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Karlsruhe Schlechtes Gewissen? Kombi-Baustellen als Grund für verkaufsoffene Sonntage

Über die geplanten Karlsruher verkaufsoffenen Sonntage in diesem Jahr wurde am Dienstagabend in der Gemeinderatsitzung kräftig diskutiert. Solle der Sonntag als freier Tag geschützt werden oder die nicht? Die Meinungen klaffen zwar auseinander, doch letztendlich stimmten die Karlsruher Politiker für die Vorlage. Die Kombi-Baustellen trugen allerdings maßgeblich zu dieser Entscheidung bei.

Auch dieses Jahr werden die Einzelhändler in Karlsruhe an verkaufsoffenen Sonntagen ihre Läden öffnen können. Das hat der Gemeinderat mit 37 Ja- zu 8-Nein-Stimmen beschlossen. Neben den verkaufsoffenen Sonntagen an der  Mühlburger (10. September 2017) und Durlacher Kerwe (17. September 2017), werden dieses Jahr auch an den Heimattagen Baden Württemberg (7. Mai) sowie am 8. Oktober beim Karlsruher Stadtfest, verkaufsoffene Sonntage stattfinden.

"Wir verstehen die schwierige Situation"

Es war hauptsächlich die Kombilösung samt Baustellen, die die Forderungen nach verkaufsoffenen Sonntagen unterstützten. Sprach das schlechte Gewissen aus den Stadträten oder warum wurde den Einzelhändlern und deren Beeinträchtigungen durch Kombi-Baustellen in diesem Punkt so großes Mitgefühl entgegengebracht und sich genau mit dieser Argumentation für die geplanten verkaufsoffenen Sonntage eingesetzt?

Thorsten Ehlgötz von der CDU sagt, dass Karlsruhe in einer Zeit sei, in der die Innenstadt zukunftsfähig gemacht werde und daher befürwortete er die verkaufsoffenen Sonntage. "Für uns steht ganz klar der Einzelhandel im Vordergrund", so Ehlgötz. Auch Ute Leidig (Grüne) sieht in Anbetracht der Einschränkungen durch die Baustellen der Kombilösung eine Unterstützung für die Händler durch verkaufsoffene Sonntage als sinnvoll an. "Wir verstehen die schwierige Situation", erklärt Leidig.

"Das sind wir dem Einzelhandel schuldig"

FDP-Stadtrat Thomas Hock will eine Lanze für die Unternehmer in die Hand nehmen:" Man darf nicht außer Acht lassen, dass die Baustellen viele Händler in große Schwierigkeiten gebracht haben. Darum sind wir der Meinung, dass wir in unserer Stadt den Einzelhändlern die Chance geben, besonders an den Heimattagen, diese Möglichkeit auf einen verkaufsoffenen Sonntag zu ermöglichen. Das sind wir dem Einzelhandel schuldig!"

Die Baustellen der Kombilösung und die damit verbundenen Beeinträchtigungen der Einzelhändler lassen auch die Kult-Fraktion zu einer Befürwortung der verkaufsoffenen Sonntage 2017 kommen. "Verkaufsoffene Sonntage sollen keine Regelmäßigkeit werden. In diesem Fall stimmen wir allerdings zu, da der Einzelhandel durch die Kombi-Baustellen beeinträchtigt ist", erklärt Erik Wohlfeil.

Freie Wähler-Stadtrat Jürgen Wenzel ist Selbstständig und kennt die Lage der Einzelhändler: "Der Sonntag für die Familie ist selten und auch für mich als Selbstständiger eigentlich nie da - sonst muss meine Familie hungern, daher befürworte ich die Vorlage."

"Kommerz ist nicht die Seele der Gesellschaft"

Die Linke sowie die AfD forderten den Sonntag als freien Tag zu schützen und sprachen sich gegen die geplanten verkaufsoffenen Sonntage in Karlsruhe aus. Stadtrat der AfD, Paul Schmidt hinterfragt die verkaufsoffenen Sonntage: "Ist es denn wirklich nötig für die einzelnen Unternehmen an einem Sonntag zu öffnen?", so Dr. Schmidt.

Niko Fostiropoulos von den Linken fordert einen Blick in das Gesetz: "Verkaufsoffene Sonntage sind laut Gesetz nicht dafür da einen höheren Umsatz zu generieren, sondern um an größeren Veranstaltungen die Versorgung zu garantieren", so Fostiropoulos. "Wir brauchen Ruhephasen und wenn wir Feste feiern dann sollen alle feiern dürfen. Der Kommerz ist nicht die Seele der Gesellschaft!"

Trotz der Vorstellung von Stadtrat Fostiropoulos - "Feste zusammen zu feiern - ohne das jemand arbeiten müsse" - stimmte der Gemeinderat mehrheitlich für die Vorlage und somit auch für die geplanten verkaufsoffenen Sonntage.

Das sind die Mehrheitsverhältnisse im aktuellen Gemeinderat:

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Kommentare (11)
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  •   KA300
    (14 Beiträge)

    03.05.2017 16:58
    verkaufsoffener Sonntag
    Wer kann denn in Karlsruhe noch einkaufen? Das bestehende Angebot an Einzelhändlern trieft nur so vor Mittelmaß und Durchschnitt. Vom Europa- bis zum Marktplatz nichts adäquates, dass einen anspricht. Nur billige Massenware. Bin letzte Woche mit der Strassenbahn durch die Kaiserstrasse gefahren. Es ist entsetzlich, was sich da dem Auge bietet, insbesondere vom Europaplatz Richtung Mühlburger Tor und viel schlimmer, vom Marktplatz Richtung Kronenplatz. Einkaufen kann man in anderen Städten besser, teilweise günstiger und die Auswahl ist um ein vielfaches grösser. Man nehme nur mal Hugo Boss, Salamander, Massimo Dutti oder auch Hilfiger, bzw Nespresso. Sowas findet sich in der badischen Provinz, in der es das Einkaufserlebnis schlechthin geben soll, nicht. Möglicherweise liegt es daran, dass der Einzelhandel so schlecht läuft. Massenflucht aus Karlsruhe zum Einkaufen in Mannheim, Frankfurt oder Stuttgart.
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  •   KA300
    (14 Beiträge)

    03.05.2017 16:53
    verkaufsoffener Sonntag
    wer kann denn in Karlsruhe denn noch einkaufen? Das Angebot om Europaplatz bis zum
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  •   bergdoerfler
    (1534 Beiträge)

    14.02.2017 17:15
    Einkaufserlebnis heute 14.02.17
    Ich wollte bei einem Bekleidungsgeschäft in der Herrenstraße 3 Teile kaufen. Den Katalog hatte ich dabei. Leider war keines der Teile verfügbar. Ich könnte sie ja in der filiale bestellen und (irgendwann?) abholen. Dafür fahre ich nicht 1,5 Stunden mit Bus und Bahn nach KA um dann mit leeren Händen wieder heimzufahren. Da ist auf alle Marketingmaßnahmen gepfiffen, ob Sonntagsverkauf oder "Baustellenbonus". Ich werde halt das Internet bemühen müssen. Aber am Ladensterben, der Produktion von zusätzlichem Verpackungsmüll und Umweltbelastung bin ich dann nicht der Schuldige!!!
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  •   bimmler
    (8 Beiträge)

    13.02.2017 17:56
    Wenn die Kinder ihre Mutter sehen wollen
    dann muessen sie sie sonntags im Laden besuchen.
    Tolles Familienleben. Scheußlicher Kapitalismus dank dummer Politiker.
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  •   Adremdico
    (32 Beiträge)

    13.02.2017 01:19
    Diskussion unzureichend wiedergegeben
    Ich fühle mich in dem Artikel nur unzureichend wiedergegeben. Ich habe mich in meinem Redebeitrag hauptsächlich darauf bezogen, dass verkaufsoffene Sonntage bei Festen und ähnlichen Veranstaltungen zulässig sind. Dies ist am umstrittenen Termin am Eröffnungswochenende der baden-württembergischen Heimattage in Karlsruhe unumstritten der Fall. Die Läden können dann den sowieso vorhandenen Publikumsverkehr in der Stadt für ihre Geschäfte nutzen.
    Umgekehrt macht das aber auch den Besuch dieses Festes attraktiver. Auch die Angestellten profitieren dabei in der Regel von einer Sonntagszulage beim Gehalt. Dass gerade die davon profitierenden Innenstadt-Geschäfte durch die Kombibaustellen belastet sind und weiter sein werden, war nur eines von mehreren Argumenten für diesen verkaufsoffenen Sonntag. Bezüglich der Sonntagsruhe bewegen wir uns im gesetzlichen Rahmen. Letztendlich gab es für die fraglichen Termine einfach kein ebenso gewichtiges Gegenargument.
    Erik Wohlfeil, KULT-Fraktion
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  •   Adremdico
    (32 Beiträge)

    13.02.2017 01:47
    Die Linke verzerrt Gesetzeslage und kein schlechtes Gewissen
    Das Gesetz sagt übrigens nicht, dass die verkaufsoffenen Sonntage nur dazu da wären, die Versorgung bei größeren Veranstaltung zu garantieren, wie DIE LINKE fälschlicherweise behauptet.
    Die Gesetzesgrundlage für die verkaufsoffenen Sonntage in Karlsruhe kann jeder im §8 des
    Gesetzes über die Ladenöffnung in Baden- Württemberg (LadÖG) nachlesen. Das Bundesverwaltungsgericht hat außerdem Ende 2015 entschieden, dass der Publikumsverkehr, der aufgrund des zugrundeliegenden Festes, Marktes, o.ä. erwartet wird, größer sein muss als der Publikumsverkehr, der durch die Ladenöffnungen zu erwarten ist.Siehe BVerwG 8 CN 2.14.

    Ein schlechtes Gewissen wegen den Kombilösungsbaustellen habe ich auch nicht, schließlich habe ich mit der Entscheidung pro Kombilösung nichts zu tun. Das lief per Bürgerentscheid und vor meiner Zeit im Gemeinderat.
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  •   myopinions
    (729 Beiträge)

    12.02.2017 23:00
    ........................was hilft das denn?
    Mindereinnahmen werden die Händler damit wohl kaum in nennenswerter Größenordnung ausgleichen können.

    Die Stadt muss Geld in die Hand nehmen und die Betriebe unterstützen.
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  •   Aussie
    (361 Beiträge)

    12.02.2017 17:04
    Wenn ein Laden wegen der Kombilösung zumachen muss
    werden ihm vier verkaufsoffene Sonntage auch nicht helfen!

    Andersrum habe ich das Gefühl, dass die Kombilösung oft als Sündenbock dient, um von eigenen Fehlern abzulenken.
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  •   dipfele
    (3824 Beiträge)

    13.02.2017 02:37
    Argument ist....
    ... schwer verständlich. Der Fehler ist ja die Kombi. Desshalb wird dieses Thema tabuisiert um nicht die eigenen Fehler eingestehen zu müssen. Was am Sonntag mehr gekauft wird, wird am Montag weniger gekauft.
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  •   kika
    (47 Beiträge)

    12.02.2017 16:11
    Kein freier Sonntag
    Warum soll der freie Sonntag nicht schützenwert sein? Viele Menschen müssen, weil es notwendig ist, auch am Sonntag arbeiten aber das wissen sie, wenn sie z.B. im medizinischen Bereich, bei der Feuerwehr usw. tätig sind. Das Reden wie wichtig die Familie ist oder die Zeit für Familie zu haben und gleichzeitig die Sonntagsarbeit anzuordnen und den Familien die gemeinsame Zeit zu rauben passt einfach nicht zusammen. Die zusätzlichen Kosten (Personal, Strom usw.) die dem Einzelhändler entstehen, bezahlt doch auch der Kunde. Wo sind da die Vorteile und für wen.
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