, wenn wir mit einer Sorte auf den Markt wollen, muss das im Frühjahr geschehen“, erläutert Luca Stulier. Getränke, besonders Limonade, verkaufe sich allgemein besser im Sommer – nur so ließe sich in einer ersten Saison ein aussagekräftiges Fazit ziehen. "Wir hatten also knapp sechs Monate Zeit, zu verstehen, wie das Getränkegeschäft funktioniert!“ Das sei auch ein Ansporn gewesen. "Wir mussten herausfinden, wie man Getränke produziert – wen brauchen wir dazu?“

Die ersten 30.000 Flaschen kamen im Februar 2021 als Testlauf

Sie knüpften regionale Kontakte, fanden in Edenkoben einen Logistiker, der einen Lagerplatz organisierte, dazu die ersten Lohnabfüller – "ein Dienstleister, der dein Getränk in die Flasche abfüllt, und auch die Mehrwegflaschen wäscht, desinfiziert, etikettiert und neu abfüllt.“ Das war, aus der Winzerregion Pfalz kommend, bereits ein Begriff. "Was wir bis dato noch gar nicht kannten: Grundstoffhersteller. Die Saftkonzentrate, die bei Limos praktisch immer zugesetzt werden, müssen irgendwoher kommen! Wir haben die Geschmacksrichtungen bewusst kombiniert: Jeder in der Pfalz kennt Birne, Mirabelle, Brombeer und Apfel“, so Stulier. Entwickelt wurden die Rezepte vom Grundstoffhersteller. "Wir haben geschaut, was überhaupt möglich ist – dann wird probiert. Man fühlt sich dabei wie ein Sommelier." Im Februar 2021 konnten sie die erste große Charge – 30.000 Flaschen – produzieren. "Wir hatten noch keinen Kunden, brauchten aber bereits Kisten und Flaschen, die wir kaufen mussten", erinnert er sich.

Pfalzlimo
Pfalzlimo | Bild: Pfalzlimo GbR

Erfolgreiches "Klinkenputzen" beim Einzelhandel

Im Corona-Frühjahr 2021 konnten sie nicht zur Gastronomie gehen, sondern haben sich auf den Lebensmittel-Einzelhandel konzentriert. Die ersten Kunden waren bereit, die neue Limonade auszuprobieren. Nach aufwendigen "Klinkenputzen" in einzelnen Märkten sind sie nun in knapp 300 Supermärkten gelistet, größtenteils in der Pfalz – etwa bei Globus – aber auch in Baden-Württemberg und im Rest von Deutschland. Der lokale Markenname stört dabei nicht: "Wir standen schon in Märkten in Hamburg, in 17 Edeka-Märkten in Chemnitz", so Stulier. Bei dem Markennamen sind sie bewusst geblieben, "weil er sehr aussagekräftig ist: Es zeigt, woher wir kommen, und dass wir so viel Regionalität wie möglich in die Flasche packen wollen."

Für künftige Geschmacksrichtungen bio-zertifiziert

Künftig wollen sie noch "klassischere" Geschmacksrichtungen ergänzen. "Wir sind jetzt bio-zertifiziert, werden eine neue Bio-Linie erschaffen – nach wie vor regionale Konzepte." Die Anforderungen betreffen beispielsweise die Lagerung der Produkte, sowie die grundsätzlichen Bedingungen. „Die Früchte, die für die Saftkonzentrate angebaut wurden, müssen in Bio-Qualität vorhanden sein, also ungespritzt, ohne Pestizide", erläutert Luca Stulier. Der Zucker müsse ebenfalls in Bio-Qualität sein. Das habe viel mit dem Boden, der Agrikultur zu tun, wirft Yannick Böttcher ein. "Wir arbeiten mit Partnern und müssen darauf achten, dass die Partner bio-Zertifiziert sind. Jeder Waren-Ein- und Ausgang muss entsprechend unterschrieben werden."

Vegane Limo – auch dank dem Etikett

"Vegan sind wir auch – für die Klassifizierung zählt übrigens nicht nur das Produkt, sondern auch die Verpackung. Etikettenleim ist oft nicht vegan." Dort seien dann etwa Kuhproteine enthalten.

Im Gespräch erscheinen Luca Stulier und Yannick Böttcher nach wie vor begeistert. Sie erzählen, dass sie auch immer wieder selbst rausfahren, um die Limonade bei Händlern und Gastronomen anzupreisen, obwohl sie dafür eigentlich zwei Außendienstler haben. "Es ist das eigene Produkt – wir können es nicht lassen", meint Stulier schmunzelnd.

 

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