8  

Karlsruhe Integration mal anders: Betriebe und Flüchtlinge treffen sich zum Speed-Dating

Speed-Dating und Partnersuche sind eine gern angewendete Methode, um jemanden besser kennenzulernen. Die Handwerkskammer Karlsruhe nutzt dieses Modell nun auch zur Integration von Flüchtlingen.

Wirtschaft interessiert Sie?

Bestellen Sie gratis unseren Business-Newsletter von Redaktionsleiterin Corina Bohner

Oft stellt sich die Frage, wie Flüchtlinge in den Alltag integriert werden können. Die Handwerkskammer Karlsruhe und die Arbeitsagentur Karlsruhe stellen diese Frage nicht nur, sondern gehen selbst voran. In gemeinsamer Kooperation wird Flüchtlingen geholfen, die Sprache zu erlernen und Ausbildungsplätze zu finden. In dieser Woche kam es zum ersten Speed-Dating für Flüchtlinge und Betriebe.

"Wir wollen zeigen, dass die Flüchtlinge bei uns angekommen sind", so Gerd Lutz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe. Das Programm richtet sich an junge Flüchtlinge, die willig sind, einen Beruf zu erlernen und eine Bleibeperspektive haben. "Es ist uns nicht wichtig, woher jemand kommt, es ist wichtig, wo jemand hin will", erklärt Lutz.

Sprache als Voraussetzung

Die Handwerkskammer organisiert Praktika, so dass die Flüchtlinge erste Erfahrungen sammeln und praktisch arbeiten können. Auf diese Weise kann beurteilt werden, wo sie eingesetzt werden können - auch ohne vorhandene Papiere: "Zeugnis ist das eine, Praxis das andere", betont Lutz. Zu den "Kernberufen", die am häufigsten von Flüchtlingen nachgefragt werden, zählen laut Handwerkskammer Bäcker, KFZ-Mechatroniker, Friseur, Maler- und Lackierer sowie Maurer. 

Den Flüchtlingen werden zudem Sprachkurse und Nachschulungen angeboten. Denn oberste Voraussetzung sei "das Erlernen der Sprache", so Lutz. Die Nachschulungen dienen wiederum dem Vermitteln von fehlenden Qualifikationen. Unterstützt werden sie die ganze Zeit von sogenannten "Kümmerern" der Handwerkskammer, die sie im Rahmen der Sprachkurse, bei Kontaktaufnahme mit Betrieben und Ausbildung betreuen.

Flüchtlinge als Lösung des Fachkräftemangels?

Beim diesjährigen Speed-Dating haben sich 100 jugendliche Flüchtlinge angekündigt, die sich an neun Infoständen, Auge in Auge mit Vertretern einzelner Handwerksbetriebe, austauschen können. Flüchtling und Betrieb sollen auf diese Weise herausfinden, ob die Chemie stimmt. Davon sollen letztlich beide Seiten profitieren:

"Die Integration von Flüchtlingen kann noch viel mehr mit dem Fachkräftemangel verbunden werden", meint Ingo Zenker, Vorsitzender der Arbeitsagentur Karlsruhe. Flüchtlinge könnten nach Meinung der Handwerkskammer dabei ein Teil der Lösung sein. Ähnlich sieht es auch Claudia Zimmerling, von der SHK Innung Karlsruhe-Bruchsal, die auch beim Speed-Dating vertreten sind:

"Es ist für uns auch ein Weg, den Fachkräftemangel anzugehen." Entscheidend sei aber das Auftreten der Menschen: "Ein Schwerpunkt wird auf die Sprache gelegt, gewisse Vorkenntnisse im Beruf sind von Vorteil. Außerdem ist wichtig, ob derjenige die Leidenschaft für die Technik und den Beruf hat oder will er die Ausbildung nur, weil er irgendwas machen will", so Zimmerling.

Pressetermin Speed-Dating Handwerkskammer
Ingo Zenker (li) von der Arbeitsagentur und Gerd Lutz von der Handwerkskammer Karlsruhe | Bild: Felix Haberkorn

Nachhaltigkeit schaffen ist das Ziel

Das Zwischenfazit der Kooperation fällt positiv aus: "Ich staune, ob der Hürden, die wir schon überwunden haben", sagt Zenker. Insgesamt wurden nach Angaben der Arbeitsagentur 2017 fast 190 Flüchtlinge in Ausbildung gebracht.  Doch Zenker weiß, dass der Weg noch weit ist: "Die Nachhaltigkeit ist noch nicht gegeben. Diejenigen, die nur eine Helferposition in Betrieben ausführen, müssen mittelfristig die nötigen Qualifikationen erlernen. Nur dann hat die Integration funktioniert."

Für 2018 sei das wichtigste Ziel, denjenigen, die ihre Sprachkurse absolviert haben, einen fließenden Übergang zu gewährleisten: "Aufgabe muss sein, die, die ausmünden, direkt aufzufangen und in Berufe zu bringen. Wir müssen Zeiten des Herumsitzens vermeiden", warnt Zenker.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (8)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben