29  

Karlsruhe/ Eggenstein-Leopoldshafen Energietagung am KIT: Geht der "Saft" im Land aus?

Das Jahresthema der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Baden-Württemberg lautet 2012 "Energie und Rohstoffe für morgen": Im Rahmen einer von 300 Unternehmern besuchten "Energietagung der Wirtschaft des Landes" am KIT in Karlsruhe legte der baden-würtembergische IHK-Tag nun seine energiepolitischen Positionen vor und plädiert für ein Risikomanagement zur Energiewende.

In vielen baden-württembergischen Unternehmen wachse die Sorge, dass die Energiewende von der Politik nicht richtig eingeschätzt werden, erklärte Peter Kulitz, Präsident der IHKBW, im Rahmen der Energietagung am Campus Nord des KIT. Die Unruhe sei durchaus verständlich, die Sorgen und Ängste nachvollziehbar und real, denn bereits im Februar habe es in der Stromversorgung einige kritische Momente gegeben. "Wäre nur noch ein weiteres Kraftwerk vom Netz gewesen, hätte es schon damals zu Blackouts kommen können", so Kulitz.

Gutachten vom KIT soll den Durchblick bringen

Um die Risiken zu erfassen und geeignete Gegenmaßnahmen zu entwickeln, habe die Dachorganisation der zwölf IHKs im Land ein Energiegutachten beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) für den Zeitraum bis 2025 in Auftrag gegeben und die Ergebnisse wurden nun im Rahmen der Energietagung der baden-württembergischen Wirtschaft vorgestellt. Nach dem Gutachten liegen die Probleme der Energieversorgung nicht im "Spitzenausbau der erneuerbaren Energien" sondern im "hinreichenden und rechtzeitigen Bau und Ausbau der Transport- und Verteilnetze und der Speicher", um vor allem die Grundversorgung sicherzustellen.

Konkret heiße das, so die IHK, dass 2025 nach einem Ausbau der erneuerbaren Energien, so wie ihn sich die Landesregierung vorstellt, immer noch eine Leistungslücke von rund 6,5 GW (Gigawatt) bestehe. Man könne diese Lücke zwar verringern, beispielsweise durch den Bau von Pumpspeichern und Kraft-Wärme-Kopplungs (KWK)-Anlagen, was jedoch bisher weder wirtschaftlich noch rechtlich abgesichert sei. Ob man die Lücke durch Importstrom schließen könnte, sei ebenfalls noch nicht gesichert. Neue Kraftwerke zu bauen, koste zudem Zeit, die man eigentlich bereits nicht mehr habe, erklärte Peter Fritz, Vizepräsident für Forschung und Innovation am KIT und Leiter des KIT-Zentrums Energie. Außerdem stehe zu befürchten, dass der CO2-Ausstoß sich erhöhe, wenn man die Versorgungsdefizite der erneuerbaren Energien mit Hilfe konventioneller Kraftwerke kompensieren müsse, auch dass zugekaufter Strom von Atomkraftwerken komme, sei dann nicht auszuschließen.

Versorgungslücken und Strompreisexplosion?

Ob Stromimport, der Bau neuer Kraftwerke oder die Entwicklung neuer Techniken, alle Lösungsansätze haben erst einmal eines gemein: Eine drastische Erhöhung der Strompreise. Dem müsse man entgegenwirken, in dem man rechtzeitig Instrumente für die "Wirtschaftlichkeit der Grundlastsicherung" schafft, betonte Kulitz. Um dies umzusetzen habe man der Landesregierung angeboten, ein Risikomanagement einzusetzen, so Kulitz, weiter. Noch vor der Sommerpause solle es hierzu erste Konzepte geben.

Auch ein Umdenken in der Subventionspolitik müsse es geben: "Anstatt mit Milliarden die Solarindustrie in China zu fördern, ist es sinnvoller, in Energieforschung zu investieren",  forderte Bernd Bechtold, Präsident der IHK Karlsruhe. "Die Wirtschaft des Landes hat bereits in die Energiewende investiert und ihre Energieeffizient damit um rund 20 Prozent gesteigert. Und sie wird dies auch weiterhin tun, sie ist bereit, bei der Bewältigung der Energiewende ihren Beitrag zu leisten".

Was jeder einzelne tun kann

Es müsse nun mehr Geld in die Forschung fließen, ist sich die IHK sicher, Forschung für eine effizientere und intelligentere Energienutzung. Als Stichwort nannte Fritz auch "Smart Homes", die beispielsweise den Stromverbrauch im Haushalt so planen, dass nicht gerade zur Hauptlastzeit Geschirrspülmaschine, Waschmaschine und Wäschetrockner gleichzeitig laufen. Dies könnte man aber auch durch eine Preisdifferenzierung erreichen, ist sich Bechtold sicher: "Es muss zwei Stromtarife geben, einen teureren zur Spitzenlastzeut und einen günstigeren, wenn weniger Strom gebraucht wird". Die Technik dazu könne gerade in Baden-Württemberg entwickelt werden, "wo wir starke Stadtwerke und einen starken Mittelstand haben", so Bechtold.

Forschung am KIT - nicht unumstritten

Die Studie des KIT hat nun alles andere als rosige Aussichten bis 2025 aufgezeigt, legt man die derzeitige Energiepolitik des Landes zugrunde. Diese lasse sich kaum realisieren, ist sich Fritz sicher. "Bereits heute werden in Baden-Württemberg rund 34 Prozent des Stroms importiert, 2022, wenn das letzte Atomkraftwerk im Land abgeschaltet sein wird, werden es nach den Berechnungen des KIT noch einmal 17,5 Prozent mehr sein. Kompensiert man das bestehende Defizit mit Kohle oder Gas, wird der CO2-Ausstoß eklatant steigen, das kann auch keiner wollen. Ganz davon abgesehen, dass die Strompreise dann auch bis zu 70 Prozent ansteigen können".

Umweltmister Franz Untersteller hingegen hält diese Prognosen für sehr gewagt: "Ich gehe auch davon aus, dass der Strompreis in den nächsten Jahren moderat steigen wird, aber für eine Steigerung in Höhe von 70 Prozent gibt es heute keinerlei belastbare Anzeichen." Im Übrigen, versicherte Minister Untersteller, genieße die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit der Stromversorgung höchsten Stellenwert in der Energiepolitik der Landesregierung.

Die IHK wolle mit ihren Positionen nur ein Bewusstsein für die Problematik der Energiewende schaffen, Innovationen anregen und vielleicht auch in der Bevölkerung ein Umdenken anstoßen: "Angst", so Kulitz abschließend, "wolle man nicht schüren" - denn Angst sei bekanntlich ein schlechter Ratgeber.

Mehr zum Thema

Studie: Strompreise steigen bis 2025 um 70 Prozent

IHK Karlsruhe: Geschäfte laufen rund - Wirtschaft optimistisch

Erste Wasserstofftankstelle für Karlsruhe: Zukunftsweisene Technologie

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (29)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!