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Karlsruhe Wirtschaft besorgt: Das könnte Karlsruhe ohne 2. Rheinbrücke passieren

Der Streit um die Zweite Rheinbrücke geht weiter. Dass man jedoch aufhören sollte, sich den "Schwarzen Peter" zuzuspielen, stößt jetzt die Karlsruher Wirtschaft an. Welche erheblichen Folgen es auf die lokale Geschäftswelt sowie auf den Verkehr hätte, wenn die jetzige Rheinbrücke wegfallen würde - das hat ein Karlsruher Ingenieurbüro in einer Simulation auf den Punkt gebracht.

"Wir haben eine Untersuchung samt Simulation angestellt, um aufzuzeigen, welche Folgen eine Sperrung der Karlsruher Rheinbrücke auf den umliegenden Verkehr hätte", beginnt Peter Koehler vom Ingenieurbüro für Verkehrswesen Koehler & Leutwein das Pressegespräch am Freitag. Anlass hierfür war die Regionalkonferenz der TechnologieRegion Karlsruhe (TRK), deren Mitglieder am Donnerstag unter anderem über die wirtschaftlichen Folgen der Rheinbrücken-Problematik berieten.

Stau, Umwege, Einbußen

"Derzeit kommen auf 24 Stunden durchschnittlich 80.000 Fahrzeuge, die die Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe überqueren", so Koehler - "würde letztere aufgrund einer Sperrung wegfallen, hätte das erhebliche Auswirkungen sowohl auf die alternativen Rheinübergänge, als auch auf die Strecken rund herum." So würden Auto- und Lkw-Fahrer beispielsweise nach Iffezheim oder Germersheim ausweichen und damit einen Umweg mit erheblichen Fahrtzeitverlängerungen in Kauf nehmen müssen.

Konkret: "Ist die Rheinbrücke passierbar, braucht man in der Spitzenstunde durchschnittlich 20 Minuten von Kandel nach Karlsruhe-Mühlburg", führt Koehler anhand der Untersuchungen aus - "bei einer Sperrung beziehungsweise einer Ausweichroute verlängert sich die Fahrtzeit um ganze 1,5 Stunden - Stau aufgrund von Unfällen nicht miteinberechnet." Besonders belastet seien im Worst Case nicht nur die Rheinübergänge selbst - auch und besonders auf der A5, der französischen Autobahn sowie auf der B3 und B36 käme es zu einem erhöhten Stauaufkommen, so der Ingenieur weiter. Auch auf die Theodor-Heuss-Allee sowie Haid-und-Neu-Straße in Karlsruhe käme eine Verdopplung des Verkehrs zu - "so als wäre jeden Tag KSC-Heimspiel", fügt Koehler hinzu. Das Fazit: Eine Sperrung der Karlsruher Rheinbrücke könnte zu einer Fahrzeiterhöhung von rund 150 Prozent führen.

"Erhebliche Folgen für Baden-Airpark"

"Das brächte erhebliche Probleme für die ansässige Wirtschaft mit sich", resümiert IHK-Präsident und Vorsitzender der TRK-Regionalkonferenz Wolfgang Grenke. Zum einen sei mit Umsatzeinbußen im Einzelhandel zu rechnen, da sich Menschen aus dem Umland hinsichtlich ihres Shoppingziels nach der verkehrlichen Anbindung orientierten. Wenn man also erst bei Rastatt über den Rhein komme, liege es nahe, seine Einkäufe gleich im dortigen Einkaufszentrum zu erledigen und nicht erst noch nach Karlsruhe zu fahren, so die Befürchtung.

"Auch der Zulieferverkehr hätte mit einer Rheinbrückensperrung mächtig zu kämpfen, ebenso wie der nahe gelegene Baden-Airpark", so Grenke weiter. Letzterer müsste eventuell Fluglinien streichen, da sie in der Folge nicht mehr rentabel seien. "Das wiederum wäre ein erheblicher Schaden für die Region - der Baden-Airpark ist ein großer Standortfaktor und wirtschaftlicher Förderer", macht Grenke deutlich.

Demnach sprechen sich die TRK-Mitglieder klar für einen Anschluss an die B36 und eine zweite Rheinbrücke aus. Die verkehrliche Untersuchung hält fest: "Eine zweite Rheinbrücke würde 25.000 Fahrzeuge am Tag auffangen, weshalb sich die Lage bei einer Sperrung der alten Brücke deutlich entspannen würde", so Koehler. "Die Beteiligten müssen aufhören sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben und an der Lösung arbeiten. Die von uns veranlasste Simulation belegt, welch erheblicher Schaden die regionale Wirtschaft treffen könnte", so Grenke.

Dass eine Entscheidung nicht von jetzt auf gleich fallen wird, wisse er - "schließlich diskutiert man schon rund 50 Jahre über dieses Thema." Und dennoch: "Wir müssen endlich voranschreiten", so der TRK-Vorsitzende abschließend.

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Kommentare (66)
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  •   Salomon33
    (1 Beiträge)

    Knielinger Pförtner Simulation
    Mit nicht viel mehr als 3 Eimer Markierungsfarbe sind die morgendlichen Staus wie weggeblasen. Die Brücke ist nicht das Problem sondern der unsinnige Pförtner.
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  •   lynx1984
    (2687 Beiträge)

    deswegen
    staut es sich ja morgens auch auf und nicht vor der Brücke...
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  •   nachdenken
    (26 Beiträge)

    An jedem großen Verkehrsknotenpunkt,
    an jeder großen Straße...gibt es zu Stoßzeiten Staus. Jeder größere Verkehrsknotenpunkt führt bei Ausfall zu stärkeren Behinderungen des Verkehrs.
    Warum nicht viel mehr Geld in den Ausbau von Zug- und Straßenbahnverkehr stecken? Warum mit einer 2. Rheinbrücke noch mehr Autos, Abgase, Lärm?
    Ja,ja, die Wirtschaft. Natürlich ist sie wichtig. Aber die Wirtschaft muss auch umdenken bezüglich dessen, was sie wie produziert und transportiert. Wichtig ist aber auch eine gesunde Bevölkerung. Kranke kosten die Gesellschaft eine Menge Geld.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    Die spezielle Befürchtung
    bei der Rheinbrücke ist wohl, dass die Umwege und die zusätzliche Fahrzeit besonders groß wären und dass eine Reparatur lange dauern würde.

    Allerdings ist das noch kein Grund eine untaugliche Scheinlösung hinzustellen. Darüberhinaus dürfte selbst bei besonders großer Erschwernis im Fall des Ausfalls die Redundanz alleine niemals ausreichen das Projekt in der Konkurrenz der vielen anderen Verkehrsinfrastrukturprojekte durchzusetzen.

    Das andere Argument ist, dass Karlsruhe sein westliches Umland besser anbinden muss. Aber dann müsste mit gleicher Vehemenz für ein gleiches Niveau an ÖPNV-Verbindungen gekämpft werden. Und das ist ganz offensichtlich nicht der Fall. (Ich weiß, dass nicht jeder Bahn fahren kann, aber es soll auch nicht jeder Pendler Bahn fahren. Es fährt auch nicht jeder Bruchsaler Pendler mit der Bahn nach KA. Es soll nur mehr Pendlern ermöglicht werden zu wählen.)
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    und übrigens
    Für ein gleiches Niveau an Radverbindungen bräuchte es eine ganz andere Lösung als die, die derzeit angestrebt wird. Nicht eine weitere große Brücke in fast unmittelbarer Nachbarschaft zur bestehenden, sondern viele kleine Brücken (a la Mimram Kehl-Strasbourg) in regelmäßigen Abständen a 5 bis 10 km. Denn das schafft nicht nur (rad-) Kapazität sondern kürzt auch Wege ab. Letzteres ist in der aktuellen Planung praktisch nicht der Fall - für PKW wie für Fahrräder; den PKW-Fahrern ist das aber fast egal.

    Mit den gerade aufkommenden Elektrofahrrädern hätte das durchaus Potential Verkehrslast von der bestehenden Brücke zu nehmen. Man muss die Brücke ja nicht leeren, man muss nur das Zuviel beseitigen, das zu Stau führt und das ist relativ wenig.
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  •   glx
    (244 Beiträge)

    Da hat wohl einer die Baumschule besucht
    mein Routenplaner errechnet auch bei Sperrung der Auto-Rheinbrücke eine Fahrtdauer von nur 18min.

    Aber das kommt halt davon, wenn man nicht weiter als seine Motorhaube schauen kann.
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  •   Beiertheimer
    (848 Beiträge)

    Und die 18 min
    stimmen immer noch wenn der Rest der Verkehrsteilnehmer auch auf den Ausweichrouten unterwegs ist?
    Sie haben schon recht das manche nicht über die Motorhaube hinausschauen.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    Besser als eine Simulation
    wäre freilich es einfach auszuprobieren, zu demonstrieren quasi. Also man müsste auf der Brücke demonstrieren, um zu demonstrieren, dass sich die Fahrtzeiten um 150% bis 1,5 Stunden verlängern.

    Aber das würde sicherlich niemals genehmigt. Völlig illusorisch grinsen
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  •   baerry
    (129 Beiträge)

    Ich verstehe das nicht
    Zunächst mal sagt diese 'Simulation' nichts andere aus als der normale Sachverstand gepaart mit google maps.

    Aber warum der Baden Airpark davon Betroffen sein soll verstehe ich jetzt nicht wirklich. Zwischen Karlsruhe und Flughafen kommt man noch an 2 Brücken und 2 Fähren (wenn der Flug nicht morgens um 7 geht) über den Rhein. Oder man fährt, je nach Startpunkt, schon nördlich von Karlsruhe über den Rhein.
    Natürlich ist da ein höheres Verkehrsaufkommen, aber das ist ja bekannt und kann berücksichtigt werden.
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  •   80er
    (5519 Beiträge)

    Das verstehe ich allerdings....
    ...auch nicht...so als Pauschalreisender. Ich kann mir den Flughafen ja nicht aussuchen. Also Baden-Airpark. Und wenn die Brücke gesperrt ist muss ich immer noch zum Baden-Airpark.
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