Karlsruhe Melitta Büchner-Schöpf: Grande Dame der Karlsruher Modewelt

Dr. Melitta Büchner-Schöpf ist eine feine Dame. Eine Frau von Welt, die weiß, was sie will. Ehrgeizig, klug, eloquent, traditionsbewusst und sozial engagiert. Heute ist die Grande Dame aus Karlsruhe die letzte Chefin eines inhabergeführten Modehauses in dieser Stadt. Ein Besuch bei einer Karlsruher Macherin!

Glitzernde Paillettenkleider‎, elegante Herrenanzüge, festliche Brautmode: Melitta Büchner-Schöpf schaut kritisch in die Auslage, kontrolliert das Schaufenster, zuppelt den Schlips an einer Schaufenster-Puppe zurecht. "Da vorne, die Glühbirne ist defekt, bitte austauschen", weist sie freundlich, aber bestimmt, eine Mitarbeiterin an. Wenn die Inhaberin des Modehauses Carl Schöpf am Marktplatz die über 2.000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf vier Etagen inspiziert, dann entgeht ihr nichts.

"Ich sehe alles."

"Ich sehe alles", sagt sie. Das sei schon als Kind so gewesen. "Als ich etwa ein Jahr alt war, hat mich mein Vater auf dem Arm durch das ganze Modehaus getragen. Immer dann, wenn ich eine Stecknadel oder ein Stück Papier auf dem Boden erblickt habe, habe ich darauf gezeigt und gerufen: Da! Da! Die Angestellten sagten daraufhin: die wird mal schlimmer als ihr Vater", lacht Büchner-Schöpf.

Mittlerweile führt die gebürtige Karlsruherin das Geschäft seit über drei Jahrzehnten. Das Modehaus Schöpf prägt bereits seit 116 Jahren mit seiner unverwechselbaren Weinbrenner-Architektur das Stadtbild - das ist über ein Drittel der 300-jährigen Karlsruher Stadtgeschichte. Kommunion, Konfirmation, Abi-Ball oder Hochzeit: Viele Karlsruher haben sich bei Schöpf eingekleidet, mehrere Generationen wurden hier am Marktplatz für den besonderen Anlass ausgestattet.

"Es war schnell klar, dass ich die Geschäfte übernehmen werde."

Melitta Büchner-Schöpf hat hier seit 1980 das Sagen. Ihr Großonkel Carl Schöpf, der Firmengründer des Modehauses, erwarb das historische Gebäude in der Kaiserstraße im Jahr 1899. 90 Jahre zuvor war es von Friedrich Weinbrenner erbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Modehaus 1944 vollständig zerstört, 1950 konnte es wieder als eines der ersten Unternehmen am Platz in einen stilgerecht errichteten Neubau einziehen.

Karlsruher Macherin: Dr. Melitta Büchner-Schöpf

Melitta Büchner-Schöpf übernahm nach dem Tod ihres Vaters vor über 36 Jahren als Alleininhaberin die Leitung des Hauses. "Als mein Vater gestorben war, war schnell klar, dass ich die Geschäfte übernehmen werde", erinnert sie sich. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Büchner-Schöpf im Bundeswirtschaftsministerium in Bonn. Doch Karlsruhe und Bonn liegen weit auseinander. "Ich habe vom Ministerium eine Sondergenehmigung bekommen, damit ich die Inhaberschaft annehmen konnte", erzählt Büchner-Schöpf heute in ihrem Büro im vierten Obergeschoss des historischen Gebäudes.

"Stress ist ein Wort, das ich nicht mag. Wenn man Aufgaben gerne macht, dann empfindet man diese nicht als stressig."

Von dieser Zeit an fuhr sie am Freitagabend nach Dienstschluss mit dem Auto von Bonn nach Karlsruhe, verbrachte den Abend und den Samstag in der Firma und reiste am Sonntagabend wieder zurück. "Es war für mich selbstverständlich, dass ich die Firma leiten werde. Aber aus Bonn wollte ich nicht weg, daher habe ich mich für diese Lösung entschieden", erzählt Büchner-Schöpf.

Viele Menschen hätten sie damals gefragt, ob sie überhaupt noch Freizeit habe. "Freizeit stand für mich nicht im Vordergrund", so Büchner-Schöpf. "Stress ist zudem ein Wort, das ich nicht mag. Wenn man Aufgaben gerne macht, dann empfindet man diese nicht als stressig. Und ich arbeite gerne." Das gebe sie auch an ihre 66 Angestellten weiter. "Motivation ist wichtig. Nur wer seine Tätigkeit gerne ausübt, ist gut", davon ist sie überzeugt. "Ich erwarte aber auch Disziplin von meinen Angestellten."

Motivierte und qualifizierte Mitarbeiter - das sei eines der Erfolgsrezepte des Modehauses. "Gerade im Verkauf kommt es darauf, dass die Menschen motiviert sind. Wir legen sehr viel wert auf guten Service und eine qualifizierte Beratung", so Büchner-Schöpf.  "Das kostet, trägt aber Früchte." Die Inhaberin fürchtet daher auch nicht die Konkurrenz aus dem Internet: "Die Kunden schätzen unsere Beratung und unser Schneideratelier. Die Menschen wollen Kleidung anprobieren und anfassen." Zudem besuchten die Kunden gerne die Modeschauen, hauseigenen Veranstaltungen für Kinder oder Frühstücks-Events. "Einkaufen ist ein Erlebnis. Es kommt darauf an, dass ein Geschäft ein sozialer Treffpunkt ist, wo man auch Kleider kaufen kann", ist Büchner-Schöpf überzeugt.

"Ich wünsche dieser Stadt, dass sie wieder schöner und belebter wird."

Zu schaffen mache den Karlsruher Einzelhändlern vielmehr die Baustelle für die Karlsruher Kombilösung vor der Haustür. "Kunden aus dem Umland - gerade aus dem Elsass - sind weniger geworden", kritisiert Büchner-Schöpf. Ein Umstand, der den gesamten Karlsruher Handel vor Probleme stelle. "Wenn eine Innenstadt zehn Jahre eine Durststrecke erleiden muss, dann werden an dem Tag, wenn auf den Knopf gedrückt wird und die erste U-Bahn fährt, die Kunden nicht plötzlich scharenweise zurückkehren. Ich wünsche dieser Stadt, dass sie wieder schöner und belebter wird", so die Modehaus-Inhaberin.

Karlsruher Macherin: Dr. Melitta Büchner-Schöpf

Büchner-Schöpf hat auf dem Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe Abitur gemacht. Später studierte sie Jura - unter anderem an prominenten Standorten wie der London School of Economies und der Sorbonne in Paris. Nachdem sie zwei Jahre für einen namhaften Anwalt am Bundesgerichtshofs in Karlsruhe arbeitete, wurde sie in die Wirtschaft gelotst. "Für mich war von Anfang an klar, dass ich keine Justiz-Laufbahn einschlagen, sondern in die Wirtschaft gehen werde." Schließlich war sie als Ministerialdirigentin im Bundeswirtschaftsministerium tätig. Dort arbeitete sie 30 Jahre, hatte eine "sehr international ausgerichtete und außerordentlich interessante Tätigkeit", wie sie sagt. "Das war eine Sache, die ich nie bereut habe."

"Das soziale Engagement liegt mir sehr am Herzen."

Im Ministerium war sie für die deutsche Industrie und die EU-Industriepolitik zuständig. Besonders faszinierend für Büchner-Schöpf: Die Organisation und Betreuung von großen Wirtschaftsdelegationen bei Reisen unter anderem nach Asien oder Südamerika. "Dadurch war ich praktisch in fast allen Ländern", schwärmt sie. Von den Erfahrungen aus dieser Zeit profitiert sie auch als Leiterin des Bekleidungshauses. "Gute Unternehmensführung funktioniert nach bestimmten Regeln und dabei ist es egal, ob sie ein Stahlunternehmen, einen Autobauer oder ein Modehaus leiten", sagt sie. Mittlerweile führt sie das Traditionshaus erfolgreich seit über 35 Jahren. Was bedeutet Tradition für sie? "Tradition bedeutet für mich, die guten Dinge aus der Vergangenheit weiterzuführen - vielleicht etwas modifiziert, aber nicht um jeden Preis - und dennoch für neue Ideen offen zu sein", so Büchner-Schöpf.

Karlsruher Macherin: Dr. Melitta Büchner-Schöpf

Doch die Grande Dame der Karlsruher Modewelt ist nicht nur eine erfolgreiche Unternehmerin. Sie engagiert sich sozial. "Das habe ich von meiner Mutter geerbt", sagt sie. "Das soziale Engagement liegt mehr sehr am Herzen." Ihre Mutter, die frühere FDP-Stadträtin Melitta Schöpf, nach der sie benannt wurde, sei immer ihr Vorbild gewesen. Eine Kämpferin für Gleichberechtigung, mit modernen Vorstellung, stets ihrer Zeit voraus. "Die richtige Vertretung für die Frau ist und bleibt die Frau". Dieses Zitat stammt von Melitta Schöpf (1901 - 1989) und hängt auch heute noch im Büro ihrer Tochter.

"Ich hasse Dilettantismus. Ich möchte das, was ich mache, gut machen."

Ihre Mutter, die 20 Jahre im Karlsruher Gemeinderat saß, forderte beispielsweise bereits in den 50er und 60er Jahren Ganztagsschulen, "damit Frauen, die berufstätig sein wollen oder müssen, ihrer Tätigkeit nachgehen können". Sie wurde damals von Parteien und Medien angefeindet, wie ihre Tochter heute erzählt. "Frau Schöpf will unsere Kinder nach sozialistisch-kommunistischen Gedanken á la DDR erziehen", habe man ihrer Mutter damals vorgeworfen. Heute gebe es außer ein paar kleiner Dörfer in Bayern kaum noch jemanden, der sich dagegen ausspreche, so Büchner-Schöpf über die Fortschrittlichkeit ihrer Mutter. Nach dem Tod der Mutter gründete Büchner-Schöpf 1989 die "Melitta-Schöpf-Stiftung", die Seniorenbesuche organisiert, "weil mir die Situation kranker alter Menschen in Heimen besonders wichtig ist".

Büchner-Schöpf ist auch in hohen Jahren noch sehr geschäftig, hat viel Energie. Sie sucht Kollektionen raus, beurteilt akribisch die Hersteller, hat ein Gespür für Mode und Trends. "Ich hasse Dilettantismus. Ich möchte das, was ich mache, gut machen. Ich überlasse nichts dem Zufall", ist dabei stets ihr Credo. Außerdem ist sie beratend tätig und in zehn Gremien aktiv: darunter zählt das Haus der deutschen Geschichte in Bonn, das Institut der Deutschen Wirtschaft in Berlin, die Denkmalstiftung Baden-Württemberg in Stuttgart, der Vorstand der Badischen Bibliotheksgesellschaft Karlsruhe sowie Ausschüsse der Karlsruher Industrie- und Handelskammer. Aufhören will die elegante Dame noch lange nicht: "Ich mache weiter, so lange es geht."

Weitere Infos unter www.modehaus-schoepf.de

Fotos: Carola Böhler

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