60 aktive Künstler:innen - "BioMedien" ist (auch quantitativ) eine echte Mammutausstellung!

Die Idee der Ausstellung ist es, das Verhältnis zwischen Medientechnologien und Lebewesen im 21. Jahrhundert zu analysieren und zu erweitern, mit dem Fokus auf Lebenssimulation durch dynamische Systeme, die mit interaktiven, digitalen Methoden lebensähnliches Verhalten aufweisen.

Die Ausstellung erstreckt sich über das Erdgeschoss der Lichthöfe 8+9 des ZKM. Es werden Werke von rund 60 Künstler:innen und Künstler:innnenkollektiven sowie wissenschaftliche Objekte präsentiert. Sie geben einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der algorithmischen und KI-basierten Kunst, in der Robotik, der Quantentheorie und verwandten Disziplinen und Diskursen, die sich mit computersimulierten Lebensformen, künstlichem Leben und künstlicher Intelligenz beschäftigen.

Ist es vorstellbar, dass sich KI eines Tages selbstständig machen könnte? Und welche Rolle verbleibt noch für den Menschen?

Impression "BioMedien"
Impression "BioMedien" | Bild: ZKM

Mit den präsentierten Werken möchten wir dazu beitragen, Vorurteile gegen solche Technologien wie KI abzubauen. Gleichzeitig werden die Besucher:innen dazu ermutigt, sich mit diesen Technologien kritisch auseinanderzusetzen und einen Blick in die Zukunft zu werfen, in der organische und künstliche Lebensformen noch stärker als zuvor innerhalb der hybriden Ökosysteme miteinander verwoben werden.

Unser Ansatz ist dabei, anstatt in konkurrierenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen zu denken, sich Beziehungen zu künstlichen Agents als gegenseitige Interdependenzen und Verschränkungen vorzustellen. Neue Methoden und Ideologien müssen erforscht werden, um sich der Frage zu nähern, wie sich das Leben in einer Gemeinschaft aus menschlichen und technologischen Entitäten gestalten kann – vor allem vor dem Hintergrund der tiefgreifenden ökologischen Krise, des Massenaussterbens und der von Menschen verursachten Klimakatastrophe.

Intelligenz und Empathie ist nicht mehr allein an den Menschen gebunden …

Impression "BioMedien"
Impression "BioMedien" | Bild: ZKM

... neue Technologien fordern den Menschen heraus, scheinbar festgelegte Definitionen und Vorstellungen von Intelligenz und Empathie kontinuierlich zu überdenken und zu hinterfragen. Die Ausstellung knüpft an diesen Diskurs an und erweitert diesen um die vielseitigen künstlerischen Positionen, die vor allem Empathie und Intelligenz nicht exklusiv Menschen, sondern auch nichtmenschlichen Lebensformen, wie Robotern, zuschreiben.

In der Interaktion mit den präsentierten Arbeiten werden sich Besucher:innen  möglicherweise dabei ertappen, wie sie emotionale Fähigkeiten und Verhaltensmuster in computergenerierte Wesen projizieren und dabei zwangsläufig aufgefordert werden zu hinterfragen, wo genau Intelligenz und Empathie verortet ist. Die Ausstellung setzt sich zum Ziel, diese komplexen Verhältnisse zu erforschen und das Verständnis von Empathie und Intelligenz zu erweitern.

"BioMedien" wird im Rahmen des UNESCO Creative City Network von einer Satelliten-Ausstellung begleitet. Macht das auch ein bisschen stolz?

"BioMedien" wird vom 12. Mai bis 10. Juli 2022 in einer adaptierten Form im Centre des Arts, Enghien-les-Bains, Frankreich, präsentiert. Wir haben uns sehr über die Anfrage aus dem Netzwerk des UNESCO Creative City Network gefreut, da wir sehr an einem Austausch und Kollaborationen mit anderen Partnern dieser Gemeinschaft interessiert sind. Es wird eine etwas kleinere Auswahl an Werken in der Ausstellung dort präsentiert werden, da das Centre nicht über solch große Lichthöfe wie im ZKM verfügt. Ein weiterer Satellit der Ausstellung “BioMedien” wird zudem ab Ende März bis 24. Juli 2022 im Foyer der EnBW in Karlsruhe zu sehen sein.

Und was macht die Schau so besonders?

Impression "BioMedien"
Impression "BioMedien" | Bild: ZKM

Durch neue Technologien wie maschinelles Lernen, genetische Algorithmen oder Quantencomputing und deren interdisziplinären Verschränkungen, können Medien Leben mittlerweile nicht mehr nur animieren, sondern simulieren und sogar selbst künstlich generieren. In der Interaktion mit den künstlerischen Arbeiten können  Einflüsse zwischen Mensch und Maschine erforscht werden. Erstaunlich dabei ist zu beobachten, dass einige dynamische Systeme auch miteinander interagieren und kommunizieren, dabei lernen und sich selbstständig weiter entwickeln.

Warum sollte man diese vielschichtige Ausstellung unbedingt besuchen? Was macht den Reiz aus?

Anhand einer großen Auswahl an künstlerischen Arbeiten können Besucher:innen die Potenziale von neuen Technologien erforschen und sowohl einen spielerischen als auch kritischen Umgang mit biomimetischen Medien erlernen. Hierbei werden gesellschaftsrelevante Themen diskutiert und anhand von Einblicken in hybride Ökosysteme, künstliche Evolution, (Quanten)Verschränkungen des Lebens, Kommunikation, Interaktionen und Zusammenleben mit und zwischen künstlichen Lebensformen sowie dem Museum und Ausstellungsraum als lebendige und interaktive Systeme, Leben an sich neu definieren.

Durch ein vielfältiges biophiles Aktivierungsprogramm sowie eine mit der Ausstellung wachsenden digitalen Plattform werden neue hybride Formate und Momente für die Besucher:innen sowohl im ZKM als auch Zuhause geschaffen. Besucher:innen werden eingeladen anhand von partizipativen Workshops, Künstler:innengesprächen, Screenings, interaktiven Führungen und künstlerischen Interventionen, sich tiefer mit den komplexen Themen der Ausstellung "BioMedien" auseinanderzusetzen und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft mit biomimetischen Medien zu erschließen.

Termin: 18. Dezember 2021 bis 28. August 2022, ZKM, Karlsruhe

www.zkm.de/biomedien