Zwei Wochen war der knallige Fachkräfte-Bus der IHK Karlsruhe, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und dem WelcomeCenter der TRK, in der Region unterwegs. Das Ziel der IHK Roadshow: Fachberater kommen zu den Unternehmen vor Ort und beraten bei der Gewinnung geeigneter Fachkräfte. Welche Stellschrauben kann das Unternehmen noch drehen, wo gibt es bei der Stellenanzeige Verbesserungsbedarf, was läuft bereits gut. 

Für Nina Scheitweiler, Personalentwicklerin und Ausbildungsbetreuerin bei der VR Payment GmbH in Karlsruhe, hat sich die Teilnahme an zwei Matching-Terminen der Fachkräfte-Roadshow gelohnt: "Man merkt genau: Wer hierher kommt, hat auch echtes Interesse. Im persönlichen Gespräch kann man schnell die Potenziale erkennen." Wer unter ihre Fittiche kommt, wird auch mal bei Problemen im privaten Bereich unterstützt. Die Azubis wissen das zu schätzen. "Auch Geflüchtete nehmen wir gerne bei uns auf", erzählt die Personalentwicklerin.

Viele Beratungen und Kennenlerngespräche gab es in den zwei Wochen der IHK-Roadshow.
Viele Beratungen und Kennenlerngespräche gab es in den zwei Wochen der IHK-Roadshow. | Bild: IHK Karlsruhe

Beim Matching in Rastatt ging es sowohl um Ausbildung, als auch um Wieder- oder Quereinstieg. Fatima, eine Schülerin an einer berufsbildenden Schule, interessiert sich besonders für den Pflegebereich. Ihr Wunsch: Unabhängig von einem Partner eigenes Geld zu verdienen, um ihre bald zehnköpfige Familie unterstützen zu können. Beim Job-Matching vor der Badnerhalle in Rastatt hat sie darum auch den Stand des Klinikums Mittelbaden im Auge. Ihre Sorge: Das Kopftuch könnte ein Hindernis bei der Einstellung sein. Patricia Montbrun, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, nimmt ihr die Angst: "Gerade im Pflegebereich dürfte das eigentlich kein Problem sein. Notfalls wäre es aber auch möglich, eine Haube zu tragen." Julia Laubel, Personalentwicklerin am Klinikum, ist froh um jede potenzielle Fachkraft. Sie ist dankbar für die Möglichkeit des Matchings. "Ich habe schon zehn Gespräche geführt, sowohl mit angehenden Azubis als auch mit Wiedereinsteigerinnen. Personal fehlt uns vor allem im Bereich Pflege in Pflegeheimen."

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Auch die Stadtwerke Bretten sehen sich selbst als durchaus attraktiven Arbeitgeber. Personalerin Katharina Schuler-Heck und der kaufmännische Leiter, Alexander Bassler, tun schon einiges in Sachen Flexibles Arbeiten und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Trotzdem haben sie besonders in einem Bereich Probleme, Fachkräfte zu finden. "Wir suchen händeringend nach Bademeistern, bzw. Fachkräften für Bäderbetrieben. Hier können wir kaum mit Mobilem Arbeiten punkten." Peter Minrath, Leiter Fachkräftesicherung bei der IHK, Patricia Montbrun von der Arbeitsagentur und Claudia Nehm, zuständig für die Thematik Beruf und Familie bei der IHK, empfahlen, auf die speziellen Vorzüge dieser Tätigkeit hinzuweisen und schon die Stellenanzeigen anders zu gestalten.

"Volles Haus" bei der IHK Roadshow: Beim Job-Matching konnten potenzielle Arbeitnehmer hier ihren potenziellen Arbeitgeber kennenlernen.
"Volles Haus" bei der IHK Roadshow: Beim Job-Matching konnten potenzielle Arbeitnehmer hier ihren potenziellen Arbeitgeber kennenlernen. | Bild: IHK Karlsruhe

Für Katharina Schuler-Heck war die Roadshow ein voller Erfolg. "Durch die Tipps der Fachberater wissen wir nun, wo wir uns und unsere Stellenangebote noch verbessern können. Einige dieser Tipps wenden wir bereits an, jedoch freuen wir uns über die neuen Impulse", so Schuler-Heck. Die IHK Roadshow findet sie eine klasse Idee. "Wir würden auch wieder mitmachen, dann mit anderen Beratungsschwerpunkten - es gibt immer etwas, das man verbessern kann", sagt sie lachend.

Die Roadshowbestand aus drei Säulen, wie Simone Heinrich, Leiterin Kommunikation bei der IHK und Projektleiterin der Kampagne, erklärt. "Neben den Matching-Terminen und den Thementagen gab es auch noch das Mobil auf Abruf. Unternehmen haben ihr Interesse an bestimmten Themenbereichen signalisiert und zwei bis drei Expertinnen und Experten haben anschließend vor Ort im Betrieb zu Ausbildung, Arbeitgeberattraktivität, Wiedereinstieg oder Fachkräfte aus dem Ausland beraten." Diese Termine kamen laut Heinrich so gut an, dass es solche gemeinsamen Beratungstermine von IHK, Arbeitsagentur und WelcomeCenter auch über die Kampagne hinaus geben sollen. 

Eine ganze Reihe von Bewerbungsunterlagen haben im Laufe der zehntägigen Roadshow die Besitzerinnen und Besitzer gewechselt, Vorstellungsgespräche und Praktikumstermine wurden vereinbart. Die Unternehmen im gesamten IHK-Bezirk, von Banken über Kliniken und IT-Unternehmen bis zu kleinen gewerblich-technischen Betrieben, alles suchen sie händeringend nach qualifiziertem Personal. Wobei qualifiziert vor allem drei Dinge bedeutet: zuverlässig, loyal und fleißig. Bei vielen Betrieben spielt nicht einmal mehr die Sprache eine Rolle. Deutschlernen bei der Arbeit ist inzwischen ein gängiges Prozedere.

Über 100 Rosen haben die Expertinnen und Experten von IHK, Arbeitsagentur und Welcome Center im Laufe der Roadshow verteilt. Getreu dem Motto der Kampagne "Ja, ich will!" war die Rosenübergabe Symbol für das erfolgreiche gegenseitige Werben von Arbeitgebern um Fachkräfte und von Fachkräften um Arbeitgeber. 

Wie geht es nach der Roadshow weiter? "Neben den Matchings hat sich für die Unternehmen als besonders wertvoll erwiesen, dass sie alle Infos rund um die Fachkräftesicherung an einem Ort erhalten haben. Das gemeinsame individuelle Beratungsangebot für Unternehmen bleibt auch nach Ende der Roadshow verfügbar", sagt Simone Heinrich abschließend.

 

IHK Karlsruhe

Lammstr. 13-17

76133 Karlsruhe

www.ihk.de/karlsruhe

 

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