Karlsruhe Ingo Wellenreuther: Vollblut-Politiker und KSC-Sanierer

Fast jeder Karlsruher kennt ihn: Ingo Wellenreuther. Der 55-Jährige sitzt für Karlsruhe im Bundestag, ist Chef der Karlsruher CDU und Präsident des Karlsruher SC. Der Vorsitzender Richter am Landgericht a. D. ist viel unterwegs, packt an. Dabei liegen ihm die Anliegen seiner Heimatstadt sehr am Herzen. Ingo Wellenreuther ist ein Karlsruher Macher!

Ortstermin: Waldstraße 71a. Zwischen Boutiquen und Galerien befindet sich die Parteizentrale der Karlsruher CDU. Der starke Mann heißt hier: Ingo Wellenreuther. Seit 2002 Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der CDU-Karlsruhe, insgesamt 14 Jahre Stadtrat im Karlsruher Gemeinderat. Fast jeder Karlsruher kennt den 55-Jährigen. Und wenn nicht aus der Politik, dann durch sein Amt als Präsident des Karlsruher SC. Den Verein führt er seit 2010.

"Ich habe eine ausgefüllte Arbeitswoche."

Sitzungen in Berlin, Termine in Karlsruhe, Aufgaben im Wildparkstadion: Der Terminkalender von Ingo Wellenreuther ist prall gefüllt. "Ich bin ab halb acht morgens online und oft nicht vor 22 Uhr Zuhause." Seine Freizeit setze er vor allem für den KSC ein. "Ich habe eine ausgefüllte Arbeitswoche", sagt der 55-Jährige.

Karlsruher Macher: Ingo Wellenreuther

Ingo Wellenreuther ist ein Vollblut-Politiker, ein Polit-Profi. Er kennt als Bundestagsabgeordneter die Berliner Politik. Er weiß, wie man sich sicher auf dem bundespolitischen Parkett bewegt. Doch hauptsächlich ist Wellenreuther einer von hier. Ein Karlsruher durch und durch.

"Die Menschen spüren sofort, ob sie einen Abgeordneten haben, der nur in Berlin herumschwebt, oder der auch vor Ort präsent."

Er kennt die große Politik, verliert aber nicht das Lokale aus den Augen. Er sieht sich als ein Politiker zum Anfassen, nahe bei den Menschen. Man kann sich gut vorstellen, wie er mit Bürgern in den Stadtteilen diskutiert, sich zu ihnen an den Biertisch setzt und bei einem Pils ihre Probleme anhört. "Die Menschen spüren sofort, ob sie einen Abgeordneten haben, der nur in Berlin herumschwebt, oder der auch vor Ort präsent und für die Bürger direkt ansprechbar ist." Wellenreuther wirkt authentisch, im Gespräch aufmerksam und umgänglich.

Er besitzt eine charmante Art, er kann mit den Leuten. Mit Wellenreuther kann man "badisch schwätze". Sicherlich ist Wellenreuther ein Taktik-Fuchs, und dennoch nimmt man ihm seine Art ab. Wellenreuther packt an, investiert viel Zeit. Wenn er etwas macht, dann richtig. Wellenreuther hat früh Karriere gemacht. Der junge Ingo Wellenreuther strebte eine juristische Laufbahn an. Mit 29 wurde er Staatsanwalt in Baden-Baden, mit 32 war er bereits Richter am Landgericht Karlsruhe. Zur Politik kam er erst später. "Im Methusalem-Alter", lacht Wellenreuther.

"Es ist nichts geblieben. Ich liebe meine Stadt immer noch."

1999 wurde er im ersten Anlauf in den Karlsruher Gemeinderat gewählt. Kurz darauf kam eine Anfrage aus Berlin - er wurde Referent der CDU/CDU-Bundestagsfraktion. "Sie suchten jemanden aus der Politik mit Justizerfahrung", so der Vorsitzender Richter am Landgericht a. D. "Zwei Jahre habe ich den damals berühmten Parteispenden-Untersuchungsausschuss juristisch und politisch beraten." 2001 folgte schließlich die Nominierung zum CDU-Kandidaten für die Bundestagswahl, seit 2002 sitzt er im Bundestag.

Doch auch Ingo Wellenreuther gelingt nicht alles. 2012 musste er eine herbe Niederlage bei der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe einstecken. Gerne wäre er Oberbürgermeister seiner Heimatstadt geworden. Doch der CDU-Kandidat holte nur 35 Prozent der Stimmen. Sein Konkurrent Frank Mentrup (SPD) siegte deutlich mit 55 Prozent. Heute sieht das Wellenreuther entspannt: "Das war ein Lager-Wahlkampf. Es haben sich vier Parteien und Gruppierungen gegen mich zusammengeschlossen. Ich hatte das Potential erreicht, was zu erreichen war." Er habe die Niederlage mittlerweile akzeptiert. "Es ist nichts geblieben. Ich liebe meine Stadt immer noch", betont der Politiker. Kurze Zeit später - bei der Bundestagswahl 2013 - zeigte Wellenreuther wieder sein Sieger-Gesicht: Er holte für die CDU erneut das Direktmandat (39,5 Prozent der Erststimmen).

Karlsruher Macher: Ingo Wellenreuther

Aus dem Gemeinderat zog er sich nach der verlorenen OB-Wahl jedoch zurück. Zu seinen Beweggründen sagt Wellenreuther heute: "Als Stadtrat wäre mir ab diesem Zeitpunkt jede gegenteilige politische Auffassung gegenüber dem Oberbürgermeister so ausgelegt worden, als ob sie aus rein persönlichen Gründen erfolge. Die politischen Missbrauchsmöglichkeiten für die politischen Gegner wären immer da gewesen. Das wäre eine ungute Situation für die gesamte Fraktion gewesen."

"Wir hatten damals alle lange Haare, ich hatte besonders lange Haare."

Wellenreuther ist ein Sohn dieser Stadt. 1959 geboren in Karlsruhe, 1979 Abitur am Goethe-Gymnasium. "Die Schulzeit war aber ein eher etwas dunkleres Kapitel", lacht Wellenreuther. "Ich war sicherlich nicht der fleißigste Schüler. Ich war froh, als ich das Abitur in der Tasche hatte." Gerade in der Pubertät war er auf "contra eingestellt". Vietnamkrieg, Ostverträge, Kriegsdienstverweigerung: "Wir haben alles hinterfragt, in den Klassenzimmern hoch kontrovers und emotional diskutiert. Natürlich laienhaft, aber sehr engagiert."

War der heutige CDU-Politiker mal ein Hippie? "Nach heutigen Maßstäben war ich damals wahrscheinlich gesellschaftspolitisch eher links. Wir hatten damals alle lange Haare, ich hatte besonders lange Haare." Er komme aus einem "offenen Elternhaus", sei "freiheitlich erzogen" worden. "Wenn meine Freunde und ich mit meinen Eltern am Tisch diskutiert haben, konnte jeder sagen, was er denkt. Es war wichtig, dass jeder seine Meinung sagen darf." Er sage auch heute noch, was er denke. "Auch wenn man sich damit nicht immer nur Freunde macht", so Wellenreuther. Er polarisiert, hat politische Gegner. "Wenn ich überzeugt bin, dass etwas richtig ist, dann setze ich mich dafür auch stark ein. Das gefällt vielleicht nicht immer jedem. Aber dafür bin ich auch nicht da", sagt er.

"Bei ideologischer Parteipolitik bekomme ich eine Allergie."

Man merkt schnell: Die Anliegen seiner Heimatstadt liegen Wellenreuther sehr am Herzen. Er ist hier geboren, hier verwurzelt. "Ich sehe mich als Interessenvertreter der Bürger in Karlsruhe", so Wellenreuther. "Bei ideologischer Parteipolitik bekomme ich eine Allergie. Ich selbst praktiziere das nicht und wenn das andere machen, dann habe ich dafür wenig Verständnis." Er handele selbst nach der Devise: "Erst der Bürger, dann die Partei."

Aus Karlsruhe wegzugehen, kann er sich nicht vorstellen. "Hier ist meine Familie, mein Freundeskreis, hier ist meine Heimat. Mein Lebensmittelpunkt und meine Basis ist ist immer Karlsruhe gewesen", so der Ur-Karlsruher. "Die Lebensqualität hier ist einfach nicht zu toppen. Karlsruhe ist nicht zu klein und nicht zu groß. Die badische Gelassenheit, die vielen Parks, das Klima - es herrscht hier fast schon mediterranes Lebensgefühl. Ich empfinde das als sehr angenehm", schwärmt Wellenreuther.

Karlsruher Macher: Ingo Wellenreuther

Wellenreuther ist verheiratet, hat zwei Kinder. Sein Sohn Timon Wellenreuther steht mit 19 Jahren beim FC Schalke 04 unter Vertrag, spielt auf Leihbasis bei RCD Mallorca und steht im Tor der deutschen U21-Nationalmannschaft. Er stand im Frühjahr 2015 auch bei den Champions League-Spielen gegen Real Madrid im Kasten. Das war für Wellenreuther ein "beeindruckendes Erlebnis". "Als Eltern hält man es auf der Tribüne kaum aus. Wenn der eigene Sohn vor 80.000 Zuschauern gegen Real Madrid im Tor steht, dann ist das kaum zu beschreiben", so der stolze Vater. Ist Wellenreuther ein strenger und ehrgeiziger Vater? "Nein, überhaupt nicht. So funktioniert das auch gar nicht. Ich habe selbst Sport gemacht. Wenn so etwas nicht von innen heraus kommt, dann funktioniert das nicht. Timon hat großen Ehrgeiz, war immer zielstrebig. Es freut mich für ihn. Er kann stolz darauf sein, was er bisher erreicht hat", sagt er.

"Es bringt nichts, der Situation nachzutrauern. Wir müssen nach vorne gucken."

Fußball ist auch die Leidenschaft von Ingo Wellenreuther. Im September 2010 wurde er zum Notpräsidenten beim Karlsruher SC bestimmt. Die Lizenz für den weiteren Ligabetrieb stand auf der Kippe. Das war eine "echte Notsituation beim KSC". Die Lizenz war in "höchster Gefahr". "Im Verein herrschte miese Stimmung, das absolute Chaos, eine negative Außenwahrnehmung", beschreibt Wellenreuther die damalige Situation. Wellenreuther arbeitete an der Reputation. Es gelang ihm, den Verein wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu bringen. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt der KSC-Präsident. Die wirtschaftliche Trendwende ist jedenfalls gelungen. Zum ersten Mal seit 2009 schrieb der Verein wieder schwarze Zahlen. Der KSC konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 341.000 Euro verbuchen.

Auch sportlich geht es derzeit wieder bergauf. Nachdem der KSC 2012 den bitteren Weg in die 3. Liga antreten musste, gelangt ein Jahr später der direkte Wiederaufstieg. 2015 verpasste das Team in letzter Minute den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga. "Das war bedauerlich und hat den Verein hart getroffen. Wir wären in der 1. Bundesliga gewesen und hätten dadurch alleine im ersten Jahr 20 Millionen Euro mehr zur Verfügung gehabt", so Wellenreuther, der seit 35 Jahren KSC-Mitglied ist. "Doch es bringt nichts, der Situation nachzutrauern. Wir müssen nach vorne gucken."

"Wir sind nicht auf Jammertour. Wir geben alles, um maximal leistungsfähig zu sein."

Durch die Relegationsspiele gegen den Hamburger SV gewann der KSC bundesweit Sympathiepunkte, konnte sein Image aufpolieren. "Wir haben aus ganz Deutschland Zuschriften bekommen, gefühlt hat ganz Deutschland dem KSC die Daumen gedrückt." Das habe sich auch bei den Mitgliederzahlen niedergeschlagen - nach der Relegation konnte der Verein etwa 500 Neueintritte verzeichnen. "Unsere Mitgliederzahlen sind inzwischen auf über 7.000 gestiegen - so viele hatten wir noch nie", sagt Wellenreuther nicht ohne Stolz.

Kleiner Etat, marodes Stadion, harte Konkurrenz: Als KSC-Präsident muss Wellenreuther auch Improvisationskünstler sein. "Wir sind nicht auf Jammertour. Wir geben alles, um mit unseren begrenzten Möglichkeiten maximal leistungsfähig zu sein", betont er. Ein großes Zukunftsthema für den KSC ist der Stadionneubau im Wildpark. "Jeder andere Verein in der Bundesliga und der 2. Bundesliga sowie viele Vereine in der 3. Liga haben ein besseres Stadion als der KSC. Das ist ein unglaublicher Wettbewerbsnachteil", betont der Präsident. "Ein solches marodes Stadion ist unserer Stadt nicht würdig und für den Verein eine Katastrophe." Ein neues Stadion war lange nicht mehr so nah, die Planungen schreiten voran. "Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zum jetzigen Oberbürgermeister. Wir arbeiten auf einer Sachebene ganz vertrauensvoll und offen zusammen", betont Wellenreuther und hofft mit vielen Karlsruhern, dass der KSC spätestens Anfang 2019 in einem neuen Stadion spielen kann.

Weitere Infos unter www.ingo-wellenreuther.de

Fotos: Carola Böhler

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