Karlsruhe KVVH zieht Bilanz: Kasig rechnet für 2016 mit negativem Ergebnis

Der Konzern KVVH GmbH konnte sein Ergebnis 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 4 Millionen Euro verbessern. Er weist für das Geschäftsjahr 2015 einen Konzernverlust in Höhe von 2,3 Mio. Euro aus, während im Vorjahr noch ein Verlust in Höhe von 6,3 Millionen Euro verbucht wurde. Die Ergebnisverbesserung resultiert insbesondere aus einem deutlich verbesserten Beitrag der Stadtwerke Karlsruhe, so einer aktuellen Pressemitteilung zu entnehmen.

Gleichzeitig gingen die Verlustübernahmen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) und der Karlsruher Bädergesellschaft leicht zurück. "Damit ist es der KVVH im Berichtsjahr zwar nicht vollständig gelungen, mit den positiven Ergebnisbeiträgen der Stadtwerke Karlsruhe und der Rheinhäfen die Belastungen insbesondere aus dem Verkehrsbereich zu kompensieren. Erfreulich ist, dass sich das Ergebnis im operativen Bereich um 8,6 Millionen Euro verbesserte", so der Geschäftsführer und Sprecher der Unternehmensgruppe, Michael Homann, bei der diesjährigen Bilanzpressekonferenz.

Die KVVH-Dienstleistungsgruppe konnte 2015 die Umsatzerlöse um 60 Mio. Euro auf 781,5 Mio. Euro steigern. Dabei steuerte der Versorgungsbereich mit 656,6 Millionen Euro rund 84 Prozent bei. Die Umsatzerlöse aus dem Verkehrsbereich stiegen um 3,3 Millionen Euro auf insgesamt 111,6 Millionen Euro. Auch die Bädergesellschaft weist um 0,4 Millionen Euro gestiegene Umsatzerlöse aus. Bei der KVVH GmbH erwirtschaftete der Geschäftsbereich Rheinhäfen mit 8,4 Millionen Euro den bedeutendsten Anteil.

KVVH investiert 60 Millionen Euro mehr als im Vorjahr

Die KVVH-Gruppe investierte 2015 299 Millionen Euro und damit über 60 Millionen. Euro mehr als im Vorjahr in die Sachanlagen. Damit ist die Dienstleistungsgruppe einmal mehr einer der größten Auftraggeber für die Region.

Gründe für den Zuwachs bei den Investitionen sind zum Beispiel die nach wie vor sehr hohen Investitionen in die Erneuerung und den Ausbau der Leitungsnetze, vor allem auch des Fernwärmenetzes, und damit in eine nachhaltige und sichere Versorgung.

Auch die energetische Sanierung des Stadtwerke-Verwaltungsgebäudes, die zweite Ausbaustufe der Wärmeauskopplung aus der Mineralölraffinerie Oberrhein und die Wärmeauskopplung aus dem RDK 8 waren Investitionsschwerpunkte der Stadtwerke. Große Summen flossen in die Beschaffung von neuen Fahrzeugen bei den VBK und die Fortsetzung der Bauarbeiten bei der Kasig.

Insgesamt investierten die Stadtwerke unter Zurechnung erhaltener Zuschüsse 91,3 Millionen Euro, die Verkehrsbetriebe 59,7, die Kasig 144, die Rheinhäfen 2,2 und das Europabad 1,8 Millionen Euro. Mit rund 2.500 Mitarbeitern und 146 Auszubildenden gehört der KVVH-Konzern nach wie vor zu den großen Arbeitgebern in der Fächerstadt.

Rheinhäfen: Besseres Ergebnis und höherer Güterumschlag Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der Geschäftsbereich Rheinhäfen einen Jahresüberschuss in Höhe von 250.000 Euro und damit einen Zuwachs von 150.000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Auch der Güterumschlag der Rheinhäfen Karlsruhe verbesserte sich nach dem überdurchschnittlichen Jahr 2014 noch einmal um 23.964 Tonnen und lag 2015 bei 7,1 Millionen Tonnen. Eine weitere Steigerung war wegen des lang anhaltenden Niedrigwassers des Rheins nicht möglich.

Stadtwerke: Signifikante Ergebnisverbesserung

Eine wichtige Grundlage für die positive Entwicklung des Jahresergebnisses der KVVH bildete erneut der Ergebnisbeitrag der Stadtwerke. Sie erzielten im Geschäftsjahr 2015 einen Jahresüberschuss nach Ertragsteuer in Höhe von 19,4 Mio. Euro. Dieses Ergebnis liegt um 4,2 Mio. Euro über dem des Vorjahres. Es wurde trotz erheblicher Belastungen durch regulatorische Einflüsse sowie einen intensiven Wettbewerb auf den Strom- und Gasmärkten erreicht. 

Die temperaturabhängigen Vertriebsabgabemengen von Erdgas lagen um 6,4 Prozent über denen des Vorjahrs, die von Fernwärme um 16 Prozent.

Dabei wurde der temperaturbedingte Mengeneffekt beim Erdgas durch wettbewerbsbedingte Absatzverluste negativ und bei der Fernwärme durch die Akquisition von Neukunden positiv beeinflusst. Dies ist ein besonderer Erfolg der Fernwärme-Ausbaustrategie, die auch in den nächsten Jahren intensiv fortgeführt wird. Im Bereich der Stromversorgung gingen die Vertriebsmengen im Berichtsjahr um insgesamt 73 Gigawattstunden oder 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Der Rückgang ist im Wesentlichen auf einen industriellen Großkunden zurückzuführen.

Der Wasserabsatz stieg durch den heißen Sommer in sämtlichen Kundensegmenten und lag mit 24,7 Mio. Kubikmeter um 2,1 Prozent über dem Absatz des Vorjahres. Um für die Zukunft noch besser gerüstet zu sein, haben die Stadtwerke Karlsruhe im Rahmen des Projekts "Dynamische Stadtwerke" innerhalb kürzester Zeit eine neue Organisationsstruktur etabliert und die Effizienzsteigerung ihrer Geschäftsprozesse in Angriff genommen. Insgesamt sind über 40 Projekte in Arbeit, in denen interne und externe Prozesse untersucht, erschließbare Effizienzpotentiale identifiziert und mögliche Innovationen umgesetzt werden.

Um Kunden zu binden und neue Kunden zu gewinnen, haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr das neue Geschäftsfeld "Anlagencontracting" aufgebaut und neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt. Hier ist das Solardach- Contracting für Privatkunden zu nennen, ein BHKW-Pachtmodell sowie das Energieaudit als Angebot für Firmenkunden oder der Legionellen-Check.

Parallel dazu wurde der Kundenservice spürbar verbessert. Ein neuer Markenauftritt sowie ein noch stärker an den Kundenbedürfnissen orientierter Online-Auftritt wurden erfolgreich auf den Weg gebracht. Da heute rund 50 Prozent aller Strom- und Gasverträge online abgeschlossen werden, ist die Beherrschung der digitalen Kanäle ein Muss, um im Wettbewerb zu bestehen. Überhaupt ist die Digitalisierung des Geschäftsmodells für die Stadtwerke entscheidend im Wettbewerb.

VBK: Steigende Zahl an Fahrgästen

Bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe haben sich 2015 die Fahrgastzahlen im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht. Wurden die Busse und Bahnen der VBK im Jahr 2014 noch von 107,3 Mio. Fahrgästen genutzt, so waren es im vergangenen Jahr bereits 107,5 Mio. Fahrgäste. Das Jahresergebnis der VBK fiel um 0,3 Mio. Euro besser aus als im Vorjahr. Während der Fehlbetrag 2014 noch 27,6 Mio. Euro betragen hatte, konnte dieser 2015 auf 27,3 Mio. Euro verringert werden. Dieser Betrag ist um 0,8 Mio. Euro besser als ursprünglich geplant.

Auch mit Blick auf die Gesamtinvestitionen gab es bei den VBK eine deutliche Veränderung. Insgesamt wurden 2015 59,7 Millionen Euro investiert, 2014 waren es 40,1 Millionen Euro. Davon flossen 38,3 Millionen Euro in die Beschaffung neuer Fahrzeuge, der Wert für 2014 lag bei 16,5 Millionen Euro. Neun neue Schienenfahrzeuge wurden 2015 an die Verkehrsbetriebe ausgeliefert.

Die Investitionen in die Infrastruktur beliefen sich auf 11,4 Millionen Euro (2014: 16,4 Millionen Euro). Vor allem der barrierefreie Ausbau von Haltestellen im Karlsruher Stadtgebiet wurde 2015 intensiv vorangetrieben. Somit finden die Wünsche von mobilitätseingeschränkten Fahrgästen besondere Beachtung. So wurden beispielsweise die Haltestellen Händelstraße, Philippstraße und Entenfang grundlegend umgestaltet und barrierefrei ausgebaut. Die Umbaumaßnahmen waren in das städtische Sanierungskonzept für den Stadtteil Mühlburg eingebettet.

In der Innenstadt wurde die Haltestelle Kronenplatz (Fritz-Erler-Straße) behindertengerecht umgebaut. Durch den Einsatz der neuen Niederflurfahrzeuge, in Kombination mit dem voranschreitenden Ausbau der barrierefreien Haltestellen, kommen die VBK dem Aufbau eines behindertengerechten, diskriminierungsfreien und damit nachhaltigen ÖPNV in Karlsruhe nach.

KASIG: Baufortschritt zufriedenstellend

Die Arbeiten an der Kombilösung standen im abgelaufenen Geschäftsjahr vorrangig im Zeichen des maschinellen Tunnelvortriebs unter der Kaiserstraße. Der am 17. November 2014 gestartete Tunnelvortrieb aus der künftigen unterirdischen Haltestelle Durlacher Tor in Richtung Westen wurde im Zielschacht in unmittelbarer Nähe des Mühlburger Tors am 7. September 2015 planmäßig beendet.

Neben der Herstellung der zwei Kilometer langen Tunnelröhre zwischen Durlacher Tor und Mühlburger Tor bildete der Südabzweig zwischen Marktplatz und Ettlinger Straße in Höhe der Augartenstraße einen Schwerpunkt. An allen künftigen unterirdischen Haltestellen entlang der Ost-West-Achse Kaiserstraße wurden die Deckel geschlossen und die Oberfläche so weit wie möglich wieder hergestellt. Der Baufortschritt lief insgesamt zufriedenstellend.

Eine zweite Optimierungsmaßnahme wurde beschlossen: Bis zur Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels wird auf den (Wieder-)Einbau oberirdischer Gleisanlagen auf dem Südabzweig komplett verzichtet. Dadurch wird Bauzeit gespart - die Gleise müssten nach 2018 erneut entfernt werden - und der Endzustand in der Ettlinger Straße kann früher erreicht werden.

Insgesamt investierte die Kasig im Jahr 2015 144 Millionen Euro in die Anlagen im Bau. Aufgrund der bisher aufgetretenen Verzögerungen wird sich die ursprünglich in 2016 geplante Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels voraussichtlich auf Ende 2019 verschieben. Die Kasig ist jedoch weiterhin bestrebt, das Gesamtprojekt Kombilösung bis zum Jahr 2020 betriebsbereit fertigzustellen.

"Insgesamt ist die Geschäftsführung der Kasigmit dem erreichten Baufortschritt, dem Verlauf des Geschäftsjahres 2015 und den daraus resultierenden Ergebnissen zufrieden", so Uwe Konrath, Geschäftsführer der Kasig.

Bäder: Leichter Rückgang der Besucherzahlen im Europabad

Der Betrieb im Europabad lief 2015 im Wesentlichen problemlos. An insgesamt 359 Öffnungstagen besuchten 468.133 Gäste (2014: 486.174 Gäste) das Europabad. 6 Während die Zahlen beim reinen Badebetrieb 2015 leicht unter dem Vorjahresniveau blieben, war bei den Saunabesuchern erstmals ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

Er resultiert insbesondere aus der Erhöhung des Umsatzsteuersatzes bei Saunadienstleistungen von 7 auf 19 Prozent ab 1. Juli 2015. Allerdings ist zur Beurteilung dieser Entwicklung auch auf den sehr guten Sommer 2015, der insbesondere eine Steigerung der Besucherzahlen bei den Freibädern bewirkte, sowie auf die längere Bauphase im Saunagarten durch den Neubau des Schlaf- und Ruhehauses hinzuweisen.

Mit dem Bau der Green-Viper-Rutsche sowie der Inbetriebnahme des Schlaf- und Ruhehauses im Saunagarten ist die Karlsruher Bädergesellschaft im Jahr 2015 den Ansprüchen der Badegäste gefolgt.Ausblick Insgesamt erwartet der Konzern KVVH GmbH für 2016 einen deutlich höheren Verlust als 2015. Die wesentlichen Gründe dafür sind prognostizierte Ergebnisverschlechterungen bei den VBK. Die Stadtwerke Karlsruhe rechnen im Wirtschaftsjahr 2016 durch den Wegfall von positiven Sondereffekten mit einer leichten Ergebnisverschlechterung.

Bei einem wieder durchschnittlichen Temperaturverlauf werden sich steigende Absatzmengen bei den Heizenergien Erdgas und Fernwärme positiv auf das Ergebnis auswirken. Bei der Fernwärme ergeben sich positive Effekte durch die Inbetriebnahme der zweiten MiRO Ausbaustufe im Herbst 2015. Den Verbesserungen im operativen Bereich stehen jedoch zum Teil noch erhebliche Aufwandssteigerungen gegenüber.

Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe gehen davon aus, dass die Fahrgastzahlen sich auch im Jahr 2016 weiterhin auf einem konstant hohen Niveau bewegen werden. Zudem greift im laufenden Jahr das bei den Verkehrsbetrieben angestoßene "Projekt 2022", durch das fortlaufend Einsparpotenziale ermittelt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden. Ziel ist es, auf diesem Weg das Defizit der VBK im Jahr 2016 um 1,9 Millionen Euro zu reduzieren. Zugleich soll jedoch auch 2016, ähnlich wie im Vorjahr, in vielen Bereichen weiterhin investiert werden. 

KASIG rechnet für 2016 mit negativem Ergebnis

Die KASIG rechnet für 2016 mit einem leicht höheren negativen Ergebnis, da steigende Aufwendungen bei geringfügig geringeren Erträgen prognostiziert werden. Das geplante Investitionsvolumen wird im Vergleich zu 2015 um rund 16 Prozent zurückgehen. Der Geschäftsbereich Rheinhäfen rechnet mit stabilen Umschlagszahlen.

Das Europabad hat mit fast einer halben Million Besuchern eine Zahl erreicht, die sich nur noch schwer steigern lässt. Die Gesellschaft muss sich den steigenden Ansprüchen der Badegäste anpassen und durch weitere Verbesserungen ihres Angebots dauerhaft Kundenbindung schaffen. Dies soll im Geschäftsjahr 2016 durch die Umgestaltung des Kinderbereichs sowie durch zwei neue Saunen erreicht werden.

Aufgrund der erforderlichen Sanierung des Erlebnisbeckens ist erstmals in der Geschichte des Europabads eine Schließzeit von drei bis vier Wochen erforderlich, was zu einer Minderung der Eintrittserlöse führen wird.
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