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Karlsruhe Zweite Rheinbrücke: Wirtschaft macht Druck - 188 Firmen für Brücke

Die Wirtschaft macht Druck: Die "Initiative Zweite Rheinbrücke" hat am Freitag, 27. Januar, in Karlsruhe mehr als 180 Unternehmen präsentiert, die sich in einer Resolution für den Bau einer zweiten Rheinbrücke von Karlsruhe nach Wörth aussprechen. Darunter auch Firmen wie Autobauer Daimler, Automobilzulieferer Bosch und Fenster-Hersteller Aluplast. Zudem sehen die Brückenbefürworter die Blockadehaltung der grün-roten Landesregierung gegenüber dem Bauvorhaben bröckeln.

Mehr als 180 Unternehmen beidseitig des Rheins fordern den Bau der umstrittenen zusätzlichen zweiten Rheinbrücke von Karlsruhe nach Wörth. Die Firmen wenden sich mit ihrer Forderung in einem Schreiben an den Bundesverkehrsminister und den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die "Initiative Zweite Rheinbrücke" hatte zu dem Appell aufgerufen.

Planung vorantreiben

Die Initiative Zweite Rheinbrücke ist ein regionales Bündnis und besteht aus den Landräten der Landkreise Karlsruhe und Germersheim, dem Vorsitzenden des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein (RVMO) und des Eurodistrikts Regio Pamina, dem Bürgermeister der Stadt Wörth und der CDU-Gemeinderatsfraktion Karlsruhe.

"Wir setzen uns dafür ein, das bereits eingeleitete Planfeststellungsverfahren für eine zweite Rheinquerung mit einer Anbindung auf der baden-württembergischen Seite an die B36 endlich zügig aufzunehmen", erklärte Landrat Christoph Schnaudigel (Karlsruhe) am Freitag. Die Initiative wolle mit der Aktion verdeutlichen, dass nicht nur "die überwiegende politische Meinung auf die längst überfällige Entlastung der bestehenden Rheinbrücke" dränge, sondern auch "Unternehmer im Hinblick auf ungehinderte Warenströme und Pendlerverkehre das Projekt befürworten".

Die derzeitigen Planungen zu dem 100 Millionen Euro teuren Projekt seien durch den Regierungswechsel in Baden-Württemberg ins Stocken geraten, kritisiert Schnaudigel. Die Initiative fordere daher, das Planfeststellungsverfahren rasch fortzuführen. Denn die zweite Rheinbrücke sei eine notwendige Infrastrukturmaßnahme für die regionale Wirtschaft - auch wenn die aktuelle Planung Defizite aufweise und die Brücke nur mit Anschluss an die B36 Sinn mache.

"Nadelöhr alte Rheinbrücke"

"Mit den Unterschriften wollen wir klarmachen, dass nicht nur die politische Mehrheit der Region auf die längst überfällige Entlastung der alten Rheinbrücke drängt, sondern auch Unternehmer", so Landrat Fritz Brechtel (Germersheim). "Wir brauchen rasch einen Eröterungstermin, damit noch in diesem Jahr ein Planfeststellungsbescheid vorliegen kann."

Josef Offele vom RVMO gibt zu bedenken, dass "das Nadelöhr alte Rheinbrücke" den Lieferverkehr, die Warenströme, die Pendlerverkehre und damit das gesamte Wachstum der Region ausbremse. Nur mit der Brücke könne das Wirtschaftswachstum in der Region gesichert werden, sind die Befürworter überzeugt. Über 180 Unternehmen konnten sie gewinnen, die das Vorhaben mit ihrem Namen unterstützen. Darunter Autobauer Daimler, Fenster-Hersteller Aluplast, die Raffinerie Miro und Automobilzulieferer Bosch.

Einige der unterzeichnenden Unternehmen würden ihre Zukunft und ihren Verbleib in der Region von einer zweiten Brücke abhängig machen, so die Initiative. Welche Unternehmen genau, das wollte die Initiative allerdings nicht bekannt geben. Jürgen Vogel, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Pfalz: "Es handelt sich um Unternehmen, die ihr Werk Nahe der bestehenden Brücke haben und auf Logistik angewiesen sind." Durch den Stau vor ihren Werkstoren, der fast zu einem Dauerzustand geworden sei, sähen sich manche Unternehmen gezwungen über einen Standortwechsel nachzudenken. Eine zweite Rheinbrücke indes würde den Verkehr entlasten und die Unternehmen zum Bleiben bewegen, ist sich die Initiative sicher.

Appell an die Vernunft

Auch die Vorsitzende der CDU-Fraktion Karlsruhe, Gabriele Luczak-Schwarz, kämpft für das Projekt, das der Karlsruher Gemeinderat am 24. Mai 2011 mehrheitlich gegen die Stimmen ihrer Fraktion abgelehnt hatte. Denn auch der Faktencheck im November habe gezeigt: "Alle Fakten sprechen für die Brücke."

Der Bund als zuständiger Bauträger habe die Notwendigkeit einer zweiten Rheinbrücke erkannt und unterstütze das Projekt, betont auch  CDU-Stadtrat Ingo Wellenreuther. Die Landesregierung dürfe die Bemühungen des Bundes nicht weiter blockieren. Die im November von den Landesregierungen einberufene Arbeitsgruppe bezeichnet Wellenreuther indes als taktisches Manöver, um Zeit zu schinden.

Sollte der Bund die Brücke gegen den Willen der Stadt in ihrer derzeitigen Form bauen, so müsste die Stadt enteignet werden. Denn die geplante Rheinbrücke führt über städtisches Gebiet. Wenn es nicht anders gehe, müsse das eben geschehen, findet Josef Offele vom RVMO. "Wir appellieren an die Vernunft und Einsicht der Landesregierung und an die Karlsruher Stadträte, dieses Projekt  nicht weiter zu blockieren", beschwichtigt indes Wellenreuther. Eine  Enteignung werde nicht notwendig, denn der Gemeinderat werde sich bewegen, glaubt er.

Wirtschaftsminister Schmid hat's vorgemacht

Die Aussage von Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD), dass die  Landesregierung den Bau des umstrittenen Projekts unterstütze , wurde von den Brückenbefürwortern schon mal positiv aufgenommen. "Wir hoffen, dass sich die Meinung des Wirtschaftsministers in der Landesregierung durchsetzt", so Landrat Schnaudigel. Die Aussage Schmids sei ein Zeichen dafür, dass die Blockadehaltung der Landesregierung gegenüber dem Projekt bereits bröckele.

Die länderübergreifende Arbeitsgruppe, die von den Landesregierungen einberufen wurde, hat am Donnerstag, 26. Januar, ihre Arbeit aufgenommen. Aufgrund der "Komplexität der einzelnen Punkte" gehe die Arbeitsgruppe von einer Arbeitsphase von rund vier Monaten aus, teilte das Verkehrsministerium am Freitag in einer Pressemitteilung mit. In Einzelfällen seien ergänzende Gutachten und Bewertungen durch Externe von der Arbeitsgruppe als erforderlich erachtet worden. Die Ergebnisse des Gremiums sollen über das weitere Vorgehen entscheiden. Zu einem ersten Zwischenabgleich will sich die Arbeitsgruppe Anfang März wieder treffen, heißt es weiter.

Hier finden Sie alle 188 Unternehmen, die das Resolutionsschreiben unterzeichnet haben (Stand 27. Januar)

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Kommentare (62)
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  •   soebbs
    (369 Beiträge)

    29.01.2012 01:23
    Landrat
    Schnaudigel ist für alles was Geld kostet und CDU freundlich ist. Landrat Schnaudigel kümmert sich nie um Folgekosten und Folgeprobleme.
    2. Brücke, toll. Kostet geld super, haben wir ja genügend.
    Hauptsache gebaut, um denRest müssen sich andere kümmern.
    Landrat Dr. Schnaudigel ist unfähig.
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  • 0
    unbekannt
    (139 Beiträge)

    28.01.2012 22:36
    Just-in-time mit der Güterstraßenbahn
    in Dresden funktioniert dies hervorragend zum VW-Werk für den Phaeton. Von Gaggenau werden täglich Getriebe, Achsen u.a. für den Bau von 400 Lkw/t über die innerstädtischen Straßen von KA nach Wörth transportiert. Von Kuppenheim kommen Blechpreßteile auf dem gleichen Weg nach Wörth. Von Rastatt weitere Teile. KA hat nichts davon, nur kaputte Straße, Lärm, Gestank und Erschütterungen. Keinen EuroCt. Gewerbesteuer! LuSchwa und Wellenreuther denken hierüber nicht nach, zumindest nicht im Sinne der Bürger von KA. Schnaudigel, Brechtel und Seiter ist es egal, es betrifft ja nicht 'ihre' Bürger. Weshalb werden diese Bauteile nicht wie in Dresden intelligent, nach Fahrplan und ohne Stau mit einer Güterstraßenbahn transportiert. Die Gleise sind weitgehend vorhanden, Kapazitäten auch und Daimler gibt sich doch gerne als innovativer und umweltbewußter Konzern. Welch eine Möglichkeit der positiven Selbstdarstellung! Daimler sollte sie nicht verpassen und KA und das Land sollten sie einfordern.
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  • 0
    unbekannt
    (1 Beiträge)

    28.01.2012 23:17
    Ka hat nichts davon?
    Da muss ich wiedersprechen: KA hat sehr wohl was davon, nämlich die Kaufkraft der Menschen, die in diesem Werk arbeiten. Wo sollen sie sonst das Verdiente ausgeben? In der Südpfalz eher nicht, da das Angebot beschränkt ist.
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  • 0
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    29.01.2012 14:59
    Kirchturmdenken...
    ...in Reinform. Hoffentlich fährt kein Auswärtiger durch das Stadtgebiet und macht unsere heiligen Straßen kaputt...

    Aber daß man manches auf die Schienen verlegen könnte stimmt schon. Nur, ich denke die Konditionen der Deutschen Bahn sind wohl einer der Gründe warum das Firmen nicht längst schon machen.
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  • 0
    unbekannt
    (139 Beiträge)

    30.01.2012 21:06
    gerechtere Verteilung der Lasten wäre richtiger..
    Herr Seiter will keine Parallelbrücke, denn Wörth würden dann nicht von 20.000 Fzg/t entlastet, lieber ein Mineralwasserw mit gigantischem Ausstoß, Jockgrim will die Brücke, weill das neue Industriegebiet damit optimal an die badische Seite angeschlossen und die eigene Bevölkerung geschützt wird, Schnaudigel/die Bürgermeister im Landkreis wollen auf keinen Fall eine Belastung im LdKrs (z.B. Demel aus Stutensee: Zustimmung zur Ausweitung der Kiesförderung nur, wenn keine Verkehrsbelastungen auf die Gemeinde zukommt). Alle Genannten und die Ungenannten Fürsten in der Region nehmen die Interessen Ihrer Klientel wahr, sind sich einig, alle Belastungen nach Karlsruhe zu schieben und reden dann gerne wie Du von Kirchturmdenken der Karlsruher. Die Karlsruher Bürger leiden aber schon heute, insbesondere im Westen der Stadt, entsetzlich unter der vorhandenen Verkehrsbelastung. Diese Belastung muss nicht innerhalt von KA entzerrt sondern in der gesamten Region neu geordnet/verteilt werden.
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  •   haku
    (3585 Beiträge)

    28.01.2012 21:37
    Davon träumen die Brückenbaubefürworter
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-77959.html
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  •   bergdoerfler
    (1515 Beiträge)

    28.01.2012 18:54
    baut doch überall Straßen, dann gibt es keine Staus mehr!
    Brücken werden abgerissen und dafür Tunnels gebaut. Man kan auch alle Straßen unter die Erde legen.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    28.01.2012 15:30
    im Gegenteil
    bei Schülern am Ende der Grundschulzeit ist es nachvollziehbar, wenn sie der Meinung sind, dass neue Straßen ganz sicher und unbedingt immer weniger Stau bedeuten.

    Bei der Trassenführung überdie der Gemeinderat abgestimmt hat und die er verworfen hat, dürfte es hingegen relativ wenig mehr als einen Grundschulabschluss brauchen um einzusehen, dass in diesem Fall die neue Brücke wenig hilfreich sein dürfte.
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  • 0
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    28.01.2012 15:41
    wenn das so ist...
    ...warum bringt dann keiner Alternativen ein?

    Z.B. Autobahnlückenschluß südlich von Karlsruhe, an der Messe vorbei - damit könnten denke ich die meisten leben...

    Aber die einzigen Alternativen die von den "Brückengegnern" eingebracht werden ist "Förderung des ÖPNV" - damit läßt sich aber keine Technologieregion erschließen.

    Richtig ist, daß die Bahnen in die Pfalz öfter fahren könnten. Falsch ist, daß dadurch Firmen wie Speditionen, Transportunternehmen, Industrie etc. ihre Ware in handliche 20kg Kisten abpacken und durch die Straba transportieren.

    Außerdem, schonmal daran gedacht daß es weniger Verkehr im Gesamten gibt, wenn die Leute nicht 10 km Umwege fahren müssen?
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    28.01.2012 19:57
    Stau entsteht nicht durch Last
    sondern durch Überlast. Der existierende Güterverkehr überlastet die bestehende Brücke noch lange nicht. Niemand hat also je gefordert, dass Güter mit der Straba befördert werden sollen oder hat den Güterverkehr auch nur vergessen. Die Überlast entsteht hingegen durch - laut Faktencheck - 500 Fahrzeuge in der Rush Hour. Das bedeutet übrigens auch, dass der Güterverkehr den Stau vermeiden kann, wenn er die Rush Hour vermeidet. Kann er aber wegen des Luxuses der Just-in-time-Produktion nicht.

    Aber wie Du schon sagst, gäbe es Lösungen, die Knielingen nicht in die Zange nehmen und Neureut nicht durch- und vom Zentrum abschneiden.

    Vielleicht ist ein Grundproblem, dass Stadt- und Landkreis letztenendes zumindest teilweise widerstreitende Interessen haben. Meines Erachtens gehört der Landkreis abgeschafft und die Gemeinden darin teilweise nach Karlsruhe eingemeindet oder anderen Landkreisen angeschlossen. Dann fände sich vielleicht auch eine gute Lösung für die Brücke.
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