Karlsruhe Fliegen statt fahren: Karlsruher heben mit Mitflugzentrale ab

Mitfahrzentralen kennt jeder: Im Netz eine Strecke aussuchen, einen Anbieter, der den Preis festlegt, auswählen und losfahren. Nach dem gleichen Prinzip ist im vergangenen Jahr der Anbieter "Wingly" an den Start gegangen. Der einzige Unterschied: Statt mit dem Auto, nehmen die Anbieter ihre Gäste mit dem Flugzeug mit.

Hinter "Wingly" versteckt sich mehr als ein einfaches Portal, welches verschiedene Fluglinien-Angebote miteinander vergleicht. Gäste können hier bei privaten Piloten in die zumeist kleineren Maschinen einsteigen. "Wir sind selbst begeisterte Flieger und Mitflieger, wir möchten auch anderen Menschen für diese faszinierende Erfahrung begeistern - unser Ziel ist nichts weniger als die Demokratisierung der privaten Luftfahrt", verspricht Lars Klein, Mitgründer des deutsch-französischen Startups mit Sitz nahe Paris.

Im Vergleich zu bestehenden Portalen eher eine kleine Rolle

Das Prinzip ist vertraut: Der Passagier gibt auf "Wingly" seinen Start- und Zielort ein uns sucht sich eine geeignete Verbindung aus. Angezeigt werden dann die Möglichkeiten, verknüpft mit dem Profil des Piloten. Hier sehen Interessierte, wie viele Stunden er bereits im Cockpit saß und mit welcher Maschine er die Route fliegen wird. 

Nach Angaben des Unternehmens haben bis zum dritten Quartal des vergangenen Jahres bereits knapp 2.000 "begeisterte Mitflieger" das Angebot genutzt. Die Piloten hätten so über 100.000 Euro ausbezahlt bekommen. In Deutschland ist der Anbieter Ende Januar 2016 an den Markt gegangen.

Von der Region nach Berlin, Paderborn oder Essen

Mitfliegen ist mit Wingly auch ab Karlsruhe möglich. Das Angebot ist aber sehr überschaubar: Am Dienstag etwa wurden nur drei Verbindungen ab dem Baden-Airpark angeboten. Ein Pilot bietet an drei verschiedenen Tagen ein 90-minütigen Rundflug mit einer einmotorigen Propellermaschine über die Region an. Kostenpunkt: 75 Euro pro Passagier.

Wer eine weitere Route zurücklegen will, muss eine weitere Anfahrt in Kauf nehmen: Ab Mannheim geht ein Flug nach Paderborn (156 Euro p.P.), von Bad Dürkheim geht es nach Berlin (176 Euro p.P.), von Stuttgart nach ins dänische Aalborg (290 Euro p.P.) sowie von Mannheim nach Essen (84 Euro p.P.). Billig ist das Angebot nicht unbedingt. Zum Vergleich: Eine Fahrt von Mannheim nach Paderborn kostet bei der Mitfahrzentrale "Blablacar" ab 20 Euro, mit dem Fernbus ist man ab 17 Euro dabei und mit der Bahn ab 70 Euro.

Leute einfach nur von A nach B zu befördern, ist aber auch nicht das primäre Ziel des Startups. "Der Hauptgrund ist das Fliegen! Viele Menschen kennen das Fliegen mit großen Linienmaschinen, aber Flüge mit kleinen, einmotorigen Flugzeugen sind aufregend und faszinierend", verspricht das Portal. Im Mittelpunkt sollen weniger die Kosten stehen, sondern der Zeitgewinn auf den Strecken.

Piloten können auf diese Weise Kosten einsparen

Ein Grund für die überschaubare Anzahl an Angeboten könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass es vergleichsweise wenige Piloten gibt. Doch auch für diese gebe es Gründe, sich bei dem Portal zu beteiligen, so der Anbieter.

"Piloten müssen, um ihren Schein zu erhalten, 12 Flugstunden pro Jahr durchführen." Das könne aber je nach Maschine bis zu 200 Euro pro Stunde kosten. Wenn vermittelte Passagiere dabei seien, würde der Pilot bis zu 75 Prozent der Koste einsparen. Um das Portal weiter zu etablieren, sei es seit neustem auch möglich, dass Passagiere eine Fluganfrage stellen können. Mit dieser Möglichkeit wolle das Portal noch mehr Menschen eine Zugang zur Luftfahrt geben.

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