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Karlsruhe Wie ein Kühlschrank: Deshalb bleibt das Ettlinger Tor kühl

Der Sommer ist da, es ist heiß, in der Stadt steht die Luft. Außentemperaturen bis 40 Grad - trotzdem hat es im Ettlinger Tor Center angenehme 22 Grad. Technisch gesehen gar nicht so einfach, denn das dreistöckige Einkaufszentrum mit dem Glasdach ist eine Herausforderung für jede Klimaanlage. Im Ettlinger Tor kann man sich auf erfrischende Temparaturen freuen – zu verdanken ist dies modernster Technik. Heute werfen wir einen Blick hinter die Kulissen.

Die Fächerstadt ist bekannt für ihre heißen Sommertage, da suchen viele eine Abkühlung - nicht nur im Freibad, sondern auch im Einkaufszentrum Ettlinger Tor in Karlsruhe bleibt es kühl.

"Im Sommer, wenn es draußen sehr heiß ist und das Thermometer über 30 Grad klettert, da ist hier auf jeden Fall immer etwas los. Weil es bei uns so viel kühler ist als draußen sind wir ein Geheimtipp an heißen Sommertagen", sagt Thomas Eckstein im Gespräch gegenüber ka-news.de. Als Haustechniker kümmert er sich um die Technik im Shoppingcenter und somit auch um die Lüftungsanlagen, die das ganze Jahr über für ein angenehmes Klima beim Einkaufen sorgen. Und das 310 Meter lange, dreistöckige Gebäude hält ihn ganz schön auf Trab: "An guten Tagen ist ein Halbmarathon schon mal drin. Da zeigt mein Schrittzähler nach Feierabend an die 25.000 Schritte an. Da kann man sich dann schon auch mal ein Eis zur Mittagspause gönnen", erzählt Eckstein lachend.

Eis bei angenehmen Temperaturen auch an tropischen Sommertagen? Im Ettlinger Tor kein Problem
Eis bei angenehmen Temperaturen auch an tropischen Sommertagen? Im Ettlinger Tor kein Problem. | Bild: Ettlinger Tor

Wer schon einmal mit dem Auto zu Besuch im Center war, kennt die spiralförmige Auf- und Abfahrt zu den Parkdecks. Wie eine Spindel dreht sich der Weg nach oben. Und in der Mitte: der nach oben offene Kühlturm. Hier wird Wasser verdunstet und der innere, zweite Kühlkreislauf so auf fünf bis acht Grad runtergekühlt.

Eine der beiden Kältemaschinen mit 1,5 Megawatt oder 2039 PS. Alle drei Kältemaschinen sind in der Auf- und Abfahrt eingebaut. | Bild: Sophia Wagner

Und wie funktioniert das Kühlen nun? "Man kann sich das vorstellen wie ein Kühlschrank mit zwei Kühlkreisläufen", erklärt Eckstein. "In einem Kreislauf wird das Wasser mit Glycol, das Kühlmittel, in die Lüftunsgräume mit den Kühlregistern gepumpt. Dort findet dann der Kälteaustausch statt. Der andere Kreislauf kühlt die drei großen Kältemaschinen in der Auf- und Abfahrt."

Im Center gibt es also drei Kältemaschinen. Zwei von ihnen haben eine Leistung von je 1,5 Megawatt. Ist es besonders heiß, kommt eine dritte Maschine, der sogenannte Turbo dazu. Und der hat sogar 2,0 Megawatt auf dem Kasten. Insgesamt kommen die 3 Maschinen auf 5 Megawatt oder rund 6.800 PS. Im Vergleich dazu kommen die beiden Antriebsmotoren der MS Karlsruhe nur auf rund 770 PS.

Insgesamt 40 Lüftungsanlagen - wie große Autokühler

"Insgesamt haben wir zirka 40 dezentrale Lüftungsanlagen hier. Der größte Stromverbrauch im Center geht auch definitiv für die Kühlung drauf", so Eckstein. "Wir können die besonders heißen Sommer auch am Energieverbrauch ablesen!"

Angetrieben werden die Lüftungsräume jeweils mit kleineren Motoren: "Auf 22 Kilowatt kommt jeder der 40 Antriebe in den Kühlern aber schon", meint Thomas Eckstein. Das sind ungefähr 30 PS, was einem alten VW Käfer entspricht. Und das spürt man: Im Wärmetauscher des Lüftungsraums, der aussieht wie ein überdimensionaler Autokühler, bläst einem die kalte Luft nur so um die Ohren.

Einer der über 40 Kühlräume im Ettlingertor.
Einer der über 40 Kühlräume im Ettlinger Tor. | Bild: Sophia Wagner

Und wie kalt - beziehungsweise warm - ist es dann im ECE-Center? "Wir bewegen uns in einem Spielraum zwischen 16 und 22 Grad Celsius wenn es draußen mal ganz heiß ist" erzählt Thomas Eckstein, "viele Shops haben auch ihre eigenen kleinen zusätzlichen Klimaanlagen, die nicht zentral gesteuert werden."

Frischluft statt Umluft - das lässt Bäume wachsen

Im Sommer wird gekühlt, im Winter geheizt. Daher gibt es auch ein Heizregister und ein Kühlregister. "Im Frühjahr mussten wir aufgrund der wechselhaften Temperaturen draußen zum Beispiel morgens heizen und abends dann kühlen", lacht Eckstein, "dieses Jahr haben wir im Mai mit der Kühlung angefangen."

Zweimal im Jahr, zu Beginn und zum Ende der Sommer-Saison werden die Anlagen gewartet. "Und alle zwei Wochen entnehmen wir Kühlwasser und prüfen es auf bakterielle Verunreinigungen, wie zum Beispiel Legionellen", so Thomas Eckstein. "Außerdem entkalken wir unser Wasser mit Salz."

Nicht nur sauber, sondern auch natürlich: "Wir arbeiten nur mit Frischluft, nicht mit Umluft", so Thomas Eckstein. Daher blühen schon seit der Eröffnung im Jahr 2005 echte Bäume und Pflanzen im Gebäude, obwohl es im Center keine Fenster gibt. Durch die große Frischluftanlage werden die Pflanzen zu jeder Zeit mit ausreichend reiner Luft versorgt.

Wenn es dann abkühlt kann man den Abend schön im Außenbereich ausklingen lassen, wie zum Beispiel hier am Rondellplatz bei bratar. | Bild: Ettlinger Tor
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