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29.10.2008 11:00
 
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Lehren aus der Finanzkrise? [0]

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Ein Kommentar von Martin Meise

Banken brechen zusammen, Börsenkurse sausen in den Keller, wir stehen vor einer schweren Rezession. Mit kaum vorstellbaren Summen wird das weltweite Finanzsystem vor dem völligen Kollaps gerettet. Von wem? Dem vielgeschmähten Staat, der sich doch jahrzehntelang in die vornehme Rolle des Beobachters hatte zurückdrängen lassen. Ist der grenzenlose Kapitalismus mit seinen Finanzprodukten, der Werte vor allem durch die Fantasie und die Gier von Bankern und Anlegern schuf, jetzt am Ende? Wird die Welt der Wirtschaft nach dem Desaster der letzten Monate wirklich anders aussehen? Daran gewöhnt, dass die Akteure vor dem Vorhang agierten, gibt die aktuelle Krise den Blick frei auf die Bühne. Dort sehen wir in seltener Klarheit das gar nicht so freie Spiel - jedenfalls für kurze Zeit.

Um die Welt vagabundierende Kapitalströme haben die Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten in ein Spielcasino verwandelt. Mitgespielt hat jeder, der es sich leisten konnte, Geld in der Hoffnung auf schnellen und großen Profit einzusetzen. Wie bei simplen Schneeballsystemen verdrängte jeder Mitspieler die Frage, wer die Zeche am Ende bezahlt. Jetzt kennen wir die Antwort: Es ist der Staat (und damit jeder), der die Rolle des edlen Retters spielen muss. Es bleibt ihm gar nichts anderes übrig, wenn er den völligen Kollaps unseres Wirtschaftssystems vermeiden will. Aber bedeutet dieser Einsatz auch, dass der Staat als Gemeinschaft seiner Bürger künftig wieder eine tragende Rolle spielen wird?

Wohl kaum. Zwar kann er als Gegenleistung für die Milliarden an Ausgaben für Garantien und absehbare Unternehmens-Subventionen zumindest dem Finanzsystem ein paar Regeln diktieren - und sich damit so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr darstellen. Und auch das Argument, nur das freie Spiel der Kräfte garantiere Fortschritt und Wohlstand für alle, hat sich nun deutlich sichtbar widerlegt. Aber man sollte sich keinen Illusionen auf einen grundlegenden Wandel hingeben: Sobald eines Tages die aktuellen Probleme verblasst und die Steuergelder zur Stützung des Kartenhauses - bis zum nächsten Mal - nicht mehr nötig sein werden, wird der Ruf der Wirtschaft nach Rückzug des Staates wieder übermächtig werden und er sich in die Rolle des Statisten für den Notfall degradieren lassen. Es gilt auch für dieses Spielfeld eine Binsenweisheit aus dem Sport: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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Stand: Dienstag, 09.02.2010  © Europäische Zentralbank


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