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Karlsruhe Roboter und autonomes Fahren: "Machen wir uns selbst überflüssig?"

"Autonome Technik - wo bleibt der Mensch", unter diesem Motto lud das Zentrum Mensch und Technik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am vergangenen Mittwochabend in das Karlsruher Rathaus ein. Das Thema an diesem Abend: der Wandel von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft.

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"Wir leben in einer Zeit, in der sich Wissenschaft und Technik rasant entwickeln und sich gleichzeitig auch die Gesellschaft in einem Wandel befindet", so Oliver Kraft, Vizepräsident für Forschung (KIT). Als Beispiel für diesen interdisziplinären Wandel nennt Kraft die Social-Media-Plattform Facebook: "Facebook ist passiert - hier konnte nichts geplant werden."

KIT-Zentrum will verschiedene Perspektiven erforschen

Gesellschaft und Wissenschaft gemeinsam zu betrachten, das ist die Grundlage im KIT-Zentrum Mensch und Technik. Hier will man die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Gesellschaft auf der einen, und Wissenschaft und Technik auf der anderen Seite zu erforschen.

"Wir arbeiten interdisziplinär, alles läuft parallel und kann daher immer aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden", erläutert Armin Grunwald, Wissenschaftlicher Sprecher des KIT-Zentrums Mensch und Technik. Im Zentrum der Karlsruher Universität arbeiten rund 400 Wissenschaftler aus 35 Instituten des KIT zusammen. Zwei wichtige Komplexe der Arbeit: Roboter, die für uns arbeiten und autonome Fahrzeuge. 

Ein Hotel ganz ohne menschliche Mitarbeiter

Was vor einigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, wird inzwischen Tag für Tag realistischer. Darum stellt Grundwald gleich zu Beginn der Veranstaltung die Frage: "Sind wir so erfolgreich mit unserem technischen Fortschritt, dass wir uns selbst überflüssig machen werden?"

Bettina-Johanna Krings, Leiterin des Forschungsbereichs Wissensgesellschaft und Wissenspolitik, geht an diesem Abend in Ihrem Vortrag "Mein Kollege, der Roboter: schöne (neue) Arbeitswelt" der Frage nach dem Thema Roboter und ihrem Einsatz in der Gesellschaft auf den Grund. "Erst vor wenigen Wochen hat ein vollautomatisches Hotel in Japan eröffnet. Menschliche Mitarbeiter findet man dort nicht", so Krings.

Die Technisierung ist eine zentrale Grundlage moderner Erwerbsfähigkeit, doch wird dem Menschen dadurch die Arbeit tatsächlich ausgehen? Krings erklärt, dass Roboter bereits in Produktionsprozessen in der Automobilindustrie lange etabliert seien. "Die Forschung zielt aber darauf ab, dass die Roboter künftig die Fabrikhallen verlassen und anspruchsvollere Arbeiten übernehmen können". Künstliche Intelligenz und Sensorentechnologie seien auch am KIT bereits schon weit entwickelt, fügt Krings hinzu.

KIT Zentrum Mensch und Technik
Prof. Dr. Rolf-Ulrich Kunze, Dr. Bettina-Johanna Krings, Prof. Dr. Armin Grunwald (v.l.) | Bild: (Melanie Hofheinz)

Neue Technik wirft neue rechtliche Fragen auf

Ein weiteres wichtiges Thema an diesem Abend: autonomes Fahren 3.400 Verkehrstote jährlich in Deutschland, diese Zahl gilt es laut Grunwald zu reduzieren. "Dass jeden Tag zehn Menschen durch den heutigen Wahnsinn des Straßenverkehrs ums Leben kommen, ist ein Skandal, dem durch autonomes Fahren entgegengewirkt werden kann".

Auch die Mobilität für mobilitätseingeschränkte Personen, der Gewinn an nutzbarer Zeit für Autofahrer oder mehr Effizienz im Verkehrssystem, nennt Grunwald als Gründe, die für autonomes Fahren sprechen. Doch es wird laut Grunwald noch eine ganze Weile dauern, bis es autonome Autos auf dem Markt gibt. Was allerdings nicht am technischen Fortschritt, sondern vor allem an den rechtlichen Sicherheiten liegen könnte.

Denn das autonome Fahren bringe eine neue Verteilung von Verantwortung und Haftung, aber auch von Macht mit sich. "Die Juristen müssen überlegen, wer beim autonomen Fahren für einen möglichen Schaden verantwortlich gemacht wird - sonst wird kein Automobilhersteller die autonomen Fahrzeuge auf den Markt bringen."

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Kommentare (44)
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  •   Malerdoerfler
    (3502 Beiträge)

    19.07.2017 22:49
    Vielleicht?
    Manche fühlen sich ja wohl jetzt schon überflüssig.
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  •   Peacemaker
    (259 Beiträge)

    19.07.2017 19:57
    Autonomes Fahren ebenso wie die sogn. Industrie 4.0 wird kommen.
    Das mag einem persönlich gegen den Strich gehen und jede Menge Arbeitsplätze im Geringqualifiziertenbereich kosten.

    Aber das wird so kommen, ob man es will oder nicht. Es ist sinnvoller, sich darauf vorzubereiten als Schreckensszenarien an die Wand zu malen.

    Passt doch eigentlich ganz gut zu der gesundgeschrumpften Bevölkerung in Deutschland.

    Deswegen verstehe ich gar nicht, warum man jetzt unbedingt auf Teufelkommraus neue Unqualifizierte einbürgern muss. Die liegen doch nur den immer weniger werdenden Gutverdienern auf der Tasche.
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  •   Ozeiger
    (988 Beiträge)

    19.07.2017 16:48
    Wisst
    ihr eigentlich wann und in welchem Auto das autonome Fahren seine praxisbezogenen Anfänge hatte? Manch einer wird staunen. grinsen
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  •   Route66
    (759 Beiträge)

    19.07.2017 18:20
    Wars
    Da Vinci? Der war ja sehr futuristisch unterwegs.
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  •   Ozeiger
    (988 Beiträge)

    19.07.2017 18:28
    Es würde
    mich nicht wundern wenn er nicht mindestens darüber nachgedacht hätte. grinsen

    Kleiner Tip: Das Testfahrzeug stammt von der Firma die so ziemlich alles jemals Relevante erfunden hat was Autos betrifft und Das Fest gabs schon. grinsen
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  •   Route66
    (759 Beiträge)

    19.07.2017 18:52
    Ok hab jetzt gegoogelt
    Mercedes Benz, aber es war ein Externer Robotiker. Aber tatsächlich kam dabei auch heraus dass Davinci Pläne für einen selbstfahrenden Wagen erstellt hat. Sagenhaft oder?
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  •   Ozeiger
    (988 Beiträge)

    19.07.2017 19:03
    Ja,
    Mercedes. Genauer gesagt der W 140 (S-Klasse), das war der Versuchsträger Anfang der 90er. Er hat damals störungsfrei 1000 Kilometer auf der Autobahn zurückgelegt, selbständig beschleunigt, gebremst und sogar überholt.
    Also er konnte genau das was die Versuchsträger 25 Jahre später auch können. grinsen

    Das Projekt hiess Prometheus und wurde bereits in den späten 70ern aufgelegt.

    Und das mit Leonardo wundert mich tatsächlich nicht im geringsten. grinsen
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  •   Route66
    (759 Beiträge)

    19.07.2017 19:07
    Warum
    der dann nicht weiterentwickelt wurde frage ich mich jetzt allerdings schon.
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  •   Ozeiger
    (988 Beiträge)

    19.07.2017 18:30
    Sehr wundern,
    muss es heissen.
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  •   EmilyHobhouse
    (657 Beiträge)

    19.07.2017 10:29
    Autolobby
    Erleichterungen im Alltag und bei der Arbeit sind doch nicht schlecht aber wie schnell selbststeuernde Autos, also wirkliche Automobile bei uns auf den Straßen zu finden sind, vielleicht sogar ausschließlich zugelassen sind entscheidet allein die Autolobby. Die Sicherheit ist ihnen dabei nicht wichtig, denn regelmäßige Sehtests für Autofahrer beispielsweise werden seit Jahrzehnten von dieser Lobby verhindert. Vor dieser Lobby kuschen sogar die Grünen.
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