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Gemeinderat stimmt nach heftiger Debatte für Fleischwerk [18]

Karlsruhe (tan) - In der heutigen 60. Plenarsitzung des Karlsruher Gemeinderat stimmte eine Mehrheit der Stadträte für eine Änderung des Flächennutzungsplans für den Bau des Edeka-Fleischwerks in Rheinstetten. Dabei herrschte traute Einigkeit zwischen den großen Fraktionen.

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Wurst- und Fleischwaren ka-news
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Der Beschluss, gefasst mit 16 Nein-Stimmen, einer Enthaltung und ansonsten Ja-Stimmen, wurde vorab von den Fraktionen noch einmal ausgiebig diskutiert. Die Fraktionsvorsitzende der SPD Doris Baitinger machte den Anfang. Sie betonte, dass der Fraktion die Entscheidung sehr schwer gefallen sei. Es bestünden hier jedoch zwei unterschiedliche Interessen: Auf der einen Seite die berechtigten Anliegen der Anwohner, auf der anderen Seite die der Stadt Rheinstetten.

Unerwünschter Applaus für die Ablehnung der Grünen

Entscheidend sei jedoch, dass die Stadt Karlsruhe nicht Trägerin des Vorhabens ist und deshalb nur über den Nachbarschaftsverbund überhaupt in die Planung eingreifen könne. Die dargelegten Gutachten würden indes nicht dergestalt ausfallen, dass die SPD die Notwendigkeit sehe, in die Planungsvorhaben eingreifen zu müssen. "Ich weiß, dass wir uns damit nicht beliebt machen", so die Fraktionsvorsitzende. Gleichzeitig wandte sie sich an Rheinstetten und machte deutlich, dass weitere Maßnahmen dieser Art mit der SPD so nicht möglich sein werden.

Für die Grüne-Fraktion meldete sich Bettina Lisbach zu Wort, die ihre nach wie vor ablehnende Haltung zum Ausdruck brachte. Es würde eindeutig zu einer zusätzlichen Belastung und zu einem Eingriff ins Landschaftsbild kommen, wiederholte sie die Argumente ihrer Fraktion. Entgegen anderslautender Aussagen handele es sich um ein schutzbedürftiges Erholungsgebiet und nicht nur um eine landwirtschaftlich genutzte Fläche. Zu Rheinstetten äußerte Lisbach Bedenken, dass die Maßnahme die letzte dieser Art sein werde: "Rheinstetten hat noch viel vor, aber wir werden dem einen Riegel vorschieben." An dieser Stelle ertönte von der gut besetzten Zuschauerempore Applaus, was sofort von Oberbürgermeister Heinz Fenrich getadelt wurde.

Rita Fromm von der FDP/Aufbruch-Fraktion stellte die ebenfalls ablehnenden Haltung ihrer Fraktion dar. Sie würden es als Gefahr sehen, einen Präzedenzfall zu schaffen, der weitreichende Folgen haben könnte. Die FDP könnte sich allerdings vorstellen, einem Bauprojekt, dass besser zur Neuen Messe passen würde, zuzustimmen. Dem Fleischwerk gebe die FDP dagegen ein "klares deutliches Nein".

"Ich habe das Gefühl, dass heute ein Theaterstück zu Ende geht"

Die CDU wolle die Bedenken der Bürger durchaus Ernst nehmen, eröffnete Hans-Jürgen Vogt die Rede für seine Fraktion. In diesem Fall sei man sich mit der SPD einig: "Ich hoffe, es ist Ihnen nicht peinlich, aber ich stimme Ihnen zu, Frau Baitinger", so Vogt augenzwinkernd. Für Bettina Lisbach hatte er weniger versöhnliche Worte, er warf ihr vor, dem Flächennutzungsplan nur zu glauben, wenn es ihr passe. Im Weiteren widersprach er dem Argument, der Bau des Fleischwerks würde sich negativ für Anwohner auswirken, da das Kaltluftgebiet durch den Bau gestört würde. Die Gutachten hätten aber nicht ergeben, dass Karlsruher Bürger ernsthaft betroffen seien. Er verwies abschließend darauf, dass sich die CDU bemüht habe, mit Bürgern zu reden, welche sehr sachlich und fachkundig argumentiert hätten. Es sei jedoch zur Wahrung der Interessen der Stadt notwendig, dem Beschluss zuzustimmen.

Lüppo Cramer von der Karlsruher Liste (KAL) betonte, dass der gültige Flächennutzungsplan das Gebiet als Erholungsgebiet vorsieht. An die anderen Fraktionen gewandt begann er mit dem Satz: "Sie können sich das alle ruhig schön reden." Er bezeichnete es als ein Novum im Gemeinderat, dass sich die Mehrheit nicht für die Belange der Karlsruher Bürger einsetze. Cramer unterstellte der Landesregierung Geschäftemacherei mit Edeka und ergänzte, dass er gerade die SPD in dieser Hinsicht nicht verstehen könne.

Sein Fraktionskollege Eberhard Fischer fasste es etwas später sogar noch in drastischere Worte: "Ich habe das Gefühl, dass heute ein Theaterstück zu Ende geht." Und dies geschehe zum Schaden der Demokratie. Für ihn sei es nicht begreiflich, warum das Fleischwerk nicht von Anfang an abgesegnet worden sei, sondern erst die Gutachten angefertigt werden mussten. Denn obwohl diese "immer schlechter wurden", würde man jetzt dem Beschluss zustimmen.

"Man erhält Arbeitsplätze nicht einfach aus Prinzip"

Dem widersprach die CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz. Man müsse nun wirklich die Kirche im Dorf lassen, die Sache sei nun bereits sechs Mal im Gemeinderat diskutiert worden. Es sei also falsch, zu sagen, es sei nichts getan worden. Sie hoffe nun, dass die Bürger die richtigen Schlüsse ziehen werden. Auf die weniger werdenden Arbeitsplätze durch Rationalisierung ging noch einmal Lisbach (Grüne) ein und mahnte dazu, dem "Flächenfraß" Einhalt zu gebieten.

Auch die Fraktionsvorsitzende der SPD meldete sich erneut zu Wort, mit der Klarstellung, dass nicht der Regionalplan zur Debatte stünde, sondern lediglich die Änderung des Flächennutzungsplans und dieser sehe für das Gebiet einen landwirtschaftliche Fläche und keine Erholungsgebiet vor. Desweiteren kritisierte sie die Aussage Fischers, indem sie darauf verwies, dass es auf große Proteste gestoßen wäre, hätten die beiden großen Parteien den Beschluss gleich zu Beginn abgesegnet.

Abschließend meldete sich auch Niko Fostiropoulos (Linke) zu Wort. Er zeigte Verständnis für diejenigen im Gemeinderat, die den Beschluss ablehnen würden, um Flächen zu erhalten. Er fand jedoch in diesem Fall die Abwägungen der Stadtverwaltung richtig und bewertete die Argumente als nicht immer stimmig. So sei beispielsweise der Neuen Messe auch zugestimmt worden und Rationalisierung sei manchmal eben notwendig: "Man erhält Arbeitsplätze nicht einfach aus Prinzip."

Mehr zum Thema erfahren Sie im ka-news-Dossier.

Weitere Nachrichten aus dem Gemeinderat lesen Sie am Mittwoch bei ka-news.

Mehr zu: Gemeinderatssitzung Fleischwerk

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Kommentare [18]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (47 Beiträge) | 10.03.2009 20:49
    Unser Gemeinderat 1
    Frau Baitinger SPD sind die Interessen von Rheinsteten wichtiger als die der Bürger Karlsruhe. Die schlampigst und widersprüchlich erstellten Gutachten würden dergestalt ausfallen, dass sie keine Notwendigkeit sieht, einzugreifen. Das muss sie mal bei ihrem Wahlkampf den Wählern klar machen!

    Herr Vogt CDU nimmt die Bürger wirklich ernst, aber auch die Order von „oben“ zu seiner Haltung. Er hat sich auch „bemüht“, mit den Bürgern, die ihm sachlich und fachlich wohl weit überlegen sind zu reden, aber er hat ihnen nicht zugehört. Und welches sind die Interessen der Stadt an dem Fleischwerk?
  • (47 Beiträge) | 10.03.2009 20:50
    Unser Gemeinderat 2
    Frau Luczak-Schwarz CDU will die Kirche im Dorf lassen, aber entlang den Autobahnen keine Industrie ansiedeln. „Ich möchte doch nicht auf der Autobahn nur an Industrie entlang fahren“ sagte sie bei einer Informationsveranstaltung zum Fleischwerk. Sie hoffe auch nur, dass die Bürger die richtigen Schlüsse ziehen – und bei der kommenden Wahl die richtige Wahl treffen.

    Herr Fostiropoulos Linke zeigt Verständnis. Aber verstanden hat er nichts.
  • (237 Beiträge) | 10.03.2009 21:34
    Nicht unser Gemeinderat
    Das kann nicht unser Gemeinderat sein, wenn er nicht die Interessen seiner Bürger vertritt. Es hat für diese Fabrik nie eine Mehrheit der Bürger gegeben.

    Herr Fenrich ist auch nicht unser Oberbürgermeister, wenn er die Zuschauer tadelt, wenn sie ihr Wohlwollen mit Applaus kundtun. Das sind Bürger die sich um etwas bemühen und eine Meinung haben. Was man von ihm nicht sagen könnte, er ist Technokrat und hängt seinen Ideologien nach, da nutzt auch der Bart ab Trick nichts.
  • (32 Beiträge) | 10.03.2009 21:41
    Der Gigantismus
    ist in KA in den letzten Jahren sehr ausgeprägt. Erst das Thermoselekt, müssen ja gleich 4 Blöcke geben, dann eine Messe. auch mit vieren, ein Spaßbad, eine U-bahn damit man zu den Großstätten gehört, KSC-Station für wen? und dann ein Fleischwerk, was in Europa nicht zu übertreffen ist.
    Und die Vernunft? Da fehlt´s dann.
    Und wie sehen unsere Schuen aus?
  • (187 Beiträge) | 10.03.2009 22:06
    Gemeinderatswahlen
    Immerhin weiß der Bürger nun wen er noch wählen kann und wer durch Fehlentscheidungen auf eine mögliche Stimme verzichtet hat.
  • (5872 Beiträge) | 10.03.2009 22:57
    toll
    ..und ich kann dann jeden Tag dran vorbeifahren..
  • (32 Beiträge) | 11.03.2009 07:56
    Interessen
    sind die Interessen der Stadt nicht die der Bürger???
  • (468 Beiträge) | 11.03.2009 08:03
    7. Juni 2009
    An diesem Tag werden die Fraktionen Ihren Denkzettel erhalten. Wer den Willen der eigenen Bürger nicht respektiert und nur wie ein Lemming dem Fraktionskopf hinterher rennt hat wieder einmal gezeigt, dass er keine eigene Meinung hat und auch diese nicht vertretet. Aus diesem Grund sind diese Personen am 7. Juni nicht mehr wählbar!
    Und was interessiert mich Rheinstetten?
    Das ist ein Dorf südlich von einer Großstadt. Diese hat einen Gemeinderat mit vielen Amöben und einigen wenigen Mehrzellern.
  • (557 Beiträge) | 11.03.2009 08:10
    sic
  • (129 Beiträge) | 11.03.2009 08:35
    wahlbeteiligung
    ich möchte keinen dieser vorzeigepolitiker über wachsende politikverdrossenheit und sinkende wahlbeteiligungen im juni 09 reden hören !!

    wer gegen seine bürger politik macht und entscheidungen zum wohle anderer fällt, sollte die nächsten 3 monate nachts kein auge zumachen können.

    einfach ekelhaft --- wie das fleischwerk !!!
  • (1029 Beiträge) | 11.03.2009 08:42
    Mehrheit
    Hier wird mehrfach behauptet, dass die Mehrheit der Bürger gegen den Bau ist. Soweit ich weiß, gab es hierzu keine Erhebungen. Klar sind die Anwohner in der Heidenstückersiedlung gegen den Bau, lebten sie bisher doch auf einer Insel der Glückseeligen. Schöne große Grundstücke und weit und breit keine störende Industrie. Klar könnte man die Fabrik ja noch nach Knielingen stellen, die haben eh schon genug Dreckschleudern vor der Hautür, da käme es hierauf auch nicht mehr an. Und die schöne Heidenstückersiedlung hätte nach wie vor ihre Frischluft.
  • (220 Beiträge) | 11.03.2009 09:30
    Wo ist das Problem?
    Ich habe bis heute nicht verstanden was gegen die Ansiedlung einer Fleischfabrik einzuwenden ist? Schließlich essen wir doch gerne Fleisch (die Vegetarier mal ausgenommen) und gegen neue Arbeitsplätze gerade in Zeiten der Krise sollte man sich doch auch freuen oder ?
  • (187 Beiträge) | 11.03.2009 09:30
    Falscher Standort
    So eine riesige Fabrik (größte in Europa) gehört direkt an eine Autobahn, damit LKWs einen direkten Zugang haben und nicht erst Bundesstraßen blockieren müssen. Bezüglich der Frischluft geht es vor allem um Karlsruhe, nicht die Heidenstückersiedlung. Ich habe zwei Jahre lang über einer (kleinen!) Metzgerei gewohnt, im Sommer ist der "Geruch" kaum auszuhalten.
  • (5872 Beiträge) | 11.03.2009 15:07
    Standort
    Davon abgesehen sollte man die Fabrik auch nicht mitten in eine wichtige Frischluftschneise bauen. Das wird Grünwinkel und teilweise auch Oberreut sehr belasten.

    Jeder weiß bekanntlich, daß hier vor allem Südwestwind herrscht.
  • (468 Beiträge) | 11.03.2009 17:00
    @frafoe
    Arbeitsplätze werden an andere Standorte abgebaut weil diese geschlossen werden, wir haben Metzger überall in Karlsruhe, da brauchen wir nicht eine Fleischfabrik die für einen Filialen eines Discounters in Baden-W., Rheinland-Pfalz, Süd-Hessen und Saarland produziert.
    Weil diese Landschaftsfläche für die Zukunft verloren ist und unsere Kinder diese benötigen!
  • (85 Beiträge) | 11.03.2009 20:48
    Wozu
    ..gibt es Regionalpläne, Wasserschutzgebiete, Appelle sämtlicher Regierungsgrößen die Zersiedelung zu stoppen?
    Das Geld stinkt nicht. Oder doch? In diesem Fall ist es gar zu befürchten.

    Eines steht für mich fest: die SPD hat sich einmal mehr als Partei überflüssig gemacht. Egal ob in Rheinstetten oder in Karlsruhe, wer solch eine Politik will, kann gleich CDU wählen und weiß dann, woran er ist. Ich hoffe die Quittung kommt im Juni und die ehemalige Volkspartei endet bei einstelligen Prozenzzahlen.
  • (108 Beiträge) | 11.03.2009 22:22
    Ja, ja, die Frischluftschneise....
    .... schade das am Silberstreifen keine Schweine mehr gezüchtet werden!
  • (13748 Beiträge) | 11.03.2009 22:35
    Jaja, die Frischluftschneise
    vielleicht bauen sie dem Fleischwerk ja einen Spoiler aufs Dach. Oder ein paar Luftleitbleche die die Luft Richtung Südost in unbebautes Gebiet lenken.
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