Karlsbad Harman Becker: Karlsbad vom Stellenabbau am stärksten betroffen

Nachdem Harman Becker vor drei Wochen den Abbau von 950 Arbeitsplätzen in Deutschland bis Ende 2010 angekündigt hatte, gab der US-Automobilzulieferer nun Zahlen zur Verteilung der Arbeitsplatzverluste auf die einzelnen Standorte bekannt. Am stärksten betroffen ist die Deutschland-Zentrale in Karlsbad. Unterdessen geht die Talfahrt des Automobilzulieferers weiter: In Deutschland gingen die Umsätze allein im Januar um 33 Prozent zurück.

Ausführlich legt Harman Becker in seiner jüngsten Pressemitteilungen seine wirtschaftliche Lage dar, um den Stellenabbau zu rechtfertigen. Die weltweite Absatzkrise in der Automobilindustrie habe auch bei Harman Becker Automotive Systems erhebliche Umsatzeinbrüche verursacht und das Unternehmen in die Verlustzone gebracht. Die Talfahrt habe sich im Januar und Februar – trotz Akquirierung neuer Aufträge sowie zahlreicher Effizienzsteigerungsmaßnahmen – unvermindert fortgesetzt. Allein im Januar seien die Umsätze in Deutschland um 35 Millionen Euro (–33 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresumsatz im selben Monat zurück gegangen, was bei konstantem Fixkostenniveau zu einem operativen Verlust von rund 12 Millionen Euro geführt habe. Im Januar 2008 habe Harman Becker in Deutschland noch einen operativen Gewinn in Höhe von 7,9 Millionen Euro erzielt.

Um aus den roten Zahlen zu kommen und den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, müssten in Deutschland Fixkosteneinsparungen in Höhe von rund 100 Millionen Euro jährlich gegenüber dem aktuellen Fiskaljahr erzielt werden. An einem Personalabbau führe daher kein Weg vorbei.

In Karlsbad werden 285 Stellen gestrichen

Harman Becker hat nähere Details zum Stellenabbau vorgelegt und die Zahlen für die einzelnen Standorte veröffentlicht. Das Unternehmen wird wie geplant in Deutschland interne und externe Kapazitäten im Umfang von rund 950 Stellen – von insgesamt zirka. 3.800 – streichen, davon rund 550 bis zum 30. Juni und etwa weitere 400 bis zum Ende des Geschäftsjahres 2010. Vom Stellenabbau betroffen sind alle Unternehmensbereiche (Entwicklung, Qualität, Finanzen, Personal, Marketing, Einkauf, IT und Produktion). Diese Maßnahmen schließen geplante Konsolidierungen und Verlagerungen an bereits bestehende Standorte im Ausland mit ein.

Nach derzeitiger Planung sind die deutschen Standorte wie folgt betroffen: Hamburg mit rund 20, Karlsbad/Karlsruhe mit zirka 285, Ulm mit zirka 65, Filderstadt mit zirka 43, Villingen-Schwenningen mit zirka 24, Schaidt mit zirka 149, Straubing mit zirka 60 und München mit zirka 32 Mitarbeitern. Um den Personalabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten, werde das Unternehmen nach Abschluss der Informations- und Beratungsphase mit den Betriebsratsgremien entsprechende Interessens- und Sozialplanverhandlungen führen, erläutert Deutschland-Chef Dr. Klaus Blickle das weitere Vorgehen.


Zusätzlich hat das Unternehmen in Karlsbad und Schaidt Kurzarbeit angemeldet. „Kurzarbeit ist als temporäre Maßnahme zur kurz- bzw. mittelfristigen Kostensenkung sinnvoll. Sie ist jedoch für nachhaltige Kosteneinsparungen ungeeignet und damit allein nicht ausreichend, um die anhaltenden Umsatzrückgänge zu kompensieren. Würden wir nur auf Kurzarbeit setzen, würden wir die Existenz unseres Unternehmens riskieren“, erläutert Dr. Klaus Blickle.

„Die Einschnitte sind sehr schmerzhaft, aber zwingend notwendig. Gemeinsam mit allen anderen eingeläuteten Maßnahmen wie beispielsweise der Schärfung unserer Kompetenzen, der Umstrukturierung unserer Organisation und der Erschließung neuer Geschäftsfelder werden wir Harman Becker für die Zukunft überlebensfähig machen. Und darüber hinaus: Wenn wir jetzt in allen Bereichen konsequent handeln, werden wir unser Unternehmen wieder nach vorne bringen und den Markt wieder anführen“, so Dr. Klaus Blickle weiter.

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