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Karlsruhe Fachkräfte gesucht: Ane aus Spanien will in Karlsruhe arbeiten

In der Region klafft eine Lehrlingslücke - allein 320 Ausbildungsstellen blieben laut Industrie- und Handelskammer Karlsruhe (IHK) im letzten Jahr unbesetzt. Währenddessen ist in Spanien jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit. Die IHK startete deshalb ein bislang deutschlandweit einzigartiges Pilotprojekt: Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, holte sie spanische Praktikanten in die Technologieregion.

"In Spanien ist es schwer für junge Leute, Arbeit zu finden", erzählt Ane Pavo. "Die Firmen wollen junge Arbeitskräfte, fordern aber gleichzeitig viel Erfahrung - die können wir ihnen aber nicht bieten." Gemeinsam mit sechs weiteren Jugendlichen ist die 22-Jährige deshalb aus dem Baskenland nach Karlsruhe gekommen, um in Unternehmen der Technologieregion ein viermonatiges Praktikum zu absolvieren. Mit der Aussicht, im Herbst schließlich eine Ausbildung zu beginnen.

Gestartet wurde dieses bundesweite Pilotprojekt, das nur innerhalb eines Vierteljahres umgesetzt wurde, von der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe (IHK). "Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen wird immer größer - hier in der Region ganz speziell", erläuterte IHK-Präsident Bernd Bechtold am Montag beim Empfang der spanischen Jugendlichen. Zu Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres seien 320 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben.

"Die deutsche Ausbildung ist praxisorientierter"

Während in der Technologieregion ein Mangel an Lehrlingen herrsche, liege dagegen in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit bei knapp über 50 Prozent. Mit dieser neuen Ausbildungsoffensive gebe man den jungen Menschen eine Perspektive in Deutschland und reduziere gleichzeitig die Zahl der offenen Lehrstellen. "Beide Seiten profitieren von diesem Austausch", ist der IHK-Präsident überzeugt.

Inzwischen sind Ane Pavo und ihre Landsleute schon rund zwei Wochen in der Region. Von Vorteil sei an einer Berufsausbildung in Deutschland vor allem, dass sie sehr viel praxisorientierter sei. "In Spanien werden wir erst in der Theorie ausgebildet, bevor wir praktische Erfahrungen sammeln können." Bei ihrem Praktikum als Industriemechanikerin bei der E.G.O. Elektro-Gerätebau GmbH konnte sie daher schon Einsatz zeigen.

Bechtold: "Der Bedarf ist jederzeit da"

Der Zuzug ausländischer Nachwuchskräfte sei ein Baustein im Kampf um die besten Fachkräfte, so Bernd Bechtold. Eine Vorauswahl der Kandidaten hatte die Außenhandelskammer in Spanien getroffen. Die Unternehmen trafen dann die Endauswahl in einem persönlichen Gespräch via Internet. "Und dass es sich hierbei um qualifizierte und engagierte Beschäftigte handelt, zeigt auch ihr Engagement." Neben der Arbeit bekommen die sieben Jugendlichen einmal pro Woche Deutschunterricht - zusätzlich wollen sie nun noch einen Kurs an der Volkshochschule belegen.

Ane Pavo schließt es nicht aus, im Anschluss an ihr Praktikum in eine Berufsausbildung in Deutschland zu starten. "Dafür muss ich aber erst noch besser Deutsch lernen", lacht sie. Bechtold zeigte sich zuversichtlich, das Pilotprojekt auch in Zukunft auszuweiten. "Der Bedarf ist jederzeit da."

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