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Karlsruhe Zweite Rheinbrücke im Gemeinderat: Mentrup kündigt neue Stau-Strategien an

Stau im morgendlichen Berufsverkehr: An der Karlsruher Rheinbrücke keine Seltenheit. Die Lösung für das Problem und eine Alternative zum Bau einer zweiten Rheinbrücke könnte laut SPD-Fraktion im Gemeinderat eine Öffnung und Verlegung des "Knielinger Pförtners" sein. Für die Stadt bislang ein rotes Tuch - doch das Regierungspräsidium hat kurzerhand neue Pläne sowie Strategien angekündigt. Diese will OB Mentrup prüfen, bevor er sich auf eine endgültige Stau-Lösung festlegt.

"Der Flaschenhals sorgt für Stau", betonte SPD-Stadträtin Ute Müllerschön - der Pförtner sei ihrer Ansicht nach an falscher Stelle. In einem Antrag fordert die SPD-Fraktion deshalb die Verwaltung auf zu prüfen, ob eine Verlegung der Verengung hinter die Ausfahrt Knielingen sowie die Einrichtung einer dritten Spur bis zur Abfahrt Rheinhafen den Verkehr mildern könnte. Zu dem, von der SPD vorgeschlagenen Verkehrsleitsystem, gehören unter anderem auch neue Ampelanlagen oder Einfädelspuren.

CDU: "Nein zur Öffnung des Pförtners - ja zur zweiten Rheinbrücke"

Eine klare Absage erteilte dem Antrag die CDU-Fraktion: Sie spricht sich ganz klar gegen die Verlegung des Pförtners aus und befürwortet stattdessen den Bau einer zweiten Rheinbrücke und den Anschluss an die B36. "Uns geht es vor allem um die Sicherheit der Autofahrer und die kann mit der Öffnung des Flaschenhalses nicht mehr gewährleistet werden", so Stadtrat Thorsten Ehlgötz. Auf die "Sturheit und Polemik" von Ehlgötz reagierte SPD-Stadrat Jürgen Marin empört: "Nicht jeder, der ein Auto fährt, ist automatisch Fachkraft für solche Themen."

Die Bauchschmerzen der CDU-Fraktion teilen auch die Stadträte der FDP: "Bei einer Umsetzung des SPD-Antrags muss man mit einem großen Eingriff in die sichere Verkehrsführung rechnen - was wird beispielsweise aus dem Radweg, der dort parallel zur Straße verläuft?", fragt sich FDP-Stadträtin Rita Fromm.

Grüne fordern aktuelle Stau-Analyse

Aber gibt es wirklich so viel Stau, wie alle meinen? Diesbezüglich ist sich Grünen-Stadtrat Johannes Honné nicht sicher: "Zahlen von 2008 belegen, dass im Grunde an nur 20 Prozent der Werktage im Jahr ein kleiner Stau in diesem Bereich auftritt - umgerechnet wäre das einmal die Woche." Große Störungen mit einer Dauer von 15 Minuten treten der Statistik nach nur an etwa 2 Prozent der Werktage auf. Honné interessiert sich diesbezüglich für aktuelle Werte und eine neue Stau-Analyse. Alles in allem hält er den Vorschlag der SPD, den Pförtner zu öffnen, für eine gute Idee, wenn so die Verkehrsbelastung allgemein gemildert werden könnte - dies könne eine Alternative für die von einigen Fraktionen gewünschte zweite Rheinbrücke sein. Linken-Stadtrat Niko Fostiropoulos setzt woanders an: "Wir sollten den ÖPNV an dieser Stelle stärken, sodass nicht mehr so viele Menschen auf das Auto angewiesen sind."

Aus Sicherheitsgründen lehne man von Seiten der Stadt eine Öffnung des Knielinger Pförtners bisher ab. Allerdings habe sich laut OB Mentrup kurzfristig im Vorfeld der Gemeinderatssitzung einiges ergeben, das die Absage der Stadt nun relativiert: "Das Regierungspräsidium hat vor wenigen Tagen angekündigt, dass es nun neue, konkrete Vorschläge für die weitere Planung der Rheinbrücken-Entlastung gibt - diese werden wir nun umgehend prüfen", so informierte Mentrup am Dienstag die Stadträte. Derzeit könne man dem Vorschlag der SPD also doch noch keine endgültige Absage erteilen - es bleibe das Warten auf die Strategien des RP: "Lassen Sie uns die Pferde nicht scheu machen und uns auf eine sachliche Diskussion mit neuen Erkenntnissen einstellen", so Mentrup.

Doch die Gemüter sind schon lange erhitzt - das bewies auch die Grundsatz-Diskussion im Gemeinderat am Dienstag. Die einzige Lösung, die Freie Wähler-Stadtrat Jürgen Wenzel sah, um die ewaige Debatte über eine weitere Brücke in eine eindeutige Richtung zu lenken, sei, so seine Auffassung, ein Bürgerentscheid: "Zwar ist diese Methode wahrscheinlich rechtlich nicht zulässig, aber es wäre interessant zu erfahren, wie eigentlich die Stimmung in der Stadt zu diesem Thema ist." Auch Lüppo Cramer von der KAL sprach sich für eine Befragung der Bürger aus, vor allem in Knielingen, wo die Leute direkt von dem Verkehr betroffen seien. Was am Dienstag zum Abschluss des Tagesordnungspunktes blieb, ist die Spannung auf die neuen Pläne des Regierungspräsidiums - seitens der Stadträte erhoffte man sich eine klare Empfehlung: Zweite Rheinbrücke oder Öffnung des Knielinger Pförtners?

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Kommentare (26)
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  • unbekannt
    (119 Beiträge)

    ???
    "Vielleicht kommt dann bei den Pfälzern wieder Bewegung in die früheren Planungen zum direkten Anschluss der B 9 und A 65 an die A 5/8 und B36."

    Was sind denn das für Planungen konkret? Und in welcher Weise werden dabei die Belange der Karlsruher tangiert?
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  •   exsued
    (419 Beiträge)

    siehe post von lebenswertes_ka weiter unten
    .
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  • unbekannt
    (119 Beiträge)

    Ok...
    ...aber wo genau blockieren hier jetzt die Pfälzer? Bei welcher Variante? Geht es um die gescheiterte Hagenbach-Variante?

    Wenn ja, inwieweit betrifft das die Stausituation auf der Rheinbrücke in Kombination mit dem Pförtner usw.?
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  •   mueck
    (8970 Beiträge)

    !
    Natürlich braucht eine Autobahnquerspange eine Straße drüben, die diese abnimmt,in welcher Variante auch immer ...
    Aber um sowas muss man sich keine Gedanken machen.
    Entweder aif der einen, oder auf der anderen Seite des RHeins sind überall hochwertigste Naturschutzflächen, sowohl südlich, wie auch nördlich der bestehenden Rheinbrücke. Daran werden alle Planungen von Brücken scheitern, auch die aktuell geplante.
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  • unbekannt
    (119 Beiträge)

    Das ist schon klar...
    Bei der aktuellen Planung der zweiten Rheinbrücke gibt es diese Querspangen zur B9 ja, womit auch die A65 und alles weitere angebunden wäre. Oder was meintest du?

    Was fehlt, ist doch bei der zweiten Rheinbrücke (wenn man sie machen würde) eher ein vernünftiger Anschluss auf der badischen Seite an die B36 bzw. via Nordtangente (böses Thema) an die A5.

    Was wäre aus deiner Sicht die ideale Lösung (Naturschutz mal gedanklich außen vor)? Wohin mit dem Verkehr aus der Pfalz ab dem "Übergabepunkt Rheinbrücke"?
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  •   mueck
    (8970 Beiträge)

    !
    Hier ging's auch um südliche Brücken, da ist keine vierspurige B9 zum Abnehmen. Und auch bei Brücken nördlicher als die geplante, wie von einigen vorgeschlagen, stellt sich die Spangenfrage zur A65...

    Wenn man sich die Stromverfolgungen in den diversen Faktencheckunterlagen anschaut, dann wird klar, dass der Durchgangsverkehrsanteil relativ gering ist, der Nutzen von anderen Brückenstandorten weiter weg von der jetzigen ist also marginal und löst kaum die Probleme, schaffen aber eine Reihe neuer ...
    Deswegen kommen wir wohl nicht drumrum, mit der jetzigen Südtangente zu leben und das beste draus zu machen.
    In Sachen Pförtneröffnung bewegt sich ja was nach neuesten Meldungen, RP hat da 'ne Idee ... Womöglich wäre irgendwann eine Querspange zur B36 sinnvoll, aber bitte nicht auf Nordtangententrasse, dort schafft sie mehr Probleme in den anschließenden Stadtteilen als sie löst ... Der Anschluss muss nördlicher sein.
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  •   mueck
    (8970 Beiträge)

    ...
    Womöglich wären auch weitere Ausbauten an der Südtangente sinnvoll, um den Verkehr besser zu verteilen, "Rheinstadt"-Ausfahrt, Ergänzungen an der Ausfahrt Entenfang, ... Kann man sich alles mal genauer anschauen, sobald die 2. Straßenbrücke vom Tisch ist.
    Mit 2. Straßenbrücke wäre Hopfen und Malz verloren, weil die dann über kurz oder lang Nordtangente und die vierspurige B10 im Pfälzer Wald nach sich ziehen wird. Dann werden wir hier überrollt und alle Planungen für verträglich abgewickelten Verkehr sind Makulatur ...
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  • unbekannt
    (119 Beiträge)

    Eine südliche Brücke...
    ...würde die Gemeinden auf badischer Seite meines Erachtens deutlich stärker belasten, als jene in der Südpfalz. Wo bietet sich hier denn Platz, ohne nicht eine der dort liegenden Gemeinden direkt zu tangieren? Denkbar wäre aus meiner sehr laienhaften Sicht hier - wenn überhaupt - eine Streckenführung zwischen Rheinstetten und Grünwinkel mit Anbindung an die B36 und die A5, oder?

    Ansonsten bin ich der Meinung, dass wenn man das Thema 2. Rheinbrücke vom Tisch haben möchte, sollten jetzt die Lösungen erarbeitet und auf den Tisch gelegt werden, welche diese dann obsolet werden lässt. Nur mit diesen Lösungen lassen sich die meisten Argumente für die zweite Rheinbrücke entkräften.

    Allerdings bin ich noch immer der Meinung, dass in dieser Region mit einer Bündelung und Führung des Verkehrs aus drei Hauptrichtungen (A65, B9 und L540) über eine einzige Rheinquerung, deren Alternativen nur mit etwa 30 bzw. 45 km Umweg erreicht werden können, einfach nicht ausreichend ist.
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  •   exsued
    (419 Beiträge)

    Pförtner in die Pfalz verlegen - dort hat es Platz für Staus
    Vielleicht kommt dann bei den Pfälzern wieder Bewegung in die früheren Planungen zum direkten Anschluss der B 9 und A 65 an die A 5/8 und B36.
    Die als Autobahn missbrauchte Südtangente ist eine Zumutung für alle Anwohner und Nutzer. Deshalb müssen wir auch den Pförtner nicht noch weiter in das Stadtgebiet legen und uns noch mehr Verkehrsprobleme aufhalsen.
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  •   JuliusM
    (1994 Beiträge)

    Was
    nützt es den Pförtner zu öffnen, wenn die Brücke so marode ist, dass sie bald zusammenbricht??

    Wenn in anderen Städten solch ein Theater wegen einer Brücke gemacht würde, dann würden wir alle noch mit Booten das Wasser überqueren.
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