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"Fehlende Leistungsbereitschaft" - IHK klagt über Auszubildende [7]

Karlsruhe (sav) - Trotz Wirtschaftskrise steigt in der Technologieregion Karlsruhe (TRK) die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze, während gleichzeitig der Kreis der Bewerber ohne Ausbildungsplatz schrumpft. Lag die Zahl der "unversorgten" Bewerber noch 2004 bei 284, so blieben 2009 bislang nur 24 Ausbildungswillige ohne Lehrstelle. Dies sei, so IHK-Präsident Bernd Bechtold auf einer Pressekonferenz, ein Rückgang um 92 Prozent.

/wirtschaft/karlsruhe/Fehlende-Leistungsbereitschaft-IHK-klagt-ueber-Auszubildende;art127,287751,B?bn=375622
IHK-Pressekonferenz
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Foto: ka-news

Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze um 139 Prozent von 88 auf 210 angestiegen. IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Mengele erklärte dies mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise: "Zwar spielt hier auch die Demographie eine kleine Rolle, vor allem aber scheinen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit viele Abiturienten, die andernfalls eine duale Ausbildung erwogen hätten, in ein Studium zu flüchten." Dies sei aber unbegründet. Die duale Ausbildung sei nach wie vor ein hervorragender Einstieg in die Berufswelt. Bechtold bekräftigte seinerseits: "Eine Lehre ist auch eine ausgezeichnete Grundlage für ein Studium."

Den 210 unbesetzten Ausbildungsplätzen stünden zugleich 500 Schüler ohne Schulabschluss gegenüber. "Die gehen doch von der Schulbank direkt in Hartz IV! Das kostet viel mehr, als wenn gezielt in Bildung investiert würde. Das sind keine Kosten, das sind Investitionen", empörte sich Bechtold. Die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss sei angesichts der allgemein rückläufigen Schülerzahlen umso schwerwiegender.

Die Zahl der Realschüler werde zwischen 2007 und 2016 um über zehn Prozent zurückgehen, die der Hauptschüler gar um fast 20 Prozent, so Joachim Wohlfeil. "Aber gerade von hier beziehen wir unsere Auszubildenden", so der Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe weiter. 2016 würden insgesamt 1.500 Jugendliche fehlen.

Viele Jugendliche ohne Kontakt zur Arbeitswelt

Doch nicht nur die fehlenden Auszubildenden seien ein Problem. In einer Umfrage unter den Betrieben gaben 32,6 Prozent an, dass sie bei besseren Bewerbern auch mehr eingestellt hätten. In 60 Prozent der Fällen sei fehlende Leistungsbereitschaft ein Ablehnungsgrund gewesen. Bei je 47 Prozent hätten die nicht vorhandenen Rechenkenntnisse oder Umgangsformen eine Rolle gespielt. 44 Prozent der Bewerber hätten nur eine mangelnde Belastbarkeit gezeigt und bei 23 Prozent hätten sprachliche Defizite zur Ablehnung beigetragen. "Hier ist ein Dreiklang aus Eltern, Schule und Wirtschaft gefragt", so Gerd Lutz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe.

Viele Jugendliche hätten heute keinen Kontakt zur Arbeitswelt, beklagte Wohlfeil. Dies sieht auch Bechtold so: "Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen. Ich habe auf der Dorfstraße den Schmied arbeiten sehen und den Schreiner. Diese Dorfstraße müssen wir heute in die Betriebe holen." Hierzu habe man das Projekt "Wirtschaft macht Schule" angestoßen. Schon ein Jahr nach Projektstart gebe es Kooperationen zwischen 328 Unternehmen und 136 der 180 allgemeinbildenden Schulen in der TRK. Ziel sei es, alle 180 Schulen zu erreichen.

Ein Werkstattcamp der Handwerkskammer ermögliche es Schülern der 8. und 9. Klasse, in zwei Wochen in sechs Berufsfelder hinein zu schnuppern. Dadurch sollen sie feststellen, was ihnen liegt, aber auch, ob ihr bisheriger Berufswunsch dem Praxistest standhält. Danach bekämen sie, so Lutz, von einem Meister eine kleine Beurteilung. Diese könnten sie später bei Bewerbungen einreichen. Nach einer Woche in den Sommerferien, findet nächste Woche der zweite Teil des Camps mit insgesamt 140 teilnehmenden Schülern statt.

Mehr zu: Lehrstellenmarkt Ausbildungsplätze Wirtschaft IHK Handwerkskammer

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Kommentare [7]
  • (78 Beiträge) | 20.10.2009 11:45
    Leistungsbereitschaft...
    ...kennen wir von Herrn Bechtold. 24-Stunden-Schichten bei 6-€ Stundenlohn...
    Viele Betriebe wollen offensichtlich nicht ausbilden, sondern nur noch den Beruf vermitteln. Da gehts natürlich nicht, dass eine/r vielleicht noch Bildungsbedarf hat.
  • (361 Beiträge) | 19.10.2009 21:45
    predigen natürlich...
    003
    geprägt ist ja nix mehr heutzutage. Ausser die Faulheit und das Desinteresse. Um sich später aufzuregen, weil man nicht genommen wurde. War vor ein, zwei Jahrzehnten noch undenkbar. Aber die Welt dreht sich..., und somit auch die Zukunft. Gute Nacht!
  • (361 Beiträge) | 19.10.2009 21:40
    ich denke,
    003
    das Problem ist weitaus frühzeitiger beheimatet. Bis die jungen Leute dann mal einen Einblick in einen reellen Betrieb haben, sind die längst noch hinterm Mond: die haben keinen Bock. Bzw., ich komme schon durch, mit dem, was ich gelernt habe... Nur: es war ja nix gelernt! Wie oft noch soll man prädigen, dass Bildung nun mal des Rätsels Schlüssel ist. Das wird dann belächelt...
    Fakt ist aber, dass solch Kinderdenken später nicht weiterhilft. Und dann da angekommen, guckt man dumm in die Röhre, dass eben doch nicht alles nur geschenkt ist. ...
  • (238 Beiträge) | 19.10.2009 19:49
    Seit tausenden von
  • (238 Beiträge) | 19.10.2009 19:48
    Ich habe überhaupt keine
    Hoffnung mehr in die Zunkunft unserer Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt.

    Aristoteles
  • (136 Beiträge) | 19.10.2009 18:13
    Meine Freundin hat Sprach Abi
    pic_1198000734_5
    Kann ingesamt 3 Sprachen fließend, und 2 eben aus der Schule! Es hagelte Absagen bei der Bewerbung.Begründung: Wir haben uns für einen Studienabrecher entschieden usw.

    Viele Jugendliche sind einfach zu dumm für eine Ausbildung. Wenn sie Glück haben sind sie handwerklich geschickt!

    Bei uns in der Firma bewerben sich auf 2 Stellen ca. 900 bis 1600 Leute. Ist schwankend! Viele sind herausragend, aber es werden halt nur 2 eingestellt.

    Viele die was können, bekommen keine Stelle! Es sind nicht nur die "Lustlosen" die em Ende ohne dastehen oder magels Geld nicht Studieren gehen können!
  • (69 Beiträge) | 19.10.2009 16:38
    Hmmm
    landx
    "Eine Lehre ist auch eine ausgezeichnete Grundlage für ein Studium."
    Für einen Abiturienten, der studieren möchte ist die Lehre ein ggf. überflüssiger Umweg.
    Er kann dazu beitragen, dass das Studium abgebrochen wird, weil sich das Durchhalten darin nicht lohnt
    - man hat ja schließlich schon einen Beruf.

    "Wirtschaft macht Schule"
    Um Gottes Willen! Laßt den Leuten wenigstens den Ansatz ihrer Träume!
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