37  

Karlsruhe Trotz Protesten im Internet: dm lässt Nestlé-Produkte im Sortiment

Aktuell sorgt eine Online-Petition an den dm-Chef Erich Harsch für Aufsehen. Die Forderung: Produkte des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé sollen "raus aus dem dm-Sortiment". Die Begründung: Das Unternehmen stelle "schmutzige" Produkte her - trete Menschenrechte mit Füßen. Was sagt der Karlsruher Drogerie-Riese zu den Vorwürfen?

Wirtschaft interessiert Sie?

Bestellen Sie gratis unseren Business-Newsletter von Redaktionsleiterin Corina Bohner

Derzeit hat die Online-Petition auf der Petitionsplattform von "Campact" - einer Bürgerbewegung - nach nur knapp einer Woche über 18.700 Unterschriften gesammelt. Die Menschen dahinter stimmen damit unter anderem dem Vorwurf zu, dass Nestlé Menschen in die Irre führe, dabei deren Leben aufs Spiel setze und dm das durch den Verkauf der Produkte unterstütze.

Konkret sieht die Petition Änderungsbedarf unter anderem in dem laut Petition vom Nahrungsmittelkonzern Nestlé  unterstützten Wachstum von Kinderarbeit. Zudem stehe insbesondere Babynahrung wegen Verletzung der Menschenrechte in der Kritik. "Nestlés irreführende Werbekampagnen untergraben das Stillen von Säuglingen, welches nicht selten den Tod zur Folge hat," heißt es in der Petition.

Einen weiteren Kritikpunkt wird in der Vermarktung von Wasser gesehen. Demnach fehle insbesondere in ärmeren Ländern vielen Menschen das Wasser als Lebensgrundlage. "Genau dort schöpft Nestlé viel Wasser ab und verkauft es in Plastik verpackt an die dort arme Bevölkerung - in einer Vielzahl von Ländern der Welt," erklären die Verantwortlichen der Petition auf ihrer Homepage weiter.

Vorwurf an dm: "Kein gemeinschaftliches Vorbild"

Die Kritik geht allerdings in erster Linie an dm: Der Karlsruher Drogeriemarktkette wird vorgeworfen, dass die Zusammenarbeit mit Nestlé dem Leitmotiv des Unternehmens "soziale Verantwortung" entgegen spreche.

"Es kann kein gemeinschaftliches Vorbild und auch keine soziale Verantwortung sein, einen Großkonzern - durch den Verkauf seiner Produkte - zu unterstützen, der sich derart gegen ein friedliches Leben auf diesem Planeten stellt und seinen Profit so unverfroren ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen einfährt," so die Verantwortlichen der Petition zur Begründung.

Online-Petition an den dm-Chef Erich Harsch
Aktuell hat die Online-Petition an den dm-Chef Erich Harsch schon über 18.700 Unterschriften. | Bild: Screenshot ka-news

"Kein Anlass, Produkte aus dem Sortiment zu nehmen"

Doch was sagt dm zu den Vorwürfen? Der Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung von dm, Sebastian Bayer, erklärt in Hinblick auf die Petition gegenüber ka-news: "Wir sehen aufgrund der Informationen durch Nestlé keinen Anlass, Produkte dieses Lieferanten aus dem Sortiment zu nehmen." Nachdem man von der Petition gehört hatte, setzte man sich nach Aussage des Geschäftsführers sofort mit Nestlé in Verbindung und bat um ein Statement, auf das sich die Drogeriemarktkette jetzt beruft.

Das Ergebnis ist eine Erklärung des Unternehmens, in dem vor allem auf die Vermarktung von Säuglingsmilchnahrung und um den Umgang mit dem Recht auf Wasser eingegangen wird. Insgesamt gehe das Unternehmen nach eigener Aussage mit Kritiken offen um und ist sich demnach auch bewusst, dass es in der Vergangenheit häufig Diskussionen um die Vermarktung von Säuglingsnahrung gab.

Diese Diskussionen seien allerdings schon längst veraltet. Bereits seit 1982, als Nestlé das erste Unternehmen war, das den WHO Kodex umsetzte - der zum Ziel hat, die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten auf Kosten des Stillens zu verhindern - wurde dieser eingehalten, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens. Außerdem sei das Unternehmen in den "FTSE4Good Index" aufgenommen worden, der unter anderem "strenge Anforderungen und Überprüfungen zur Vermarktung von Säuglingsmilchnahrung" beinhalte.

"Nestlé unterstützt das Menschenrecht auf Wasser"

Auf die Kritik in Bezug auf das Wasser reagiert der Nahrungsmittelkonzern folgendermaßen: "Nestlé unterstützt ausdrücklich das Menschenrecht auf Wasser, insbesondere für die persönliche Flüssigkeitsversorgung und für die Basishygiene. Die damit verbundenen Verpflichtungen sind auch Gegenstand unserer Unternehmensgrundsätze und stellen damit eine verbindliche Grundlage für unsere Geschäftstätigkeit weltweit dar."

Weiter habe sich das Unternehmen nach eigener Aussage Ziele gesetzt, um Verantwortung für den Umgang mit Wasser noch mehr gerecht zu werden. Schon jetzt werde man aber von kritischen Organisatoren, wie beispielsweise der Hilfsorganisation Oxfam, positiv bewertet.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (37)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Malerdoerfler
    (3577 Beiträge)

    06.08.2017 12:58
    Es ist aber auch gut, dass
    nicht jede larifari Onlineforderung von irgendwelchen Möchtegerngutmenschen am PC erfolgreich ist.

    Haben wir hier bald die Diktatur der Internetsüchtlinge?

    WEiter so dm!!

    Ich kaufe auch weiterhin bei euch!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (288 Beiträge)

    02.08.2017 11:11
    Es ist wie beim Dieselskandal
    Abwimmeln, beschönigen, lügen bis man überführt wird und, wenn der Druck zu groß ist und Umsätze sinken werden Versprechungen gemacht, die oft nicht haltbar sind, aber über Lobbyisten in die Politik getragen werden. Wir werden es heute in den Nachrichten erfahren.
    Wer immer noch nicht verstanden hat, dass nach der Ära der fossilen Verbrennung die nächste lukrativste Ressource nämlich sauberes Trinkwasser sein wird hat nicht mitgekriegt, dass Weltkonzerne und Staaten alles an Wasserrechten aufkaufen, was möglich ist. Und was machen die Menschen in Ländern von steigender Wasserknappheit durch Klimaveränderung und Entzug ihrer Existenzgrundlagen ? Sie bewegen sich Richtung Norden und das was wir mit der klimatischen Veränderung gerade spüren ist nur der Anfang und was an Flüchtlingen bis jetzt kommt nur eine kleine Vorhut. Hauptsache die Finanzsause geht noch weiter. Dazu gehört auch Herr Werner von DM, ein humanistisch denkender Mensch aber im beim Geld hört das Gewissen auf.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   RantanplanV
    (30 Beiträge)

    02.08.2017 10:15
    *facepalm*
    Also wer das Stillen in Frage stellt oder die Industrienahrung für die bessere Alternative sieht, ist wohl nicht mit allen Wassern gewaschen. Stillen ist in erste Linie IMMER das Beste für einen Säugling - es KANN Gründe geben, warum es aber auf die Alternative angewiesen ist. Z.B. wenn die Produktion bei der Mutter, weswegen auch immer gestört ist - DANN ist diese Nahrung ein Segen. Und zu sagen, dass sich z.B eine Mutter gegen das Stillen entscheiden kann und deswegen auf Industrienahrung angewiesen ist, ist einfach nur krank. Wenn man nicht stillen will(!) sollte man auch kein Kind kriegen. Wie verworren kann man eigentlich sein?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chartist
    (144 Beiträge)

    02.08.2017 14:17
    und, haben die Ohren geklingelt?
    es gibt Mütter, die aus psychischen Gründen sich gegen das Stillen entscheiden müssen. Es sind die Mütter, die sich davor nichts mehr als ein Kind wünschen und nach der Geburt mit sich, der Welt und dem Baby nicht mehr zurechtkommen.
    Aber neee, lass uns so verworren sein und die Herstellung von Milchpulver ganz verbieten. Die Waisenkinder bzw. Babies die nicht gestillt werden können können locker alternativ am Daumen saugen.

    Außerdem leben wir in einer aufgeklärten Demokratie in der die Frauen für sich selbst entscheiden können
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   RantanplanV
    (30 Beiträge)

    17.08.2017 15:06
    Bevor man klugscheißt...
    ...sollte man sich den vermeintlich zu beanstandenden Text richtig durchlesen.
    Zitat von Chartist es gibt Mütter, die aus psychischen Gründen sich gegen das Stillen entscheiden müssen.
    ich habe mich ganz klar dazu geäußert, dass es in solchen Fällen natürlich Sinn macht und legitim ist - lesen hilft.
    Zitat von Chartist Außerdem leben wir in einer aufgeklärten Demokratie in der die Frauen für sich selbst entscheiden können
    Du vergisst dabei nur ein komplettes Individuum - das ein Recht auf das hat was es bekommen soll - Muttermilch! - Es hat also hier nichts mit freier Entscheidung zu tun sondern eher purem Egoismus - WENN man nicht stillen WILL (für dich nochmal extra-groß) z.B. weil man keine Lust hat oder sich irgendwelchen Gesellschaftsnormen hingeben lässt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ninz
    (96 Beiträge)

    02.08.2017 08:00
    Interessant
    Ich meide Produkte von Nestlé schon lange, bei dem Laden auf der Homepage kann man sich ganz gut informieren, was da alles dazu gehört. Mir tut das auch schon weh, ich mag die San Pellegrino Orangenlimo eigentlich sehr gern, und auch After Eight fand ich immer lecker. Aber so lange auch nur ansatzweise für mich ein Verdacht besteht, dass die armen Leuten das Wasser klauen (und diverse Recherechen bringen mich dazu, das zu glauben. Das waren nicht nur irgendwelche wirren linken Zausel, die das behaupten), so lange die auf ganz perfide Art versuchen, sich kleine Konsumenten von der Babymilch über Gläschen und Kekschen heranzuziehen, so lange unterstütze ich die mit keinem Euro.

    Was ich allerdings seltsam finde, ist die Tatsache, dass nun DM an den Karren gepieselt wird. Die decken ja nur eine Nachfrage ab? Leute, kauft es einfach nicht, niemals, das ist die beste Petition!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ozeiger
    (1304 Beiträge)

    02.08.2017 13:43
    Wenn du
    die San Pellegrino Limo magst kauf sie drüben in Lauterbourg. Handliche pfandfreie 0,33er Dosen, 30% billiger als hier.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   RechterRand
    (965 Beiträge)

    01.08.2017 22:33
    Sich für eine bessere Welt und gegen Ausbeutung einzusetzten ist per se
    erst mal nicht schlecht. Das würde ich auch unterschreiben.

    Nur sind die in diesem Artikel aufgeführten Argumente skurril.

    'Zudem stehe insbesondere Babynahrung wegen Verletzung der Menschenrechte in der Kritik. "Nestlés irreführende Werbekampagnen untergraben das Stillen von Säuglingen, welches nicht selten den Tod zur Folge hat"'

    Das kann man ohne genauere Erläuterung so kaum stehen lassen.

    Ebenso "Genau dort schöpft Nestlé viel Wasser ab und verkauft es in Plastik verpackt an die dort arme Bevölkerung - in einer Vielzahl von Ländern der Welt,". Das ist doch sicher auch nur die halbe Wahrheit. Muss das Wasser nicht gefördert, aufbereitet und somit trinkbar gemacht werden?

    Für mich hört sich das nach einer gezielten Kampagne an, mit Scheinargumenten einem weiteren als bösen kapitalistisch-imperialistisch "erkannten" Großkonzern am Zeug zu flicken.

    Sorry liebe Aktivisten, macht erstmal Eurer Abitur und erwirtschaftet zehn Jahre lang mehr Steuern als ihr kostet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (1951 Beiträge)

    02.08.2017 08:20
    das ist einfach
    Stillen ist insofern sicherer, als es nicht nur die notwendigen Antikörper liefert, sondern Mutterlich muss auch nicht mit vorhandenem Wasser, oft nicht sauber, angerührt werden. Die Diskussion läuft seit den 1980ern und Nestle kümmert sich nicht drum - sondern verkauft seinen Mist weiter.
    Und das mit dem Wasser ist schlicht die Wahrheit, dazu gab es in letzter Zeit einige Reportagen - mit der Suchmaschine Ihres Vertrauens werden Sie schon was finden.
    Insofern ist die Reaktion von dm billig.
    #ServicebyRupp
    #Nestleboykott
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chartist
    (144 Beiträge)

    02.08.2017 09:06
    weltweit sind viele Mütter auf Babymilch angewiesen
    und Sie bezeichnen das als Mist?
    und was ist wenn sich eine Mutter bewusst gegen das Stillen entscheidet? Muss das Baby sterben weil ein Ruppchen die Herstellung von Babymilch verbieten möchte? Aber wir wissen ja, [url=http://www.taz.de/!5204343/]wo`s bei den Frauen ankommt.....[/url]
    ich pfeif auf ServicebyRupp
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben