Karlsruhe Wohin mit Ehrenmal?

Das Ehrenmal des KFV soll an den Engländerplatz
(Foto: ka-news)
Wer kann sich noch an den deutschen Fußballmeister von 1910 erinnern? Richtig, der Meister kam aus der Fächerstadt und hieß Karlsruher Fußballverein (KFV). 1:0 hieß es gegen Holstein Kiel im Endspiel in Köln. Mittlerweile ist der Verein von der Fußball-Landkarte verschwunden. Der ehemalige Ehrenvorsitzende Günther Rüssel setzt sich nun dafür ein, dass die Erinnerung an den KFV weiterlebt.

1912 stand der KFV nochmals im Endspiel um die deutsche Meisterschaft, und wieder hieß der Gegner Kiel. Doch diesmal unterlagen die Karlsruher Kicker den Norddeutschen. Trotzdem waren die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts die Höhepunkte in der Vereinsgeschichte. Mittlerweile gibt es den Verein, der sein Stadion an der Telegrafenkaserne hatte, nicht mehr. Im Oktober 2004 verschwand der Club von der Fußball-Landkarte. Jetzt ist der KFV ein Fall für das Archiv.

Der ehemalige Ehrenvorsitzende des KFV, Stadtrat Günther Rüssel, setzt sich nun dafür ein, dass wenigstens die Erinnerung an den KFV weiterlebt. In einem Brief bittet er den Oberbürgermeister Heinz Fenrich darum für das Geschichtsbuch "100 Jahre Karlsruher Fußballverein" im Stadtarchiv einen bleibenden Platz zu finden. Ebenso wichtig ist für Rüssel, einen sicheren Standort für das Ehrenmal zu finden. Für ihn kommt da nur der Engländerplatz in Frage. Dies sei ein angemessener Standort, da die auf dem "Engländerplätzle" kickenden Studenten untrennbar mit der Geschichte des KFV verbunden waren und maßgeblich zur Gründung beigetragen haben.

Das Stadion an der Telegrafenkaserne erinnert kaum mehr an die glorreichen Zeiten des KFV (Foto: ka-news)

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der KFV nie mehr auf die Beine

In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts freuten sich die Fußballer nicht nur über die Meisterschaft, sondern auch über das berühmte Innentrio des KFV. Fritz Förderer, der Dribbelkönig und elfmaliger deutscher Nationalspieler, Gottfried Fuchs, Rekordtorschütze im Länderspiel 1912 gegen Russland und Julius Hirsch, siebenmaliger Nationalspieler gehören zu den bekanntesten Spielern des KFV. Noch heute tauchen die drei Karlsruher in den ewigen Bestenlisten des Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf. Hirsch war Jude und wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und dort getötet.

Vor allem die Jahre vor den beiden Weltkriegen waren die erfolgreichsten in der Geschichte des Karlsruher Vereins. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es eine Meisterschaft und zwei Vizemeisterschaften zu feiern, darüber hinaus freute sich der KFV über acht Süddeutsche Meisterschaften. Die Fächerstädter waren eines der besten Teams aus dem Süden Deutschlands. Vor dem Zweiten Weltkrieg brauchte es eine Zeit, bis der KFV wieder erfolgreich wurde. Im süddeutschen Raum hatten ihm die SpVgg Fürth und der 1.FC Nürnberg den Rang abgelaufen. Auf regionaler Ebene blieb der KFV aber die Nummer eins und nahm auch in manchen Jahren an der Süddeutschen Meisterschaft teil. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es stiller um den Karlsruher Fußballverein.

Im Oktober 2004 kam das Aus für den Traditionsverein

In den Jahren 1952 bis 1957 stieg der KFV nochmals in die 2. Vertragsspieler-Division auf, um oben mitzuspielen, was aus finanziellen Gründen jedoch nicht zum Erfolg führte. Seitdem spielte der KFV im Amateurlager mit wechselndem Erfolg. Gegner waren nicht mehr wie früher der 1. FC Nürnberg oder Schalke 04. Die Zeiten hatten sich geändert beim Karlsruher FV. Zudem kam der Verein in akute Geldnot. In den Jahren vor der Auflösung spielte der KFV nur mehr in der B-Klasse.

Den Verein gibt es nicht mehr - die Erinnerung soll bleiben (Foto: ka-news)

Im Oktober 2004 kam dann das Ende für den Traditionsclub. Der Badische Fußballverband schloss mit sofortiger Wirkung den KFV vom Spielbetrieb aus, da er die finanziellen Auflagen nicht mehr erfüllen konnte (ka-news berichtete). Damit war der Verein vom Stadion an der Telegrafenkaserne von der deutschen Fußball-Landkarten endgültig verschwunden. (tck)

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen