Berlin/Karlsruhe 4. Klimakongress der EnBW: "Der Klimawandel nimmt keine Rücksicht auf Politik und Wirtschaft"

Wenige Tage vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen diskutierzen beim 4. Klimakongress der EnBW in Berlin zahlreiche Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über ein mögliches weltweit wirksames Klimaabkommen. Umweltschützer kritisierten bei einer Protestaktion vor dem Veranstaltungsort, der Kongress habe angesichts der klimaschädlichen Investitionspolitik des Konzerns den Charakter einer Alibi-Veranstaltung.

Wirtschaft interessiert Sie?

Bestellen Sie gratis unseren Business-Newsletter von Redaktionsleiterin Corina Bohner

In seiner Begrüßungsansprache forderte Hans-Peter Villis, Vorstandsvorsitzender der in Karlsruhe ansässigen EnBW Energie Baden-Württemberg AG, ein starkes, ambitioniertes und rechtlich verbindliches Weltklimaabkommen, das alle Sektoren umfasse. „Der Klimawandel nimmt keine Rücksicht auf Politik und Wirtschaft. Vielmehr müssen Politik und Wirtschaft den drohenden Klimawandel in ihrem Handeln berücksichtigen“, so Villis.

„Ohne ein Klimaschutzabkommen laufen wir Gefahr, wertvolle Zeit und Milliarden an Euro zu verlieren, denn die Folgen einer ungebremsten globalen Erwärmung wären ungleich schwerwiegender als die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise. Es nützt nichts, wenn klimapolitische Ziele nur auf dem Papier stehen. Sie müssen umgesetzt werden und in den wichtigsten Wirtschaftsräumen müssen beim Klimaschutz die gleichen Bedingungen herrschen. Dem Schutz des Klimas hilft auch eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke. Ohne diese CO2-freie Erzeugung wird die Bundesregierung ihre klimapolitischen Ziele kaum erreichen können. Die europäische Union setzt auf die Kernenergie und auch der Klimagipfel in Kopenhagen wird zeigen, dass es ohne Kernenergie nicht gehen wird “, so Villis weiter.

Gönner:  Deutschland muss Vorreiterrolle gerecht werden

Die unterschiedlichen klimapolitischen Interessen von Politik, Wirtschaft und Verbänden sowie mögliche Spannungsfelder zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern waren Themen der weiteren Redner und Referenten auf dem EnBW-Klimakongress.

So führte der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Dr. Bernhard Heitzer, aus: "Wir sollten nicht vergessen: Ein weltweit koordinierter Klimaschutz kann ein Wettbewerbsmotor für neue Technologien sein. Hiervon würde die deutsche Wirtschaft mit ihrem breiten Angebot an klima- und umweltgerechten Produkten stark profitieren".

Die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner begrüßte das klare Bekenntnis des EnBW-Vorstandsvorsitzenden zum Klimaschutz, warnte allerdings vor überzogenen Erwartungen an die bevorstehende Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Zwar sei Kopenhagen trotz der weiterhin bestehenden Zurückhaltung der USA und auch Chinas nicht zum Scheitern verurteilt. "Der Verhandlungsfaden wird nicht abreißen", so Gönner. "Es wäre aber schon ein großer Erfolg, wenn es angesichts der ernüchternden Haltung der weltweit größten Klimasünder gelänge, sich auf verbindliche Ziele sowie einen konkreten Zeitplan für ein danach abzuschließendes Weltklimaabkommen zu verständigen." Unabhängig von einer Einigung auf internationaler Ebene müssten allerdings Industriestaaten wie Deutschland weiterhin ihrer Vorreiterrolle gerecht werden und die eigenen Klimaschutzanstrengungen weiter vorantreiben.

Klima-Allianz: Angesichts der neuen Kohlekraftwerke ist Klimakongress eine Alibi-Veranstaltung

Die Klima-Allianz und die Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen kritisieren bei einer Protestaktion vor dem Veranstaltungsort, dass der Kongress angesichts der klimaschädlichen Investitionspolitik des Konzerns den Charakter einer Alibi-Veranstaltung hat.

„Der Konzern inszeniert sich im Vorfeld des kommenden Klimagipfels in Kopenhagen medienträchtig als Klimaschützer, während er zugleich mit seiner Investitionspolitik fortgesetzt den Klimawandel anheizt“, kritisiert Daniela Setton, Energieexpertin der Klima-Allianz. „Keine Form der Energiegewinnung schädigt das Klima so sehr wie die Verstromung von Kohle. Trotzdem plant EnBW den Bau von vier neuen Kohlekraftwerken in Deutschland. Die Folge dieser Planungen: jedes Jahr zusätzliche CO2-Emissionen in Höhe von 17,5 Millionen Tonnen, die über Jahrzehnte hinweg das Klima belasten.“
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Sie sind der Erste, der einen Kommentar schreibt – vielen Dank!
Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben