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Karlsruhe Meisterwimpel des Karlsruher FV im Stadtmuseum: "Der DFB ist auch scharf darauf"

Es gab Zeiten, da war Karlsruhe der Nabel der deutschen Fußballwelt. In Zeiten, die lange zurück liegen. Während der Karlsruher SC derzeit in den Niederungen der 2. Bundesliga rumtümpelt, gewann Phönix Karlsruhe, aus dem der KSC hervorging, im Jahre 1909 die Deutsche Meisterschaft. 1910 folgte der Karlsruher Fußball Verein (KFV) diesem Beispiel.

Das Stadtmuseum Karlsruhe stellt nun ein äußerst seltenes und sehr beliebtes Relikt dieser Zeit aus: den Meisterwimpel des KFV von 1910.

Das Stadtmuseum stelle hier einen Beweis für ein "sportliches und historisches Alleinstellungsmerkmal" in der Deutschen Fußballlandschaft aus, sagte Ernst Otto Bräunche, Leiter des Stadtarchives, bei der offiziellen Übergabe des Wimpels durch KFV-Präsident und Bürgermeister Michael Obert. Denn bisher gebe es keine andere Stadt, in der zwei verschiedene Vereine direkt hintereinander die Deutsche Fußballmeisterschaft erringen konnten.

DFB will den seltenen Wimpel ebenfalls austellen

Obert zeigte sich in seiner Funktion als KFV-Präsident sehr erfreut, dass ein solch seltenes Relikt hier in Karlsruhe ausgestellt werden könne. Denn bei Abbrucharbeiten am ehemaligen KFV-Vereinsgelände tauchte der historische Meisterschaftswimpel unter einer Bank auf und entging nur knapp der entgültigen Zerstörung, sagte Obert. Damit hätte den Wimpel beinahe das gleiche Schicksal ereilt, wie dem des KSC, der bei einem Wasserschaden zerstört worden sei, so der Präsident des ältesten Karlsruher Fußballvereins.

Insgesamt gebe es wohl nur noch fünf solche Meisterschaftswimpel, schätzt Obert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde diese Tradition eingestellt. "Auch der DFB ist scharf auf den Wimpel. Er würden ihn gerne in seinem Fußballmuseum im Dortmunder Stadion ausstellen", sagte Obert mit dem Verweis, dass der Wimpel des KFV dann wohl der einzige in diesem Museum wäre. Das wäre eine Chance, die Fußballmetropole vergangener Zeiten für viele Fußballfans in Erinnerung zu rufen. "Der KFV neigt aber dazu, den Wimpel in Karlsruhe zu lassen, wo er hingehört", sagte Obert weiter. Hier solle er ausgestellt werden, sichtbar und gesichert für die Zukunft.

Bräunche zeigte sich sehr erfreut, ein solches Überbleibsel aus den glorreichen Jahren an der Hertzstraße auszustellen, der Heimat des KFV. "Diese Jahre waren ohne Zweifel hervorragend in der Fußballwelt vor dem Ersten Weltkrieg", so der Leiter der Stadtarchivs. Gespickt mit vielen Nationalspielern und wichtigen Persönlichkeiten des deutschen Fußballs avancierte der KFV zu einem der erfolgreichsten Fußballvereine Süddeutschlands. Höhepunkt war zweifelsohne das 1:0 über Holstein Kiel, das den Kickern aus der Fächerstadt die Deutsche Meisterschaft bescherte.

Obert: Der KFV soll zurück an die Hertzstraße

Bis 1912 gingen acht Süddeutsche Meisterschaften an das Stadion an der Telegraphenkaserne. Walther Bensemann, Mitbegründer des DFB und Kicker, gilt als Gründungsvater des KFV im Jahre 1891. Auch die einzigen jüdischen Nationalspieler Deutschlands, Julius Hirsch und Gottfried Fuchs, entsprangen dem KFV. Ab 1912 begann die sportliche und wirtschaftliche Talfahrt des einst so großen KFV, der fast alle europäischen Topmannschaften jener Zeit in Karlsruhe begrüßte. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der KFV nur noch kurz in der Oberliga, ehe man in die Niederungen des Karlsruher Fußballs abstieg und 2004 insolvent ging.

In den Jahren kurz vor dem vorläufigen Aus, war die Situation bereits sehr prekär, wie ka-news-Volontär Felix Brenner aus eigener Erfahrung zu berichten weiß. Als Jugendspieler des Altmeisters sei es das ein oder andere Mal vorgekommen, dass wegen unbezahlter Rechnungen während des winterlichen Trainings das Flutlicht ausging und der Strom abgestellt wurde, so Brenner. So sei damals fast ungewollte Fußballer-Romantik in den Katakomben des Stadions aufgestiegen, als bei Kerzenlicht kalt geduscht werden musste. Auch mussten vor den Spielen die Trainer regelmäßig selbst den Rasen mähen, um den Spielbetrieb zu gewährleisten.

2006 begann der Neuaufbau des KFV in der untersten Spielklasse des Karlsruher Fußballs. Etliche Trainer- sowie Spielortwechsel gab es seither. Doch für den Präsidenten Obert, der durch den überraschenden Tod damaligen Präsidenten Wolfgang Albert nachrückte, sei die Arbeit erst dann ein Erfolg, wenn der KFV wieder auf seinem alten Gelände spiele und sich selbst tragen könne. Noch stehe der KFV aber auf zu schwachen Beinen, um einen solchen Schritt zu gehen.

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  • unbekannt
    (1272 Beiträge)

    Michael Obert
    *schüddl* lol
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    hehehe
    Wimpelhauptstadt! grinsen
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  •   ralf
    (3514 Beiträge)

    Chance auf idealen Standort für Fußballmuseum 2006 vertan
    Man musste natürlich dort, wo das älteste Fußballstadion Deutschlands stand, ein Pflegeheim errichten.
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  • unbekannt
    (111 Beiträge)

    Das Stadion...
    ... an der Hertzstraße besteht nach Aussagen von Michael Obert weiterhin. Der Platz sei in Gebrauch und die Tribünen weiterhin vorhanden.
    Der Eingangsbereich zum alten Vereinsgelände inklusive Jugendräumen habe für das Seniorenheim weichen müssen, so Obert.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    Mehr Asterix lesen,
    das Stadion ist ein antikes griechisches Längenmaß.

    Und der Platz des KFV ist wie der Platz des FSV Frankfurt kein Stadion sondern ein Sportplatz.

    Ok, ist altmodisch, aber wenn ich früher mit meinem Vadder zu 07 Ludwigsburg oder dem TSV Asperg ging, dann ging man auf den Sportplatz. Zum VfB ging man ins Stadion. Zum KSC auch.
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    Ich würde ihn...
    in Zahlung geben - aber nur für ein neues Stadion für den KSC und KFV als Juniorpartner.
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  • unbekannt
    (104 Beiträge)

    Fussball-Museum Karlsruhe
    Der Wimpel MUSS unbedingt hier bleiben.
    Dass er nun (dauerhaft) ins Stadtmuseum wandert, ist sehr zu begrüßen. Vielleicht ein Anfang für ein eigenes Karlsruher Fussball-Museum.... oder zumindest eine Abteilung für Fussball und Sportgeschicht in unserer Stadt.
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