Kaiserwetter, Regenwetter oder Mistwetter – Regen, Sonne und Sturm beeinflussen unser Gemüt. Doch die Witterungslage kann sich auch auf unsere körperliche Gesundheit auswirken. „Beim Rettungsdienst kennt man tatsächlich das Phänomen des „Schlaganfall-Wetters““, erzählt Dr. Ralph Oberacker.

Dass sich an manchen Tagen die Notrufe wegen Schlaganfällen häufen, sei kein Zufall: „Eine Studie der Universität Jena hat festgestellt, dass ein Temperaturabfall zwischen drei und vier Grad zu einer Erhöhung des Schlaganfallrisikos von zehn Prozent führt“, so Oberacker.

Eine medizinische Erklärung für den Einfluss des Wetters auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Durchblutungsstörungen gebe es auch: „Bei Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen, werden enger. Dann wird der Widerstand für das Blut größer, das Herz muss mehr arbeiten. Blutdruck und Puls können steigen“, erläutert der Facharzt für Kardiologie und Angiologie am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Bei wärmeren Temperaturen erweitern sich die Gefäße, der Widerstand sinkt und damit kann auch der Blutdruck leicht abfallen.

Vorerkrankte sind wetterempfindlicher

Gesunden Menschen macht diese Anpassung normalerweise keine Schwierigkeiten. Fast alle Menschen sind laut Oberacker wetterreagierend, reagieren also darauf, ob die Sonne scheint oder es regnet. Etwa 15% der Menschen seien wetterempfindlich, sie können bei abrupten Wetterwechseln unter Beschwerden leiden.  Wetterempfindlichkeit ist unter Frauen stärker verbreitet als unter Männern, besonders häufig tritt sie allerding bei vorerkrankten Personen auf.

Herz-Kreislauf-Erkrankte haben größere Probleme damit, sich an Temperaturänderungen anzupassen und damit auch ein erhöhtes Risiko bei Wetterumschwüngen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Doch nicht nur Temperaturschwankungen und Kälte beanspruchen das Herz-Kreislauf-System.

Auch sehr hohe Temperaturen, die in den letzten Jahren immer häufiger und langanhaltender im Sommer auftreten, sind eine starke Belastung.  „Extreme Hitze verursacht Stress und Flüssigkeitsmangel. Durch den Flüssigkeitsmangel wird das Blut dicker und das Risiko für Blutgerinnsel, Thrombosen und Schlaganfälle steigt“, erläutert Oberacker. „Dieses Problem wird uns in den kommenden Sommern immer häufiger beschäftigen“. Durch das ungebremste Fortschreiten der globalen Erwärmung  werden Rekordtemperaturen und Hitzesommer deutlich zunehmen.

Ralph Oberacker
Ralph Oberacker ist Facharzt für Kardiologie und Angiologie am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. | Bild: SRH

Doch all dem sind Betroffene nicht schutzlos ausgesetzt. Eine wichtige Vorbeugemaßnahme sei es, die Blutdruckmedikamente von Patient:innen  saisonal anzupassen, so Oberacker: „Wenn es wärmer wird, reduzieren wir die blutdrucksenkenden Medikamente und im Winter muss man sie meistens wieder etwas steigern.“ Im Sommer empfiehlt es sich für alle, besonders aber für vorerkrankte Patient:innen, ausreichend zu trinken und körperliche Belastungen wie Sport in die frühen Morgen- oder Abendstunden zu verlegen.

Vorbeugung bei Wind und Wetter

Doch auch ganzjährig können die Gefäße gestärkt werden, um sich ohne Beschwerden an Temperaturwechsel anpassen zu können: Kneipp’sche Anwendungen wie Wassertreten, Güsse und Wechselduschen trainieren den Körper für kommende Wetterumschwünge. Bewegung an der frischen Luft kann ebenfalls ganzjährig dabei helfen, auch bei Wetterwechseln und Extremtemperaturen fit zu bleiben. „Sich immer wieder verschiedenen Wetterverhältnissen auszusetzten, trainiert die Anpassung an unterschiedliche Bedingungen“, so Dr. Oberacker.

Regenwetter
Spaziergänge bei Wind und Wetter trainieren das Gefäßsystem. | Bild: pixabay

Doch auch bei ausgezeichnetem Training und gut eingestellter Medikation kann es im Ernstfall zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen. Dann heißt es: keine Zeit verlieren! „Besonders in der kalten Jahreszeit sollten gerade ältere und vorerkrankte Menschen ein Engegefühl in der Brust und ähnliche Symptome nicht auf die leichte Schulter nehmen“, warnt Dr. Ralph Oberacker. „Lieber einmal zu viel den Rettungswagen rufen als einmal zu wenig!“

Egal, zu welcher Jahres- oder Tageszeit, die Notaufnahme des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach ist jederzeit bereit, Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten schnell und sicher zu versorgen. So ist die Herzkatheter-Bereitschaft 24 Stunden am Tag erreichbar, um möglichst schnell Herzkranzgefäße zu öffnen und damit die Herzschäden möglichst gering zu halten. Auch Schlaganfall-Patient:innen können jederzeit in der zertifizierten, überregionalen Stroke-Unit aufgenommen und akut versorgt werden. Somit ist das ganze Jahr und bei jedem Wetter gesichert, dass bei der Behandlung der Patient:innen keine wertvolle Zeit verloren geht.

Eingang des SRH-Klinikums während Corona
Der Eingang des SRH-Klinikums Karlsbad-Langensteinbach. | Bild: SRH
Mehr zum Thema SRH-Klinikum-Karlsbad-Langensteinbach: Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach ist ein Akut- und Fachkrankenhaus südöstlich von Karlsruhe am Fuße des Nord-Schwarzwaldes gelegen.