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Karlsruhe Autos ohne Fahrer: Wie sieht die mobile Zukunft in Karlsruhe aus?

Der Wandel in der Automobilindustrie vollzieht sich auch in der Fächerstadt. Politik und Forschung gehen Hand in Hand, um in Karlsruhe "Autonomes Fahren" sowie Elektro-Mobilität voranzubringen. Die Frage dabei ist, wie sich der Verkehr entwickeln soll und ob Karlsruher Autofahrer den Innovationen in der Automobilindustrie Folge leisten möchten.

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Wer könnte bei der Entwicklung des Autos der Zukunft eine bessere Vorreiter-Rolle einnehmen als Karlsruhe – der Geburtsstadt des Autoerfinders? Ein kurzer Blick in die Geschichte: Im Jahr 1886 erhält Carl Benz das Patent für das erste Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Benz, geboren in Mühlburg, heute ein Stadtteil im Westen von Karlsruhe, hat mit der Erfindung des Automobils die Mobilität maßgeblich beeinflusst. Doch was vielen nicht bewusst sein dürfte: Vor dem Benziner war das E-Auto. 

Wandel von Verbrennungs- zu Elektromotor 

Bereits fünf Jahre vor Benz' erstem "pferdelosen Wagen" wurde auf der Pariser Elektrizitätsmesse ein Fahrzeug mit Elektromotor präsentiert. Erfinder war der Franzose Gustave Trouvé. Die Hersteller kannten schon damals die Vorteile der Elektromodelle, die sauberer und leiser fuhren als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Produziert und gekauft wurden bis heute trotzdem mehrheitlich Benziner.

Dies soll sich in Zukunft ändern: International vollzieht sich der Wandel hin zu Elektro-Automobilen. Außerdem könnten die Fahrzeuge bald vollkommen automatisiert sein, quasi "von alleine" fahren. Karlsruhe ist auch bei diesem wichtigen Zukunftsschritt der Automobil-Branche maßgeblich an den Fortschritten beteiligt.

Karlsruhe erprobt autonomes Fahren

Im Mittelpunkt steht in Karlsruhe das Projekt "Testfeld Autonomes Fahren", das im Juli 2016 gestartet wurde. Den Zuschlag gab es durch eine Jury der Landesregierung Baden-Württemberg. Hinter den Toren eines Gebäudes an der Haid-und-Neu-Straße – genauer im Forschungszentrum Informatik (FZI) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) - wird am Verkehr der Zukunft gearbeitet. Und diese Forschung soll mit dem neuen Testfeld zwischen Karlsruhe und Bruchsal ganz neue Möglichkeiten erlangen.

Auf dem Testfeld sollen Fahrzeugsysteme für automatisiertes und vernetztes Fahren im realen Straßenverkehr getestet und entwickelt werden. Unter der Leitung des FZI hatte sich ein Konsortium bestehend aus der Stadt Karlsruhe, dem Karlsruher Institut für Technologie, der Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft, dem Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB sowie den Städten Bruchsal und Heilbronn um entsprechende Fördergelder des Landes Baden-Württemberg beworben.

Die Testfeld-Vorbereitungen sind umfangreich: Die Strecken des Testfeldes würden sowohl durch urbane Bereiche mit Auto-, Fahrrad- und Fußverkehr, als auch über Landstraßen und Autobahnen verlaufen, so das FZI gegenüber ka-news. Derzeit würden die Strecken in besonders genaue 3D-Karten aufgenommen sowie die Infrastruktur mit Sensoren ausgestattet, die den gesamten Verkehr sowie die ihn beeinflussende Faktoren erfassen. 

Autonomes Fahren in Karlsruhe
Bild: FZI Forschungszentrum Informatik

Testfeld soll 2017 in Betrieb gehen

Eine Schwierigkeit für die Autonomen im Straßenverkehr besteht in der Interpretation der Verkehrssituation. "Der Mensch ist hier im situativen Denken überlegen", erklärt FZI-Mitarbeiter Sebastian Klemm bei der Einweihung des Testfelds im Juli 2016. So können Menschen bisher bessere Vorhersagen treffen: "Er kann das, weil er das gelernt hat."

Hier setzt die Arbeit am FZI ein. Mittels Sensoren und Kameras sollen die Autos künftig so viele Daten sammeln, dass es sich souverän bewegen kann. Ein Fokus liegt dabei auch auf der Kommunikation: "Vielleicht brauchen wir irgendwann keine Ampeln mehr, weil es ein kooperatives Fahren zwischen den Fahrzeugen gibt", erläutert Klemm.

Das Testfeld soll noch dieses Jahr in den Probebetrieb gehen. Anschließend wird der Karlsruher Verkehrsverbund den Betrieb des Testfelds übernehmen. Ziel des Projekts sei es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, erklärte Landes- Verkehrsminister Winfried Hermann bei der Eröffnung des Projekts 2016.

Machen autonome Fahrzeuge die Straßen sicherer?

Eine positive Wirkung auf die Verkehrssicherheit und die Leistungsfähigkeit des Straßenverkehrs verspricht sich auch der ADAC Nordbaden von automatisierten Fahrzeugen. Nach Ansicht des ADAC hat der automatisierte Fahrbetrieb ein großes Marktpotenzial: Er steigere den Komfort und die Produktivität des Fahrers.

Eine repräsentative Umfrage unter mehr als 1.000 ADAC-Mitgliedern habe ergeben, dass bereits 33 Prozent sich schon heute vorstellen könnten, in Zukunft die Hände vom Steuer zu nehmen und sich "autonom chauffieren" zu lassen. Für 35 Prozent sei diese Form der automobilen Fortbewegung keine Option, ein knappes Drittel (29 Prozent) hat in dieser Frage bislang noch keine klare Meinung.

Ladestationen und Reichweite noch als Hauptproblem

Was den Bereich Elektromobilität betrifft, so müssten laut ADAC noch einige Verbesserungen vorgenommen werden. Sauber und sparsam könne ein Elektroauto sein, aber nur wenn der Strom aus regenerativen Quellen komme. Mit Strom aus dem Kohlekraftwerk würde man den Schadstoffausstoß nur von der Straße ins Kraftwerk verlegen. In Karlsruhe sind nach Angaben des Ordnungsamtes derzeit 170 Elektroautos zugelassen. Gemessen an der Gesamtzahl aller zugelassenen Autos in Karlsruhe, entspräche das gerade einmal einem Anteil von 0,12 Prozent. 

Entscheidend darüber, ob bald mehr Elektroautos auf den Straßen zu sehen sein, sei allgemein die Nutzerakzeptanz, also wann und zu welchem Preis Pkw- Nutzer bereit seien auf Elektroautos umzusteigen, so Matthias Pfriem vom Institut für Fahrzeugsystemtechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Noch bemängelten viele aktuelle und potenzielle Nutzer die geringe Reichweite sowie den Ladevorgang der Elektro-Autos – deutliche Nachteile gegenüber einem Benziner. Wünschenswert wäre eine dichte, öffentliche Ladeinfrastruktur, um E-Autos für die breite Masse attraktiv zu machen.

Der Ausbau wird auch durch die öffentliche Hand gefördert: Im Karlsruher Stadtgebiet gibt es laut Pfriem derzeit knapp 45 öffentliche Ladestationen. Entscheidend darüber, ob bald mehr Elektroautos auf den Straßen zu sehen sein, sei allgemein die Nutzerakzeptanz, also wann und zu welchem Preis Pkw- Nutzer bereit seien auf Elektroautos umzusteigen, so Matthias Pfriem vom Institut für Fahrzeugsystemtechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

 

Autonomes Fahren in Karlsruhe
Dr.-Ing. Matthias Pfriem, Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Bis wir nun mehr Elektrofahrzeuge als Verbrenner auf den Straßen in Karlsruhe sehen werden, würden sicherlich noch viele Jahre, eher Jahrzehnte vergehen.“ | Bild: Thomas Schamm

Bahn frei für Elektroautos?

Ein Projekt, das die Einführung von mehr Elektro-Autos in Baden-Württemberg beabsichtigt, ist die InitiativBW, Elektrische Flottenfahrzeuge. Das im Jahr 2014 gestartete Projekt hat 500 Elektro- und Plug-in Hybrid Fahrzeuge im Land eingesetzt. In der Region Karlsruhe leasen beispielsweise eine große Bank, eine große Versicherung, Forschungseinrichtungen, Handwerker, IT-Unternehmen und Industrieunternehmen die E-Modelle und halten die Umwelt zumindest zum Teil lokal emissionsfrei.

Doch bis zur Erreichung des von der Bundesregierung vorgegebenen Ziels gibt es noch viel zu tun: Die Vorgabe lautet bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland auf die Straßen zu bekommen. Die Prognose vom KIT-Experten Pfriem fällt nüchtern aus: "Bis wir nun mehr Elektrofahrzeuge als Verbrenner auf den Straßen in Karlsruhe sehen werden, würden sicherlich noch viele Jahre, eher Jahrzehnte vergehen."

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Kommentare (15)
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  •   Rundbau-Gespenst
    (9483 Beiträge)

    18.07.2017 13:23
    kommt dieser Alptraum
    nach KA ???
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  •   ProKA
    (583 Beiträge)

    18.07.2017 22:26
    Den
    Alptraum erfährt man täglich auf der A5 /A8 und der suche nach einem Parkplatz in Karlsruhe.
    Das ist der Alptraum.
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  •   dipfele
    (3812 Beiträge)

    18.07.2017 23:54
    der PKW....
    ... sollte vernünftiger Weise als Teil der Mobilitätskette betrachtet werden !! Also von der Wohnung zum P+R mit dem E-Mobil, von dort mit der Bahn und den Rest zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Übrigens gibt es viel ÖPNV Nutzer die sowohl am Wohnort als auch am Arbeitsort die reststrecken mit dem Velo fahren.
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  •   bier2
    (496 Beiträge)

    18.07.2017 14:16
    hoffentlich, wenn ich mir
    die ganzen Raser, Drängler und Spinner auf den Straßen anschaue.. die meisten unfälle passieren durch menschliches Versagen
    ..
    Zuerst sollten natürlich autonome Fahräder eingeführt werden. Die Zauseln dürfen dann nur noch trepple..und net mer lenke ..denek könnne die ja eh net
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  •   Pilsi57
    (113 Beiträge)

    18.07.2017 12:25
    Schöne neue Welt ?
    Mitnichten. Bis jetzt hat sich noch keiner wirklich Gedanken über zwei Dinge gemacht.

    Wegfall von Arbeitsplätzen : Dies allgemein wie vollautomatische Containerterminals und Lager, Supermarktkassen ohne Personal, automatisiertes Fahren von LKW, PKM, Bahn usw. Wo sollen die Arbeitsplätze herkommen, die da wegfallen.

    Sicherheit der Systeme : Schon heute haben wir Probleme, unsere Datensysteme zu schützen. immer wieder hört man von Hackerangriffen. Bei der ganzen Digitalisierung ist dies ein weiterer Angriffspunkt von Tderroristen und Hackern. Die können dies bequem von sich zu Hause machen. Da kann man leicht die ganze Infrastruktur eines Landes lahmlegen.

    Eines noch, ein massiver Sonnensturm kann die ganze Sache lahmlegen. Das Vertrauen nur noch in Digital, nicht mehr in Analog kann uns sehr teuer zu stehen kommen. Wir sollten einen analogen Backup haben.
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  •   NeoTiger
    (360 Beiträge)

    18.07.2017 15:35
    Also wenn ich ein Terrorist wäre ...
    ... und einen schrecklichen Verkehrsunfall mit vielen Toten verursachen möchte, würde ich mir nicht die Arbeit machen mir erst umfangreiche Computerkenntnisse anzueignen.

    Ich würde einfach einen Stahlträger zur Rush-Hour von einer Autobahnbrücke schmeißen oder nachts auf eine ICE Schnelltrasse legen.

    Da das schon nicht so oft passiert, halte ich die Angst vor Hackerangriffen auch für eher abstrakt.
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  •   Skudder
    (115 Beiträge)

    18.07.2017 13:10
    Arbeitsplätze
    Das wird zukünftig ein großes Problem werden, weil immer höher qualifizierte Arbeitsplätze wegfallen - Stichwort Industrie 4.0. Da sind selbstfahrende Auto aber nur ein ganz kleiner Teil des Problems.

    Bei der Sicherheit bin ich auch sehr skeptisch. Die Vernetzung der Autos ist ja heute schon recht weitgehend, da wundert es mich, dass noch keine schweren Vorfälle durch Hacking bekannt wurden. Ganz nach dem Motto: "Alle 3er-BMWs biegen jetzt mal scharf rechts ab!"
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  •   Aussie
    (359 Beiträge)

    18.07.2017 09:28
    Australien: Volvo stellt Selbstfahrtests ein
    Das "Large Animal Detection System (LADS)" von Volvo erkennt Kängurus nicht.
    "Ein federnd voranschnellendes, felliges Etwas auf zwei Beinen mit langem Schwanz, das Sätze von bis zu neun Metern hinlegt, ist von der Software bis jetzt nicht identifizierbar."
    grinsen
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  •   cc91
    (58 Beiträge)

    18.07.2017 09:17
    Man sieht doch
    in vielen Bereichen des täglichen Lebens, welch katastrophale Auswirken es hat, wenn Maschinen dem Menschen das Denken abnehmen. Autonomes Fahren wäre das Ganze hoch 10, bei den Missbrauchsmöglichkeiten sogar hoch 20. Die Lösung ist nicht Autos ohne Fahrer, sondern Fahrer ohne Autos.
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  •   ProKA
    (583 Beiträge)

    18.07.2017 22:22
    Ich
    erlebe jeden Tag, wie Menschen, sobald sie hinter dem Steuer sitzen und los rasen, ihr Gehirn abschalten. Dann zählen nur noch die Emotionen. Rasen, gaffen, blockieren, drängeln, pöbeln, Tempolimit ist nur ein Richtwert ......
    Das autonome Fahren wird allen mehr Lebensqualität bescheren. Die Mobilität wird viel sicherer, bequemer, und das ist der größte Pluspunkt, viel günstiger machen. Ich freue mich darauf
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