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Karlsruhe/Pforzheim Großbaustelle auf der A8: "Nach dem Ausbau herrscht Staufreiheit"

In rund zwei Jahren soll die Autobahn bei Pforzheim im Rahmen einer Großbaustelle zu einer sechsspurigen Fahrbahn ausgebaut werden. Schon in wenigen Monaten beginnen die Vorarbeiten. Warum sind Bauarbeiten in diesem Umfang notwendig? Und welche Tipps gibt es für Autofahrer? Projektleiter Timo Martin hat sich im ka-news-Interview diesen und anderen Fragen gestellt.

Herr Martin, warum genau muss die A8 schon wieder einer derart großen Baustelle ausgesetzt werden?

Die Enztalquerung ist der letzte Engpass der Autobahn zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Alle anderen Bereiche der Autobahn sind bereits sechsspurig ausgebaut. Da die Fahrbahn dort lediglich vier Spuren besitzt, kommt es täglich zu langen Staus. Um diese Situation zu ändern, muss die A8 auch an dieser Stelle dringend ausgebaut werden.

Wäre eine kleinere Ausführung, in der zum Beispiel nicht alle Brücken abgerissen werden, nicht möglich gewesen?

Grundsätzlich sind alle Bauwerke, die aufgrund des Bauvorhabens abgerissen werden müssen, in die Jahre gekommen. Die meisten stammen aus den Baujahren der Autobahn, also den 1930er Jahren. Außerdem sind die Bauwerke logischerweise mit ihrer Spannweite der jetzigen Größe der Autobahn angepasst und sind deshalb schlicht und ergreifend einfach zu klein für die neue ausgebaute Autobahn. Aufgrund dessen müssen alle Brücken auf jeden Fall ersetzt werden.

Ein kleinerer Ausbau ist dadurch nicht möglich. Im Rahmen der Planfeststellung gab es natürlich eine Variantenuntersuchung und damit auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten für die Baustelle. Der jetzige Plan - also die ausgewählte Möglichkeit - ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich alle Beteiligten haben einigen können.

Welcher Bauabschnitt bereitet Ihnen die meisten Bauchschmerzen? 

Im Moment ist es auf jeden Fall die Bahnbrücke, weil wir für sie ein sehr enges Zeitfenster von lediglich vier Wochen haben. Das ist ein sehr sportliches Programm. Als Bauleiter hat man immer dann Sorge, wenn ein fixes Bauende vorgegeben ist, das auch massive Auswirkungen hat, wenn man es aus irgendwelchen Gründen nicht erreicht.

Außerdem machen wir "Freiluftsport" und sind damit dem Wetter ausgesetzt. Zwischen Mitte November und Mitte Dezember kann das Wetter vor allem für den Erdbau auch mal nicht gut aussehen. Deswegen sehen wir hier einige Risiken. Insgesamt bin ich aber sehr optimistisch. Momentan sieht es sehr gut aus.

Gibt es für Sie einen besonders heiklen Bauabschnitt, in dem möglicherweise besonders häufig Unfälle entstehen könnten?

Grundsätzlich haben wir die Verkehrsführung versucht so zu optimieren, dass wir eine möglichst einfache und übersichtliche Verkehrsführung haben werden. Die häufigsten Unfälle in Bezug auf Baustellen entstehen durch Rückstaus. Das ist bei jeder Baustelle so, ob auf der A5 oder auf der A8. Das ist ein Problem, das wir auch nicht wirklich beseitigen können.

Wir versuchen jedoch darauf zu reagieren, zum Beispiel mit Stauwarnmeldeanalgen oder ähnlichem. In der Baustelle selbst? Da kann ich keine besondere Stelle nennen, an der es besonders gefährlich wäre, da unserer Verkehrsführung sehr übersichtlich sein wird. Auch hier bin ich sehr zuversichtlich.

Welches Trostpflaster können Sie den Betroffenen für die kommenden Jahre auf der A8 geben?

Wir werden nach der Baustelle keinen Engpass mehr haben. Folglich gehen wir davon aus, dass nach der Baustelle "Staufreiheit" herrschen wird, so wie es auch auf den restlichen Abschnitten der A8 jetzt ist. Vergleichbar ist die Situation mit der jüngsten Baustelle bei Karlsbad. Seit dort der Ausbau erfolgt ist, entstehen dort nur noch Staus, wenn Unfälle passieren.

Denken Sie, dass der aktuelle Zeitplan eingehalten werden kann?

Im Moment orientiert sich der Zeitplan, der eine sehr grobe Bauzeit vorgibt, an den Bauzeiten der Einhausung (Anm. d. Redaktion: Gemeint ist hier die Übertunnelung auf Höhe von Eutingen). Es gibt sicherlich Bereiche, die theoretisch schneller gehen könnten. Das bringt jedoch leider nichts, da die Einhausung der maßgebende Querschnitt ist. Alles wird also von der rund zweijährigen Bauzeit dieser Elemente abhängig sein. Das voraussichtliche Ende 2024 könnte Stand jetzt aber ungefähr hinkommen.

2015 sind rund 3.700 Karlsruher täglich nach Stuttgart gependelt. Haben Sie Tipps für diese Pendler, um die Fahrt während der Baustelle zu erleichtern?

Über Landes- und Kreisstraßen zu fahren, lohnt sich meiner Meinung nach in aller Regel nicht. Letztlich heißt es für einige Jahre "Augen zu und durch". Wer es einrichten kann, sollte versuchen, aus den Hauptverkehrszeiten auszuweichen. Das ist natürlich einfach gesagt, aber schwer umzusetzen. Natürlich kann nicht jeder ohne Probleme zu einer anderen Zeit am Arbeitsplatz sein.

Tatsächlich muss man sich überlegen, ob der ÖPNV eine Alternative für die Zeit während der Baustelle ist - allerdings nicht unbedingt während der vier Wochen Ende 2018. Aber ansonsten ist das sicherlich eine gute Variante. Für die großräumigen Verkehre, zum Beispiel von Frankfurt nach München, ist immer noch die Alternativroute auf der A6 zu empfehlen. Außerdem kann ich nur die neue App "Verkehrsinfo BW" von der Landesverkehrszentrale empfehlen. 

Alle Webcams für die A8 und andere Routen finden Sie bei ka-news. Infos für Ihre Strecke finden Sie darüber hinaus in unserem Staumelder. Lesen Sie außerdem hier, was genau für die A8 geplant wurde

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  •   Freigeist1
    (403 Beiträge)

    18.07.2017 00:20
    Staufreiheit - und andere Märchen. Die Realtität: der
    Ausbau und die damit verbundene Erwartung des besseren Durchkommens werden zu 10% bis 20% mehr Verkehr auf der A8 sorgen (Pendler, die von der Bahn umsteigen oder nun diese Strecke statt alternativer Roputen nehmen; Fernverkehr -z.B. Schwerlast- der unter den Optionen A6, A8, B31 u.a. wird dann bevorzugt die A8 genommen werden; mittelfrsitig werden Leute aus KA Jobs in Leonberg annehmen, etc.). Bei Störungen (Unfälle, Bauarbeiten...) herrscht dann auf den Umgehungsstrecken in den Orten noch mehr Verkehr, danke, toll. Daher heisst es dann in 5-10 Jahren: "von wegen Staufreiheit" - weiterer Ausbau auf 8 Spuren muss her, dann besser 10, usw. Etwas Weitsicht wäre von Nöten, Umdenken z.B. Verbesserungen bei Bahn und Bus. Und Autofahren verteuern, sonst kommt der Kollaps. Oder vielleicht zuerst das böse Erwachen und große Wehklagen, wenn der Ölpreis durch die Decke geht, also so in 0 bis 10 Jahren.
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  •   treuerkscfan
    (645 Beiträge)

    17.07.2017 18:32
    Ich hoffe bei der Planung der Brücken usw
    Hat man einen eventuellen weiteren Ausbau auf 8 Spuren berücksichtigt. Vielleicht lässt man nach der Fertigstellung auch auf dem standstreifen fahren, wie bei Stuttgart
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