Browserpush
 

Karlsruhe Andreas Pöschel steht für den bewussten Genuss

Herr Pöschel, Sie sind seit Frühjahr 2020 Geschäftsführer bei Edeka Südwest Fleisch in Rheinstetten. Bis dahin hatten Sie aber schon einen längeren Weg durch verschiedene Branchen der Lebensmittelerzeugung genommen.

Das stimmt. Ich hatte schon immer eine Nähe zum Thema Lebensmittel und habe deshalb eine Ausbildung zum Koch in einem Hotel im Bottwartal gemacht. Danach ging’s zum Wehrdienst – übrigens hier nach Karlsruhe. Ich habe da in der Küche des Offizierskasinos gearbeitet.

Wie ging es weiter?

Auf dem zweiten Bildungsweg habe ich zunächst die Fachhochschulreife nachgeholt und anschließend den Betriebswirt gemacht. Danach war ich viele Jahre im Vertrieb einer Molkerei in Stuttgart tätig. Dann habe ich einige Jahre als Vertriebsleiter, später als Geschäftsführer für verschiedene Produzenten im Bereich Fleisch- und Wurstwaren gearbeitet, bis ich 2010 zu Edeka gekommen bin. Genauer zu Schwarzwaldhof in Blumberg. Dort war ich zwei Jahre als Vertriebsleiter tätig, habe anschließend die Geschäftsbereichsleitung übernommen und war so verantwortlich für Marketing, Vertrieb und Verwaltung. Seit April 2020 leite ich die Edeka Südwest Fleisch GmbH in Rheinstetten – gemeinsam mit meinem Kollegen Edwin Mantel.

Das Thema Lebensmittel zieht sich ja wie ein roter Faden durch ihren Lebenslauf. Woher kommt diese Affinität?

Ich bin in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen, in einem ganz kleinen Ort. Damals gab es da viele Bauernhöfe und wir sind immer wieder in Kontakt mit der Landwirtschaft gekommen. Es gab Rinder- und Schweinemast und man hat auch das Futter für die Tiere selbst angebaut. Vielleicht hat mich das beeinflusst.

Sie haben Ihre Stelle in Rheinstetten ja zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt angetreten – nämlich mitten in der Corona-Pandemie. Wie war das für Sie?

Das war tatsächlich nicht ganz leicht. Wir sind ja ein Produktionsbetrieb, unsere Produkte kann man nicht im Homeoffice herstellen. Um unsere Märkte weiter mit frischen Lebensmitteln zu versorgen und unsere Kolleginnen und Kollegen bestmöglich zu schützen, haben wir unsere ohnehin schon strengen Hygiene-Konzepte um weitere Maßnahmen ergänzt, z.B. in Form einer eigenen Teststation, mit der wir jeden Mitarbeitenden mehrmals pro Woche getestet haben. 

Hatte denn der Fall Tönnies Auswirkungen auf Sie?

Das öffentliche Interesse an der Fleischwarenbranche war auf einmal sehr groß. So sind auch wir in den Fokus gerückt – auch bei der Politik. Wir hatten mehrere Delegationen mit Abgeordneten aus Stuttgart und Berlin im Haus, die sich über unsere Maßnahmen informiert haben. Das Interesse galt dabei insbesondere unseren Belüftungssystemen. Bei einigen unserer Wettbewerbern war das wohl eine der Schwachstellen. Unsere Anlage ist dagegen so ausgerüstet, dass Aerosole permanent herausfiltert werden. Die Filter sind außerdem so beschichtet, dass sie virenhemmend wirken. Das war in punkto Sicherheit ein riesiger Vorteil, wie sich gezeigt hat.

Sie hatten ja auch wirklich wenige Fälle von Covid.

Ja, das stimmt. Wir hatten die Lage durch unsere Maßnahmen gut im Griff. 

Es gibt ja häufig Kritik an der Fleischbranche. Wie gehen Sie damit um, wenn Sie das etwa im privaten Umfeld erreicht?

Themen wie z. B. Tierwohl und Regionalität gewinnen an Bedeutung. Bei unseren Markenfleischprogrammen arbeiten wir mit fast 500 Landwirten im Südwesten zusammen, teils seit vielen Jahren. Wir bieten Preisgarantien und sichern Abnahmemengen zu. Außerdem bauen wir unser Sortiment an Artikeln, die unter höheren Tierwohlstandards erzeugt werden, kontinuierlich aus. Mit unseren Partnern aus der Landwirtschaft arbeiten wir intensiv daran, das Angebot für die höheren Haltungsstufen zu steigern.

Zum Thema Tierwohl: Bei Ihnen gibt es das Tierwohl-Label Hofglück. Dann aber auch ein Bio-Siegel. Wo sind die Unterschiede?

Hofglück ist eines unserer Markenfleisch-Programme mit besonderem Fokus auf Regionalität und Tierwohl. Das Programm gibt es seit 2015 im Bereich Schweinefleisch. Die Produkte sind mit zwei von zwei möglichen Sternen des Tierschutzlabels "Für Mehr Tierschutz" des Deutschen Tierschutzbundes gekennzeichnet tragen die höchste Stufe vier der Kennzeichnung "Haltungsform", analog zu Bio-Fleisch. Bei Betrieben, die nach ökologischen Richtlinien arbeiten, ist z. B. darüber hinaus noch die Fütterung mit biologisch erzeugten Futtermitteln vorgeschrieben. 

Wenn Sie die heutige Haltungsstufe 4 mit Ihrer Jugend auf dem Dorf vergleichen, würden Sie dann sagen, dass es den Tieren heute besser geht?

Das ist kein Vergleich. Die Öffentlichkeit nimmt das Tierwohl heute sehr viel stärker wahr als vor 40 Jahren. 

Wie sieht es mit den Lieferwegen aus?

Die Kriterien unserer Programme umfassen nicht nur die Mast der Tiere, sondern die gesamte Wertschöpfungskette, von der Muttersauenhaltung über die Ferkelerzeugung, die Ferkelaufzucht, den Transport der Tiere bis hin zur Schlachtung. Dazu gehören also auch Vorgaben für maximale Distanzen zwischen Mast- und Schlachbetrieb. Deshalb stammen die Mäster für unsere Produkte ausschließlich aus unserem Liefergebiet, rund um die Schlachtbetriebe in Ulm und Crailsheim.

Noch einmal zu Hofglück – wie entwickelt man denn so ein Produktprogramm? Wie lange dauert der Prozess, Vorgaben zu definieren und diese auch mit den Lieferanten abzustimmen?

So etwas dauert Jahre. Wir haben mit Hofglück 2015 angefangen und den Deutschen Tierschutzbund ins Boot geholt. Unser Anspruch war, mit der höchsten Stufe einzusteigen, die der Tierschutzbund zu vergeben hat. Dafür mussten wir erst einmal Ferkelerzeuger und Mäster finden, die bereit sind, diesen Weg mit uns zu gehen. Das bedeutet nämlich Investitionen z.B. in Ställe und Freilaufgehege oder sonstige bauliche Einrichtungen. Bei der Vermarktung der Produkte ist entscheidend, dass der Kunde den Mehrwert erkennen kann und einen Aufpreis akzeptiert, schließlich vergüten wir den Landwirten den höheren Aufwand mit einem fairen Preis. Zunächst fängt man mit einer überschaubaren Menge an. Der gesamte Prozess, so ein Programm aufzubauen dauert dann sicher zwei bis drei Jahre. 

Andreas Pöschel ist in einem kleinen Dorf aufgewachsen und freut sich über mehr Tierwohl. | Bild: EDEKA Südwest

Wie hat sich das Programm bisher entwickelt?

Die Marke entwickelt sich gut. Unsere Kunden fragen mittlerweile gezielt danach – auch Landwirte kommen auf uns zu und möchten mit uns zusammen umstellen. Wir bauen die Sortimente kontinuierlich aus. Seit diesem Jahr führen wir übrigens auch Geflügelfleisch unter dem Label.

Hat Corona das Bewusstsein der Verbraucher für Lebensmittelqualität verändert?

Viele Kunden haben sich tatsächlich mehr mit dem Thema Lebensmittel beschäftigt. Bei vielen ist die Qualität deshalb mehr ins Bewusstsein gerückt. Das ist für uns natürlich ein Vorteil, schließlich bieten unsere Märkte traditionell besonders viele qualitativ hochwertige Produkte. Auch Interessant ist, dass nun auch Wettbewerber dazu übergehen, stärker auf Tierwohl achten zu wollen. Wenn Sie so wollen ist auch das eine Bestätigung dafür, dass unser Kurs richtig ist.

Wie sind denn Ihre weiteren Ziele?

Wir verkaufen im Bereich Schweinefleisch schon jetzt rund 16 Prozent aus der Eigenzerlegung unter Haltungsstufe vier. Diesen Anteil wollen wir bis 2025 verdoppeln. Wir versuchen derzeit, die Voraussetzungen dafür zu schaffen und den Erzeugern Planbarkeit zu geben. Die Umstellung bedeutet für sie, dass sie viele Maßnahmen umsetzen müssen – verbunden mit Investitionen und baulichen Veränderungen.

Gibt es keinen Haken?

Für uns gibt es den allerdings. Wir müssen schließlich in Vorleistung gehen, ohne zu wissen, ob unsere Kunden mitziehen, sprich: Wir schließen langfristige Verträge mit den Landwirten in der Hoffnung, dass die Produkte künftig nachgefragt werden. Aber ich bin optimistisch und sehe es als eine gesellschaftliche Aufgabe, Landwirtschaft auf dem Weg in eine bessere Tierhaltung an der Seite unserer Partner weiterzuentwickeln.

Zum Abschluss noch etwas Persönliches: Als gelernter Koch haben Sie doch sicher gewisse Vorlieben bei Wurst- und Fleischwaren?

Am liebsten koche ich mit regionalen und saisonalen Zutaten – immer zur jeweiligen Jahreszeit. Beim Fleisch mag ich sowohl Schweine, als auch Rind- oder Geflügelfleisch. Auch hier sind mir Regionalität und Qualität besonders wichtig, der Preis ist da nicht das wichtigste Kriterium. 

Wer kocht bei Ihnen zu Hause?

Wir teilen uns das auf. Unter der Woche kocht meistens meine Frau. Am Wochenende oder wenn wir Besuch bekommen, dann koche oft ich. 

Was hatten Sie zum letzten Weihnachtsfest gekocht?

An Weihnachten gibt es bei uns traditionell Fondue, aber nicht mit Fett, sondern mit Bouillon, weil es bekömmlicher ist. Das kann man sehr gut vorbereiten. Außerdem verbringt man dabei viel gemeinsame Zeit miteinander.

Vielen Dank für das Gespräch.

Andreas Pöschel

• Geschäftsführer EDEKA Südwest Fleisch GmbH

• Eröffnung des Betriebs in Rheinstetten: 2011

• Mitarbeiter: ca. 1.400

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen