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Karlsruhe Heißt das neue KSC-Stadion später dm-Arena, Herr Harsch?

Die Drogeriemarktkette dm ist seit über 40 Jahren in Karlsruhe verwurzelt. Heute ist dm Brachenprimus. Könnte das neue KSC-Stadion einmal dm-Arena heißen? Verkauft dm bald auch Deos, Rasierschaum, Zahnpasta im Online-Shop? Und was würde Goethe heute bei dm einkaufen? ka-news hat mit dm-Chef Erich Harsch gesprochen. Die Antworten lesen Sie hier im zweiten Teil des Interviews!

Ein Großbauprojekt, das derzeit in Karlsruhe neben der neuen dm-Zentrale diskutiert wird, ist der Neubau des KSC-Stadions im Wildpark. Könnte es sein, dass das Wildparkstadion in Zukunft einmal dm-Stadion heißt?

Harsch: "dm versteht sich als Unternehmen, das national tätig ist und an jedem einzelnen Standort Dinge bewegen möchte, die einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Insofern haben wir nicht die Idee, ein großes Volumen an einem Standort zu zentralisieren, sondern wir haben die Idee, an möglichst vielen Standorten in Deutschland im sozialen und kulturellen Bereich wirken zu können.

Außerdem sind wir nicht im Spitzensport-Sponsoring tätig. Unsere Kernausrichtung liegt auf sozialen und kulturellen Initiativen in ganz Deutschland und deswegen kann ich mir das im Moment nicht vorstellen. Ich bin selbst Premium-Mitglied beim KSC und versuche so auf privatem Wege, den Verein ein bisschen zu unterstützen. Ich bin auch immer interessiert, wenn der KSC am Wochenende ein Spiel hat."

Im vergangenen Sommer haben Sie nach etwa zwei Jahren die Kooperation mit Amazon beendet. In einem extra Shop konnten hier dm-Produkte im Internet bestellt werden. Warum geben Sie dem Online-Handel von Drogeriewaren keine Zukunft?

"Das ist nicht ganz richtig. Der Online-Handel ist natürlich relevant und wird auch in Zukunft immer relevanter werden. Er gestaltet sich nur im Bereich der Produkte, die wir anbieten - genauso wie im Lebensmittelbereich - einfach ein bisschen schwieriger. Im Lebensmittel- und im lebensmittelnahen Bereich, zu dem wir gehören, ist es aufgrund der geringen Spannen eben ziemlich schwierig Online-Handel betriebswirtschaftlich so zu betreiben, dass wir unsere Ladenpreise konstant halten und idealerweise noch verbilligen können.

Was wir nicht möchten ist, ein betriebswirtschaftlich schwieriges Online-Geschäft dadurch zu finanzieren, dass wir die Ladenpreise erhöhen. Dies wäre nicht im Sinne unserer Kunden. Wir sind nach wie vor am Ball, beobachten die Entwicklungen intensiv und werden uns auch zu gegebener Zeit die Frage stellen, mit welchem erneuten Zugang wir hier herangehen können. Im Moment gibt es in diesem Bereich kaum jemanden, der betriebswirtschaftlich positive Zahlen erzielt."

Ihr Konkurrent Rossmann hat einen Online-Shop.

"Ja, Rossmann hat einen Online-Shop. Aber wenn Sie sich da die veröffentlichten Bilanzen der Onlinegesellschaft anschauen, dann sehen Sie dort auch, dass es nicht ganz einfach zu sein scheint."

Also ist es gut möglich, dass es in naher Zukunft einen dm-Online-Shop gibt?

"Bei uns ist immer alles gut möglich. (lacht) Die Zukunft ist noch nicht erfunden. Wir haben bei dm niemals dogmatische Zugänge oder 5- bis 10-Jahrespläne. Wenn Sie mich vor 10 Jahren gefragt hätten, wo ich dm in 10 Jahren sehe, hätte ich Ihnen aus heutiger Sicht wahrscheinlich ziemlichen Unfug erzählt. Insofern versuchen wir immer am Puls der Zeit die Dinge zu tun, die richtig und verantwortbar sind im Sinne der Menschen. Und da gehört sicher auch dazu, dass wir das Thema Online-Handel weiter im Auge behalten und zu gegebener Zeit dann die hoffentlich richtigen Initiativen ergreifen."

Das Geschäft mit Fotoprodukten funktioniert online sehr gut. Meinen Sie nicht, dass die Kunden künftig ihren Monatsvorrat an Deos, Rasierschaum, Zahnpasta, Cremes und Shampoos bequem online direkt nach Hause bestellen wollen?

"Tendenziell ist das gut möglich. Die Erfahrungen im Online-Handel waren aber so, dass die Menschen die Dinge bestellen, von denen sie sich eine besondere Bequemlichkeit versprechen. Zum Beispiel die großen und schweren Produkte wie Windeln, Tiernahrung oder Waschmittel. Das sind genau die Produkte, die am stärksten im Preiswettbewerb sind.

Wenn der Mengenanteil dieser Produkte so hoch ist, wie er sich aktuell darstellt, dann ist es einfach schwierig, weil so nicht die entsprechende Spanne entsteht, die man braucht, um die Logistik zu finanzieren. Das Aufwendige beim Online-Handel ist eben die Logistik. Daher muss man sehen, wie sich dieser Bereich entwickelt und wie die Bereitschaft ist, bei Bestellungen Aufwendungen für Transportkosten in Kauf zu nehmen, sonst geht es wirtschaftlich einfach nicht."

dm hat letztes Jahr 40. Jubiläum gefeiert. Firmengründer Götz W. Werner eröffnete am 28. August 1973 die erste Filiale in der Karlsruher Herrenstraße. Jetzt haben Sie vorhin gesagt, in die Zukunft blicken ist schwierig und Sie geben ungern Prognosen ab. Doch wo steht dm in weiteren 40 Jahren?

"Wie gesagt, weil ich weiß, was ich Ihnen vor 10 Jahren für einen Unfug erzählt hätte, antworte ich auf solche Fragen in der Regel nicht. (lacht) Ich möchte es auch begründen: Wir denken immer so, dass wir uns in einer organischen und natürlichen Entwicklung befinden müssen.

Und das Problem ist: Je weiter man mit irgendwelchen Vorstellungen ganz weit in die Zukunft schaut, umso mehr ist man in Gefahr, die Gegenwart und die Möglichkeiten der Gegenwart nicht zu erkennen. Handeln muss man aber immer in der Gegenwart. Deswegen enthalten wir uns solcher vorstellungsgetriebenen Prognosen und schauen, wie wir uns Schritt für Schritt weiterentwickeln können."

"Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein." - mit diesem Slogan wirbt dm in Anlehnung an das Zitat aus Goethes Faust "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein." Was will dm uns damit sagen?

"Letztlich geht es darum, dass die Menschen im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen. Das gilt für unsere Kunden und natürlich genauso für unsere Mitarbeiter. Man kann nicht erwarten, wenn man in einem Unternehmen mit den Menschen schlecht umgeht, dass sie dann mit den Kunden gut umgehen. Das ist fast schon anachronistisch. Die Themen Zusammenarbeitskultur und Entwicklungsmöglichkeiten sind für die Menschen im Unternehmen ganz besonders wichtig."

"Genauso wichtig ist das Thema Kundenorientierung. Es geht eben nicht darum Gewinne zu maximieren oder sonstige mehr oder weniger abstrusen Ideen der klassischen Betriebswirtschaftslehre zu verfolgen, sondern es geht darum, dass wir möglichst viel in die Zukunft investieren. Und wenn man viel investiert, dann bleibt tendenziell weniger Gewinn übrig. Insofern ist die Gewinnmaximierung aus meiner Sicht gar nicht die richtige Idee, sondern man muss sich immer fragen, wenn man Überschüsse hat, wie kann ich diese in die Zukunft, in die Menschen, in die Kunden, in die Mitarbeiter investieren."

Was würde denn Goethe heute bei dm einkaufen?

"Er ist ja viel gereist, der Herr Goethe. Vielleicht würde er ganz begeistert die vielen kleinen Probiergrößen, die wir anbieten und die bei Reisen ideal sind, kaufen. Er würde heutzutage vielleicht auch fliegen, dann wäre er möglicherweise froh darüber, dass diese unterhalb der 100 Milliliter-Grenze liegen." (lacht)

Erlauben Sie mir noch eine persönliche Frage. Sie sind gebürtiger Österreicher. Was ist Ihnen lieber: Wiener Schmäh oder badische Gemütlichkeit?

"Ich würde sagen das verträgt sich ganz gut. Zumindest ist das meine Erfahrung in den letzten 32 Jahren. Gerade das Thema Gemütlichkeit spielt in Wien schon auch eine Rolle. Ich fühle mich seit vielen Jahren hier sehr wohl und bin gerne hier."

Das Gespräch führte Moritz Damm

Die Drogeriemarktette dm wurde vor über 40 Jahren in Karlsruhe gegründet. Mittlerweile ist dm Brachenprimus. Der Mega-Konzern hat zudem ein Image, von dem viele andere Firmen nur träumen können. Doch wie kommt's? Im ersten Teil des ka-news-Interviews spricht dm-Chef Erich Harsch über Erfolge, die neue Zentrale an der Durlacher Allee und die Sorgen der Anwohner. Außerdem erklärt der 52-Jährige, warum es auch beim Vorzeige-Konzern dm nicht immer harmonisch zugeht. Hier geht's zum 1. Teil!

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