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Rastatt Tunnel-Panne Rastatt: Viele offene Fragen, keine Antworten

Auch fast eine Woche nach dem Erdrutsch im Rastatter Tunnel bleiben viele Fragen unbeantwortet. An der Unfallstelle haben die ersten Stabilisierungsarbeiten begonnen. Konkrete Antworten, wie es auf der Tunnelbaustelle weitergehen soll, bleibt die Deutsche Bahn schuldig.

Die Tunnelbaustelle soll mithilfe von Beton stabilisiert, die Tunnelvortriebsmaschine "Wilhelmine" auf der Baustelle in der Oströhre zurückgelassen werden. Ob und wie in der parallelen Weströhre weiter gebaut wird - hier ist die zweite Tunnelvortriebsmaschine (TVM) "Sibylla Augusta" unterwegs - ist noch nicht bekannt. Beide TVM haben in der Anschaffung 36 Millionen Euro gekostet.

Ob "Wilhelmine" komplett aufgegeben werden muss oder noch einige Teile weiter verwendet werden können, ob und wann eine neue Tunnelvortriebsmaschine einsatzbereit wäre und wo diese den Tunnelbau fortsetzen soll - alle diese Fragen wurden bislang trotz mehrmaliger ka-news-Nachfrage von der Deutschen Bahn nicht beantwortet.

MTV Rastatt
Der Tunnelvorbohrmaschine "Wilhelmine" muss im Zuge der Stabilisierug des Rastatter Tunnels mit einbetoniert werden. |

Laut Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa) ist am Donnerstag auf der Baustelle mit dem Einbau von Beton begonnen worden: Eine Arbeitsgemeinschaft unter Führung der Firmen Züblin und Hochtief plane derzeit, wann der Abschnitt unter den verbogenen Schienen mit Beton gefüllt werden kann.

Die Sperrung der Rheintalbahn sorgt indes für Zugausfälle auf der Neckar-Alb-Bahn: Zwischen Horb am Neckar (Kreis Freudenstadt) und Tübingen fallen ab dem 21. August Regionalbahnen aus. Stattdessen verkehrten außerhalb der Hauptverkehrszeiten morgens und abends auf der Strecke Ersatzbusse, teilte die Deutsche Bahn am Donnerstag in Stuttgart mit. Bereits am kommenden Wochenende fallen zwischen Tübingen und Rottenburg (Kreis Tübingen) ganztägig alle Züge aus, die in Stuttgart starten oder enden.

Welche Rolle spielt das "Eisring-Verfahren" ?

Unklar bleibt die Ursache für den Erdrutsch am vergangenen Samstag, welcher auf einem Abschnitt der Rheintalbahn bei Niederbühl für verbogene Gleise sorgte. Gutachter und Experten suchen am Unfallort weiterhin nach Hinweisen. Welche Rolle spielt das neuartige "Eisring-Verfahren"? Nach Bahn-Angaben ist es "ein international bewährtes und in Deutschland vielfach eingesetztes Verfahren".

Bei dem Gefrierverfahren wird Sole, eine wässrige Lösung aus verschiedenen Salzen, mit einer Temperatur von -35 °C über Gefrierrohre in den Boden eingebracht. Das Bodenwasser sollte dadurch nicht nur verfestigt werden, sondern das Eis auch zugleich eine wasserabdichtende Funktion übernehmen.

Durch die Vereisung des Bodens sollte eine Stabilität entstehen die einen Spritzbetonvortrieb mit anschließendem Einbau einer Innenschale beim Bau beider Tunnelröhren unter der bestehenden Rheintalbahn hindurch sichert und so einen fortlaufenden Bahnbetrieb auf der Rheintalbahn möglich macht. Diese Pläne der Bahn sind spätestens nach dem Erdrutsch am Samstag hinfällig.

Auch auf der Website zum Tunnelprojekt spricht die Bahn von einer "großen Herausforderung" die die Arbeiten beim Tunnelbau mit sich bringen. War die Herausforderung mit dem Eisringverfahren am Ende zu groß ?

Politik macht Druck auf die Bahn

Aus den Reihen der Politik wächst der Druck auf die Bahn. Wie die Stadt Baden-Baden mitteilt, fordert Bürgermeister Alexander Uhlig in einem Telefonat mit dem Konzernbevollmächtigten der Bahn in Baden-Württemberg Sven Hantel, dass die Wiederinbetriebnahme des Zugbetriebes zwischen Baden-Baden und Rastatt oberste Priorität haben müsse und der Tunnelbau momentan nachrangig sei.

Spätestens mit Schulbeginn am 11. September sollte es der Bahn gelingen, dass die Züge wieder wie gewohnt fahren, so die Forderung Uhligs. Außerdem bittet er Hantel darum, auf die Informationspolitik der Bahn, im Interesse der Bahn-Kunden und der Menschen in der Region, ein großes Augenmerk zu richten. Auch von Seiten der Stadt Rastatt hat es zuletzt Kritik an der Kommunikationspolitik der Bahn gegeben.

Die Streckensperrung auf der Rheintaltrasse ist aus Sicht des Interessenverbandes Gäubahn ein weiteres Argument für den Ausbau dieser Strecke als Alternative. "Die Panne bei Rastatt zeigt einmal mehr, wie wichtig der Ausbau dieser internationalen Verbindung", sagte der Verbandsvorsitzende und Justizminister Guido Wolf (CDU) am Donnerstag.

ka-news-Hintergrund

Die beiden eingesetzten Tunnelvortriebsmaschinen der Firma Herrenknecht, die den Großteil der insgesamt 4,2 Kilometer lange Tunnelröhre bohren sollten, wären planmäßig noch bis 2018 mit den Tunnelbohrungen beschäftigt gewesen. Die Tunnelvortriebsmaschinen sind rund 90 Meter lang und wiegen etwa 1.750 Tonnen. Der Durchmesser des Schneiderades beträgt knapp elf Meter, zusammen entstand für die beiden Tunnelbohrer "Wilhelmine" in der Ost- und "Sibylla-Augusta" in der Weströhre Gesamtkosten von 36 Millionen Euro.

Am Tunnel wurde rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche gearbeitet. Insgesamt hätten die Bohrer zirka 710.000 Kubikmeter Erde bewegen sollen. Jetzt stehen in beiden Röhren die Bauarbeiten vorerst still. Die letzte offizielle Pressemeldung zum Baufortschritt hat es am 10. April gegeben: "Wilhelmine" hatte in der Oströhre 2.800 von insgesamt 4.030 "Tunnelmetern" gebaut, "Sybilla Augusta" befand sich in der Weströhre 900 Meter hinter "Wilhelmine"
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Baustelle Rastatter Tunnel: Die Deutsche Bahn will die Strecke Karlsruhe-Basel ausbauen. Eine wichtige Maßnahme: der Bau eines neues Eisenbahntunnels in Rastatt. Alle Informationen zum Bauvorhaben, dem Fortschritt und den Auswirkungen für den Bahnverkehr finden Sie in unserem Dossier.
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Kommentare (36)
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  •   EmilyHobhouse
    (875 Beiträge)

    Verantwortung
    Wann wird endlich die Frage nach der Verantwortung gestellt?
    Seit 2009 "beherrschen" CSU-Minister dieses Resort.
    Seit 2009 sind sie maßgeblich verantwortlich für den Vorstand der Bahn und seit 2009 herrscht der Größenwahn. Im Dezember 2009 wurde der Kostenrisikoplan (noch unter Tiefensee SPD vereinbart) für Stuttgart 21 und Stuttgart-Ulm über den Haufen geworfen. Wie sich die Kosten und auch das Umweltrisiko entwickelten ist bekannt. Grube der machtbesessene Gechinger hätte längst abgesägt werden müssen aber anstatt besser, machte es die jetzige Regierung und vor allem der große Dorbrindt noch schlimmer. Der Fehlgriff Lutz und die, für die Infrastruktur zuständige, Nullnummer Pofalla sind hoffentlich jetzt am Höhepunkt ihrer Inkompetenz angelangt. Die Voraussetzung die für den neuen Vorstand, der seit März 2017 im Amt schläft, war laut dem großen Dobrindt, dass er technisches Verständnis mitbringen müsse.
    Oh große Dobrindt, wir danken Dir!
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  •   dipfele
    (4064 Beiträge)

    Der SPD Tiefensee.....
    .. und seine regionalen Helferinnen Roth aus Esslingen und Kressl aus Rastatt waren auch nicht besser. Die haben jahrelang verhindert, dass der so wichtige Bahntunnel gebaut wird.
    Überhaupt muss man den Eindruck gewinnen, dass es keinen massgebenden Politiker gibt, der weis wie das System Bahn überhaupt funktioniert und der sich für einen Ausbau der Infrastruktur einsetzt.
    Schon längst hätte die Gäubahn nach Zürich beschleunigt gehört mit durchgehenden IC Berlin-Stuttgart-Zürich. Es muss nicht aller Verkehr über die Rheintalbahn laufen. Seit Jahren fordern Pro Bahn und VCD eine Anbindung der Elsässischen Strecken an die Badischen. Aber die Regionalpolitiker haben da überhaupt kein Verständnis, weil diese meinen, Bahnfahrer sind kein Wählerpotential.
    Im Berliner DB Tower sitzen mit geballter Kraft nur Leute aus der Auto- und Mineralölindustrie. Ausnahme ist der Pofalla, der kommt von der CDU.
    Wann kommt mal ein engagierter Eisenbaher an die Spitze der DB?
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  •   EmilyHobhouse
    (875 Beiträge)

    S 21
    Stimmt was du sagst aber bei Tiefensee gab es zumindest bei S-21 noch eine Kostenbremse. Die wurde von Ramsauer nach ca. 3 Monaten wieder aufgehoben. Die Manager der Bahn werden eingesetzt und zwar von der Bundesregierung, letztes Wort hat der Verkehrsminister.
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  •   diwd
    (500 Beiträge)

    Im Kommunismus/Realsozialismus wäre das nie passiert
    deshalb Die Linke wählen!
    Ist es das, was Sie mit Ihrem Kommentar zum Ausdruck bringen wollen?
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  •   Felix1999
    (31 Beiträge)

    Ursachenforschung
    Um die Frage der Verantwortung zu beantworten, muss man erst wohl die Ursache des Schadens kennen.
    Ob man dem "offiziellen" Bericht dann Glauben schenken kann, bleibt jedem selbst überlassen. In die internen Berichte haben wohl nur die wenigsten Einblick.
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  •   EmilyHobhouse
    (875 Beiträge)

    Zusammenhang
    Was hat S 21 mit dieser Baustelle zu tun:
    Stuttgart 21 frisst die Mittel für mehr als 30 andere Bahnprojekte, die mit den Anrainern und der Europäischen Union vereinbart sind, wie etwa den Ausbau der Rheintalschiene. Teilweise ist die Bahn AG
    bereits vertragsbrüchig. Die Milliarden für das Projekt fehlen auch, um den Güterverkehr auf der Schiene auszubauen und den Personennahverkehr zu verbessern. So wird der langfristig unumgängliche Umstieg
    vom Auto auf die Bahn torpediert. Und deshalb gibt es jetzt auch keine geeignete Ausweichroute.
    Oh großer Selbstzünder wir danken Dir.
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  •   Karlsrator
    (2726 Beiträge)

    Aha.
    Und deshalb ist beim Rastatter Tunnel der Boden eingebrochen.

    Bestechende Logik!
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  •   dipfele
    (4064 Beiträge)

    Es geht doch darum....
    ... dass bei einem Ausbau des baden-Württembergischen Bahnnetzes unter Einschluss der Elsässischen Strecken der Schaden durch den Umleitungsverkehr hätte minimiert werden können. So hat der Konzernbevollmächtigte, der zuvor jahrelang DB Gelände verhöckert hat, zugelassen, dass die wichtige Umleitungsstrecke nach Zürich in den Sommerferien total gesperrt worden ist. Oder auch, dass die Elektrifizierungslücke zwischen Horb und Tübingen nicht geschlossen worden ist. Jetzt müssen dort Dieselloks die Elektroloks über 32 Kilometer schleppen.
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  •   Exil-Hohenzoller
    (561 Beiträge)

    Was auch immer S21 damit zu tun hat
    Es ist einfach unbegreiflich, was für dümmlicher Populismus zu beliebigen Themen immer wieder herangezogen wird, um gegen S21 zu schreiben. Die Keinler machen sich damit jedes mal aber nur noch lächerlicher und unglaubwürdiger.

    Die Grünen täten gut daran, endlich grüne Bahnpolitik zu machen. Dazu gehört nicht der Pseudoschutz von Eidechsen auf einem ach so schützenswerten Gleisvorfeld. Sondern dazu gehört u.a. die Steigerung der Lebensqualität der Bürger zB durch Verringerung großer Lärmquellen. Genau dies ist ein Teilaspekt von S21.

    Ebenso könnte man in S und in anderen Städten viel mehr Straßen unterirdisch legen, damit das oberirdische Leben vom Durchgangsverkehr befreit ist.

    Bei S21 hätten die Grünen auch konstruktiv sein können und FÜR die Vergrößerung und Verbesserung der Pläne kämpfen können. Stattdessen wurde reine Fundamentaloposition betrieben, die eigentlich noch nie in einer Demokratie funktioniert hat.
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  •   dipfele
    (4064 Beiträge)

    Die Milliarden die in den unnötigen...
    ....Tiefbahnhof gebuttert werden, fehlen an anderer Stelle, z.B. am Ausbau der Gäubahn nach Zürich. Das Oder es hätte schon längst die Elektrifizierungslücke zwischen Tübingen und Horb geschlossen werden können. Jetzt müssen, das die Gäubahn bei Böblingen gesperrt ist, Dieselloks Güterzüge mit Elektroloks über den 32 Kilometer langen Abschnitt schleppen. Also bitte immer im Zusammenhang denken.
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