Karlsruhe "Dein Geschenk" : Mit dem Badischen Landesmuseum via Web-App virtuelle Präsente verschicken!

"Dein Geschenk" - das trifft es perfekt und auf den berühmten Punkt! Ab sofort können Interessierte und Kultur-Affine im Badischen Landesmuseum per Web-App virtuelle/digitale Geschenke an Verwandte und Freunde verschicken. Eine tolle Idee, fürwahr! Toby Frei hat exklusiv mit Digital Catalyst Christiane Lindner über die innovative Aktion gesprochen.

Frau Lindner, "Dein Geschenk" - eine tolle Idee haben Sie da entwickelt! Man hat die Möglichkeit, zu partizipieren/interagieren, Freunde und Verwandte einzubinden - erzählen Sie mal ein bisschen!

Christiane Lindner: Es ist keine Ausstellung, sondern ein neues digitales Angebot. Die Besucher können ihre eigenen Erzählungen aus dem Museum verschicken, Mini-Touren erstellen. Letztlich ist die Mechanik immer so: Man kann bis zu drei Objekte auswählen und dazu dann eigene Stories aufnehmen und dann auch noch Hinweise vergeben. Also es ist eigentlich auch noch eine Art Schnitzeljagd.

Man kann soundmäßig etwas hinzufügen?!

CL: "Dein Geschenk" ist eine kostenlose Web-App, das heißt, man braucht nichts runterladen, es ist ein direkt einsatzbereites Tool. Man kann beispielsweise einfach den QR-Code scannen oder den Link eingeben (geschenk.landesmuseum.de) oder man bekommt eine Nachricht: "Hier ist dein Geschenk von Christiane aus dem Badischen Landesmuseum!" Und dann muss man es einfach nur öffnen. Super easy, barrierefrei.

Impression "Dein Geschenk"
Impression "Dein Geschenk" | Bild: Badisches Landesmuseum

Man öffnet dann die App und was die App macht, "Dein Geschenk", sie verpackt eben diese Fotos und Sprachnachrichten in ein Geschenk. Das ist das Besondere daran.

... auch grafisch?

CL: Es ist ein Komplettpaket, auch grafisch. Man öffnet das Geschenk und wird begrüßt von unserer Sprecherin, die da sagt: "Hallo, willkommen im Museum. Du hast ein Geschenk bekommen. wie schön, schau mal!" Dann bekommt man quasi die drei Teile und sieht schon verschwommen die drei Objektbilder und dann öffnet man eines nach dem anderen.

Dann kriegt man den (Audio-)Hinweis, wie man das finden kann, eine Art kleine (virtuelle) Schnitzeljagd, und wenn man das Objekt gefunden hat, dann sieht man das ganze Bild und kann die Sprachnachricht hören, die aufgenommen worden ist.

Das Ganze beginnt eigentlich mit einem Geschenk vom Museum, das hat Herr Köhne (Direktor des Landesmuseums) für uns eingesprochen, das bekommen alle Besucher zuerst, alle bekommen diese Karte und öffnen das Geschenk des Museums, damit sie wissen, wie sich das anfühlt, dass es nett ist, wenn man was geschenkt bekommt. Und dann können sie auch selbst eines machen und an ihre Freunde und Verwandten verschicken.

Die richtige Aktion in diesen Zeiten?!

CL: Definitiv, also für uns ist es durchaus auch ein Rapid Response-Projekt für Corona, wir wollten da schnell was anbieten, weil ja jetzt grade mit der Museumsschließung alles nur eingeschränkt zugänglich war und man jetzt nicht die Oma ins Museum mitnimmt. Und so können quasi unsere Besucher die Daheimgebliebenen auch teilhaben lassen.

Impression "Dein Geschenk"
Impression "Dein Geschenk" | Bild: Badisches Landesmuseum

Das Schöne ist: Man kann die App sowohl im Museum verwenden als auch zuhause, das heißt, wenn man sagt, man ist grade nicht im Museum, sieht man trotzdem die Bilder und Geschichten, es fallen nur diese Schnitzeljagd-Hinweise weg.

Eine echte Innovation, woher kommt diese, wer hat diese Idee entwickelt?

CL: Das ist ursprünglich aus einem EU-Projekt in Großbritannien entstanden vom Künstlerkollektiv Blast Theory, die haben das ursprünglich entwickelt. Und was wir gemacht haben, wir haben es in Kooperation mit ihnen weiter entwickelt.

Impression "Dein Geschenk"
Impression "Dein Geschenk" | Bild: Badisches Landesmuseum

In deren Projekt war der Code schon immer Open Source, das heißt gratis für alle verwendbar. Wir haben diesen aber substanziell weiterentwickelt, damit er für Deutschland auch datenschutzsicher ist, damit wir ihn auf unseren Servern hosten können, und wir haben natürlich die ganzen Texte und Schaltflächen angepasst auf deutsch. Wir haben auch Pläne, das noch weiterzuentwickeln. Die Aktion läuft bereits schon seit 1. September.

Wie ist die Resonanz?

CL: Gut bis jetzt, Die Leute finden es anscheinend total charmant, weil es einfach so etwas Besonderes ist. Viele sagen auch, es ist eine andere Art, das Museum zu besuchen. Vor allem und auch die lieben Kollegen benutzen es recht viel für alle möglichen Sachen, zum Beispiel Geburtstagseinladungen. Also, man kann es auch für Dinge außerhalb des Museums verwenden.

Gibt's "Dein Geschenk" nur im Landesmuseum?

CL: Tatsächlich sind wir das erste deutsche Museum überhaupt, dass das macht, auch unsere App ist letztlich Open Source. Wir hoffen, dass das viele andere Museen nachnutzen, denn wir haben es genau so programmiert und entwickeln es auch weiter, damit es leichter wird.

"Dein Geschenk" - eine charmante Angelegenheit

CL: Ich kann noch über unseren kleinen Roboter "Xaver" und die Weiterentwicklung von unser Web-App berichten.: Wir entwickeln ja "Dein Geschenk" weiter, weil wir relativ viele Rückfragen hatten. Der Ansatz der Entwicklung ist ja, dass man etwas Persönliches von einer Person zu einer anderen verschenkt.

Impression "Dein Geschenk"
Impression "Dein Geschenk" | Bild: Badisches Landesmuseum

Die meisten Leute haben aber gefragt: Kann man das auch öffentlich machen? Das ist unsere nächste Stufe, dass man auch öffentliche Geschenke erstellen kann, die dann eigentlich persönliche Museumstouren sind. Und die stellen wir dann auf unsere Homepage und wenn man ins Museum kommt, kann man dann sich aus 20/25 Geschenken einfach etwas raussuchen. Das schafft dann einfach noch mal mehr Vielfalt in den Zugängen zum Museum.

Der Ausdruck des "virtuellen Geschenks" stimmt also ...

CL: ... wenn man jetzt ins Museum geht, kriegt man halt ein Geschenk. Und in Zukunft bekommt man vielleicht den QR-Code zum "Gift Shop" und bekommt dann 25 Geschenke und kann sich eines aussuchen. Das ersetzt eigentlich einen Museums-Audio-Guide und da werden unsere Besucher zu Audio-Guide-Erstellern, das finden wir besonders schön. Weil darum geht es uns schließlich - dass Besucher zu Nutzern werden, so wie es im Museumskonzept steht.

Salopp gefragt: Was läuft beim drolligen "Xaver"?

CL: Xaver kriegt anlässlich der Wiedereröffnung des Museums ein neues Programm, welches da heißt "Wahrheit oder Lüge" - ein alternativer Eintritt ins Museum, kein langweiliger Info-Point. Die Leute kriegen von Xaver Geschichten übers Schloss/Museum erzählt, und sie müssen dann raten, ob die Story stimmt oder nicht. Man darf sich also auf lustige Momente freuen!

Frau Lindner, vielen Dank für das Gespräch!

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf eine durchaus humorige Aktion: Am kommenden Sonntag, 4. Oktober, plant das Badische Landesmuseum einen Aktionstag mit dem sinnstiftenden Titel "Teddybär auf Zeitreise – Bring Dein Kuscheltier mit ins Museum!". Bedeutet: An besagtem Sonntag erhalten alle Besucher in Begleitung eines/ihres Plüschtiers von 10 bis 17 Uhr freien Eintritt in die Sonderausstellung "Humanimal – Das Tier und Wir" im Karlsruher Schloss.

Neben der "tierischen" Ausstellung sind auch die anderen Abteilungen des Hauses wieder zu besichtigen. Ab sofort öffnet das Landesmuseum seine Sammlungsausstellungen wieder dauerhaft für die Öffentlichkeit. Und wer noch mehr aus dem Landesmuseumskosmos erfahren will: Es gibt da einen feinen Podcast namens "Kaffee mit Kolleg*innen".

Hier spricht Leilah Jätzold mit Mitarbeitern des Badischen Landesmuseums. Sie sprechen über die Arbeit am Museum, wie die sich aktuell durch die Corona-Maßnahmen verändert hat und wie sich Museen langfristig verändern könnten. In der gerade laufenden zweiten Staffel liegt der Fokus auf der Wiedereröffnung des Museums unter Corona-Bedingungen.

www.landesmuseum.de

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